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Scholary Paper (Seminar), 2003, 31 Pages
Author: Katja Böttche
Subject: History - Didactics
Details
Tags: Spezifik, Darstellung, Untersucht, Beispiel, Legenden, Rudolf, Habsburg
Year: 2003
Pages: 31
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 37 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-41411-1
File size: 344 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Rostock – Historisches Institut
Proseminar: Geschichtsdidaktik im Spannungsfeld von
Geschichtswissenschaft, Pädagogik und Unterrichtspraxis
5. Semester
Die Spezifik der historischen Darstellung - Untersucht am
Beispiel der Legenden um Rudolf von Habsburg
von: Katja Böttche
INHALT
1. EINLEITUNG 3
2. GESCHICHTSBEGRIFF / WESEN 4
3. DIE EREIGNISSE - RES GESTAE 6
3.1 REKONSTRUKTION DER VERGANGENHEIT 7
3.2 QUELLEN 9
4. DIE HISTORISCHE DARSTELLUNG - MEMORIA RERUM GESTARUM UND HISTORIA RERUM GESTARUM 11
4.1 DIE NARRATIVE STRUKTUR DER GESCHICHTE 11
4.2 HISTORISCHES ERZÄHLEN 13
4.3 GESCHICHTE UND IMAGINATION 14
5. SAGEN UND LEGENDEN UM RUDOLF VON HABSBURG 16
5.1 RUDOLF VON HABSBURG 16
5.2 DIE LEGENDE VOM FROMMEN HERRSCHER 17
5.2.1 Geschichtsschreibung im Mittelalter 18
5.2.2 Herkommen, Überlieferung und Umdeutung 20
6. FOLGEN FÜR DIE VERMITTLUNG VON GESCHICHTE IM UNTERRICHT 25
7. LITERATUR 27
7.1. ZUR THEORIE 27
7.2 ZU RUDOLF VON HABSBURG 28
8. ANHANG 30
8.1 DIE SAGE 30
8.2 SCHILLERS GEDICHT (1803) 31
1. EINLEITUNG
In der fünften Klasse finden Schüler in der Regel das neue Fach Geschichte auf ihrem Stundenplan. Obwohl sie sich nur wage vorstellen können, was sie dort erwarten wird und der Begriff zu der Annahme führen könnte, sie würden dort Geschichten erzählt bekommen, sind sie doch schon lange vor dem Geschichtsunterricht mit Geschichte in Berührung gekommen. In ihrer Lebenswelt stoßen sie auf historische Quellen in Form von Bildern, Denkmälern, Schriftstücken und mündlichen Erzählungen oder auf historische Darstellungen.1 Ob Sachbücher, Comics, historische Kinderbücher oder Jugendromane, auf die eine oder andere Art kommen Kinder mit der Vergangenheit in Berührung. In diesem Zusammenhang können sie in einem Sagenbuch auch auf eine der Sagen um Rudolf von Habsburg stoßen. Schon vor dem Geschichtsunterricht hat sich auf Grund dieser lebensweltlichen Erfahrungen ein gewisses Geschichtsbild in den Kindern gebildet. Der Lehrer steht hier vor dem Problem, dass sich dieses Bild hauptsächlich auf der Grundlage belletristischer Literatur aufgebaut hat. Leider ist ein Schriftsteller aber kein Historiker, obwohl zwischen beiden gewisse Parallelen bestehen.
