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E. T. A. Hoffmanns "Klein Zaches genannt Zinnober" = Feenreich - Aufklärung - "Entzauberung": Verwandlungen der Wirklichkeit

Autor: Dr. phil. Ass. iur. M.A. Reiner Scheel
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

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Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2001
Seiten: 11
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 8  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 160 KB
Archivnummer: V42655
ISBN (E-Book): 978-3-638-40647-5
ISBN (Buch): 978-3-638-77269-3

Zusammenfassung / Abstract

Die Forschungsarbeit über das Feenreich, die Aufklärung und die „Entzauberung“ im Märchen „Klein Zaches genannt Zinnober“ entstand während des Sommersemesters 2001 im Rahmen eines Grundseminars zum Gesamtwerk E. T. A. Hoffmanns an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Die Untersuchung beginnt mit Charakterisierungen der Figuren aus dem Feenreich, der neben Bürgern und Künstlern dritten Personengruppe im Text. Wie die Fee Rosabelverde neben ihrer phantastischen eine bürgerliche Existenz als Stiftsfräulein führt, so agiert ihr Gegenspieler, der Magier Prosper Alpanus, in der konventionellen Rolle eines Arztes im Ruhestand. Ironisiert werden die Feengestalten durch die komischen Effekte ihrer Zaubereien. Einerseits bewirkt die Ironie die Verringerung der sozialen Distanz zu den Feenfiguren und damit deren gesellschaftliche Integration, andererseits wird hierdurch die Romantik selbst der Ironie preisgegeben. Als Hauptvertreter der per Edikt eingeführten Aufklärung (Ironie!) figuriert Professor Mosch Terpin, der für die Kooperation des absolutistischen Staats mit dem die Aufklärung wesentlich bestimmenden neuzeitlichen Rationalismus steht. Mit Terpin und anderen Intellektuellen werden Dünkel und Hochmut der Wissenschaft und deren Empfänglichkeit für eine Korrumpierung durch das politische Establishment entlarvt. Durch die Verwandlung der „verwahrloste(n) Missgeburt“ Klein Zaches in den einnehmenden Zinnober wird die Manipulierbarkeit der Masse auf die Leugnung der Magie durch die Aufklärung zurückgeführt. Mit der unverdienten Blitzkarriere Zinnobers wird zudem die Günstlingspolitik im System des aufgeklärten Absolutismus demaskiert. Die spätere Entzauberung der Titelfigur führt nicht zu einer strukturellen Veränderung der Gesellschaft von Kerepes. Durch Zaches’ posthume Rehabilitation und die fragwürdige Eheidylle von Candida und Balthasar wird nämlich ironisch-resignativ die Möglichkeit eines neuen Fall Zaches angedeutet.

Textauszug (computergeneriert)

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
- Germanistisches Seminar –
Grundseminar – Gesamtwerk eines Autors
Titel der Veranstaltung: E. T. A. Hoffmann

E. T. A. Hoffmanns "Klein Zaches genannt Zinnober" =
Feenreich - Aufklärung - "Entzauberung":
Verwandlungen der Wirklichkeit

von: Reiner Scheel

 


Gliederung

I. Vorwort 3

II. Hauptteil 3

A. Feenreich 3

1. Rosabelverde 3
2. Prosper Alpanus 4
3. Ironisierung der Feengestalten 5

B. Aufklärung: Ihre Einführung 6

1. Mosch Terpin 6
2. Weitere Vertreter der Aufklärung 7

C. „Entzauberung“ – Verwandlungen der Wirklichkeit 7

1. Verzauberung von Klein Zaches und ihre Wirkungen 7
2. Entzauberung des Zinnober und deren Wirkungen 9

III. Nachwort 10

 


 

I. Vorwort

Das Thema der vorliegenden Arbeit ist identisch mit dem Thema des ebenfalls vom Bearbeiter gehaltenen Referats vom 5. und 12.06.2001. Naturgemäß ist die Hausarbeit umfangreicher ausgefallen; die Schwerpunkte sind jedoch im wesentlichen gleich gewichtet worden. Bei beiden Prüfungsteilen wurden dieselben Quellen verwendet; allerdings hat der Bearbeiter bei der Zitierung von Sekundärliteratur versucht, eine ideologische Überfrachtung der Arbeit zu vermeiden. Der Bearbeiter wünscht viel Vergnügen bei der Lektüre.

