Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Autor: Karlheinz Eichelmann
Fach: Wirtschaft - Volkswirtschaftslehre
Details
Tags: Analyse, Erdgasmarktes
Jahr: 2005
Seiten: 33
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 28 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 217 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-40781-6
ISBN (Buch): 978-3-638-84117-7
Zusammenfassung / Abstract
Der europäische und auch der deutsche Erdgasmarkt befinden sich derzeit in einer gewaltigen Umbruchsphase. Grund hierfür ist die von der Europäischen Union angestrebte schrittweise Liberalisierung des EU-Marktes. Diese soll, wie auch im Strommarkt, zu sinkenden Endverbraucherpreisen führen. Die in vielen europäischen Ländern noch vorherrschenden staatlichen oder privaten Monopole sollen in diesem Zuge verschwinden und wettbewerblicheren Strukturen weichen. Wie stark der Wettbewerb letztendlich ausfallen wird kann heute jedoch noch nicht abgeschätzt werden, da sich im Erdgasmarkt in letzter Zeit vielfältige Veränderungen in Form von Fusionen, Kapitalbeteiligungen und teils sinkenden Investmentkosten ergeben haben. Zudem herrscht derzeit noch ungenügender Wettbewerb im Transport von Erdgas in Deutschland. Der Grund hierfür sind die hohen Durchleitungspreise, die beim Benutzen von fremden Pipelines zu bezahlen sind. Vernünftige Durchleitungspreise sind aber ein essentieller Bestandteil der Deregulierung, wenn Wettbewerb entstehen soll. Die Entstehung von Wettbewerb oder das Bestehen bleiben des jetzigen Status hat Auswirkungen auf die ökonomischen Analysen, die in der Arbeit angesprochen werden. Es wird zunächst der grundsätzliche Aufbau der Erdgasindustrie aufgezeigt. Anschließend wird kurz auf den europäischen Markt eingegangen. Der Schwerpunkt ist danach die Darstellung der derzeitigen Struktur des deutschen Erdgasmarktes unter Einbeziehung der angestrebten Liberalisierungsschritte der Europäischen Union. Zuletzt wird auf die Investmentkosten eingegangen, die in der Erdgasindustrie getätigt werden müssen. Darauf aufbauend wird auf das hinter den hohen Investmentkosten stehende Hold-up Problem eingegangen. Danach wird erläutert, wie sich eine vertikale Integration nutzbringend für alle Marktteilnehmer auswirkt. Anschließend wird gezeigt, wie durch langfristige Verträge, die bei den bisher vorgestellten ökonomischen Modellen entstehenden Probleme gelöst werden können. Zum Abschluss wird ein ökonomisches Modell vorgestellt, welches untersucht wie sich die Gasproduzenten verhalten werden, falls auf der Nachfrageseite ausreichend großer Wettbewerb entsteht. Zum Abschluss werden die vorgestellten ökonomischen Modelle kritisch betrachtet und mit den Marktgegebenheiten zusammengeführt. Im letzten Kapitel werden die Ergebnisse nochmals zusammengefasst und ein kleiner Ausblick auf die zukünftige Erdgasindustrie gegeben.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Augsburg
Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre
Wirtschaftspolitik, insbesondere Industrieökonomik
Ökonomie der Informationsgesellschaft
Ökonomische Analyse des Erdgasmarktes
von: Karlheinz Eichelmann
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die Erdgasindustrie 2
2.1 Die westeuropäische Erdgasindustrie 2
2.2 Die deutsche Erdgasindustrie 3
2.3 Die Besonderheiten des Erdgasmarktes 6
3. Die ökonomischen Modelle 7
3.1 Das Hold-up Problem 7
3.2 Vertikale Integration 8
3.3 Take or Pay-Verträge 12
3.4 Wettbewerb auf der Produzentenseite 14
3.4.1 Das Referenzszenario 15
3.4.2 Erhöhung der Produzentenanzahl 17
4. Kritische Würdigung der Modelle und Anwendung auf die Erdgasbranche 19
4.1 Kritische Würdigung des Hold-up Problems 19
4.2 Kritische Würdigung der vertikalen Integration 21
4.3 Kritische Würdigung der Take or Pay-Verträge 22
4.4 Kritische Würdigung des Wettbewerbs auf der Produzentenseite 22
5. Resümee 24
Anhangsverzeichnis 25
Literaturverzeichnis 27
1. Einleitung
Der europäische und auch der deutsche Erdgasmarkt befinden sich derzeit in einer gewaltigen Umbruchsphase. Grund hierfür ist die von der Europäischen Union angestrebte schrittweise Liberalisierung des EU-Marktes. Diese soll, wie auch im Strommarkt, zu sinkenden Endverbraucherpreisen führen. Die in vielen europäischen Ländern noch vorherrschenden staatlichen oder privaten Monopole sollen in diesem Zuge verschwinden und wettbewerblicheren Strukturen weichen.
