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Das Bild der Lehrenden in ausgesuchten britischen "Campus Novels"

Thesis (M.A.), 1995, 142 Pages
Author: Didem Oktay
Subject: English Language and Literature Studies - Literature

Details

Category: Thesis (M.A.)
Year: 1995
Pages: 142
Grade: sehr gut
Language: German
Archive No.: V4299
ISBN (E-book): 978-3-638-12663-2
ISBN (Book): 978-3-638-69677-7
File size: 408 KB
Notes :
Diese Magisterarbeit beschäftigt sich mit den Charakteren der Lehrenden aus folgenden Romanen: Lucky Jim von Kingsley Amis, The History Man von Malcolm Bradbury und Changing Places von David Lodge. Zusätzlich wird auch die Entwicklung der Universitätsromane thematisiert.


Abstract

Die Institution der Universität hatte überwiegend schon seit ihren Anfängen einen besonderen Status in der Gesellschaft und an dieser Denkweise hat sich auch heute, im modernen Zeitalter, nicht viel verändert. Noch immer tendieren die meisten Menschen dazu, eine Person mit einem akademischen Grad mit anderen Augen zu betrachten als jemand, der keine höhere Bildung genossen hat. Der Grund für diese unterschiedliche Haltung, wird oftmals nicht nur mit der Einstellung des Respekts vor dem Wissen des Akademikers angegeben, sondern es spielt auch die Vorstellung eine Rolle, dass der Besuch einer Hochschule die Persönlichkeit eines Menschen in positiver Hinsicht beeinflusst. Das heißt genauer, es findet eine geistige Wertung statt. Mit dem Ergebnis, dass der Glaube entsteht, ein erfolgreicher Universitätsabschluss signalisiere, dass es sich bei dem Studienabsolventen um jemanden handelt, der unter moralischen Gesichtspunkten besehen als ehrenvoller gilt, als andere. Dieser Gundgedanke wirft auch ein entsprechendes Licht auf die ganze Einrichtung der Hochschule. Deren Funktion wird folglich nicht nur darin gesehen, Logik und Fakten auf wissenschaftlicher Basis zu vermitteln, sondern die Studenten zu besseren Menschen zu erziehen. Diese Aufgabe wird vor allem den Geisteswissenschaften zugesprochen, weil diese sich intensiv mit Theorien beschäftigen, die die Einstellung zum Leben betreffen. Die Absicht dieser vorliegenden Analyse, bezieht sich nun auf die Untersuchung der Frage, ob die angeführten Behauptungen der Realität entsprechen und wie die Positionen, besonders in England, in einzelnen Beispielen des Universitätsfomans dargestellt werden. Dabei ist es von besonderem Interesse, die berufliche und private Eintwicklung der Lehrenden zu durchleuchten, weil diese als Ergebnis ihrer akademischen Laufbahn als Repräsentanten für die gelungene oder erfolglose Ausübung der universitären Aufgabe angesehen werden. Zu diesem Zweck erweist es sich als sinnvoll für die Interpretation, die drei berühmtesten Werke der englischen Universitätsliteratur heranzuziehen: "Changing Places" von David Lodge, "The History Man" von Malcolm Bradbury und "Lucky Jim" von Kingsley Amis, weil alle drei durch die unterschiedliche Darstellung ihrer Protagonisten, das Verhältnis von Lehrenden und Hochschule aus diversen Perspektiven wiedergeben.


Excerpt (computer-generated)

Abschlußarbeit
zur Erlangung des Magister Artium
im Fachbereich Anglistik

der Johann Wolfgang Goethe-Universität

Institut für England-und Amerikastudien

Das Bild der Lehrenden in ausgesuchten Britischen Campus Novels

Gutachter : Prof. Dr. Weise

vorgelegt von : Didem Oktay

29.11.1995.

INHALTSVERZEICHNIS :

0. VORWORT 2

1. EINLEITUNG 7

DIE ENTWICKLUNG DER CAMPUS NOVELS - EIN PRODUKT SOZIALER- UND LITERRARISCHER BEWEGUNGEN
  
1.1. Definition verschiedener Termini des Akademischen Romans ... 7
        1.1.1. Die University Novels und die Oxbridge Novels ... 8
        1.1.2. Die Campus Novels ... 9
        1.1.3 Die Academic Novels ... 10
    1.2. Die Historische Entwiclung der Universitätsliteratur ... 12
    1.3. Die Campus Novel - Ein Produkt der englischen Bildungsreformen ... 15
        1.3.1. Die Scholarship Boys ... 15
        1.3.2. Die First Generation im Lehrberuf ... 17
    1.4. Die Angry Young Men ... 19
        1.4.1. Die Reaktion des Establishments ... 21
        1.4.2. Schlußfolgerung ... 23
    1.5. Die Studentenunruhen der späten 60er Jahre und ihre Einflüsse auf
    die Literatur ... 26
        1.5.1. Studenten und Lehrende im Konflikt ... 27

