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Literatur als Schlüssel zur moralischen Entwicklung

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 32 Pages
Author: Christoph Mahlberg
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies

Details

Event: Kurzgeschichten und kurze Geschichten im Unterricht
Institution/College: University of Education Weingarten
Tags: Literatur, Schlüssel, Entwicklung, Kurzgeschichten, Geschichten, Unterricht
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 32
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 13  Entries
Language: German
Archive No.: V43580
ISBN (E-book): 978-3-638-41342-8
ISBN (Book): 978-3-638-65718-1
File size: 215 KB
Notes :
Psychologische und pädagogische Ansätze als Grundlage für den 'moralischen' Literaturunterricht am Beispiel einer Kurzgeschichte


Abstract

Ein Mensch durchlebt von Beginn seiner Geburt viele Entwicklungen, die für sein Leben von immenser Bedeutung sind. Sehr zentral ist die Entwicklung der moralischen Reflexions- und Handlungsfähigkeit, die sich gerade im Kindesalter von Jahr zu Jahr erheblich ändert. Moralisches Handeln ist für jeden Mensch elementar, um sich in unsere Gesellschaft einzufügen. Die moralische Entwicklung wird von vielen Reizen beeinflusst und gesteuert. Nicht nur das Elternhaus, sondern auch die Schule versucht dem Kind wichtige Sozialkompetenzen zu vermitteln oder ihn dabei zu unterstützen selbst diese Kompetenzen entwickeln zu können. Mein Ziel dieser Arbeit war es, wie man den Literaturunterricht für diese verantwortungsvolle Aufgabe nutzen kann. Wie kann man mit Hilfe von Literatur, speziell mit kurzen Geschichten und Kurzgeschichten den Schüler in seiner moralischen Lernentwicklung unterstützen? Um auf diese Frage eine Antwort zu finden, muss aber zuvor ein stabiles Fundament gelegt werden. Aus diesem Grund war es mir wichtig zu Beginn auf den Begriff ‚Moral’ speziell einzugehen. Denn erst wenn man diesen Begriff umfassend versteht, kann man mit ihm auch arbeiten. Hierzu zog ich philosophische und psychologische Ansätze verschiedener Wissenschaftler hinzu, um den Begriff sinnvoll einzuengen. Weiterhin muss die ‚moralische Entwicklung’ als Lernprozess verstanden werden, der gerade für die Schule von großer Bedeutung ist. Welcher entwicklungspsychologische Ansatz steht hinter der moralischen Entwicklung? Wie sieht der moralische Lernprozess eines Menschen aus? Welche Bedeutung hat dies für den Auftrag der Schule? All diese psychologischen und pädagogischen Ansichten bilden die Basis für die anschließend folgende Spezialisierung im Literaturunterricht. Hier werde ich zunächst die allgemeine Bedeutung der Literatur in Bezug zu moralischen Entwicklung setzen. Darauf folgt dann anhand eines Beispiels der Transfer zur Kurzgeschichte. Ich versuche dieses Beispiel wiederum in Bezug zum Vorangegangenen zu setzen.


Excerpt (computer-generated)

Literatur als Schlüssel zur moralischen Entwicklung

von: Christoph Mahlberg

8. Fachsemester

 


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort / Einleitung 3

2. Was ist Moral? 4

2.1. Moralische Prinzipien 4
2.2. Moralische Prinzipien und deren Achtung 6
2.3. Moral – Eine Sammlung 8

3. Moralische Entwicklung, Handlung und Erziehung 9

3.1. Stufen des moralischen Urteilens als Verlauf einer moralischen Entwicklung 10
3.2. Der Ansatz für die Pädagogik 11
3.3. Werteorientierung als Auftrag in der Schule 12

3.3.1. Moralische Handlungsfähigkeit als Lernprozess 12
3.3.2. Moralische Entwicklungsförderung in der Schule 14

4. Kurzer Zwischenstand 16

5. Moral und Literatur 17

5.1. Perspektivenübernahme und Empathie 18
5.2. Probleme von Kohlbergs Stufentheorie beim Einsatz im Literaturunterricht 19

6. Die Wahl des Textes 20

6.1. Moralische Argumentation im Vergleich zur Stufentheorie 21
6.2. Die Wahl einer Kurzgeschichte 21
6.3. Die Kurzgeschichte zum Anstoß moralischen Denkens am Beispiel 23