II. Hauptteil

Grundsätzlich ist das Feenreich in „Klein Zaches genannt Zinnober“ im dualistischen Gegensatz zur Realität konzipiert, was Prosper Alpanus so umschreibt, dass er „nach dem Urteil aller vernünftigen Leute (sei), die nur im Märchen auftreten (dürfe)“1. Der Dualismus zwischen rationalistischer und romantischer Weltanschauung in der nachaufklärerischen Phase2findet bei Hoffmann seine Entsprechung in der Behandlung des Typenpaares Bürger - Künstler3. Dabei steht der Bürger wie etwa Professor Mosch Terpin für wissenschaftlichen Rationalismus und gesellschaftlichen Pragmatismus, während der Künstler in Gestalt des Balthasar die Dimensionen von Poesie und Fantasie vertritt.

A. Feenreich

Im vorliegenden Märchen agieren als dritte Personengruppe Figuren aus einem imaginären Feenreich: Der Magier Prosper Alpanus unterstützt den „Künstler“ Balthasar bei dessen Brautwerbung, während die Fee Rosabelverde mit der Verwandlung des missratenen Klein Zaches in den politischen Karrieristen Zinnober und die hiermit korrespondierende Verwirrung des Bürgertums das eigentliche Movens der Handlung setzt.

1. Rosabelverde

Rosabelverde stammt ursprünglich aus dem Märchenreich Dschinnistan, wo sie „als das hoffnungsvollste Mädchen“4 galt. Sie ist nicht nur im Feenreich heimisch, sondern hat auch als Stiftsfräulein von Rosenschön eine bürgerliche Existenz. 5 Der Erzähler schildert ihre Erscheinung mit durchgehend positiven Attributen: Sie ist groß, selbstsicher und hat einen huldvollen Blick;6 trotz eines mutmaßlich sehr hohen Alters scheint nach Erreichen vollendeter Schönheit der Alterungsprozess selbst unterbrochen worden zu sein, so dass sie ewige Jugend und Schönheit ausstrahlt7. Ihre Affinität zur Flora und vor allem ihre Fähigkeit zur Kommunikation mit Bäumen, Bächen oder Vögeln8 indizieren ebenso ihre Feengabe wie gewisse, mit dem Kausalitätsgesetz nicht zu vereinbarende Fähigkeiten wie etwa das Ungenießbarmachen von Milch durch bloßes Niesen9 oder auch die im Duell mit Prosper Alpanus stattfindenden Metamorphosen zu einem Trauermantel, einem Mäuschen oder einem Kolibri10. Dagegen sind gelegentlich Rheumatismus 11 und die Vorliebe für Kaffee12 Merkmale ihres zweiten, des menschlichen Antlitzes.

2. Prosper Alpanus

[...]


1 S. 86, Z. 34 f.

2 Vgl. Heinz Puknus, „ Dualismus und versuchte Versöhnung – Hoffmanns zwei Welten vom ‚Goldenen Topf‘ bis ‚Meister Floh“ in: Arnold, Heinz Ludwig (Hrsg.): E. T. A. Hoffmann, München 1992, S. 53.

3 Vgl. Puknus S. 57.

4 S. 77, Z. 24.

5 Vgl. S. 14, Z. 2 f.

6 Vgl. S. 11, Z. 4 ff.

7 Vgl. S. 11, Z. 16 ff.

8 Vgl. S. 11, Z. 33 ff.

9 Vgl. S. 12, Z. 35 ff.

10 Vgl. S. 76, Z. 16 ff.

11 Vgl. S. 75, Z. 3.

12 Vgl. S. 75, Z. 6 ff.

Kommentare

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