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Hollandia meets Brecht - Ein Vergleich der Dreigroschenoper Bertolt Brechts mit der Inszenierung von Der Fall der Götter von Hollandia hinsichtlich der Montageelemente

Termpaper, 2002, 25 Pages
Author: Bogdan Büchner
Subject: Theater Studies

Details

Category: Termpaper
Year: 2002
Pages: 25
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 13  Entries
Language: German
Archive No.: V43461
ISBN (E-book): 978-3-638-41242-1

File size: 269 KB
Notes :




Excerpt (computer-generated)

Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für deutsche Philologie
PS II: Bertolt Brecht: Drama und Theater der 20er
Fachsemester: 03

Hollandia meets Brecht - Ein Vergleich der Dreigroschenoper
Bertolt Brechts mit der Inszenierung von Der Fall der Götter
von Hollandia hinsichtlich der Montageelemente

von: Bogdan Büchner

 


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung  1

II. Der Begriff Montage 2

III. Montage in der Dreigroschenoper 4

1. Die textliche Montage  4
2. Die musikalische Montage  7
3. Die darstellerische Montage 10
4. Die bildliche Montage  12

IV. Theatergroep Hollandia: Der Fall der Götter 14

1. Die darstellerische Montage  15
2. Die textliche und musikalische Montage  19
3. Die bildliche Montage  20

V. Resultate und Folgerungen 22

VI. Literaturverzeichnis  23


 

I. Einleitung

Noch heute genießt Bertolt Brecht in der Forschung ein sehr hohes Ansehen, er gilt als der Begründer des epischen Theaters, als Ziehvater der DDRDramatik und als Theaterreformer seit den 20er Jahren. Doch neben den Lobgesängen in den Jahrbüchern und wissenschaftlichen Studien zeigt sich die Praxis kritischer und hinterfragt, was Brechts Stücke heute noch zu sagen haben. In der Tat scheint die Antwort nicht sehr viel versprechend zu sein und so entschwindet allmählich das geistige Erbe des gebürtigen Augsburgers von den Spielplänen der deutschsprachigen Theaterlandschaft. Die Gründe liegen für einen Münchner Theaterkritiker auf der Hand. Brechts „Mutter Courage“ und alle anderen seiner Theatertexte (...), sie erweisen sich heute eben nicht als Kunstwerke, die über ihre geschichtliche Beschränktheit hinausweisen. Sie sind nicht zeitlos gegenwärtig. (...) Es gibt nichts mehr zu verstehen, was nicht schon verstanden worden ist. Also höchste Zeit für das Theater, will es nicht allein zum Mitarbeiter der Schulen taugen, sich von Brechts allzu gut gemeinten und allzu schlicht gedachten Stücken zu verabschieden. 1 Bei diesem Urteil scheint die Frage berechtigt zu sein, ob Brechts Theatertheorien ebenso ihre Gültigkeit verloren haben. Auch hier hat das Theater schließlich eine Entwicklung vollzogen; die ästhetische Wahrnehmung geht zunehmend von medialen Einflüssen aus, die Wissenschaftler sprechen von neuen Theorien des Theaters, von Postdramatik und Popkultur.

Vor diesem Hintergrund will sich die vorliegende Studie vor allem mit Brechts Theatertheorien am Beispiel der Montage beschäftigen. Nach einer ausführlichen Definition des vagen Begriffes, erfolgt im zweiten Schritt eine analytische Untersuchung der Dreigroschenoper. Im Anschluss daran werden die gewonnenen Ergebnisse für einen Vergleich mit der postmodernen Theatergruppe Hollandia genutzt. Sie zählt zu den erfolgreichsten experimentellen Ensembles der Niederlande und greift in der Inszenierung von Der Fall der Götter Brechts Montagetechnik auf. Dieser Vergleich soll daher die These untermauern, dass Brecht Ästhetik noch heute einen gültigen Wert besitzt.