Wie stark der Wettbewerb letztendlich ausfallen wird kann heute jedoch noch nicht abgeschätzt werden, da sich im Erdgasmarkt in letzter Zeit vielfältige Veränderungen in Form von Fusionen, Kapitalbeteiligungen und teils sinkenden Investmentkosten ergeben haben. Zudem herrscht derzeit noch ungenügender Wettbewerb im Transport von Erdgas in Deutschland. Der Grund hierfür sind die hohen Durchleitungspreise, die beim Benutzen von fremden Pipelines zu bezahlen sind.1 Vernünftige Durchleitungspreise sind aber ein essentieller Bestandteil der Deregulierung, wenn Wettbewerb entstehen soll. Die Entstehung von Wettbewerb oder das Bestehen bleiben des jetzigen Status hat Auswirkungen auf die ökonomischen Analysen, die in der Arbeit angesprochen werden. Deshalb wird angenommen, dass die Liberalisierungsschritte prinzipiell zu mehr Wettbewerb führen. Auf etwaige Voraussetzungen hierfür wird in den einzelnen Fällen jeweils eingegangen.
In Kapitel 2 wird zunächst der grundsätzliche Aufbau der Erdgasindustrie aufgezeigt. Anschließend wird kurz auf den europäischen Markt eingegangen. Der Schwerpunkt ist danach die Darstellung der derzeitigen Struktur des deutschen Erdgasmarktes unter Einbeziehung der angestrebten Liberalisierungsschritte der Europäischen Union. Zuletzt wird auf die Investmentkosten eingegangen, die in der Erdgasindustrie getätigt werden müssen. In Kapital 3 wird auf das hinter den hohen Investmentkosten stehende Hold-up Problem eingegangen. Danach wird erläutert, wie sich eine vertikale Integration nutzbringend für alle Marktteilnehmer auswirkt. Anschließend wird gezeigt, wie durch langfristige Verträge, die bei den bisher vorgestellten ökonomischen Modelle entstehenden Probleme gelöst werden können. Zum Abschluss wird ein ökonomisches Modell vorgestellt, welches untersucht wie sich die Gasproduzenten verhalten werden, falls auf der Nachfrageseite ausreichend großer Wettbewerb entsteht. In Kapitel 4 werden die vorgestellten ökonomischen Modelle kritisch betrachtet und mit den Marktgegebenheiten zusammengeführt. Im letzten Kapitel werden die Ergebnisse nochmals zusammengefasst und ein kleiner Ausblick auf die zukünftige Erdgasindustrie gegeben.
2. Die Erdgasindustrie
Die Erdgasindustrie gliedert sich in drei Stufen. Zum einen gibt es die Produzenten, welche das Erdgas fördern und an Ferngasgesellschaften weiterveräußern. Diese vertreiben das Gas an lokale Verteilergesellschaften, welche ihrerseits die Endkunden beliefern. Die genannten Stufen lassen sich jedoch nicht immer so einfach abgrenzen. So ist in Frankreich immer noch der ehemalige Monopolist Gaz de France vorherrschend welcher seit jeher die Aufgaben einer Fern- und lokalen Verteilergesellschaft übernommen hat. Zudem können den lokalen Verteilergesellschaften noch regionale Verteiler vorgeschaltet sein, welche die selbe Aufgabenfunktionen, allerdings auf einer höheren Ebene, übernehmen. Ferngasgesellschaften wiederum beziehen teilweise kein Gas von den Produzenten selbst sondern von anderen Ferngasgesellschaften. Außerdem werden industrielle Verbraucher und Elektrizitätsunternehmen nicht nur von Verteilergesellschaften sondern auch von Ferngasgesellschaften mit Gas versorgt. Für die Arbeit ist die anfangs gemachte Unterteilung aber ausreichend.2 Im Folgenden wird allgemein auf die europäische Erdgasindustrie eingegangen, darauf aufbauend detailliert die deutsche Erdgasindustrie beschrieben und auf die hohen Investmentkosten eingegangen, welche die Erdgaswirtschaft beeinflussen.
