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Aufsatzkorrektur im traditionellen Aufsatzunterricht vs. Textüberarbeitung in der aktuellen kind- und prozessorientierten Schreibdidaktik

Termpaper, 2003, 18 Pages
Author: Mareike Böhler
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies

Details

Category: Termpaper
Year: 2003
Pages: 18
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 6  Entries
Language: German
Archive No.: V42995
ISBN (E-book): 978-3-638-40894-3
ISBN (Book): 978-3-638-79091-8
File size: 138 KB

Abstract

Schon immer wurde die Korrektur von Schüleraufsätzen kritisiert. Etliche Kinder und Jugendliche fühlen sich ungerecht behandelt. Das Schreiben von Aufsätzen macht ihnen keinen Spaß, weil sie nicht über die Themen schreiben dürfen, sie bewegt. Und wenn doch, dann gibt es genügend andere Mängel, welche die Lehrkräfte ihnen negativ anrechnen. Damit die Schulkinder wieder mehr Freude am Schreiben haben, versucht man seit einiger Zeit eine andere Schreibdidaktik anzuwenden. Diese hat aber das Problem, dass etliche Lehrer und Lehrerinnen nicht recht wissen, wie sie die Aufsätze ihrer Schützlinge korrigieren sollen. Der „klassische“ Aufsatzunterricht wurde in den 20er-Jahren entwickelt und im Dritten Reich eingeführt. In den 50er und 60er-Jahren wurde das Konzept zur Grundlage des Schreib- und Aufsatzunterrichts in der Bundesrepublik Deutschland. Demzufolge werden den Schülern und Schülerinnen die fünf Aufsatzgrundformen vorgestellt, welche von der Textorganisation so unterschiedlich sind, dass sich die Kinder jeweils auf die neuen Besonderheiten und Anforderungen einstellen müssen. „Bericht und Erzählung beziehen sich auf zeitliche Vorgänge, Beschreibung und Schilderung auf räumliche Verhältnisse, die Erörterung schließlich hat Gedanken zu ihrem Gegenstand“ (Baurmann/ Ludwig 1990, S. 11). Anschließend gibt die Lehrkraft ein Thema zu einer bestimmten Aufsatzart vor, welche die Kinder und Jugendlichen nach dem vorgegebenen Schema bearbeiten sollen. Dabei sollen die Schulkinder auch die stilistischen Normen – wie beispielsweise der Vermeidung von Wiederholungen und Floskeln – vertraut gemacht. Dies alles hat zur Folge, dass die Schülerinnen und Schüler im Hinblick auf die Schreibproduktivität nur wenig Raum für kreatives Schreiben haben. In der Grundschule gilt es meist Bildergeschichten zu beschriften, wortgetreue Nacherzählungen oder sogenannte Reizwortgeschichten zu schreiben. Das bei dieser Aufsatzdidaktik auftretende Paradoxon beschreibt Bremerich-Vos im Jahr 1989 so: „Einerseits werde an den Schüler appelliert, seinen Aufsatz als Ausdruck unverwechselbarer Identität zu gestalten, andererseits sei das Beurteilungskriterium die ’uniformierte’ Mittelmäßigkeit. Originalität werde zugleich verlangt und verworfen.“


Excerpt (computer-generated)

Universität Koblenz-Landau, Abteilung Landau
Institut für Grundschulpädagogik
Seminar: Von der Schreibanregung zum Schreibjournal:
Theorie und Praxis kreativen Schreibens

Aufsatzkorrektur im traditionellen Aufsatzunterricht vs.
Textüberarbeitung in der aktuellen kind- und
prozessorientierten Schreibdidaktik

von: Mareike Böhler

 


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 1

2 Klassischer Aufsatzunterricht 2

3 Kritik am traditionellen Aufsatzunterricht 3

3.1 Verlust der eigenen Identität 3
3.2 Bewertung des Aufsatzes 4

4 Alternative Konzepte 6

5 Das Textschreiben 8

5.1 Der Schreibprozess 8
5.2 Entwicklung von Schreibkompetenz 9
5.3 Das Textprofil 10

6 Textanalyse anhand eines Beispiels 13

6.1 Die Textanalyse als Beobachtungselement 13
6.2 Textkompetenzen 14

Literaturverzeichnis 16


 

1 Einleitung

Schon immer wurde die Korrektur von Schüleraufsätzen kritisiert. Etliche Kinder und Jugendliche fühlen sich ungerecht behandelt. Das Schreiben von Aufsätzen macht ihnen keinen Spaß, weil sie nicht über die Themen schreiben dürfen, sie bewegt. Und wenn doch, dann gibt es genügend andere Mängel, welche die Lehrkräfte ihnen negativ anrechnen. Damit die Schulkinder wieder mehr Freude am Schreiben haben, versucht man seit einiger Zeit eine andere Schreibdidaktik anzuwenden. Diese hat aber das Problem, dass etliche Lehrer und Lehrerinnen nicht recht wissen, wie sie die Aufsätze ihrer Schützlinge korrigieren sollen.