2. DIE ROMANE UND IHRE AUTOREN ... 30
    2.1. Lucky Jim von Kingsley Amis ... 30
    2.2. Changing Places von David Lodge ... 33
    2.3. The History Man von Malcolm Bradbury ... 36
    2.4. Schlußfolgerung ... 40

3. DIE UNIVERSITÄT ALS MIKROKOSMOS ... 42
    3.1. Eine Missionsstation mit kulturellem Sendungsbewußtsein ... 42
    3.2. Ein Kollektives System ... 44
    3.3. Schlußfolgerung ... 46

4. DIE UNIVERSITÄTEN IN CHANGING PLACES; THE HISTORY MAN UND LUCKY JIM ... 47
    4.1. Rummidge und Euphoric State - BequemesChaos und
    Perfektes Image ... 47
    4.2. Watermouth - Ein Akademisches Brave New World ... 52
    4.3. Ein Heim für Weltfremde ... 54
    4.4. Die Beziehung von Schauplatz und Lehrenden ... 55
    4.5. Schlußfolgerung - Individuum und Gesellschaft ... 59

5.0. DAS CHARAKTERBILD DER LEHRENDEN ... 61
    5.1. Die Akademiker ... 62
        5.1.1. Morris Zapp - Der ehrgeizige Businessman ... 62
        5.1.2. Philip Swallow - Literatur als Lebensgefühl ... 64
        5.1.3. Wissenschaft und Kommerz ... 67
        5.1.4. Jim Dixon und Professor Ned Welch - Echte und Falsche
        Kompetenz ... 68
        5.1.5. Die Sinnhaftigkeit der Wissenschaftlichen Arbeit ... 71
        5.1.6. Kritik am Englischen Lehrsystem - Die Förderung von
        Opportunismus ... 73
        5.1.7. Howard Kirk - Ein Intellektueller Poseur ... 75
        5.1.8. Der Mißbrauch von Macht - Ein Verstoß gegen das
        Universitäre Sendungsbewußtsein ... 77
        5.1.9. Thema des History Man - Die Historische Unvermeidbarkeit ... 78
        5.1.10. Howard Kirk - Der Spätere Jim Dixon ? ... 80
        5.1.11. Seminare als Gruppentherapie zur Selbstfindung ... 80
        5.1.12. Schlußfolgerung ... 82
    5.2. Die Gelehrten als Privatpersonen ... 88
        5.2.1. Morris Zapp der Pseudosexist ... 89
        5.2.3. Philip Swallow und die Midlife-Crisis ... 95
        5.2.4. Howard Kirk der Konservative Radikalliberale ... 101
        5.2.5. Jim Dixon ein Mann zwischen zwei Frauen ... 111
        5.2.6. Schlußfolgerung ... 119

6.0. DIE EXISTENZ VON CHAOS UND ORDNUNG IN DER GESELLSCHAFT DER VORGESTELLTEN CAMPUS NOVELS ... 122
    6.1. Der Kampf um "People′s Garden" ... 123
    6.2. Theater des Größenwahns ... 125
    6.3. Bürgerliche Kultur und Proletarisches Banausentum ... 127
    6.4. Merrie England ... 128
    6.5. Schlußfolgerung ... 131

7.0. SCHLUSSWORT ... 132

7.1. LITERATURVERZEICHNIS ... 134


0. VORWORT :

Die Institution der Universität hatte überwiegend schon seit ihren Anfängen einen besonderen Status in der Gesellschaft, und an dieser Denkweise hat sich auch bis heute im modernen Zeitalter nicht viel verändert. Noch immer tendieren die meisten Menschen dazu, eine Person mit einem akademischen Grad mit anderen Augen zu betrachten, als jemanden, der keine höhere Bildung genossen hat.

Der Grund für diese unterschiedliche Haltung wird oftmals nicht nur mit der Einstellung des Respekts vor dem Wissen des Akademikers angegeben, sondern es spielt auch die Vorstellung eine Rolle, daß der Besuch einer Hochschule die Persönlichkeit eines Menschen in positiver Hinsicht beeinflußt. Das heißt genauer, es findet eine geistige Wertung statt. Mit dem Ergebnis, daß der Glaube entsteht, ein erfolgreicher Universitätsabschluß signalisiere, daß es sich bei dem Studienabsolventen um jemanden handelt, der unter moralischen Gesichtspunkten besehen als ehrenvoller gilt als andere.