II. Der Begriff Montage

Eine allumfassende und angemessene Definition des Montageausdrucks scheint noch heute ein Problem zu sein, da die interdisziplinäre Dimension des Begriffes nur sehr schwer zu erfassen ist. Dementsprechend vermitteln eine Vielzahl von Wörterbüchern eine spezifische Einordnung der Montage und klammern die vorgeschichtliche Entwicklung und Wandlung des Begriffes meist aus. Nur selten wird daher erwähnt, dass dessen Ursprünge nicht in der Kunst, sondern im Militär, im handwerklich-industriellen und technischen Bereich zu finden sind. Erst mit dem Ende des ersten Weltkrieges und der aufkeimenden futuristischen Technikbegeisterung vermengen sich die Grenzen zwischen Technik und Kunst; die Absolutheit und Autonomie beider Seiten wird nun bewusst negiert. In der Folge avanciert die Montage zum Sinnbild der avantgardistischen Kunst sowie zum kritischen Provokationselement gegen die alte künstlerische Tradition. Diese Entwicklung erfasst dabei verschiedenste Bereiche: die Literatur (Döblin „Berlin Alexanderplatz“, Holz „Die Blechschmiede), die Musik (John Cage, Luigi Russolo), die Fotografie (George Grosz, John Heartfield) und schließlich auch den Film, den man seit Eisenstein („Panzerkreuzer Potemkin“, „Streik“) und bis dato am engsten mit der Montage in Verbindung bringt. Vor allem die Sowjetunion, als Keimzelle der Montage, verändert mit seinen Vertretern Eisenstein und Meyerhold (dramatische Revue) die traditionelle Praxis in Theater und Film und beeinflusst u.a. das künstlerische Schaffen in der Weimarer Republik. Als deutscher Vorreiter der Montage im Theater gilt nach wie vor Erwin Piscator, der mit seinen politischen Revuen unmittelbar an Wsewolod Meyerhold anknüpft. Dabei nutzt er verschiedenste mediale Vermittlungsformen (Zeitung, Musik, Fotomontage und Filmprojektionen), läßt sich von den clownesken und akrobatischen Künsten des Zirkus beeinflussen, so dass in Verbindung mit der marxistischen Gesinnung Piscators ein proletarisches Agitationstheater auf die Bühne gebracht wird. Obwohl er seine Theaterästhetik nicht explizit theoretisch formuliert, gilt er als der eigentliche Begründer des epischen Theaters, das nicht den einzelnen Helden, sondern die gesellschaftlichen Widersprüche im Mittelpunkt stellt. Piscator will vor allem die dramatischen Werke in ihren geschichtlichen und gesellschaftlichen Dimensionen begreifbar machen, sie sollen „Ideen (...) gestalten, keineswegs aber eine Tendenz (...) propagieren. (...) Gerade dieses Theater [das politisch-proletarische] kann nur wirken, wenn es zu überzeugen, die geistigen Energien der Massen auszulösen und umzusetzen vermag.“2 Daneben spricht er sich im Sinne der Episierung gegen eine strikte Trennung von Zuschauer- und Bühnenraum aus und verfolgt die Vision eines Totaltheaters im Sinne der späteren nationalsozialistischen Thing-Bühnen.

Aufgrund der terminologischen Variabilität und interdisziplinären Dimension der Montagekunst scheint in erster Linie eine allgemeingültige Definition notwendig. Eine entsprechende formuliert der Literaturwissenschaftler Volker Klotz. Er spricht von einer „Tätigkeit, vorgefertigte Teile zu einem Ganzen zusammenzusetzen.“3 Im Ablauf dieser Prozesses sind zwei Schritte notwendig: zunächst die Fragmentierung, d.h. die Herauslösung der Elemente aus dem ursprünglichen Zusammenhang, dann die Kombination, d.h. die Neuzusammensetzung in einem anderen Kontext. Diese kann entweder horizontal (nacheinander) oder vertikal (in gleichzeitiger Abfolge) erfolgen. Viktor Zmegac unterscheidet zusätzlich zwischen einem demonstrativen und integrierenden Montageverfahren. Während das Erstere offenbart, „wo ein Teil aufhört und ein anderer beginnt“4, wird im zweiten Verfahren nichts augenfällig, d.h. die Montage ist „gedanklich eingegliedert.“5 Die Kombination der theatralischen Zeichen verfolgt schließlich das Ziel, den Zuschauer bei seiner Betrachtung zu aktivieren, ohne suggestive Wirkungen zu vermitteln. Das Verständnis der Darstellung, die Analyse und die Erklärung der intendierten Zusammenhänge hängt somit von der eigenen Beteiligung des Zuschauers ab. Nicht umsonst kommt Viktor Zmegac zu dem Ergebnis, „dass der Held der Montage im Grunde der Leser/Zuschauer [ist], der die in der Montage enthaltenen Züge realisiert.“6

III. Montage in der Dreigroschenoper

[...]


1 Sucher, C. Bernd: Was können wir mit Brecht noch anfangen? In: Süddeutsche Zeitung. Feuilleton. 27. März 2002

2 Piscator, Erwin: Bühne der Gegenwart und Zukunft. In: Lazarowicz/Balme (Hrsg.): Texte zur Theorie des Theaters. Reclam. Stuttgart. 1993

3 Braungart/Grubmüller (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Weimar/Berlin/New York. 1998. S. 631

4 Zmegac, Victor: Montage/Collage. In: Moderne Literatur in Grundbegriffen. Niemeyer. Tübingen. 1994. S. 286-291

5 edb.

6 edb.


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