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Termpaper, 2005, 23 Pages
Author: Florian Sasse
Subject: Pedagogy - History of Pedagogy
Details
Tags: Mittelalterliche, Erziehung, Schwerpunkt, Erziehung
Year: 2005
Pages: 23
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 21 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-40736-6
ISBN (Book): 978-3-638-65565-1
File size: 435 KB
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Abstract
Die Epoche des Mittelalters erfreut sich zunehmender Beliebtheit, gerade bei der jüngeren Generation. So fällt auf, dass die Medien, hier ganz besonders die Filmindustrie, aber auch interaktive Medien wie Computer- und Videospiele, diese Epoche der Geschichte vermehrt aufgreifen und reichlich ausgeschmückt gerade dem jüngeren Publikum präsentieren. Die Figur des Ritters übt nach wie vor eine große Faszination aus. Weniger stehen hier natürlich die korrekten historischen Ereignisse und Fakten im Vordergrund, als vielmehr der Mythos des tapferen und heldenhaften Kriegers, der vor allem durch sein Kampfgeschick, aber auch durch tadellose Haltung und tugendhafte Lebensweise glänzt. Beachtlich ist in jedem Fall, dass das Interesse an diesem Mythos vom Rittertum, nicht abzunehmen scheint. Daher verdient diese Epoche nach wie vor erhöhte Aufmerksamkeit, eben um auch die historischen Tatsachen nicht hinter den fiktiven Vorstellungen Hollywoods verschwinden zu lassen. Eher weniger bekannt ist das gesamte Feld der Erziehung von Kindern und Jugendlichen im Mittelalter. Ganz besonders schwierig ist es, spezifische Literatur über die Erziehung zum Ritter zu finden. Eindeutige Daten und aufschlussreiche Zeitzeugenberichte sind in der Literatur schwer bis kaum zu finden. Dagegen besteht die mittelalterliche Dichtung nahezu nur aus heldenhaften Rittergeschichten, die aber vom Wahrheitsgehalt eher einem fiktiven Roman ähneln. Trotzdem soll in dieser Arbeit herausgestellt werden, ob es Erziehung im Mittelalter gab, in dem Sinne wie wir Erziehung heute verstehen, was diese gegebenenfalls ausmachte und welche Ziele sie verfolgte. Von allgemeinen Dingen über die Erziehung im Mittelalter, der Erziehung der Bauernkinder und der Erziehung der Kinder in der Stadt, führt die Arbeit schließlich zur ritterlichen Erziehung. Hier soll die Erziehung eines zum Ritter vorgesehenen Jungen beleuchtet werden, wobei nicht nur die allseits bekannte körperliche Schulung Beachtung findet, sondern vielmehr auch die Vermittlung der berühmten ritterlichen Werte und Tugenden. So soll abschließend dann der Frage nachgegangen werden, ob Ritterlichkeit auch heute noch existiert und in wie weit sie heute noch Erziehung beeinflusst.
Excerpt (computer-generated)
