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Autor: Christiane Bayer
Fach: Politik - Pol. Systeme - Politisches System Deutschlands
Details
Institution/Hochschule: Universität Leipzig
Tags: Familie, Veränderung, Gesellungsformen, Mensch, Erlebnisgesellschaft
Jahr: 2004
Seiten: 16
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 14 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 208 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-41118-9
ISBN (Buch): 978-3-638-79067-3
Zusammenfassung / Abstract
Die Familie ist tot, es lebe die Familie – so könnte der Satz lauten, der den derzeitigen Zustand der Familie als die noch immer bedeutendste soziale Gruppe im zwischenmenschlichen Zusammenleben charakterisiert. Unsere Gesellschaft verändert sich derzeit rasant, Altbekanntes und –bewährtes bricht sowohl im sozialen als auch im beruflichen Bereich auf und macht neuen Formen der Arbeit und des Zusammenlebens Platz. Dies wirkt sich auf das Leben vieler Menschen konkret und spürbar aus. Arbeitsrhythmen verändern sich, Mann-und-Frau-Beziehungen müssen neu geordnet werden und mit ihnen auch die Vorstellungen und die Umsetzung von individuellen Lebensentwürfen, Familie und Partnerschaft. An bestimmten Merkmalen läßt sich die Gestalt der postfamilialen Familie allerdings nicht festmachen, ist es doch geradezu Kennzeichen dieser neuen Gesellungsform, daß sie sich in vielen unterschiedlichen Ausprägungen präsentiert. Bereits heute sind postmoderne Formen familiären Zusammenlebens bei vielen Menschen Teil einer sogenannten Patchwork-Biographie geworden. Tendenziell wird Familie künftig nicht mehr lebenslang angelegt sein, sondern ihren Platz zwischen neuen Freiheiten, aber auch Zwängen, behaupten müssen. Denn die meisten Menschen werden ihr Leben nach postmodernen Einflußfaktoren wie Individualisierung, Mobilität und Flexibilität ausrichten. Traditionelle Familienmuster sind damit in Frage gestellt: „Moderne bedeutet die massenhafte Freisetzung von Individuen aus traditionellen Lebenszusammenhängen“ (Clermont, 1997: 18). In der vorliegenden Arbeit werden zunächst die traditionelle Familie und ihr Wandel dargestellt: Ausgehend von Definitionen werden die ursprünglichen Funktionen der Familie kurz erläutert, anschließend die Art der Veränderung im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte beschrieben. In einem weiteren Kapitel sollen sowohl die internen als auch die externen Ursa-chen für die Veränderungen familialer Konstellationen ergründet werden. Ein Überblick zu den Schlagworten Individualisierung, Mobilität und Flexibilität soll zum einen zeigen, wie sich die gesellschaftlichen Umbrüche auf den einzelnen Menschen auswirken, zum anderen, wie sich die postmoderne Arbeitswelt und ihre Anforderungen auf das Individuum auswirken. Auf dieser Grundlage will der vorliegende Text dann zeigen, welche neuen Formen des Zusammenlebens sich aus dem aufgezeigten Gesellschaftswandel bisher gebildet haben. Abschließende Bemerkungen zur Thematik runden die Hausarbeit ab.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Leipzig
Institut für Politikwissenschaft
Fachbereich: Politisches System der BRD
Seminar: „Der flexible Mensch in der Erlebnisgesellschaft“
9. Fachsemester
Die postfamiliale Familie - Von der Veränderung
privater Gesellungsformen
von: Christiane Bayer
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung .Seite 2
2. Familie im Wandel Seite 3
2.1 Definitionen von Familie Seite 3
2.2 Familienfunktionen Seite 3
2.3 Von der Not- zur Wahlgemeinschaft Seite 4
3. Veränderte Lebenswelt Seite 5
3.1 Individualisierung Seite 6
3.2 Flexibilität und Mobilität im Beruf Seite 8
4. Neue Formen des Zusammenlebens Seite 11
5. Abschließende Bemerkungen Seite 13
6. Literaturangaben Seite 15
1. Einleitung
Die Familie ist tot, es lebe die Familie – so könnte der Satz lauten, der den derzeitigen Zustand der Familie als die noch immer bedeutendste soziale Gruppe im zwischenmenschlichen Zusammenleben charakterisiert. Unsere Gesellschaft verändert sich derzeit rasant, Altbekanntes und –bewährtes bricht sowohl im sozialen als auch im beruflichen Bereich auf und macht neuen Formen der Arbeit und des Zusammenlebens Platz. Dies wirkt sich auf das Leben vieler Menschen konkret und spürbar aus. Arbeitsrhythmen verändern sich, Mann- und Fraubeziehungen müssen neu geordnet werden und mit ihnen auch die Vorstellungen und die Umsetzung von individuellen Lebensentwürfen, Familie und Partnerschaft. An bestimmten Merkmalen läßt sich die Gestalt der postfamilialen Familie allerdings nicht festmachen, ist es doch geradezu Kennzeichen dieser neuen Gesellungsform, daß sie sich in vielen unterschiedlichen Ausprägungen präsentiert. Bereits heute sind – wie auch immer geartete – postmoderne Formen familiären Zusammenlebens bei vielen Menschen Teil einer sogenannten Patchwork-Biographie geworden. „Durch institutionelle und lebensgeschichtliche Vorgaben entstehen gleichsam Bausätze bio-graphischer Kombinationsmöglichkeiten. Im Übergang von der ,Normal- zur Wahlbiographie’ bildet sich der konfliktvolle und historisch uneingeübte Typus der ,Bastelbiographie’ heraus (Beck, 1986: 217). Tendenziell wird Familie künftig nicht mehr lebenslang angelegt sein, sondern ihren Platz zwischen neuen Freiheiten, aber auch Zwängen, behaupten müssen. Denn die meisten Menschen werden ihr Leben nach postmodernen Einflußfaktoren wie Individualisierung, Mobilität und Flexibilität ausrichten. Traditionelle Familienmuster sind damit fortan in Frage gestellt: „Moderne bedeutet die massenhafte Freisetzung von Individuen aus traditionellen Lebenszusammenhängen“ (Clermont, 1997: 18). In dieser Hausarbeit werden zunächst die traditionelle Familie und ihr Wandel dargestellt: Ausgehend von Definitionen werden die ursprünglichen Funktionen der Familie kurz erläutert, anschließend die Art der Veränderung im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte beschrieben. In einem weiteren Kapitel sollen sowohl die internen als auch die externen Ursachen für die Veränderungen familialer Konstellationen ergründet werden. Ein Überblick zu den Schlagworten Individualisierung, Mobilität und Flexibilität soll zum einen zeigen, wie sich die gesellschaftlichen Umbrüche auf den einzelnen Menschen auswirken, zum anderen, wie sich die postmoderne Arbeitswelt und ihre Anforderungen auf das Individuum auswirken. Auf dieser Grundlage will der vorliegende Text dann zeigen, welche neuen Formen des Zusammenlebens sich aus dem aufgezeigten Gesellschaftswandel bisher gebildet haben. Abschließende Bemerkungen zur Thematik runden die Hausarbeit ab.
