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Greed and Grievance - Die Diskussion um das Erklärungsparadigma zeitgenössischer innerstaatlicher Konflikte

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 31 Pages
Author: Malte Nelles
Subject: Politics - International Politics - Topic: Peace and Conflict Studies, Security

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 31
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 50  Entries
Language: German
Archive No.: V43411
ISBN (E-book): 978-3-638-41212-4
ISBN (Book): 978-3-638-59689-3
File size: 169 KB

Abstract

Ziel dieser Hausarbeit soll es sein, die zentralen Prämissen der "Greed and Grievance"-Debatte darzustellen, sie kritisch zu diskutieren und die makrotheoretischen Grundlagen beider Erklärungsansätze aufzuzeigen. Die Struktur der Arbeit und die spezifischen Forschungsfragen stellen sich wie folgt dar: In einem ersten Schritt soll möglichst kurz auf die wichtigsten Rahmenbedingungen des aktuellen Konfliktgeschehens eingegangen werden. Sie nehmen im Kontext dieser Arbeit "nur" die Rolle von Rahmenbedingungen ein, da die "Greed and Grievance"-Debatte auf der Akteursebene ansetzt und die makrostrukturellen Determinanten der Konflikte als unabhängige Variablen voraussetzt. Bei dem Forschungsgegenstand handelt es sich somit nicht um eine "kritische" [Wie etwa bei Fricke], politökonomische oder wie auch immer genannte an Marx orientierte Form der Sozialwissenschaft. Es wird nicht, wie etwa bei der "Hamburger Schule" [Vgl. Siegelberg, Jung, Schlichte], versucht, einen ganzheitlichen theoretischen Rahmen zu erschaffen, in dem nicht die Konflikte selbst untersucht werden, sondern ihre Einbettung. Aus diesem Grund soll an dieser Stelle keine tiefer greifende Analyse der "Rahmenbedingungen" in Angriff genommen werden, sondern nur allgemeine Erkenntnisse aus den Forschungsfeldern dargestellt werden. Konkret bedeutet das, dass sowohl die Folgen der Globalisierung als auch die damit verbundene Veränderung der Staatlichkeit angesprochen werden. Der Kern der Arbeit beschäftigt sich mit den Inhalten von "Greed" und "Grievance". Hierbei sollen beide Argumentationslinien getrennt untersucht und kritisch hinterfragt werden. Dabei wird ein chronologischer Vorgang gewählt, das heißt der Faktor "Grievance" wird zuerst dargestellt. Da er jedoch in keinerlei Hinsicht ein einheitliches Konzept darstellt, sondern von den Greed-Theoretikern als schemenhaftes Abgrenzungsobjekt konstruiert wurde, soll dieser Logik im Sinne der Diskussion gefolgt werden und thematisch (und nicht autorenorientiert) auf die grundsätzlichen Aussagen eingegangen werden. Im Anschluss soll die ökonomische Analyse und ihre Auseinandersetzung mit der politischen (politologischen) Argumentation untersucht und hinsichtlich ihrer empirischen Evidenz beleuchtet werden. Der wissenschaftliche Schwerpunkt der Hausarbeit liegt auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema, es soll jedoch auch vereinzelt auf die Ergebnisse von empirischen Fallanalysen und statistischen Erhebungen verwiesen werden. Ergebnis der Arbeit soll eine idealtypische Darstellung der Dichotomie von "Greed" und "Grievance" in Form einer Tabelle sein. Hierbei kommt es darauf an, die grundlegenden Aussagen vereinfacht gegenüberzustellen. Im Fazit erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit der Gesamtdiskussion. Hierbei wird die These vertreten werden, dass "Greed" und "Grievance" für sich alleine genommen keine hinreichende theoretische wie auch empirische Überzeugungskraft entfalten können, sondern qua natura einander bedingen und interagieren.


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin
Otto Suhr Institut für Politikwissenschaft
Sommersemester 2004
Seminar: Frieden und Krieg
Verfasser der Hausarbeit: Malte Nelles
Fachsemesterzahl: 6

„Greed and Grievance“ –
Die Diskussion um das dominierende Erklärungsparadigma
zeitgenössischer innerstaatlicher Konflikte

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung ... 3

1. Die Rahmenbedingungen innerstaatlicher Konflikte ... 6
1.1 Die Globalisierung ... 6
1.1.1 Die ökonomische Dimension ... 6
1.1.2 Die soziokulturelle Fragmentierung ... 7

1.2 Die Rolle des Staates ... 8
1.2.1 Der Staatszerfall und das Erbe des Kolonialismus ... 8
1.2.2 Die Privatisierung der Gewalt ... 10