Dieser Grundgedanke wirft auch ein entsprechendes Licht auf die ganze Einrichtung der Hochschule. Deren Funktion wird folglich nicht nur darin gesehen, Logik und Fakten auf wissenschaftlicher Basis zu vermitteln, sondern die Studenten zu besseren Menschen zu erziehen. Diese Aufgabe wird vor allem den Geisteswissenschaften zugesprochen, weil die sich intensiv mit Theorien beschäftigen, die die Einstellung zum Leben betreffen.

Die Absicht dieser vorliegenden Arbeit bezieht sich nun auf die Untersuchung der Frage, ob die angeführten Behauptungen der Realität entsprechen und wie die Positionen, besonders in England, in einzelnen Beispielen des Universitätsromans dargestellt werden. Dabei ist es von besonderem Interesse, die berufliche und private Entwicklung der Lehrenden zu durchleuchten, weil diese als Ergebnis ihrer akademischen Laufbahn als Repräsentanten für die gelungene oder erfolglose Ausübung der universitären Aufgabe angesehen werden.

Zu diesem Zweck erweist es sich als sinnvoll für die Interpretation, die drei berühmtesten Werke der englischen Universitätsliteratur heranzuziehen : Changing Places1 von David Lodge, The History Man2 von Malcolm Bradbury und Lucky Jim3 von Kingsley Amis; weil alle drei durch die unterschiedliche Darstellung ihrer Protagonisten das Verhältnis von Lehrenden und Hochschule aus diversen Perspektiven wiedergeben.

Während in Changing Places4 auf satirische Weise, die Hintergründ der Anglo-Amerikanischen Universitässysteme und deren Einflüsse auf die Dozenten und Studenten, sowie die kulturellen Gegensätze zwischen England und Amerika thematisiert werden, geht es in The History Man5 um den Mißbrauch von Ideologie und Machtposition im Lehrberuf. Lucky Jim6 dagegen behandelt ebenso in komischer Manier, den beschwerlichen Lebensweg eines jungen Dozentenanwärters, der mit seiner beruflichen und privaten Unerfahrenheit nicht zurechtkommt. Eine andere bemerkenswerte Komponente in Lucky Jim7 ist, daß das Werk einer der einflußreichsten literarischen Bewegungen im England der 50er Jahre, den Angry Young Men zugeordnet wird. Ob diese strikte Kategorisierung wirklich ihre Richtigkeit hat, findet im Laufe dieser Arbeit ebenso Erwähnung

Bei Betrachtung des Forschungsstandes, die sich gründlich mit den Universitätsromanen befaßt, fällt auf, daß es nur recht wenige Ansätze gibt, die den Zusammenhang der universitären Erziehung in Wechselwirkung mit dem gesellschaftlich-familiären Hintergrund eines Individuums erkennen. Es gibt aber auch manche Analysen, von welchen die Arbeiten von Barbara Himmelsbach8, Ulrike Dubber9 und Martin Goch10 besondere Erwähnung verdienen, die versuchen, die Gültigkeit der Interpretationen von Einzelbeispielen in das allgemeine Konzept der Sozietät einzuordnen. Die vorliegende Untersuchung möchte sich diesem Bemühen anschließen, indem sie das Bestreben zeigt, sowohl historische als auch soziopolitische Hintergrundinformationenin die Deutung der Protagonisten einfließen zu lassen.

Um in die Thematik einzuführen, erscheint es als plausibel zunächst über eine Begriffsdefinition die einzelnen Kategorien der Universitätsliteratur vorzustellen und einen literaturhistorischen Abriß der Romane zu liefern, die den Komplex der Hochschule zum Gegenstand haben. Danach folgt eine Darstellung der bildungspolitischen Veränderungen in England der 50er Jahre, um die Erklärung zu begründen, daß der moderne englische Campus Novel seinen Ursprung findet als Antwort auf die unzufriedenstellenden Reformen des Welfare State.

Aus diesem Grund wird die gesellschaftliche Problematik, die sich seitdem einstellt, sowohl von der studentischen als auch von der sogenannten first generation11 im Lehrberuf betrachtet, um ein allgemeines Bild der Entwicklungen zu präsentieren. In diesem Zusammenhang wird nachfolgend auf die literarische Bewegung der Angry Young Men12 eingegangen, die eine besondere Rolle spielen als Sprachrohr der Frustration, die sich als Folge des neuen Bildungssystems in England einstellt.

Dabei erweist es sich vor allem als hilfreich, die Reaktion der Gegner der Reformen, welche Mitglieder der höheren Gesellschaftsschichten waren, vor Augen zu führen. Ihre konträren Argumente erlauben, denselben Streitpunkt aus zwei verschiedenen Blickwinkeln zu durchleuchten, was dem Überblick über das Geschehen in einem breiteren Spektrum erscheinen läßt. Genauso verhält es sich auch mit der nachstehenden Darstellung der Studentenrevolution Ende der 60er Jahre, die speziell für das Verständnis von Changing Places13 und The History Man14 relevant ist.