6.3.1. „Die Henker“ von Henry Jaeger (WILLENBERG, S.128 ff.) 25
6.3.2. Moralische Aspekte in „Die Henker“ 28
6.3.3. Gedanken, Fragen und Analogien zu moralischen Prinzipien 29
6.3.4. „Die Henker“ und Kohlbergs Stufentheorie 30

6.4. „Die Henker“ im Unterricht 31

7. Schlussbemerkung 31

8. Literatur 32





1. Vorwort / Einleitung

Ein Mensch durchlebt von Beginn seiner Geburt viele Entwicklungen, die für sein Leben von immenser Bedeutung sind. Sehr zentral ist die Entwicklung der moralischen Reflexions- und Handlungsfähigkeit, die sich gerade im Kindesalter von Jahr zu Jahr erheblich ändert. Moralisches Handeln ist für jeden Mensch elementar, um sich in unsere Gesellschaft einzufügen. Die moralische Entwicklung wird von vielen Reizen beeinflusst und gesteuert. Nicht nur das Elternhaus, sondern auch die Schule versucht dem Kind wichtige Sozialkompetenzen zu vermitteln oder ihn dabei zu unterstützen selbst diese Kompetenzen entwickeln zu können. Mein Ziel dieser Arbeit war es, wie man den Literaturunterricht für diese verantwortungsvolle Aufgabe nutzen kann. Wie kann man mit Hilfe von Literatur, speziell mit kurzen Geschichten und Kurzgeschichten den Schüler in seiner moralischen Lernentwicklung unterstützen? Um auf diese Frage eine Antwort zu finden, muss aber zuvor ein stabiles Fundament gelegt werden. Aus diesem Grund war es mir wichtig zu Beginn auf den Begriff ‚Moral’ speziell einzugehen. Denn erst wenn man diesen Begriff umfassend versteht, kann man mit ihm auch arbeiten. Hierzu zog ich philosophische und psychologische Ansätze verschiedener Wissenschaftler hinzu, um den Begriff sinnvoll einzuengen. Weiterhin muss die ‚moralische Entwicklung’ als Lernprozess verstanden werden, der gerade für die Schule von großer Bedeutung ist. Welcher entwicklungspsychologische Ansatz steht hinter der moralischen Entwicklung? Wie sieht der moralische Lernprozess eines Menschen aus? Welche Bedeutung hat dies für den Auftrag der Schule? All diese psychologischen und pädagogischen Ansichten bilden die Basis für die anschließend folgende Spezialisierung im Literaturunterricht. Hier werde ich zunächst die allgemeine Bedeutung der Literatur in Bezug zu moralischen Entwicklung setzen. Darauf folgt dann anhand eines Beispiels der Transfer zur Kurzgeschichte. Ich versuche dieses Beispiel wiederum in Bezug zum Vorangegangenen zu setzen.

2. Was ist Moral?

Der Begriff Moral hat im alltäglichen Sprachgebrauch eine vielleicht nicht eindeutige Bedeutung, zumindest wird er einigermaßen vielseitig behandelt: „Deine Arbeitsmoral ist schlecht“, „…und die Moral von der Geschicht’…“, „Ich kann das moralisch nicht verantworten“, „Ich halte es für meine moralische Pflicht“. Nur ein paar Beispiele für die Verwendung des Wortes Moral. Auch wenn man denkt, es sei klar, was diese oder ähnlichen Aussagen bedeuten, bemerkt man bei genauerem Betrachten zu diskutierende Unterschiede. Ein Konversationslexikon umschreibt Moral wie folgt: „Moral [zu lat. Mos »Sitte«, »Brauch«] die, 1) die der gesellschaftl. Praxis zugrunde liegenden und als verbindlich akzeptierten ethischsittl. Normen(systeme) des Handelns; 2) die sittliche Haltung eines Einzelnen oder einer Gruppe; 3) lehrreiche Nutzanwendung, sittl. Gehalt (M. einer Geschichte); 4) Solidarität einer Gruppe, Bereitschaft, sich einzusetzen“ (BROCKAHUS, Bd.9, S.378). Dieses Lexikon erklärt den Terminus Moral unter Verwendung einiger Kernbegriffe, wie ‚gesellschaftlich’, ‚ethisch’, ‚sittlich’ oder auch ‚Normen’. Somit tritt der soziologische Gehalt des Wortes Moral in den Mittelpunkt. Die aber wohl beste Möglichkeit, sich dem Begriff Moral zu nähern, liegt wohl darin, die Erschließung dieses vielleicht schwammigen Wortes anhand philosophischer und all-gemeingültiger Gedanken von der Antike bis in die Moderne zu verdeutlichen. Ich werde folgend lediglich einen Überblick geben, damit das Wort ‚Moral’ weniger abstrakt erscheint. Ein tiefes philosophisches Eintauchen in der Bedeutungsdiskussion wäre sowohl zu umfangreich, als auch für diese Arbeit nicht unbedingt notwendig.

