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Pädagogischer Konstruktivismus

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 23 Pages
Author: Juliane Schreck
Subject: Pedagogy - General

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2001
Pages: 23
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 11  Entries
Language: German
Archive No.: V43387
ISBN (E-book): 978-3-638-03021-2
ISBN (Book): 978-3-640-31919-0
File size: 271 KB
Notes :
Der Konstruktivismus bietet eine ungewohnte Sicht auf die Wirklichkeit. In der Arbeit werden Kernthesen und Schlüsselbegriffe (Autopoiese, Beobachtung, Viabilität) zuerst theoretisch dargestellt, dann auf ihre pädagogische Relevanz untersucht. Es folgt eine konstruktivistische Sicht auf das Phänomen "Lernen" und Anleitungen zu einem lösungsorientierten Umgang in der Schule. Auf Sprache, als einem Medium, welches Wirklichkeit konstruiert, wird zuletzt eingegangen.


Abstract

Mich interessierte am Konstruktivismus die ungewohnte Einstellung zur Wirklichkeit und ich fragte mich, ob die Realität für alle gleich wahrnehmbar ist. Ebenso anregend war für mich die Frage, wie man diese Sichtweise in der Schule nutzen könne. Ziel dieser Arbeit soll es sein, den pädagogischen Konstruktivismus vorzustellen. Nach einer Einordnung des Konstruktivismus in sein philosophisches Umfeld und dem Benennen von Kernthesen, Vertretern und Anwendungsgebieten, wende ich mich den Schlüsselbegriffen des Konstruktivismus zu. Da ich Deutsch und Gehörlosenpädagogik studiere, werde ich versuchen, die theoretischen Erklärungen durch Beispiele aus diesen beiden Bereichen zu erläutern, um das Verstehen der manchmal komplizierten Gedankengänge des Konstruktivismus zu erleichtern. Nach den theoretischen Einführungen beleuchte ich die pädagogische Relevanz der Schlüsselbegriffe näher. Im Anschluss daran wende ich mich dem Lernen unter konstruktivistischen Gesichtspunkten zu, und werde dann erörtern, wie grundlegende Aussagen des Konstruktivismus die tagtägliche Arbeit des Lehrers mit Schülern erleichtern können. Mein Augenmerk richtet sich da vor allem auf die Macht der Sprache.


Excerpt (computer-generated)

Humboldt – Universität zu Berlin
Institut für Rehabilitationswissenschaften
Seminar: Systemische Beratung und Supervision

Pädagogischer Konstruktivismus

von: Juliane Schreck

 


Inhalt

Einleitung 03

1. Grundlegende Ausgangsposition 04

2. Einführung in den pädagogischen Konstruktivismus anhand von Leitbegriffen 06

2.1 Autopoiese 06

2.1.1 Theoretische Grundlagen zur Autopoiese 06
2.1.2 Autopoiese im Rahmen der Pädagogik 07

2.2 Beobachtung 08

2.2.1 Theoretische Grundlagen zur Beobachtung 08
2.2.2 Beobachtung in der pädagogischen Anwendung 10

2.3 Viabilität 12

2.3.1 Theoretische Grundlagen zur Viabilität 12
2.3.2 Umsetzung der Viabilität in der Pädagogik 13

3. Praktische Anwendung des Konstruktivismus in der Schule 14

3.1 Konstruktivistische Sicht auf das Lernen 14
3.2 Anwendungsmöglichkeiten im pädagogischen Prozess des Lernens 16

4. Schlussfolgerungen 16

4.1 Schlussfolgerungen für den Lehrer 16
4.2 Thesen zum lösungsorientierten Umgang mit Schülern 19

Schlusswort 21

Literaturverzeichnis 22



 

Einleitung

Mich interessierte am Konstruktivismus die ungewohnte Einstellung zur Wirklichkeit und ich fragte mich, ob die Realität für alle gleich wahrnehmbar ist. Ebenso anregend war für mich die Frage, wie man diese Sichtweise in der Schule nutzen könne. Ziel dieser Arbeit soll es sein, den pädagogische n Konstruktivismus vorzustellen. Nach einer Einordnung des Konstruktivismus in sein philosophisches Umfeld und dem Benennen von Kernthesen, Vertretern und Anwendungsgebieten, wende ich mich den Schlüsselbegriffen des Konstruktivismus zu. Da ich Deutsch und Gehörlosenpädagogik studiere, werde ich versuchen, die theoretischen Erklärungen durch Beispiele aus diesen beiden Bereichen zu erläutern, um das Verstehen der manchmal komplizierten Gedankengänge des Konstruktivismus zu erleichtern. Nach den theoretische n Einführungen beleuchte ich die pädagogische Relevanz der Schlüsselbegriffe näher.

