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Die humanitäre Intervention - Entwicklung einer neuen Rechtsfigur?

Scholary Paper (Seminar), 2004, 22 Pages
Author: Malte Nelles
Subject: Politics - International Politics - Topic: Law of Nations and Human Rights

Details

Event: Krieg und Frieden - Die UNO und das Völkerrecht
Institution/College: Free University of Berlin (Otto Suhr Institut für Politikwissenschaften)
Tags: Intervention, Entwicklung, Rechtsfigur, Krieg, Frieden, Völkerrecht
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 22
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 23  Entries
Language: German
Archive No.: V43412
ISBN (E-book): 978-3-638-41213-1
ISBN (Book): 978-3-638-59690-9
File size: 130 KB

Abstract

Die humanitäre Intervention gehört zu den umstrittensten Rechtsfiguren des Völkerrechts und der internationalen Politik seit dem Ende des kalten Krieges. Speziell seit der Nato-Intervention im Kosovo, die ohne ein Mandat des UNO-Sicherheitsrates vonstatten ging, wird darüber diskutiert, ob, und wenn, unter welchen Bedingungen eine humanitäre Intervention völkerrechtlich zulässig und moralisch vertretbar bzw. unbedingt angebracht ist. Fakt ist, dass weder die UN-Charta, noch andere völkerrechtlich relevante Verträge das Rechtsinstitut der humanitären Intervention kennen. Die politische Praxis während der 90er Jahre mit humanitären Interventionen im Irak, Somalia, Haiti, Ruanda, Ost-Timor und dem Kosovo verdeutlicht den Regelungsbedarf hinsichtlich einer klaren völkerrechtlichen Klärung. Die Quadratur des Kreises besteht dabei darin, das bestehende positive Völkerecht in Einklang mit den ethischen Ansprüchen in der Diskussion zu bringen. Befürworter der humanitären Intervention argumentieren hauptsächlich mit dem gestiegenen Status der Menschenrechte, der eine militärische Intervention als letztes Mittel der Politik bei einer Verletzung grundlegender menschenrechtlicher Normen begründet. Somit handelt es sich im Kern um ein Problem zwischen (juridischer) Legalität und (moralischer) Legitimität [Vgl. Preuß.]. Der Schwerpunkt dieser Hausarbeit soll auf dem ersten Punkt liegen.


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin
Otto Suhr Institut für Politikwissenschaft
Sommersemester 2004
Seminar: Krieg und Frieden. Die UNO und das Völkerrecht
Verfasser der Hausarbeit: Malte Nelles
Fachsemesterzahl: 6

Die Humanitäre Intervention – Entwicklung einer neuen Rechtsfigur?

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung ... 3

1. Die Menschenrechte als Schutzgut der humanitären Intervention ... 5
1.1 Die Institutionalisierung der Menschenrechte im VN-System ... 5
1.1.1 Die Charta der Vereinten Nationen ... 5
1.1.2 Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ... 5
1.1.3 Die Menschenrechtspakte ... 6
1.1.4 Andere völkerrechtliche Dokumente zum Menschenrechtsschutz ... 7
1.1.5 Institutionalisierung der Menschenrechte und humanitäre Intervention ... 8
1.2 Der Rechtscharakter der Menschenrechte ... 8

2. Die humanitäre Intervention im Völkerrecht ... 10
2.1 Völkerrechtliche Grundlagen und Probleme ... 10
2.1.1 Das Gewaltverbot (Art. 2.4SVN) ... 10
2.1.2 Das Interventionsverbot (Art. 2.7 SVN) ... 11
2.2 Die humanitäre Intervention ohne Mandat des Sicherheitsrats ... 12
2.2.1 Lex lata ... 12
2.2.2 Lex ferenda ... 13
2.2.2.1 Die Zielsetzung der humanitären Intervention und ihr Verhältnis zum Gewaltverbot ... 13
2.2.2.2 Nothilfe auf Basis des Artikels 51 SVN ... 13
2.2.2.3 Humanitäre Intervention im „failed state“ ... 13
2.2.2.4 Neubewertung der Chartaziele ... 13
2.2.3 Die gewohnheitsrechtliche Geltung ... 15
2.2.3.1 Die Staatenpraxis ... 15
2.2.3.2 Die opinio iuris ... 16
2.2.4 Zwischenfazit ... 17
2.3 Die humanitäre Intervention durch den Sicherheitsrat ... 16
2.4 Kriterien für eine humanitäre Intervention ... 17

3. Fazit ... 20

4. Literaturverzeichnis ... 21

 

 

Einleitung


„Wer das Problem der humanitären Intervention nicht auch und in erster Linie als ein eben humanitäres akzeptiert, von dem ist auch jene sittliche Disposition nicht zu erwarten , die eine Vorraussetzung für die Beantwortung der Rechtsfrage nach Zulässigkeit und Gebotenheit der humanitären Intervention ist“1.

Die humanitäre Intervention gehört zu den umstrittensten Rechtsfiguren des Völkerrechts und der internationalen Politik seit dem Ende des kalten Krieges. Speziell seit der Nato-Intervention im Kosovo, die ohne ein Mandat des UNO-Sicherheitsrates vonstatten ging, wird darüber diskutiert, ob, und wenn, unter welchen Bedingungen eine humanitäre Intervention völkerrechtlich zulässig und moralisch vertretbar bzw. unbedingt angebracht ist. Fakt ist, dass weder die UN-Charta, noch andere völkerrechtlich relevante Verträge das Rechtsinstitut der humanitären Intervention kennen. Die politische Praxis während der 90er Jahre mit  humanitären Interventionen im Irak, Somalia, Haiti, Ruanda, Ost-Timor und dem Kosovo verdeutlicht den Regelungsbedarf hinsichtlich einer klaren völkerrechtlichen Klärung. Die Quadratur des Kreises besteht dabei darin, das bestehende positive Völkerecht in Einklang mit den ethischen Ansprüchen in der Diskussion zu bringen. Befürworter der humanitären Intervention argumentieren hauptsächlich mit dem gestiegenen Status der Menschenrechte, der eine militärische Intervention als letztes Mittel der Politik bei einer Verletzung grundlegender menschenrechtlicher Normen begründet. Somit handelt es sich im Kern um ein Problem zwischen (juridischer) Legalität und (moralischer) Legitimität2.

