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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 29 Pages
Author: Angelina Kalden
Subject: Romance Languages - French Linguistics
Details
Institution/College: Technical University of Berlin
Tags: Bernard, Bovier, Fontenelle, Entretiens, Sprachauffassungen, Jahrhundert
Year: 2004
Pages: 29
Grade: 2
Bibliography: ~ 17 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-40654-3
ISBN (Book): 978-3-638-65678-8
File size: 514 KB
Gut strukturierte Arbeit mit klarem Ziel, gut ausgewählte Zitate
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Abstract
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Entretiens sur la pluralité des mondes von Bernard le Bovier de Fontenelle. Darin schildert ein anonymer Fachmann, den man als Fontenelle identifizieren kann, seinem philosophischen Freund durch einen Brief, wie er die Marquise von G… in die Astronomie eingeführt hat und stellt ihre Spekulationen über mögliche Mond- und Planetenbewohner dar. Fontenelle ist in die Zeit des auf dem Verstand beruhenden Rationalismus und des auf sinnliche Wahrnehmung konzentrierten Sensualismus einzuordnen. Kerstin Störl bezeichnet die Epoche der Textentstehung als Differenzierung innerhalb des Rationalismus und weist diesem rationalistischen Text eine teilweise sensualistische Prägung zu (vgl. Störl, 2004: 4). Die jeweils philosophischen Einflüsse auf den Text sollen hier aufgezeigt werden. Wichtig ist, dass Fontenelle mit den Entretiens zwei zu der Zeit unvereinbare Zielgruppen ansprechen wollte, die gens du monde und die savants. Deshalb werde ich der Frage nachgehen, wie sich diese Intention auf die gesamte Textgestaltung auswirkt. In der Zeit von 1700 bis 1800 stieg die Bedeutung von Literatur und Philosophie in Europa . Diese Zeit wird auch als der Wandel in der Geschichte des menschlichen Denkens bezeichnet. Das Wissen und die Sprache gehörten im klassischen Zeitalter zusammen (vgl. Mortureux, 1989: 106). Rationalistisch gesehen repräsentiert die Sprache das Denken, wie das Denken sich selbst repräsentiert. Die Auffassungen werden anhand René Descartes Regeln in 2.2 deutlich. Die Sensualisten nahmen an, dass jeder Denkprozess auf die menschliche Sinneswahrnehmung zurückgehe. Das Verhältnis von Sprache und Denken soll hier untersucht werden. Fontenelles Auffassung diesbezüglich dürfte in seiner Wissensvermittlung (s. 4) am deutlichsten werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt stellt die Wahl einer Frau als Gesprächspartnerin dar, weil Frauen sich allgemein nicht so leicht für wissenschaftliche Gegebenheiten interessieren. Sie ist im Rahmen eines wissenschaftlichen Gesprächs über die Astronomie sozial bedeutend und aus der heutigen Sicht literatursoziologisch für das 18. Jahrhundert typisch (vgl. Kalverkämper, 1989: 33). Dabei interessiert mich, wie die Frau als Laie dargestellt wird, wie sie denkt und sich im Verlauf der Gespräche entwickelt. Im Kapitel zur Wissensvermittlung, das hauptsächlich auf Fontenelles Vorgehen abzielt, werde ich auch auf das Verhältnis zwischen Laie und Fachmann eingehen.
Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Berlin
Fakultät 1, Romanistische Linguistik
HS: Sprachauffassungen im 17. und 18. Jahrhundert
Bernard le Bovier de Fontenelle: Entretiens sur
la pluralité des mondes
von: Angelina Kalden
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3-4
2 Rationalismus und Sensualismus 4-5
2.1 Sensualistische Aspekte 5-7
2.2 Descartes Einfluss auf die Entretiens 7-9
3 Die Zielgruppe: gens du monde und savants 10-13
3.1 Die Frau als Gesprächspartnerin 14-15
4 Die Art der Wissensvermittlung 16-16
4.1 Rhetorischen Fragen und Informationsfragen 16-18
4.2 Verhältnis zwischen Fachmann und Laie 18-21
4.3 Fachwörter 21-23
4.4 Vergleiche 23-27
5 Abschlussbetrachtungen 27-28
Literaturverzeichnis 28-29
Primärliteratur 28
Sekundärliteratur 28-29
1 Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Entretiens sur la pluralité des mondes von Bernard le Bovier de Fontenelle. Darin schildert ein anonymer Fachmann, den man als Fontenelle identifizieren kann, seinem philosophischen Freund durch einen Brief, wie er die Marquise von G… in die Astronomie eingeführt hat und stellt ihre Spekulationen über mögliche Mond- und Planetenbewohner dar. Fontenelle ist in die Zeit des auf dem Verstand beruhenden Rationalismus und des auf sinnliche Wahrnehmung konzentrierten Sensualismus einzuordnen. Kerstin Störl bezeichnet die Epoche der Textentstehung als Differenzierung innerhalb des Rationalismus und weist diesem rationalistischen Text eine teilweise sensualistische Prägung zu (vgl. Störl, 2004: 4). Die jeweils philosophischen Einflüsse auf den Text sollen hier aufgezeigt werden. Wichtig ist, dass Fontenelle mit den Entretiens zwei zu der Zeit unvereinbare Zielgruppen ansprechen wollte, die gens du monde und die savants. Deshalb werde ich der Frage nachgehen, wie sich diese Intention auf die gesamte Textgestaltung auswirkt.
In der Zeit von 1700 bis 1800 stieg die Bedeutung von Literatur und Philosophie in Europa1. Diese Zeit wird auch als der Wandel in der Geschichte des menschlichen Denkens bezeichnet. Das Wissen und die Sprache gehörten im klassischen Zeitalter zusammen (vgl. Mortureux, 1989: 106). Rationalistisch gesehen repräsentiert die Sprache das Denken, wie das Denken sich selbst repräsentiert. Die Auffassungen werden anhand René Descartes Regeln in 2.2 deutlich. Die Sensualisten nahmen an, dass jeder Denkprozess auf die menschliche Sinneswahrnehmung zurückgehe. Das Verhältnis von Sprache und Denken soll hier untersucht werden. Fontenelles Auffassung diesbezüglich dürfte in seiner Wissensvermittlung (s. 4) am deutlichsten werden, auf die ich ebenfalls eingehen werde.
Ein weiterer wichtiger Aspekt stellt die Wahl einer Frau als Gesprächspartnerin dar, weil Frauen sich allgemein nicht so leicht für wissenschaftliche Gegebenheiten interessieren. Sie ist im Rahmen eines wissenschaftlichen Gesprächs über die Astronomie sozial bedeutend und aus der heutigen Sicht literatursoziologisch für das 18. Jahrhundert typisch (vgl. Kalverkämper, 1989: 33). Dabei interessiert mich, wie die Frau als Laie dargestellt wird, wie sie denkt und sich im Verlauf der Gespräche entwickelt. Im Kapitel zur Wissensvermittlung, das hauptsächlich auf Fontenelles Vorgehen abzielt, werde ich auch auf das Verhältnis zwischen Laie und Fachmann eingehen.
2 Rationalismus und Sensualismus
Die philosophische Richtung des Rationalismus2 geht zurück auf das Schaffen René Descartes. Descartes war im 17. Jahrhundert der erste moderne Rationalist und gehörte zu der weiter entwickelten Philosophie. Er gab sich mit den Erkenntnissen des Mittelalters nicht zufrieden und suchte nach neuen Wegen zur Erkenntnisfindung. Während er das Spekulieren ablehnte, wurde das Zweifeln zu seinem wichtigsten Instrument, indem er begann nach unanzweifelbaren Wahrheiten zu forschen. Zu diesem Zweck nahm er an, dass wenn sein Leben der Traum eines Dämon sei, die Frage aufkäme, wessen er sich dann noch sicher sein könne. Er kam zu der Ansicht, dass nur sicher wäre, dass er dachte, da das Zweifeln eine Art des Denkens ist. Daraus folgerte er, dass er existieren musste, da irgendjemand den Prozess des Denkens ausführen musste. Das führte ihn zu dem Schluss: „Ich denke, also bin ich...“. Dieser Satz ermöglichte ihm ein neues philosophisches Modell aufzustellen. Er veranschaulichte seine Auffassungen von Wissenschaft und Philosophie anhand der Geometrie. Der Rationalismus fordert als Mittel zur Erkenntnis streng begrifflich-logisches Denken und erkennt nur an, was beweisbar bzw. begreifbar ist. Laut ihm lassen sich die universellen Grundsätze einzig mit Hilfe des Verstandes erschließen und anschließend alle übrigen Fragen der Philosophie und Naturwissenschaften durch Deduktion, also Ableitung des Unbekannten über das Bekannte, beantworten. Descartes behauptete, dass Erkenntnisse nicht mit Hilfe der Sinneswahrnehmung, wie es die Sensualisten propagierten, zu erschließen wären. Der Rationalismus prägte wie der Sensualismus die Epoche der Aufklärung. John Locke entwickelte eine Philosophie3, die in ihren Grundlagen einen Gegenpol zum französischen Rationalismus darstellte. Beim so genannten Empirismus beruht alle Erkenntnis auf der Erfahrung. Ein wesentlicher Bestandteil des Empirismus ist der Sensualismus. Nach dieser Richtung nimmt man an, dass alle Erkenntnis auf die sinnliche Wahrnehmung zurückgeht. Demnach sind Erkenntnisse durch Erfahrungen und Beobachtungen zu gewinnen. Sensualistische Vertreter sind der Annahme, dass zwischen Denken und Wahrnehmen kein wesentlicher Unterschied besteht. Alle Resultate des Denkens lassen sich in Sinneswahrnehmungen auflösen, wonach Erkenntnis nur ein Produkt der Sinnesfunktionen ist. Viele Philosophen haben versucht aus Empirismus und Rationalismus eine Synthese zu ziehen, in der beide Vorgehensweisen Beachtung finden.
2.1 Sensualistische Aspekte
Man könnte Fontenelle als Philosophen betrachten, dessen Ziel die Synthese von Rationalismus und Sensualismus war, da er mit den Entretiens, wie bereits erwähnt, einen rationalistischen Text mit teils sensualistischer Prägung geschaffen hat. Diese Tendenz entfaltet sich in der eigentlichen Aufklärung voll. Mit der Frage, was an seinem Text alles rationalistisch ist, befasst sich der nächste Abschnitt. Dass hier sensualistische Aspekte berücksichtigt sind, wird schon im Vorwort deutlich: «[C]′est seulement ne point lire, sans se représenter nettement ce qu′on lit.» (11). Die Wahrnehmung und die Vorstellung finden sich in der Erkenntnistheorie. So legt der anonyme Fachmann im Text großen Wert darauf, dass die Marquise sich alles Vermittelte auch vergegenwärtigen kann. Für Fontenelle ist nach Denis Lopez (1989) nicht eine bestimmte Fähigkeit für das Verständnis wichtig, sondern Motivation und die Vorstellung von etwas und über das Vorstellen gelangt man zum Verständnis (vgl. 125), wie in den folgenden Zitaten deutlich wird:
[...]
1 Vgl. http://www.studentshelp.de/p/referate/02/1719.htm (20.6.2004).
2 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Rationalismus (20.6.2004) und http://www.philolex.de/ratio.htm (20.6.2004) , http://www.gymnasium-meschede.de/projekte/projekt12-02/deutsch/erleuchtung _durch_philosophie.htm (20.6.2004) und http://www.philolex.de/ratio.htm (20.6.2004).
3 Vgl. http://www.gymnasium-meschede.de/projekte/projekt12-02/deutsch/erleuchtung_durch_ philosophie.htm (20.6.2004) und http://www.hausarbeiten.de/rd/faecher/vorschau/17838. html (20.6.2004).
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