2.1 Die westeuropäische Erdgasindustrie
Der westeuropäische Gasverbrauch konnte im Jahr 2003 zu ca. 2/3 aus eigener Produktion bedient werden. Das weitere Drittel wurde hauptsächlich von Russland und Algerien importiert. Die größten europäischen Erzeuger sind die Niederlande, Norwegen und Großbritannien. Es wird angenommen, dass die eigene Produktionsmenge im Laufe der nächsten Jahre drastisch abnehmen wird und die Importquote innerhalb der nächsten 20 Jahre auf 73% steigen wird. Gleichzeitig wird sich der prognostizierte Bedarf im selben Zeitraum um über 40% erhöhen. Knapp die Hälfte des dann vorhandenen Bedarfs ist derzeit noch nicht über langfristige Lieferverträge oder einheimische Produktion, die sicher abnehmen wird, abgesichert.3
2.2 Die deutsche Erdgasindustrie
Deutschland kann, ebenfalls wie Europa, den Gasbedarf nicht aus eigener Produktion decken. Die Importabhängigkeit ist sogar noch um einiges stärker ausgeprägt. Im Jahr 2003 wurden lediglich 18% werden selbst produziert, 32% von Russland, 26% von Norwegen, 17% von den Niederlanden und 7% von Großbritannien, Dänemark und sonstigen Produzenten importiert. 4 Im deutschen Erdgasmarkt betätigen sich auf der ersten Stufe 16 erdgasfördernde Unterne hmen. Auf der Stufe der Ferngasgesellschaften gibt es 15 Unternehmen, von denen allerdings nur sechs direkt Gas von anderen Ländern importieren. Auf der Ebene der lokalen Verteilergesellschaften sind über 700 Unternehmen tätig, welche Endkunden beliefern. 5 Für die vorliegende Struktur der deutschen Erdgasindustrie ist es wichtig zu wissen, dass sich diese größtenteils nicht im Wettbewerb herausgebildet hat, da dieser erst in jüngster Zeit von der Europäischen Kommission gefordert wird. Um die Effekte der Liberalisierung auf die Struktur abschätzen zu können ist es notwendig Hintergrundwissen über die frühere Struktur des Marktes zu haben, da diese teils immer noch vorherrschen, sich aber im Umbruch befinden. Die Ferngasgesellschaften unterteilten Deutschland früher in verschiedene Demarkationsgebiete. Innerhalb dieser Grenzen waren sie für die exklusive Belieferung von den Verteilergesellschaften und Großkunden zuständig. Die lokalen Verteilergesellschaften wiederum hatten schon seit jeher ein Monopol auf die Belieferung eines bestimmten Gebietes auf Basis eines Konzessionsvertrages mit der jeweiligen Gebietskörperschaft. Der Wettbewerb war dadurch aber nicht vollkommen unterbunden. Ferngasunternehmen, die kein eigenes Demarkationsgebiet besaßen, konnten nach dem früheren Recht, unbeschadet auch lokale Verteilergesellschaften beliefern. Mit dem Markteintritt von Wingas im Jahre 1993 und dem Bau von einem eigenen Pipelinenetz in Deutschland begann das Unternehmen lokale Verteilergesellschaften und Großkunden mit Erdgas zu beliefern und die bisherigen Strukturen aufzubrechen. Allerdings ist der entstandene Wettbewerb vornehmlich auf die Gebiete beschränkt, wo Wingas ein Fernleitungsnetz aufgebaut hat.6
[...]
1 Vgl. Gas Matters (2004)
2 Vgl. Flakowski (2003, 35ff.)
3 Vgl. Eurogas (2004, 28ff.)
4 Vgl. Ruhrgas (2004, 20f.)
5 Vgl. IEA (2002a, 78)
6 Vgl. Neu (1999, 60ff.)
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: