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Auseinandersetzung mit der literarischen Gattung Märchen unter besondere Berücksichtigung der Wesenszüge nach Lüthi

Autor: Agnes Slabon
Fach: Deutsch - Gattungen

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Details

Veranstaltung: Das Märchen
Institution/Hochschule: Universität Dortmund
Tags: Auseinandersetzung, Gattung, Märchen, Berücksichtigung, Wesenszüge, Lüthi, Märchen
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 19
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 8  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 251 KB
Archivnummer: V43613
ISBN (E-Book): 978-3-638-41371-8

Textauszug (computergeneriert)

Universität Dortmund,
Seminar: Das Märchen
Semester: 8

Auseinandersetzung mit der literarischen Gattung Märchen
unter besondere Berücksichtigung der Wesenszüge nach Lüthi

von: Agnes Slabon

 


Inhaltsverzeichnis

TEIL 1: THEORETISCHE ASPEKTE ZUM MÄERCHEN

1. Zur Terminologie 3

2. Geschichte des Märchens 4

3. Typologie des Märchens 7

3.1 Die Wesenszüge nach Lüthi 8

3.1.1 Zum Handlungsablauf 9
3.1.2 Zum Personal und Requisiten 10
3.1.3 Zur Darstellungsart 11

3.1.3.1 Eindimensionalität 11
3.1.3.2 Flächenhaftigkeit 11
3.1.3.3 Abstrakter Stil 12
3.1.3.4 Isolation und Allverbundenheit 13
3.1.3.5 Sublimation und Welthaltigkeit 13

3.1.4 Kritik an den Wesenszügen Lüthis 14

4. Funktion des Märchens 15

TEIL 2: BEZUG ZUM STUDIENGANG PRIMARSTUFE

5. Funktion des Märchens für den Grundschulunterricht 16

5.1 Hinweise für den Einsatz von Märchen im Grundschulunterricht 17

Literaturverzeichnis


 

TEIL 1: THEORETISCHE ASPEKTE ZUM MÄERCHEN

1. Zur Terminologie

Der Begriff „Märchen“ ist die Diminutivform zum mittelhochdeutschen Wort „maere“, das der Bedeutung der Wörter „Kunde, Bericht oder Erzählung“ entspricht. Er bezeichnete anfänglich einfach eine kurze Erzählung. Die Verkleinerungsform „Märchen“, zunächst als „merechyn“, wurde 1450 erstmals belegt, unterlag allerdings wie andere Diminutive früh einer Bedeutungsverschlechterung und wurde als Bezeichnung für unwahre und erdachte Geschichten gebraucht.1

Eine Gegenbewegung gegen die Bedeutungsverschlechterung „setzte im 18. Jahrhundert ein, als unter französischem Einfluss Feenmärchen und Geschic hten aus ’Tausendundeiner Nacht’ in Mode kamen“2) Letztendlich konnten im 19. Jahrhundert einerseits die Märchensammlungen der Gebrüder Grimm und Bechsteins und andererseits die Dichtungen der Romantiker und Andersens dem Märchen die negative Assoziation nehmen, so dass heute die Lexeme Volksmärchen und Kunstmärchen wertungsfrei eine bestimmte Erzählgattung benennen. Allerdings erinnert der Märchenbegriff im Kontext einiger Redewendungen an die Bedeutungsveränderungen des Ausdrucks: „Erzähl mir doch keine Märchen“ an Zeiten der Bedeutungsverschlechterung und „So schön wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht “ an Zeiten der Bedeutungsverbesserung. Obwohl sich das mitteldeutsche Wort „Märchen“ in der Schriftsprache durchgesetzt hat, lassen sich im mündlichen Sprachgebrauch weitere Variationen der Bezeichnung finden. Da es in anderen Sprachen keine Begriffe gibt, die in dieser Form spezifisch diese Erzählgattung bezeichnen, sondern entweder zu allgemein gewählt, auch für andere Textgattungen vorgesehen sind oder gar nur einen Teil des Märchenrepertoirs berücksichtigen, wird der Ausdruck „Märchen“ aufgrund seiner spezifischen Anwendung auf eine besondere Art der Erzählung in anderen Ländern als Fremdwort genutzt. 3