2. Die „Greed and Grievance“-Debatte ... 10
2.1 Der Erklärungsansatz „Grievance“ ... 10
2.1.1 Ethnizität als Kriegsursache ... 11
2.1.2 Theoretische Grundperspektiven und Kriegsverständnis ... 13
2.1.3 Kritische Einwände zur Grievance-Perspektive ... 14

2.2 Der Erklärungsansatz „Greed“ ... 15
2.2.1 Paul Colliers Weltbankreport ... 15
2.2.2 Elwerts sozialanthropologischer Ansatz der Gewaltmärkte ... 17
2.2.3 Theoretische Grundannahmen und Kriegsverständnis ... 18
2.2.4 Kritische Einwände zur ökonomischen Kriegsanalyse ... 19
2.2.4.1 Methodische Schwächen des Greed-Ansatzes ... 19
2.2.4.2 Die Depolitisierungstendenz ökonomischer Kriegsanalysen ... 22

2.3 Tabelle: Idealtypische Gegenüberstellung „Greed and Grievance“ ... 24

3. Fazit ... 25

4.Literaturverzeichnis ... 27

 

 

Einleitung


„Während der Zeit, in der die Menschen ohne eine allgemeine, sie alle im Zaum haltende Macht leben, befinden sie sich in einem Zustand, der Krieg genannt wird, und zwar in einem Krieg jeder gegen jeden“1.

In der akteurszentrierten Konfliktursachenforschung existiert seit dem Ende des kalten Krieges eine Diskussion über die dominierende Motivation der Gewaltakteure in den zeitgenössischen Bürgerkriegen. Zur Zeit des Ost-West-Konfliktes waren die Agenden größtenteils politisch im Sinne von Klassenkämpfen geprägt. Mit dem Wegfall des Ost-West Antagonismus konnte in der Konfliktforschung die These vom geostrategischen Stellvertreterkrieg nicht weiter zur hinreichenden Erklärung neuer Konflikte, die sich größtenteils in der dritten Welt abspielen, herangezogen werden. Als neues Aufsehen erregendes geopolitisches Paradigma brachte der Politologe Samuel Huntington seinen Entwurf vom „Kampf der Kulturen“ in die wissenschaftliche und öffentliche Debatte ein2. Wenn auch viel umstritten und teilweise als „Mär“3 diskreditiert, so teilt es mit den zentralen Thesen der Konfliktursachenforschung der 90er eine gemeinsame Grundlage: An die Stelle des entscheidenden Faktors Politik4 tritt die Kultur als ordnende Kraft und Auslöser von Konflikten. Vor dem Hintergrund des Jugoslawienkrieges „vor der eigenen Haustür“ wird insbesondere die Ethnizität von Volksgruppen als konfliktkonstituierendes Element ausgemacht5. Ausgelöst durch den soziologischen Fragmentierungsprozess der Globalisierung6 erlangt die Bedeutung kollektiver kultureller Identität eine Hochkonjunktur für die Erklärung jedweder (inter)nationalen Konfliktformation.

Seit Ende der 90er existieren in der Konfliktursachenforschung erste kritische Ansätze zur universalen Erklärungskraft der Ethnizitätsthese7. Den entscheidenden Wendepunkt bilden einige Veröffentlichungen einer von der Weltbank eingerichteten Forschungsgruppe unter Leitung des Ökonomen Paul Collier8. 2001 erscheint unter seiner Mitwirkung ein Sammelband mit dem programmatischen Titel „Greed and Grievance“9. Die zentrale Aussage Colliers und der Befürworter seiner These ist, dass es bei den zeitgenössischen und historischen10 „Bürgerkriegen“ den zentralen Akteuren nicht um die Durchsetzung machtzentrierter politischer Ziele (egal ob sie nun ethnisch, kulturell oder ideologisch begründet sind) geht, sondern dass die persönliche Bereicherung das maßgebende Kriterium sei, um in den Krieg zu ziehen. Vom Letztgenannten im Sinne seiner clausewitzschen Tradition kann man daher eigentlich nicht mehr sprechen. Krieg wäre demnach nicht mehr die „Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“11, sondern die „Fortsetzung der Ökonomie mit anderen Mitteln“ oder schlichtweg eine neue Form der Kriminalität. Eine „Greed“ Argumentation zielt demnach immer auf die (Kriegs)Ökonomie eines Konfliktes, „Grievance“ wird im Verständnis des Autors mit „politischem Bedürfnis“(gleich welchen Charakters) übersetzt.

