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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 27 Pages
Author: Linda Dittmann
Subject: History - Didactics
Details
Institution/College: Martin Luther University (Institut für Geschichte)
Tags: Kinderarbeit, Jahrhundert, Arbeit, Arbeitswelt
Year: 2005
Pages: 27
Grade: 1
Bibliography: ~ 29 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-40900-1
ISBN (Book): 978-3-638-65209-4
File size: 231 KB
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Abstract
„Biete Nachhilfestunden in Mathe und Physik, von Klasse 5-10. Melden Sie sich unter: ....“ oder „Zuverlässiges junges Mädchen sucht Arbeit als Babysitterin. Stehe täglich von 15-23Uhr zur Verfügung“. Solche und ähnliche Stellenangebote kann man in Zeitungen nachlesen oder findet man am Schwarzen Brett vom Supermarkt. Hier bieten Kinder und Jugendliche ihre Arbeitskraft an. Das sind natürlich nur harmlose Schülerjobs, die die Kinder nach der Schule ausüben wollen. Dennoch gibt es Gesetze in Deutschland, die Arbeit von Kindern verbietet. Dadurch sollen die Kinder nicht in ihrer psychischen und physischen Entwicklung beeinflusst werden. Das war nicht immer so, noch im 19. Jahrhundert mussten die Kinder, oft schon im Alter von 4 Jahren, in Fabriken hart arbeiten. Sie wurden brutal ausgenutzt, damit deutsche Unternehmer mit ihren Industrieprodukten auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig waren. In meiner Hausarbeit möchte ich darauf eingehen, warum Kinder im 19. Jahrhundert dazu gezwungen wurden, schon im jüngstem Alter Geld zu verdienen. Die Fragen nach dem Ausmaß sollen geklärt werden und warum der Staat erst so spät eingegriffen hat. Der Weg zur heutigen Kinderschutzgesetzgebung wird aufgezeigt und damit gehe ich auch auf die heutige Situation in Deutschland ein. Wie hat sich die Kinderarbeit vom 19. Jahrhundert entwickelt? Gibt es auch heute noch brutale Ausbeutung von Kinder in Deutschland? In einem weiteren Abschnitt soll die Lage der Kinder weltweit erörtert und Vergleiche zur Kinderarbeit im 19. Jahrhundert gezogen werden. Im Anschluss werde ich mich mit der Problematik auseinandersetzen, ob Kinderarbeit ein für den Geschichtsunterricht relevantes Thema ist und wie es umgesetzt werden kann.
Excerpt (computer-generated)
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Geschichte
HS.: Arbeit und Arbeitswelt
8. Fachsemester
Kinderarbeit im 19. Jahrhundert
von: Linda Dittmann
Inhalt
1. Einleitung 2
2. Sachanalyse 3
2.1 Begriffsklärung: Kinderarbeit 3
2.2 Kinderarbeit vor der Industriellen Revolution 4
2.2.1 Kinderarbeit in Waisenhäusern 4
2.3 Kinderarbeit in der Industriellen Revolution 5
2.3.1 Ursachen der Kinderarbeit 5
2.3.2 Die Arbeit in der Fabrik 7
2.3.3 Maßnahmen gegen die Kinderarbeit 9
2.3.3.1 Das Regulativ von 1839 10
2.3.3.2 Ausweitung der Kinderschutzgesetze 13
3. Didaktische Analyse 14
3.1 Kinderarbeit Heute 14
3.1.1 Kinderarbeit in Deutschland 14
3.1.2 Kinderarbeit Weltweit 18
3.2 Unterrichtsrelevanz 20
3.3 Möglichkeiten im Unterricht 21
4. Zusammenfassung 22
5. Literaturangaben 24
1. Einleitung
„Biete Nachhilfestunden in Mathe und Physik, von Klasse 5-10. Melden Sie sich unter: ....“ oder „Zuverlässiges junges Mädchen sucht Arbeit als Babysitterin. Stehe täglich von 15-23Uhr zur Verfügung“. Solche und ähnliche Stellenangebote kann man in Zeitungen nachlesen oder findet man am Schwarzen Brett vom Supermarkt. Hier bieten Kinder und Jugendliche ihre Arbeitskraft an. Das sind natürlich nur harmlose Schülerjobs, die die Kinder nach der Schule ausüben wollen. Dennoch gibt es Gesetze in Deutschland, die Arbeit von Kindern verbietet. Dadurch sollen die Kinder nicht in ihrer psychischen und physischen Entwicklung beeinflusst werden. Das war nicht immer so, noch im 19. Jahrhundert mussten die Kinder, oft schon im Alter von 4 Jahren, in Fabriken hart arbeiten. Sie wurden brutal ausgenutzt, damit deutsche Unternehmer mit ihren Industrieprodukten auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig waren.
In meiner Hausarbeit möchte ich darauf eingehen, warum Kinder im 19. Jahrhundert dazu gezwungen wurden, schon im jüngstem Alter Geld zu verdienen. Die Fragen nach dem Ausmaß sollen geklärt werden und warum der Staat erst so spät eingegriffen hat. Der Weg zur heutigen Kinderschutzgesetzgebung wird aufgezeigt und damit gehe ich auch auf die heutige Situation in Deutschland ein. Wie hat sich die Kinderarbeit vom 19. Jahrhundert entwickelt? Gibt es auch heute noch brutale Ausbeutung von Kinder in Deutschland? In einem weiteren Abschnitt soll die Lage der Kinder weltweit erörtert und Vergleiche zur Kinderarbeit im 19. Jahrhundert gezogen werden. Im Anschluss werde ich mich mit der Problematik auseinandersetzen, ob Kinderarbeit ein für den Geschichtsunterricht relevantes Thema ist und wie es umgesetzt werden kann.