Mittelalterliche Erziehung mit
Schwerpunkt ritterliche Erziehung
von: Florian Sasse
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung in die Thematik
2 Die Epoche des Mittelalters
3 Allgemeines zur Erziehung im Mittelalter
3.1 Die Erziehung auf dem Lande
3.2 Die Erziehung in der Stadt
4 Die ritterliche Erziehung
4.1 Das Rittertum
4.2 Das ´kint´
4.3 Vom Pagen zum Knappen
4.4 Das Ziel der Erziehung: Die Ritterwürde
4.5 Tugenden und Werte – die Ritterlichkeit
4.6 Bedeutung und Einfluss der Religion
4.6.1 Die Kreuzritter
4.6.2 Versagen der Ritterlichkeit bei den Kreuzzügen
5 Gibt es heute noch Ritterlichkeit?
6 Literaturverzeichnis
1 Einleitung in die Thematik
Die Epoche des Mittelalters erfreut sich zunehmender Beliebtheit, gerade bei der jüngeren Generation. So fällt auf, dass die Medien, hier ganz besonders die Filmindustrie,1 aber auch interaktive Medien wie Computer- und Videospiele, diese Epoche der Geschichte vermehrt aufgreifen und reichlich ausgeschmückt gerade dem jüngeren Publikum präsentieren. Die Figur des Ritters übt nach wie vor eine große Faszination aus. Weniger stehen hier natürlich die korrekten historischen Ereignisse und Fakten im Vordergrund, als vielmehr der Mythos des tapferen und heldenhaften Kriegers, der vor allem durch sein Kampfgeschick, aber auch durch tadellose Haltung und tugendhafte Lebensweise glänzt. Beachtlich ist in jedem Fall, dass das Interesse an diesem Mythos vom Rittertum, nicht abzunehmen scheint. Daher verdient diese Epoche nach wie vor erhöhte Aufmerksamkeit, eben um auch die historischen Tatsachen nicht hinter den fiktiven Vorstellungen Hollywoods verschwinden zu lassen. Eher weniger bekannt ist das gesamte Feld der Erziehung von Kindern und Jugendlichen im Mittelalter. Ganz besonders schwierig ist es, spezifische Literatur über die Erziehung zum Ritter zu finden. Eindeutige Daten und aufschlussreiche Zeitzeugenberichte sind in der Literatur schwer bis kaum zu finden. Dagegen besteht die mittelalterliche Dichtung nahezu nur aus heldenhaften Rittergeschichten, die aber vom Wahrheitsgehalt eher einem fiktiven Roman ähneln. Trotzdem soll in dieser Arbeit herausgestellt werden, ob es Erziehung im Mittelalter gab, in dem Sinne wie wir Erziehung heute verstehen, was diese gegebenenfalls ausmachte und welche Ziele sie verfolgte. Von allgemeinen Dingen über die Erziehung im Mittelalter, der Erziehung der Bauernkinder und der Erziehung der Kinder in der Stadt führt die Arbeit schließlich zur ritterlichen Erziehung. Hier soll die Erziehung eines zum Ritter vorgesehenen Jungen beleuchtet werden, wobei nicht nur die allseits bekannte körperliche Schulung Beachtung findet, sondern vielmehr auch die Vermittlung der berühmten ritterlichen Werte und Tugenden. So soll abschließend dann der Frage nachgegangen werden, ob Ritterlichkeit auch heute noch existiert und in wie weit sie heute noch Erziehung beeinflusst.
2 Die Epoche des Mittelalters
Das Mittelalter ist in die Zeit von der Mitte des 6. Jahrhunderts bis ca. 1500 einzuordnen. Unterschieden wird dann allerdings in das Frühmittelalter (Mitte 6. Jahrhundert bis Anfang 11. Jahrhundert), das Hochmittelalter (Anfang 11. Jahrhundert bis ca. 1250) und zuletzt das Spätmittelalter (ca. 1250 bis ca. 1500). Die Blüte des Rittertums ist eindeutig im Hochmittelalter zu finden, in der darauf folgenden Ze it wird zwar immer wieder versucht dieses wieder zu beleben, jedoch ohne Erfolg. Zur Betrachtung der ritterlichen Erziehung im Mittelalter ist also gerade die Zeit des Hochmittelalters von großer Bedeutung. Nur hier kann das als wahres Rittertum verstandene Phänomen betrachtet werden, wie sich später herausstellen wird. Geographisch ist hier die Eingrenzung Mitteleuropas zu treffen, da gerade in Deutschland, England und Frankreich das Rittertum entstand und sich von hier aus in viele weitere Länder verbreit ete. Das japanische Rittertum in Form der Samurai wird in dieser Hausarbeit gänzlich ausgelassen, auch wenn einige Wesenszüge dem europäischen Rittertum durchaus entsprechen.