2.1. Moralische Prinzipien

„Bei Fragen der Moral geht es um gut und böse“ (HERZOG, S.151). Diese lapidare Unterscheidung zeigt einen komplexen Sachverhalt, vor allem im Umgang mit eben dem ‚Guten’ oder dem ‚Bösen’. Der amerikanische Psychologe und Verhaltensforscher Burrhus Frederic Skinner (1904-1990) erklärt den Menschen für automatisch gut, damit sie das Böse meiden. Notwendig für diese Unterscheidung ist aber die Fähigkeit, die Frage erörtern zu können, was ‚gut’ oder ‚schlecht’ ist. Für diese Erörterung ist die Ethik die Diskussionsplattform. Der britische Philosoph George Edward Moore (1873-1958) unterscheidet hier nochmals explizit zwischen ‚schlecht’ und ‚böse’, denn das Böse ist eine Eigenschaft, die lediglich dem Menschen zugeschrieben werden kann. Schlecht dagegen können auch Dinge, Ereignisse oder auch Zustände sein. Somit kommen wir zu der Frage, was böse eigentlich ist. Eine interessante Ansicht vertritt der deutsche Philosoph Walter Schulz (1912-2000), der meint „böse sei die Unordnung“, genauer: „Der Umsturz der Ordnung in mir selbst und der Ordnung in Bezug zu anderen“ (HERZOG, S.152). Herzog stellt hier die Frage, ob das Böse in der Zerstörung und das Gute in der Wahrung der Ordnung liege. Eine positive Antwort auf jene Frage führt zum Schluss, die Ordnung verkörpere das ‚Gute’. Berechtigte Zweifel gibt es von Herzog: Zum Beispiel Diktaturen, die auch eine Art politische Ordnung verkörpern, seien mit dem Guten nicht gleichzusetzen. Um Ordnung mit dem ethischen und moralischen Bezug zum Guten gleichsetzen zu können, muss hier ein Transfer hergestellt werden: Die Ordnung darf nicht als fester äußerer Umstand gesehen werden, dem wir ohnmächtig gegenüberstehen.

„Die Antwort liegt in unserem Selbstverständnis. Ordnung ist etwas, das wir uns – wenigstens zum Teil – selbst zuschreiben. […] Der moderne Mensch ist der schaffende Mensch, der sich die Ordnungen seines Seins selbst gibt – in der Technik gegenüber der Natur, in der Politik, gegenüber der Gesellschaft und in der Erziehung gegenüber sich selbst. Er steht in der Situation desjenigen, der Ordnung selbst entwerfen, machen und durchhalten muss“ (HERZOG, S.152 f.).

Also nicht das, was ist, ist ‚gut oder böse’, sondern das, was wir tun ist ‚gut oder böse’. Zusammenfassend wird die Moral, also die Frage ‚gut oder böse’ zu Attributen von Handlungen. Das ‚moralische’ wird subjektiviert. (HERZOG, S.150 ff.) Diese Subjektivierung hat sich in den Ansichten seit der Antike bis heute erheblich gewandelt. In der Antike steht das ‚Gute’ und das ‚Wahre’ dicht zusammen. Sokrates sieht in der Tugend das Wissen selbst. Böses wird aus Unkenntnis getan, denn „wer um die Wahrheit weiss, der ist auch erfüllt vom Guten“ (HERZOG, S.153). Die Ansicht hat sich im Christentum geändert. Während in der Antike noch die Wahrheit und das Wissen als individueller Zugang zum Guten gesehen wurden, tat der Mensch im Christentum Böses nicht aus mangelndem Wissen, sondern aus mangelndem oder gar fehlendem Glauben. Die Erkenntnis selbst tritt bei den Christen stark in den Hintergrund. Der Mensch soll auf Gott vertrauen, er soll ihm gehorchen, sonst gibt er sich der Sünde hin. „A-dam und Eva wurden sündig, weil sie nicht gehorchten“ (HERZOG, S.154). Die Weisheit im Christentum wird aber nicht völlig außer Acht gelassen, sie wird nur anders interpretiert: Die Weisheit wird nicht individuell durch Wissen angeeignet, sondern eben durch die Furcht vor Gott:

[...]


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