2. Familie im Wandel
Alleinerziehende oder geschiedene Mütter und Väter, Patchwork-Familien, Stiefmütter und Stiefväter, Wochenendväter, Hausmänner mit einer berufstätigen Ehefrau, Väter in Wohngemeinschaften, wieder verheiratete Väter: Die Familie in der traditionellen Vater-Mutter-Kind-Konstellation, die sich bis in die Moderne hinein als angemessenes (Über-)Lebensumfeld bewährt hat, hat ihr Monopol verloren. Familie, Ehe, Elternschaft, Mutter, Vater: Unter diesen Begriffen findet sich heute eine ganze Anzahl unterschiedlicher Ausprägungen.
2.1 Definitionen von Familie
Dem Lexikon nach ist die Familie eine „besonders bedeutende Form der sozialen Gruppe, die in der heutigen Industriegesellschaft in der Regel aus den in einem Eheverhältnis lebenden Eltern und ihren (unselbständigen) Kindern besteht (Kernfamilie oder Kleinfamilie)“ (Meyers Großes Taschenlexikon, Band 10: 332). Soziologisch läßt sich die Familie wie folgt definieren: „Unter Familie im engeren Sinne und soziologischen Verständnis ist jene Lebensgemeinschaft und Sozialgruppe zu verstehen, in der Erwachsene sich der Erziehung (Sozialisation) von Kindern und Jugendlichen widmen“ (Schäfers, 1998: 127). In der historischen Dimension „hatten die Verwandtschaftsverbände als Geschlechter, Klane, Sippen intensivere soziale Bindekraft“ (Fischer Lexikon, 1997: 162); zudem zählten dazu aus heutiger Sicht auch „familienfremde Personen wie Dienstmädchen, Mägde und Knechte, Handwerksgesellen und Lehrlinge, Ziehkinder oder andere nichtverwandte Mitbewohner. (...) Der maßgebliche Rahmen der Gruppierung war das Leben unter einem Dach beziehungsweise um eine Feuerstelle“ (Fischer Lexikon, 1997: 163). Im heutigen Wortverständnis kann „Familie“ zum einen eine Gruppe nicht gemeinsam lebender, aber miteinander verwandter Personen sein, zum anderen Familienmitglieder, die gemeinsam in einem Haushalt leben, also sowohl Verwandtschaftsverband als auch Haushaltsgemeinschaft. Bereits das Wohnen in einem gemeinsamen Haushalt als Voraussetzung für Familie zu werten, ist kritisch, beispielsweise in Fällen, in denen ein Ehepartner seinem Erwerbsleben in einer anderen Stadt nachgeht oder Kinder ihre Schulzeit in einem Internat verbringen.
2.2 Familienfunktionen
Zu den klassischen Funktionen der Familie zählt die Versorgung mit Nahrung, Kleidung und Wohnung: „Vor allem das gemeinsame Essen und das gemeinsame Wohnen unter einem Dach sind seit alters entscheidende Kriterien, nach denen Familienzugehörigkeit beurteilt wird. (...) Als historische Schutzfunktionen, die die Familiengemeinschaft gegenüber ihren Angehörigen ausübt, ist Hilfe in Risikosituationen wie Krankheit, Unfall oder Arbeitslosigkeit zu bedenken“ (Fischer Lexikon 1997: 173). Im gesellschaftlichen Kontext nimmt die Familie grob unterteilt vier verschiedene Aufgaben wahr. An erster Stelle steht die Reproduktionsfunktion, an der jede Gesellschaft naturgemäß interessiert ist, weil nur so ihr Weiterleben sichergestellt ist. Nach der Geburt eines Familienmitglieds übernimmt die Familie die Sozialisationsfunktion: Dem Menschen werden in seiner Kindheit die Wertvorstellungen und Normen sowie kulturspezifische Eigenheiten der Gesellschaft vermittelt (Enkulturation), in die er hineingeboren ist. „Normen und Werte sind unerläßlich für jedes soziale Miteinander, da sie die personellen und materiellen Beziehungen festlegen, denen sich jeder unterwerfen muss“ (Lossin, 2003: 22). Bei der Haushaltsfunktion steht die wirtschaftliche Versorgung der Mitglieder im Vordergrund, wobei das Überleben, Wirtschaften und Haushalten nicht nur im Interesse der Individuen, sondern auch der Gesamtgesellschaft liegt.
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