Ziel dieser Hausarbeit soll es sein, die zentralen Prämissen der „Greed and Grievance“- Debatte12 darzustellen, sie kritisch zu diskutieren und die makrotheoretischen Grundlagen beider Erklärungsansätze aufzuzeigen. Die Struktur der Arbeit und die spezifischen Forschungsfragen stellen sich wie folgt dar13:

  1. In einem ersten Schritt soll möglichst kurz (!) auf die wichtigsten Rahmenbedingungen des aktuellen Konfliktgeschehens eingegangen werden. Sie nehmen im Kontext dieser Arbeit „nur“ die Rolle von Rahmenbedingungen ein, da die „Greed and Grievance“- Debatte auf der Akteursebene ansetzt und die makrostrukturellen Determinanten der Konflikte als unabhängige Variablen voraussetzt. Bei dem Forschungsgegenstand handelt es sich somit nicht um eine „kritische“14, politökonomische oder wie auch immer genannte an Marx orientierte Form der Sozialwissenschaft. Es wird nicht, wie etwa bei der „Hamburger Schule“15, versucht, einen ganzheitlichen theoretischen Rahmen zu erschaffen, in dem nicht die Konflikte selbst untersucht werden, sondern ihre Einbettung. Aus diesem Grund soll an dieser Stelle keine tiefer greifende Analyse der „Rahmenbedingungen“ in Angriff genommen werden, sondern nur allgemeine Erkenntnisse aus den Forschungsfeldern dargestellt werden. Konkret bedeutet das, dass sowohl die Folgen der Globalisierung als auch die damit verbundene Veränderung der Staatlichkeit angesprochen werden.
  2. Der Kern der Arbeit beschäftigt sich mit den Inhalten von „Greed“ und „Grievance“. Hierbei sollen beide Argumentationslinien getrennt untersucht und kritisch hinterfragt werden. Dabei wird ein chronologischer Vorgang gewählt, das heißt der Faktor „Grievance“ wird zuerst dargestellt. Da er jedoch in keinerlei Hinsicht ein einheitliches Konzept darstellt, sondern von den Greed-Theoretikern als schemenhaftes Abgrenzungsobjekt konstruiert wurde, soll dieser Logik im Sinne der Diskussion gefolgt werden und thematisch (und nicht autorenorientiert) auf die grundsätzlichen Aussagen eingegangen werden. Im Anschluss soll die ökonomische Analyse und ihre Auseinandersetzung mit der politischen (politologischen) Argumentation untersucht und hinsichtlich ihrer empirischen Evidenz beleuchtet werden. Der wissenschaftliche Schwerpunkt der Hausarbeit liegt auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema, es soll jedoch auch vereinzelt auf die Ergebnisse von empirischen Fallanalysen und statistischen Erhebungen verwiesen werden.
  3. Ergebnis der Arbeit soll eine idealtypische Darstellung der Dichotomie von „Greed“ und „Grievance“ in Form einer Tabelle sein. Hierbei kommt es darauf an, die grundlegenden Aussagen vereinfacht gegenüberzustellen.
  4. Im Fazit erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit der Gesamtdiskussion. Hierbei wird die These vertreten werden, dass „Greed“ und „Grievance“ für sich alleine genommen keine hinreichende theoretische wie auch empirische Überzeugungskraft entfalten können, sondern qua natura einander bedingen und interagieren.

[...]


1 In: Hobbes 165

2 Vgl. Huntington

3 Vgl. Fricke

4 Im Sinne von Geopolitik, Klassenkampf etc

5 Vgl. Fricke, Scherrer

6 Vgl. Teusch, Fricke, Altvater/Mahnkopf

7 Eine der überzeugendsten Arbeiten zum Thema verfasste der Anthropologe Georg Elwert mit seiner Theorie der Gewaltmärkte 1997

8 Vgl. Collier, Collier/Hoeffler

9 Vgl. Berdal/Malone

10 Das Datenset zu Colliers Untersuchung basiert auf einer statistischen Untersuchung von Bürgerkriegen bis ins Jahr 1965

11 Vgl. Clausewitz

12 Dem Inhalt wäre sie logischerweise nach besser Greed or Grievance genannt worden, da eben nicht die Kompabilität, sondern die Ausschließlichkeit von theoretischen Annahmen, im Zentrum der Diskussion steht

13 Relevante Definitionen werden nicht in der Einleitung, sondern im thematischen Kontext geliefert.

14 Wie etwa bei Fricke

15 Vgl. Siegelberg, Jung, Schlichte


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