Einführung in das pädagogische Konzept der Glocksee-Schule close

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Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2003
Seiten: 21
Note: 2
Literaturverzeichnis: ~ 8  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 209 KB
Archivnummer: V42739
ISBN (E-Book): 978-3-638-40705-2
ISBN (Buch): 978-3-638-76320-2
Anmerkungen :
In der folgenden Arbeit werde ich versuchen, die wesentlichen Merkmale der Glocksee-Pädagogik und ihrer praktischen Umsetzung zu beschreiben. Mir geht es hierbei in erster Linie darum, eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten und Aussagen zu erfassen, da eine ausschöpfende Bearbeitung des Themas wohl den Rahmen einer Seminar-Hausarbeit sprengen würde. Es geht also vielmehr darum, eine allgemeine Einführung in das Thema Glocksee-Schule zu finden, welche die Entstehungsphase, die Kernprinzipien

Zusammenfassung / Abstract

In der folgenden Arbeit werde ich versuchen, die wesentlichen Merkmale der Glocksee-Pädagogik und ihrer praktischen Umsetzung zu beschreiben. Mir geht es hierbei in erster Linie darum, eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten und Aussagen zu erfassen, da eine ausschöpfende Bearbeitung des Themas wohl den Rahmen einer Seminar-Hausarbeit sprengen würde. Es geht also vielmehr darum, eine allgemeine Einführung in das Thema Glocksee-Schule zu finden, welche die Entstehungsphase, die Kernprinzipien und die praktische Umsetzung beschreiben soll. Das Interesse am Thema Glocksee-Schule hat zwei Beweggründe: Zum einen interessiert mich als ehemaliger Schüler das theoretische Konzept dieser Schule einmal aus wissenschaftlicher Perspektive zu betrachten. Zum anderen ist das Thema Glocksee-Schule aber auch gerade wegen der andauernden PISA Diskussion von besonderer Bedeutung, wie ich finde. Denn gerade im Bezug auf mögliche Lösungskonzepte zur PISA Problematik könnte der Blick in Richtung alternative Pädagogik wieder eine wichtige Bedeutung gewinnen. Was in der vorliegenden Arbeit deutlich werden wird ist, dass die Glocksee-Schule in der Auseinandersetzung mit ihren Kritikern ihr radikales Konzept der antiautoritären Erziehung so modifiziert hat, dass die notwendige Anpassung an das Regelschulsystem trotzdem nicht zu einem totalen Bruch mit der Grundidee geführt hat. So gelten die Prinzipien der Selbstregulierung und des exemplarischen Lernens noch heute als wichtige Prinzipien der Glocksee-Pädagogik, wenngleich sie nicht mehr so verstanden werden wie in der Anfangsphase der Siebziger Jahre. In einem Schlusskommentar werde ich dann versuchen, meine persönlichen Erfahrungen mit dem Konzept der Glocksee-Pädagogik zu vergleichen und eine Bewertung des Glocksee-Ansatzes vorzunehmen.

Textauszug (computergeneriert)

 

UNIVERSITÄT HANNOVER
Fachbereich Erziehungswissenschaften

Seminar:
Theorie der Schule / SoSe 2003

Einführung in das pädagogische Konzept der Glocksee-Schule

Hausarbeit
von

Raoul Festante
 

 

 

Inhaltsverzeichnis:


1. Einleitung   ....S. 3

2. Planungs- und Gründungsphase   .... S. 4

3. Das Konzept der Glocksee-Schule   .... S. 6

3.1 Marxistische Ansätze   ....S. 6
3.2 Selbstregulierung   ....S. 7
3.3 Exemplarisches Lernen   ....S. 9
3.4 Revision des ursprünglichen Konzeptes   ....S. 9

4. Ein Blick in die Praxis: Tagesablauf Phasen des Unterrichtes   ....S. 12

4.1 Zeiten der Übergänge   ....S. 13
4.2 Angebote   ....S. 14
4.3 Festgelegte Arbeitsphasen   ....S. 14
4.4 Projekte   ....S. 15

5. Glocksee-Schule und Pisa Studie   ....S. 17

6. Schluß   ....S. 19

Literaturverzeichnis   ....S. 21

 

 

1. Einleitung

n der folgenden Arbeit werde ich versuchen, die wesentlichen Merkmale der Glocksee-Pädagogik und ihrer praktischen Umsetzung zu beschreiben. Mir geht es hierbei in erster Linie darum, eine Zusammenfassung der wichtigsten Fakten und Aussagen zu erfassen, da eine ausschöpfende Bearbeitung des Themas wohl den Rahmen einer Seminar-Hausarbeit sprengen würde. Es geht also vielmehr darum, eine allgemeine Einführung in das Thema Glocksee-Schule zu finden, welche die Entstehungsphase, die Kernprinzipien und die praktische Umsetzung beschreiben soll. Das Interesse am Thema Glocksee-Schule hat zwei Beweggründe: Zum einen interessiert mich als ehemaliger Schüler das theoretische Konzept dieser Schule einmal aus wissenschaftlicher Perspektive zu betrachten. Zum anderen ist das Thema Glocksee-Schule aber auch gerade wegen der andauernden PISA Diskussion von besonderer Bedeutung, wie ich finde. Denn gerade im Bezug auf mögliche Lösungskonzepte zur PISA Problematik könnte der Blick in Richtung alternative Pädagogik wieder eine wichtige Bedeutung gewinnen.