Im Anschluss daran wende ich mich dem Lernen unter konstruktivistischen Gesichtspunkten zu, und werde dann erörtern, wie grundlegende Aussagen des Konstruktivismus die tagtägliche Arbeit des Lehrers mit Schülern erleichtern können. Mein Augenmerk richtet sich da vor allem auf die Macht der Sprache. Zum Schluss werden die wichtigsten Thesen noch einmal zusammengefasst und durch eine kurze Stellungnahme abgerundet.

1. Grundlegende Ausgangsposition

In der Auseinandersetzung mit der Erkenntnistheorie des Konstruktivismus habe ich versucht, diese philosophische Strömung in die der Philosophie einzuordnen. Es gibt viele verschiedene philosophische Vorläufer des Konstruktivismus, aus denen dieser teilweise Ideen aufgenommen und weiterentwickelt hat. Einige will ich kurz darstellen, um die Einreihung des Konstruktivismus zu erleichtern. Ein wichtiger Vorgänger ist der Skeptizismus, eine Denkrichtung des 18. Jahrhunderts, die bezweifelte, dass man die Realität der Außenwelt, Kausalität, sowie die Seele aber auch Gott beweisen könne. Wichtige Vertreter sind David Hume und Immanuel Kant, der sogar die Möglichkeit, Dinge an sich zu erkennen, verneinte. Weiterhin spielt der symbolische Interaktionismus des 19. Jahrhunderts eine Rolle, der den Ursprung des Geistes, des Selbst und der Gesellschaft in den Aktionen und Interaktionen von Menschen sah.

Der Pragmatismus, eine bedeutende Strömung, die im 19. Jahrhundert im Zusammenhang mit den Namen Peirce und James und der Naturwissenschaft in den USA auftrat, vertritt die Ansicht, dass sich die Wahrheit einer Aussage erst durch ihren praktischen Nutzen erweise. Außerdem verhalte sich die Wahrheit in Relation zu Ort, Zeit und Ziel. Sowohl der Existenzialismus als auch die analytische Philosophie und Sprachphilosophie sind dem 20. Jahrhundert zuzurechnen, obwohl sie schon sehr viel ältere Vorläufer haben. Der Existenzialismus ist eine französische Strömung der Existenzphilosophie nach dem 2. Weltkrieg, die auf Vorreiter wie Blaise Pascal, Descartes, Kierkegaard und Nietzsche Bezug nimmt, und dem neuere Denker wie Sartre und Heidegger, aber auch Dichter wie Dostojewskij, Kafka und Camus angehören. In der analytischen Philosophie und Sprachphilosophie setzt man sich mit natürlicher und künstlicher Sprache auseinander, und untersucht ihr Verhältnis zur außersprachlichen Wirklichkeit. Vor allem Bertrand Russell und Ludwig Wittgenstein stehen hier in der Nachfolge von Platon, der unter anderem durch seine sokratischen Dialoge berühmt geworden ist.

Der Konstruktivismus ist nun eine moderne Richtung der Philosophie, die viel von ihren Vorläufern aufnimmt, und grundsätzlich von der Einsicht bestimmt ist, „dass jede Wirklichkeit im unmittelbarsten Sinne die Konstruktion derer ist, die diese Wirklichkeit zu entdecken und erforschen glauben.“1 Watzlawick übersetzt das Wort Konstruktivismus mit Wirklichkeitsforschung. Die Kernthese lautet: „Menschen sind autopoietische, selbstreferenzielle, operational geschlossene Systeme. Die äußere Realität ist uns sensorisch und kognitiv unzugänglich.“2 Diese These wird in meiner Arbeit näher erklärt.

Es gibt eine ganze Reihe von Vertretern dieser Richtung, die sich zum Teil erheblich voneinander unterscheiden. Deshalb seien hier nur die wichtigsten genannt: einige der Hauptvertreter sind die Biologen Maturana und Varela, der Soziologe Luhmann, die Gehirnforscher Singer und Roth sowie die Literaturwissenschaftler Schmidt und Rusch, die Kybernetiker von Foerster und von Glaserfeld, der Naturwissenschaftler Bateson, und nicht zuletzt die Sozialwissenschaftler Watzlawick, Stierlin und Bronfenbrenner.

[...]


1 Watzlawick: Die erfundene Wirklichkeit. Wie wissen wir, was wir zu wissen glauben? Beiträge zum Konstruktivismus. München. 1981. 9

2 vgl. Siebert: Pädagogischer Konstruktivismus. Eine Bilanz der Konstruktivismusdiskussion für die Bildungspraxis. Neuwied. 1999. 5


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