2 Klassischer Aufsatzunterricht

Der „klassische“ Aufsatzunterricht wurde in den 20er-Jahren entwickelt und im Dritten Reich eingeführt. In den 50er und 60er-Jahren wurde das Konzept zur Grundlage des Schreib- und Aufsatzunterrichts in der Bundesrepublik Deutschland.

Demzufolge werden den Schülern und Schülerinnen die fünf Aufsatzgrundformen vorgestellt, welche von der Textorganisation so unterschiedlich sind, dass sich die Kinder jeweils auf die neuen Besonderheiten und Anforderungen einstellen müssen. „Bericht und Erzählung beziehen sich auf zeitliche Vorgänge, Beschreibung und Schilderung auf räumliche Verhältnisse, die Erörterung schließlich hat Gedanken zu ihrem Gegenstand“ (Baurmann/ Ludwig 1990, S. 11). Anschließend gibt die Lehrkraft ein Thema zu einer bestimmten Aufsatzart vor, welche die Kinder und Jugendlichen nach dem vorgegebenen Schema bearbeiten sollen. Dabei sollen die Schulkinder auch die stilistischen Normen – wie beispielsweise der Vermeidung von Wiederholungen und Floskeln – vertraut gemacht. Dies alles hat zur Folge, dass die Schülerinnen und Schüler im Hinblick auf die Schreibproduktivität nur wenig Raum für kreatives Schreiben haben. In der Grundschule gilt es meist Bildergeschichten zu beschriften, wortgetreue Nacherzählungen oder sogenannte Reizwortgeschichten zu schreiben. Das bei dieser Aufsatzdidaktik auftretende Paradoxon beschreibt Bremerich-Vos im Jahr 1989 so: „Einerseits werde an den Schüler appelliert, seinen Aufsatz als Ausdruck unverwechselbarer Identität zu gestalten, andererseits sei das Beurteilungskriterium die ’uniformierte’ Mittelmäßigkeit. Originalität werde zugleich verlangt und verworfen.“

3 Kritik am traditionellen Aufsatzunterricht

3.1 Verlust der eigenen Identität

Die Kinder lernen früh, dass es hauptsächlich darum geht, den Lehrkräften zu gefallen. Das bedeutet, dass die Authentizität jedes einzelnen Schreibers nicht gegeben ist. Statt dessen versuchen die Schülerinnen und Schüler den Lehrerinnen und Lehrern zu gefallen und somit gute Zensuren zu erhalten. Das heißt, sie versuchen zu schreiben, was die Lehrkräfte lesen und wie sie es wohl formuliert haben wollen. Dies hat zur Folge, dass die Kinder und Jugendlichen schnell die Lust am Aufsatzschreiben verlieren. Denn sie dürfen nicht schreiben was sie möchten, sondern sie haben sich an vorgegebene Regeln zu halten. Des weiteren geben sich die Schüler und Schülerinnen im Laufe ihrer Schullaufbahn immer distanzierter. Sie geben dank der schulischen Schreibsozialisation immer weniger Persönliches von sich preis (vgl. Spitta 1999, S. 213). In der Grundschule berichten die Schulkinder z.B. noch von ihren Ferienerlebnissen und was für Träume sie haben. Später versuchen sie sich allgemein zu halten, um nicht unangenehm aufzufallen. Dies macht sich vor allem in Erörterungen bemerkbar. Des weiteren müssen sich die Kinder oftmals mit Themen beschäftigen, die sie nicht interessieren. Oder aber sie wissen, dass ihre Argumente nicht die Auffassung der Lehrkraft vertreten und somit inhaltlich kein positives Licht auf die Notenvergabe hätten. Demnach lernen die Schülerinnen und Schüler nicht sich selbst in den Aufsatz einzubringen, sondern wie man sich den Einstellungen anderer anpasst.

3.2 Bewertung des Aufsatzes

[...]


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