Der Schwerpunkt dieser Hausarbeit soll auf dem ersten Punkt liegen. Die ethische Komponente soll nicht gänzlich ausgegliedert werden, jedoch soll in erster Linie die rechtliche und nicht die moralphilosophische Problematik behandelt werden. Die Struktur der Arbeit orientiert sich an der grundlegenden normativen Güterabwägung3 der Debatte: der Frage nach der Kompabilität bzw. dem Vorrang des Rechtsguts Frieden und dem (in diesem Kontext) im Spannungsverhältnis stehenden Ziel des universalen Menschenrechtsschutzes. Letzterem soll der erste Abschnitt der Arbeit gewidmet werden. Hierbei wird sowohl knapp auf die Institutionalisierung der Menschenrechte im System der Vereinten Nationen eingegangen, als auch auf die grundlegende Frage nach den Besonderheiten, dem spezifischen Rechtscharakter der Menschenrechte. Ziel soll es sein, auf die gewachsene Relevanz des Menschenrechtsschutzes hinzuweisen, der, der Argumentation der Befürworter der humanitären Intervention nach, eine neue Interpretation einiger grundlegender Prinzipien der UN-Charta erfordert. Die einschlägigen Normen, die eine humanitäre Intervention bis jetzt verbieten4, sind das Gewaltverbot (Art. 2.4 SVN) und das Interventionsverbot (Art. 2.7 SVN). Beide sollen auf ihren rechtlichen Gehalt und ihre Ausnahmen hin untersucht werden. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob oder in wie weit sich die Rechtsfigur der humanitären Intervention in die Dogmatik einfügen lässt, ohne den Kerngehalt der Gebote zu konterkarieren. Nach der vertragsrechtlichen Begutachtung soll eine mögliche gewohnheitsrechtliche Geltung geprüft werden.

In einem letzten Schritt untersuche ich die Kriterien, nach deren Ablauf eine humanitäre Intervention von statten gehen muss. Hierbei lasse ich die Frage der prinzipiellen völkerrechtlichen Legalität außer acht. Selbst prominente Völkerrechtler argumentieren dafür, einen angenommenen Bruch des Rechtes moralisch zu legitimieren. So sprach etwa Bruno Simma von der humanitären Intervention als „lässliche Sünde“5. Selbst für den Fall, dass sich ein Teil der Staatengemeinschaft möglicherweise über das (aktuelle) Recht setzt, ist es somit auch für eine rechtlich unzulässige Intervention unabdingbar, einem Kriterienkatalog zu folgen, damit eine Intervention zumindest moralisch legitimiert, dem Primat der Humanität verpflichtet, abläuft.

1. Die Menschenrechte als Schutzgut der humanitären Intervention
1.1 Die Institutionalisierung der Menschenrechte im VN-System
1.1.1 Die Charta der Vereinten Nationen

Bereits in der UNO-Charta wird auf die herausragende Stellung der Menschenrechte eingegangen. In der Präambel wird auf die Überzeugung des Glaubens „an die Grundrechte des Menschen, an Würde und Wert der menschlichen Persönlichkeit“6 als normative Grundlage der Charta verwiesen. Dies verdeutlicht, dass die Idee der Menschenrechte eine konstitutive Grundlage der Charta ist, auch wenn ein konkreter Katalog von Menschenrechten fehlt.

1.1.2 Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte gilt als die wichtigste Rechtsquelle des internationalen Menschenrechtschutzes. Aufgrund politischer Differenzen zwischen den politischen Lagern des Westens und des sozialistischen Ostens7 während der Entstehungsphase nach dem zweiten Weltkrieg war es nur möglich, sich auf eine „allgemeine Erklärung“ statt, wie eigentlich intendiert, auf einen völkerrechtlichen Vertrag, zu einigen. Der materielle Gehalt der Allgemeinen Erklärung lässt sich in drei verschiedene Gruppen von Rechten unterteilen:

I. Die liberalen Freiheitsrechte

Sie sind normiert in den Artikeln 3-19. Zu ihnen zählen grundlegende negative Freiheitsrechte, wie etwa das Recht auf Leben und persönliche Freiheit (Art.3 AEdM), Verbot von Folter ( Art.5 AEdM) und Sklaverei (Art. 4 AEdM) sowie rechtliche Verfahrensgrundsätze wie zum Beispiel der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art.10 AEdM).

II. Die politischen Mitwirkungsrechte

[...]


1 In: Köck S.28

2 Vgl. Preuß

3 Vgl. hierzu auch Pfeil

4 In wie weit sie dies wirklich tun soll im Laufe der Arbeit noch untersucht werden. In jedem Fall repräsentiert die Aussage aber die herrschende völkerrechtliche Lehrmeinung zum Thema

5 In: SZ-Interview mit Bruno Simma, abgedruckt in: Lutz, S.289

6 In: Charta der Vereinten Nationen, in: Völkerrechtliche Verträge

7 Vgl. Opitz


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