2. Sachanalyse
2.1 Begriffsklärung: Kinderarbeit
Kinderarbeit wird für die weltweite Wirtschaft mit neoliberalen Tendenzen, in der niedrige Lohnkosten und Standortwechsel Wettbewerbsvorteile erzielen, immer wichtiger. Zu Beginn der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts war der Lohn eines Familienvaters in Entwicklungsländern noch ausreichend, um die Grundbedürfnisse einer fünfköpfigen Familie zu decken. Heute hingegen, kann dies nur noch durch die Mitarbeit von Frau und Kindern erreicht werden. Laut Albert Recknagel muss man heute von einer „Infantisierung der Armut“ sprechen1. Kinder sind deshalb gute Arbeitskräfte, da sie sich nicht organisieren, leicht zu disziplinieren und natürlich billig sind, dabei sind Mädchen stärker benachteiligt als Jungen.
Die ILO, internationale Arbeitsorganisation, nennt einige Merkmale von Kinderarbeit: Fabrikarbeit von Kindern, häufig bereits im Alter von sechs oder sieben Jahren; Arbeitszeiten von 12 bis 16 Stunden pro Tag; Arbeit unter körperlicher wie psychischer Überanstrengungen oder Überforderung; monotone Arbeiten, welche seelische und soziale Entwicklung behindern; Arbeit auf der Straße unter ungesunden und gefährlichen Bedingungen; Arbeiten unter unfreien, menschenrechtsverletzenden Bedingungen, wie Schuldknechtschaft, Sklaverei oder sexuellen Missbrauch2. In Deutschland ist die Beschäftigung von Jugendlichen unter 14 Jahren gemäß §5 des Jugendarbeitsschutzgesetzes verboten3. Ausnahmen, wie zum Beispiel Theater- oder Musikaufführungen, dürfen allerdings das „Fortkommen in der Schule nicht beinträchtigen“ , genügend Ruhepausen müssen eingelegt werden und die Arbeit darf die Ausbildung des Kindes nicht hemmen und dessen Gesundheit nicht beeinträchtigen4.
2.2 Kinderarbeit vor der Industriellen Revolution
Kinderarbeit ist nicht, wie man vielleicht vermuten könnte ein Phänomen, dass in der Industriellen Revolution Einzug fand. Mit der Industriellen Revolution wurde erst die zweite Runde der Kinderarbeit eingeläutet. Schon vorher war Kinderarbeit in der Landwirtschaft, sowie im häuslichen Gewerbe selbstverständlich5. Auf dem Land, sowie beim Handwerk wurden die Kinder schon im Alter von 7 Jahren in den Prozess der Arbeit mit eingezogen und damit war „Arbeit […] zu etwas Selbstverständlichem im kindlichen Leben geworden“6.
In der Landwirtschaft war die Feldarbeit , wie Heu und Getreideernte, sowie die Obsternte und das Betreuen von den Tieren, wo die Kinder intensiv mit Hand anlegen mussten. Mit dem Kartoffelanbau und Rübenanbau im 18. Jahrhundert wurden die Kinder verstärkt in diesem arbeitsintensiven Bereich eingesetzt7. Außerdem waren Kinder im Getreideschnitt tätig. Daher lernten sie schon sehr früh mit einer Sense umzugehen. Allerdings wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Sichel für diesen Prozess eingesetzt und damit wurde der Getreideschnitt wieder eine Tätigkeit für Männer8.
2.2.1 Kinderarbeit in Waisenhäusern
Waisenhäuser waren laut Arno Herzig kaum von Arbeithäusern zu unterscheiden, denn „wie im Arbeitshaus wurde auch im Waisenhaus die Kinderarbeit mit der Forderung nach der Existenzsicherung und dem Schutz vor Sünde begründet“9. Kinderarbeit in Waisenhäusern wurde vom Staat, von der Gesellschaft und der Kirche als eine gute Erziehungsmaßnahme eingeschätzt. Kinderarbeit galt im Allgemeinen als pädagogisch wertvoll und dadurch sollten die Kinder in Fleiß, Ausdauer, Ordnung, Gewissenhaftigkeit und Geschicklichkeit geübt werden.
[...]
1 Recknagel, Albert: Neoliberalismus und Kinderarbeit. Kein Datum. Online Internet. Abgerufen am 02.05.2004. Abrufbar unter: http://www.oneworldweg.de/tdh/themen/art-ceprom.html. S.1.
2 Kinderarbeit im 19. Jahrhundert – und heute. Kein Name. Kein Datum. Online Internet. Abgerufen am 02.05.2004. Abrufbar unter http://www.hwrs-seefaelle.de/Klassen/8b/Kinderarbeit.html S.2.
3 JArbSchG §5 II. Arbeitsgesetze. 2003, S.406
4 JArbSchG §§ 5 und 6 II. Arbeitsgesetze. 2003, S.406-407.
5 Herzig, Arno: „Kinderarbeit in Deutschland in Manufaktur und Protofabrik“, in: Archiv für Sozialgeschichte, Bd. 23, 1983, S. 313.
6 Ebenda, S. 313.
7 Papathanassiou, Maria: Zwischen Arbeit, Spiel und Schule, Berlin: Verlag für Geschichte und Politik, 1999, 61f.
8 Ebenda, S. 64.
9 Herzig, Arno: „Kinderarbeit in Deutschland“, S. 314.
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