Nachdem die einleitende Vorarbeit die nötige Hintergrundinformation zur Verfügung gestellt hat, geht es über zu den Romanen, die zur Illustration der aufgestellten Theorie dienen. Diese werden anhand einiger biographischer Daten der Autoren und einer kurzen Inhaltsangabe der Texte vorgestellt. Bevor dann allerdings mit der eigentlichen Interpretation der Protagonisten begonnen werden kann, ist es notwendig, das Prinzip der Universität als Mikrokosmos zu erläutern. Dieses Kapitel ist von entscheidender Bedeutung, weil darin die einzelnen Punkte erarbeitet werden, auf welche sich die vorliegende These bezieht. So wird zum Beispiel die ideelle Aufgabe der Hochschule definiert, gemeinsam mit der Funktion der moralischen Integrität der Lehrenden und die Wechselbeziehung zwischen Mikrokosmos Bildungsanstalt mit Makrokosmos Gesellschaft erörtert.

Im Anschluß an diesen theoretischen Teil beginnt die interpretatorische Textarbeit anhand der erwähnten drei Romane. Zuerst wird die unterschiedliche Darstellung der jeweiligen Universitäten in Relation zu den Protagonisten und deren Umgebung gesetzt. Dies geschieht aus dem Grund, um aufzuzeigen, inwieweit die Charaktere der Lehrenden selbst Produkte ihrer Arbeitswelt sind, und deren Einflüsse in ihrem Verhalten reflektieren.

Unter demselben Gesichtspunkt werden die Dozenten darauf in ihrer Rolle als Akademiker betrachtet, damit für den Leser erkenntlich wird, welche verschiedene Arten von Arbeitsauffassung es unter den Gelehrten gibt und wie weit der Bezug zum Beruf von den soziopolitischen Zuständen abhängig ist. Dabei wird speziell der kommerzielle Aspekt der wissenschaftlichen Arbeit und die moralische Einstellung der Hauptfiguren, angesichts ihrer Aufgaben begutachtet.

Da die thematisierten Universitätsromane nicht ausschließlich ihre Protagonisten in deren Funktion als Hochschullehrer unterbreiten, ist es nicht unbedeutend sie auch von ihrer privaten Seite zu untersuchen. Dies geschieht vordergründig anhand der diversen Beziehungen zum weiblichen Geschlecht, um die menschlichen Schwächen und Stärken der überwiegend männlichen Hauptfiguren näher zu bringen. Außerdem ist es für die Entwicklung der Charaktere wichtig herauszuarbeiten, bis zu welchem Grad das Privatleben Einfluß auf den Beruf und umgekehrt hat, damit ein detailliertes Bild durch die Interpretation entsteht.

Zum Schluß werden als Ergänzung manche wesentliche Einzelpunkte zur Sprache gebracht, die das soziale Umfeld in den behandelten Romanen betreffen. Der Grund dafür liegt in dem Bestreben, mögliche gesellschaftskritische Ansätze in den Primärtexten zu erläutern. So ergibt sich als Gesamtresultat dieser ausführlichen Analyse ein realistisches Bild der Universität und ihren Mitgliedern, das zum besseren Verständnis des Mikrokosmos Hochschule im Makrokosmos Gesellschaft beiträgt.

[...]

1. Lodge, David. Changing Places. A Tale of Two Campuses. Harmondsworth : Penguin, [30] 1978.

2. Bradbury, Malcolm. The History Man. Harmondsworth : Penguin [10] 1985.

3. Amis, Kingsley. Lucky Jim. Harmondsworth : Penguin, [37] 1961.

4. Lodge a.a.O. im Folgenden zitiert als Lodge C.P.

5. Bradbury a.a.O. im Folgenden zitiert als Bradbury H.M.

6. Amis a.a.O. im Folgenden zitiert als Amis L.J.

7. Amis L.J. a.a.O.

8. Himmelsbach, Barbara. Der englische Universitätsroman. Frankfurt am Main, Bern, Berlin, New York, Paris, Wien : Lang, 1992.

9. Dubber,Ulrike. Der englische Universitätsroman der Nachkriegszeit. Ein Beitrag zur Gattungsbestimmung. Würzburg : Königshausen und Neumann, 1991.

10. Goch, Martin. Der englische Universitätsroman nach 1945 : "Welcome to Bradbury Lodge". Trier : Wissenschaftlicher Verlag, 1992.

11. Dubber. Universitätsroman der Nachkriegszeit. S.150.

12. Benét, William Rose. The Reader′s Encyclopedia. London : Book Club Associates, [2] 1977.

13. Lodge C.P. a.a.O.

14. Bradbury H.M. a.a.O.


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