Was in der vorliegenden Arbeit deutlich werden wird ist, dass die Glocksee-Schule in der Auseinandersetzung mit ihren Kritikern ihr radikales Konzept der antiautoritären Erziehung so modifiziert hat, dass die notwendige Anpassung an das Regelschulsystem trotzdem nicht zu einem totalen Bruch mit der Grundidee geführt hat. So gelten die Prinzipien der Selbstregulierung und des exemplarischen Lernens noch heute als wichtige Prinzipien der Glocksee-Pädagogik, wenngleich sie nicht mehr so verstanden werden wie in der Anfangsphase der Siebziger Jahre.

In einem Schlusskommentar werde ich dann versuchen, meine persönlichen Erfahrungen mit dem Konzept der Glocksee-Pädagogik zu vergleichen und eine Bewertung des Glocksee-Ansatzes vorzunehmen.

2. Planungs- und Gründungsphase

Die Idee der Glocksee-Schule wurde ursprünglich 1971 formuliert, als sich Eltern, Lehrer und Wissenschaftler angeregt durch die so genannte „Kinderladenbewegung“1 entschlossen, eine Schulform zu konzipieren, welche den Übergang der Kinderladen-Kinder in eine Schulform mit gleicher Ausrichtung ermöglichen sollte. Angeregt durch die politische Umbruch - Stimmung der Sechziger Jahre ( Vietnamkrieg, Studentenbewegung etc.) entstand das antiautoritäre Erziehungskonzept als Gegenbewegung zu der repressiven bürgerlichen Erziehung der Vor- und Nachkriegszeit2. A.S. Neills Buch "Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung - Das Beispiel Summerhill" erlebte in dieser Zeit einen sensationellen Erfolg und gilt bis heute gleichermaßen als ein Standardwerk zum Thema antiautoritäre Erziehung. Mit Schuljahresbeginn 1972/73 begannen die Mitglieder der Initiativgruppe Glocksee-Schule, zu der auch Oskar Negt als wissenschaftlicher Begleiter gehörte, zunächst in Räumlichkeiten der Grund- und Hauptschule Suthwiesenstraße einzuziehen, bevor die Klassen 1. bis 3. mit insgesamt 64 Kindern und sechs Lehrern in das Gebäude an der Glockseestrasse umziehen sollten. Ab 1974/75 wurde die Glocksee-Schule um die Klassen 5 und 6 und schließlich ab 1984 bis zur Zehnten Klasse erweitert. Ihr Einzugsbereich erstreckte sich seit der Begründung auf die ganze Stadt. Die Schule wurde allerdings nur unter der Vorraussetzung genehmigt, dass die soziale Zusammensetzung ihrer Eltern- und Schülerschaft der Hauptschule Suthwiesenschule entsprechen sollte. So sollte ein Verhältnis von 50 % Arbeiterkindern und 50 % Mittelschichtkinder auf der Glocksee-Schule vertreten sein3.

Ein wichtiges Kriterium für die Aufnahme an der Glockesee-Schule war und ist auch heute immer noch die Möglichkeit der Eltern zur Mitarbeit bzw. Einbringung der eigenen Interessen, Fähigkeiten und Erfahrungen in den Schulalltag. So wurden bereits in der Frühphase der Glocksee-Schule Eltern aktiv in die Renovierungsarbeiten der Klassenräume mit einbezogen oder organisierten das regelmäßige Kochen für die Schülerinnen. Eine aktive Teilnahme der Eltern erstreckte sich aber nicht nur auf den schulischen Bereich, sondern sollte konsequenterweise auch in gleichem erzieherischen Verhalten zu Hause praktiziert werden.

Bereits 1979 wurde jedoch deutlich, dass genau dieses erwartete Engagement der Eltern eher dem Bildungsideal der Mittelschichteltern und deren pädagogischen Vorstellungen entsprach als dass bei den Eltern der Unterschicht der Fall war.

[...]


1 Vgl. Borchert, Manfred: Schulen, die ganz anders sind. Fischer Verlag, Bonn 1979, S. 41-62, hier: S. 41.

2 Vgl. Borchert, Manfred: a.a.O., S. 41-62, hier: S. 41.

3 Vgl. Kemper, Herwart: Wie alternativ sind alternative Schulen?. Deutscher Studien Verlag, Weinheim 1993, S. 29-44, hier: S. 29.

 

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