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Scholary Paper (Seminar), 2002, 19 Pages
Author: Thorsten Mohr
Subject: History - World War I, Weimar Republic
Details
Institution/College: University Karlsruhe (TH) (Institut für Neuere und Neueste Geschichte)
Tags: Spaltung, Sozialdemokratie, Ersten, Weltkrieg, August, Gründungsparteitag, USPD, April, Proseminar, Ende, Parteien, Krisenjahre, Weimarer, Republik
Year: 2002
Pages: 19
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 11 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-40619-2
File size: 204 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Karlsruhe (TH)
Institut für neuere und neueste Geschichte
Proseminar Das Ende der Parteien.
Krisenjahre der Weimarer Republik 1928-1933
WS 2001 / 2002
Die Spaltung der deutschen Sozialdemokratie
im Ersten Weltkrieg
Vom 4. August 1914 bis zum Gründungsparteitag
der USPD im April 1917
von
Thorsten Mohr
3. Semester
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Hauptteil 2
2.1 Die Entstehungsgeschichte der Abstimmung am vierten August 2
2.2 Profilierung der innerparteilichen Opposition 5
2.3 Öffentliche Aktionen der Opposition 8
2.4 Die endgültige Spaltung der Fraktion und die Gründung der USPD 13
3. Schlußbetrachtung 15
4. Literaturverzeichnis 17
1. Einleitung
„Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche.“1 Dieser häufig zitierte Satz Kaiser Wilhelms II steht augenscheinlich für die Besiegelung des „Burgfriedens“ zwischen der Reichsregierung und den Parteien des deutschen Reichstages, insbesondere der Sozialdemokraten. Doch was sind die eigentlichen Gründe für den scheinbar so plötzlichen Kurswechsel der pazifistisch gesonnenen Sozialisten? Wie vollzog sich der innerparteiliche Streit, der diesem Tag folgte und in der Spaltung der Sozialdemokratie seinen Ausgang fand?
Der vierte August 1914 war das entscheidende Datum in der Geschichte der Sozialdemokratie des zwanzigsten Jahrhunderts. Denn der Tag, an dem die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages den Kriegskrediten einstimmig zustimmte, führte „(...) von einer Fundamentalopposition gegen Kapital und Staat zur Kooperation mit den herrschenden Klassen (...)“ und somit „zur offenen Spaltung der Arbeiterparteien mit unterschiedlichen Konzeptionen (...), die bis heute die Entwicklung der Arbeiterbewegung prägen.“2
Die Geschichte diskutiert dieses Ereignis äußerst kontrovers: Die Meinungen der Autoren, die dieses Thema bearbeiten, schwanken zwischen „‘Verrat‘ der Parteiführung“, die die Ideale der sozialistischen Internationale fallengelassen habe, bis hin zu der These, die Bewilligung der Kriegskredite „habe ‚der marxistischen, sozialistischen Tradition‘ entsprochen.“3 Beachtet werden muß dabei selbstverständlich die politische Gesinnung der Autoren selbst. Ein sozialistischer Autor betrachtet diesen Tag sicherlich aus einem anderen Blickwinkel als ein liberaler oder konservativer Autor.4 Trotz dieser Diskussionen kann man das Thema durchaus als hervorragend erforscht ansehen.
Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, einen möglichst objektiven Überblick über das Geschehen innerhalb der deutschen Sozialdemokratie zwischen dem vierten August 1914 und der Gründung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands im April 1917 zu geben. Dabei werden die Streitpunkte innerhalb der Partei und besonders innerhalb der Reichstagsfraktion erörtert. Auf einen Ausblick auf die Ereignisse der Novemberrevolution und die Politik in der jungen Weimarer Republik wird auf Grund des knapp bemessenen Rahmens dieser Proseminararbeit verzichtet. Allein die Ereignisse der knapp drei Jahre bis zur organisatorischen Trennung der Partei reichen aus, um weit mehr als eine solche Arbeit zu erstellen.
Die Literaturlage zum Thema Arbeiterbewegung ist exzellent, oder um es in Detlef Lehnerts Worten zu sagen: „Die Literatur (...) [zu diesem Thema] ist mittlerweile dermaßen angewachsen, daß exemplarische Hinweise keine (...) Orientierung mehr bieten können (...).“5
2. Hauptteil
2.1 Die Entstehungsgeschichte der Abstimmung am vierten August
Die Sozialdemokraten unterschätzten die Explosivität der Lage im Juli 1914 bei weitem. Viele verharrten seit der Bewältigung der zweiten Marokkokrise 1911 in einem „Optimismus“, der auf „Vertrauen in die Diplomatie“ basierte.6 Man lehnte sich, salopp formuliert, zurück und hoffte darauf, daß es schon gutgehen werde. Zwar war das wihelminische Reich ein Obrigkeitsstaat, in dem der Reichstag nur beschränkte Mitwirkungskompetenzen hatte, immerhin hatte er aber das Haushaltsrecht inne. Somit war die Stellung der Sozialdemokraten in der Frage der Kriegskreditbewilligung einer der entscheidenden Faktoren, die zum Krieg führen oder ihn abwenden, bzw. ihn zumindest erheblich erschweren konnten, zumal die SPD 1914 mit Abstand die stärkste Fraktion im Reichstag stellte.
Aus der historischen Tradition der sozialistischen Internationale heraus mußten die Sozialdemokraten den Krieg eigentlich bekämpfen oder zumindest zu verhindern versuchen. 7 Taktiken, wie im Falle eines drohenden Krieges konkret gehandelt werden sollte (Massenstreiks, parlamentarische Intervention, öffentliche Agitation, Aufstand), sind in dieser Resolution, auf Druck der deutschen Delegierten, allerdings nicht festgeschrieben worden.8
[....]
1 Wilhelm II vor dem Reichstag am 04. August 1914. Zitiert nach: Treue, Wolfgang: Die deutschen Parteien. Vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Frankfurt a.M., Berlin, Wien 1975. S. 102
2 Butterwe gge, Christoph; Hofschen, Heinz-Gerd: Sozialdemokratie, Krieg und Frieden. Die Stellung der SPD zur Friedensfrage von den Anfängen bis zur Gegenwart. Eine kommentierte Dokumentation. Heilbronn 1984. S. 91
3 Miller, Susanne: Burgfrieden und Klassenkampf. Die deutsche Sozialdemokratie im Ersten Weltkrieg. Düsseldorf 1974. S. 31. S. dazu auch Butterwegge; Hofschen: Sozialdemokratie, Krieg und Frieden. S. 94
4 s. dazu ebenfalls Butterwegge; Hofschen: Sozialdemokratie, Krieg und Frieden. S. 94
5 Lehnert, Detlef: Sozialdemokratie und Novemberrevolution. Die Neuordnungsdebatte 1918/19 in der politischen Publizistik von SPD und USPD. Frankfurt a.M., New York 1983. S. 304
6 Miller: Burgfrieden. S. 36. Vgl. auch: Lehnert: Sozialdemokratie. S. 23
7 s. dazu die Friedensresolution des Internationalen Sozialistenkongresses in Stuttgart 1907. In: Krause, Hartfrid: USPD. Zur Geschichte der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Frankfurt a.M., Köln 1975. S. 48
8 s. Miller: Burgfrieden. S. 34
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