3 Allgemeines zur Erziehung im Mittelalter
Die Einteilung der Kindheit in verschiedene Phasen ist uns bekannt.2 Schon im Mittelalter unterschieden Autoren von wissenschaftlichen Abhandlungen die verschiedenen Lebensabschnitte im Leben eines Menschen. Hier waren drei Phasen geläufig, die sich in nahezu allen Schriften wieder finden lassen. Man unterschied in ´infantia´, der frühen Kindheit, die von der Geburt bis zum siebten Lebensjahr dauerte, die ´pueritia´, die von sieben bis vierzehn Jahren bei den Jungen dauerte, bei den Mädchen allerdings nur bis zum zwölften Lebensjahr, und zuletzt die ´adolescentia´, die daran anschloss und bis zum Erwachsenenalter ging.3 Das Alter, ab dem ein Mensch als Erwachsener galt war sehr flexibel gehalten. So gehen je nach Zeit oder Land die Angaben vom 19. bis erst zum 28. Lebensjahr auseinander. Die infantia galt als der Lebensabschnitt, in dem das Kind vollkommen hilflos und damit ganz allein auf die Eltern oder den Vormund angewiesen war. So ist heute bekannt, dass damals sogar die Kirche ausdrücklich darauf hinwies, die Eltern hätten sich gut um sie zu sorgen, da sie vor Gott und der Kirche die volle Verantwortung für das Wohl ihrer Kinder tragen müssten. In der Phase der pueritia galt das Kind schon als strafmündig, konnte also theoretisch das gleiche Strafmaß wie ein Erwachsener erwarten. Jedoch berichten zeitgemäße Dokumente, dass dies doch eher die Ausnahme war.4 In diesem Lebensabschnitt durfte das Kind selber entscheiden, ob es heiraten will. Genauso konnte es eine Ehe, die vor dem 14. Lebensjahr bei Jungen und dem zwölften Lebensjahr bei Mädchen geschlossen wurde, wieder annullieren, da diese erst ab diesem Alter als rechtmäßig galt. Es war wiederum die Kirche die die Eltern explizit dazu anwies, die Kinder in diesem Abschnitt zu erziehen, da hier die Gefahr zur Sünde am größten sei. Gerade Mädchen sollten so erzogen werden, dass sie die typisch negativen weiblichen Charakterzüge, wie „Schamlosigkeit, Jähzorn, Haß [!], Neid, Ungeduld, Mangel an Ausdauer, leichte Verführbarkeit, Bitterkeit und Launenhaftigkeit“5 nicht entwickelten. Im Abschnitt der adolescentia wurde erst zwischen Mädchen und Junge unterschieden, gerade was die Erziehung, aber auch Kleidung und Rechte anging. So war es Mädchen und Frauen untersagt eine Universität zu besuchen oder eine längere Berufsausbildung zu genießen. Sie durften ebenfalls kein kirchliches oder öffentliches Amt bekleiden, außer bei einer Erbschaft mit Herrschaftsbefugnissen. Sie heirateten wesentlich früher als Männer und übernahmen damit schnell und ohne Übergang die Rolle einer Ehefrau mit allen Pflichten und Abhängigkeiten. Sollte ein Mädchen Nonne werden, so wurde sie schon früh ins Kloster geschickt. Ab diesem Zeitpunkt wurden Jungen und Mädchen klar getrennte Rollen zugeschrieben.
3.1 Die Erziehung auf dem Lande
[...]
1 Hier wäre zum Beispiel der im Frühjahr 2005 erschienene Spielfilm „Königreich der Himmel“ von Ridley Scott zu nennen, der zur Zeit der Kreuzzüge spielt und vom Konflikt um Jerusalem zwischen Kreuzfahrern und Muslimen aber auch dem Konflikt zwischen den verschiedenen Parteien der Kreuzritter erzählt.
2 z.B.: Jean Piagets Einteilung der Entwicklung des Kindes in sechs Phasen.
3 Vgl. Shahar, S. 29 f.
4 Vgl. Shahar, S. 33 f.
5 Shahar, S. 35
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