2. Geschichte des Märchens

Die Gattung Märchen ist eine der ältesten Formen des Kulturguts, welche bereits um ca. 2000 vor Christus ihren Ursprung hat und die zunächst nur durch mündliche Überlieferung erhalten werden konnte. Es erscheint rätselhaft, dass sich verschiedene Motive aus der europäischen Märchenkultur auch in den Märchen Indiens, Persiens oder auch Russlands wieder finden lassen. Ursprünglich war diese Erzählform ausschließlich für die Ohren von Erwachsenen bestimmt; wenn Kinder sie hörten geschah dies eher zufällig.4 Schon aus den Kulturen des Altertums überlieferte Geschichten enthalten klassische Motive und Abläufe von Volksmärchen. Aus dem alten Ägypten in der Zeit um 1200 v. Chr. stammende Überlieferungen enthalten typische Märchenmotive wie die Hindernisflucht, warnende Tiere, Todeszeichen und Unheilsprophezeiungen. Ebenso finden sich in Erzählungen des alten Israel märchenähnliche Motive und Abfolgen von Ereignissen wie am deutlichsten am apokryphen Buch Tobit ersichtlich wird, in dem ein Engel eine ähnliche Rolle wie „der dankbare Tote“ spielt.

Auch in der Literatur des alten Griechenlands und Roms finden sich zahlreiche Elemente des uns heute bekannten Märchens. Insbesondere in den Geschichten des Herakles, Perseus und der Argonauten vorhandene Strukturen ähneln in Grundgedanke und Aufbau dem Märchenschema. Außerdem lassen sich Parallelen zwischen der römischen Erzählung von Amor und Psyche und dem Märchen vom Tierbräutigam feststellen. Alle aufgeführten Elemente können jedoch nicht als Beweis für die Existenz von Märchen im Altertum dienen, denn Wesensmerkmale wie die oben aufgeführten Motive können genauso gut aus anderen Erzählformen wie Mythen und Epen stammen und auf diese Weise in die späteren Märchen gelangt sein. In aus der Literatur des frühen Mittelalters überlieferten Texte lassen allenfalls auf die Existenz märchenhafter Elemente in den Erzählungen dieser Zeit schließen, da sich einzelne Märchenmotive finden (z.B. in der Edda) und einzelne Geschichten existieren, die als Schwankmärchen bezeichnet werden (Geschichte vom Meisterlügner, von den befolgten Ratschlägen, vom Einochs).

Während aus dem späten Mittelalter wiederum eine Reihe von Texten bekannt ist, die, wie z.B. verschiedene Fabeln und Schwänke aus Predigtsammlungen, ebenfalls in Ablauf und Motiven dem Märchen lediglich ähneln, datieren einige Autoren die Entstehung des Märchens 4 Vgl. Paukner, Gertrud: Das Märchen. In: Internationales Institut für Jugendliteratur und Leseforschung (Hrsg.): Einführung in die Kinder- und Jugendliteratur der Gegenwart. Wien 1992, 41ff. auf genau diese Zeit. So erzählten die Gebrüder Grimm mit ihrem Märchen „ Das Eselein“ die dem Frankreich des 14. Jh. entstammende Versdichtung „Asinarius“ wieder. Außerdem spiegelt sich das Märchen vom „dankbaren Toten“ in zahlreichen Ritterromanen und im französischen Artusroman „Perceforest“ erscheint das Schema des Dornröschenmärchens. Eine deutliche Zunahme an überlieferten Erzählungen, die als Märchen bezeichnet werden können, ist ab der Zeit des 16. Jh. zu verzeichnen. Hervorzuheben sind hier die „Ergötzlichen Nächte“ der Italieners Giovan Francesco Straparolas, eine Sammlung weitgehend mündlicher Überlieferungen mit einer Vielzahl an Märchen (Geschichten vom Meisterdieb, vom Tierprinzen, vom Zauberlehrling), sowie „Das Märchen aller Märchen, oder Unterhaltung der Kinder“ von Giambattista Basile, in dem die Gebrüder Grimm in allen 50 Erzählungen Parallelen zu ihren eigenen Märchen entdeckten (z.B. Tischleindeckdich, Aschenputtel, Rapunzel, Schneewittchen, Dornröschen, König Drosselbart). Auch diese Geschichten scheinen weitestgehend mündlichen Überlieferungen zu entstammen und enthalten für manche Märchen die älteste bekannte Vollform.

[...]


1 Vgl. Lüthi, Max: Märchen. Metzler, Stuttgart, 1996, 1.

2 Ebd,1.

3 Vgl. ebd,1f; Vgl. Ziesenis, Werner: Märchen. In: Lange, Günter (Hrsg.); Marquardt, Doris (Hrsg.); Petzoldt, Leander (Hrsg.); Ziesenis, Werner (Hrsg.). Textarten – didaktisch. Schneider Verlag Hohengehren GmbH, Baltmannsweiler, 2001, 100.

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