Ziel des Geschichtsunterrichts ist es Geschichtsbewusstsein auszubilden. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei das Wirklichkeitsbewusstsein, dass uns zwischen real und fiktiv unterscheiden lässt. Die Kinder müssen lernen, dass eine historische Darstellung die Vergangenheit nicht 1:1 wiedergeben kann, dass Unterschiede zwischen Schriftstellern und Historikern bestehen. Dazu ist es notwendig ihnen die Spezifik der Geschichte darzulegen, um sie so zu befähigen Richtiges von Falschem zu trennen und ihr eigenes Geschichtsbild auszuprägen. Auf dem Weg dahin müssen sie lernen, wie historische Fakten entstehen, wie man mit Quellen und Darstellungen umgeht und welchen historischen Aussagewert auch Mythen und Legenden noch haben können. Beispielhaft soll das am Beispiel der Sage Die Frömmigkeit Rudolfs von Habsburg geschehen. Sagen eignen sich besonders gut für beide Schritte. Man kann den Kern der Sage erforschen und sich gleichzeitig über das Geschichtsdenken und die historische Praxis vergangener Zeiten klar werden. Zu Beginn soll versucht werden den Geschichtsbegriff für den Historiker einzugrenzen und seinen Arbeitsgegenstand zu beleuchten. Vor allem die Spezifik der historischen Darstellung soll uns hier beschäftigen und am praktischen Beispiel der Sage erläutert werden.
2. GESCHICHTSBEGRIFF / WESEN
Vor aller Arbeit eines Wissenschaftlers steht die Aufgabe seinen Forschungsbereich abzugrenzen und zu definieren. Auch der Historiker muss bestimmen, was er unter Geschichte versteht und welches Ziel er mit seiner Geschichtsschreibung verfolgt. Die erste Frage lautet also: Was ist Geschichte? Als Vater der Geschichtsschreibung wird im Allgemeinen Herodot gesehen. Das von ihm benutzte Wort historein (historie) bezeichnet sowohl das Forschen als auch das Wissen und das Berichten darüber und umfasst thematisch vergangenes Geschehen ebenso wie geographische und ethnographische Zusammenhänge. In der römischen Geschichtsschreibung bezeichnet historia sowohl das Geschehen als auch seine Darstellung, was das abendländische Geschichtsdenken bis heute prägt.2 Im Mittelalter bedeutet das sich daraus bildende Lehnwort Historie Erzählung und Aufzeichnung weltgeschichtlicher Begebenheiten. Hinzu tritt aber bald die Benutzung des deutschen Wortes Geschichte.3 Abgeleitet von althochdeutsch scehan = geschehen, meint das Wort gisciht, geschiht (als Singular Neutrum; dann Plural: die geschihte, daraus Femininbildung) ursprünglich Ereignis, Begebenheit, auch Tat, Werk.4
In einem aktuellen Wörterbuch5 werden zum Stichwort Geschichte fünf Bedeutungen angegeben. Neben der umgangssprachlich unangenehmen Sache oder Angelegenheit steht die mündliche oder schriftliche, in einen logischen Handlungsablauf gebrachte Schilderung eines tatsächlichen oder erdachten Geschehens, Ereignisses, im Sinne einer Erzählung. In der Form einer Erzählung, die auf wahren Ereignissen beruht ist wohl der Ursprung der Geschichtsschreibung zu suchen. Der Begriff wurde lange Zeit in der Pluralform verwendet und lässt eine Geschichtsauffassung erkennen, die sich von der Summierung von Einzelgeschichten her bestimmte.6 Im 18. Jahrhundert wurde dieser Begriff Geschichten von einer begrifflichen Neuschöpfung durch den Kollektivsingular Geschichte abgelöst.7 Ursprünglich unterschied man zwischen Geschichte als objektivem Geschehen und Historie als Erzählung und Darstellung vergangenen Geschehens. Die Begriffe wurden austauschbar und seit Ende des 18. Jahrhunderts umfasst der Begriff Geschichte Geschehen, dessen Darstellung und die sich damit befassende Wissenschaft. HEGEL fasst folgende Definition zusammen: „Geschichte vereinigt in unserer Sprache die objektive sowohl und subjektive Seite und bedeutet ebenso wohl die historiam rerum gestarum als die res gestas selbst, die eigentliche unterschiedene Geschichtserzählung als das Geschehen, die Taten und Begebenheiten selbst“ (Die Vernunft in der Geschichte, 51955, 164).8 Wir haben es beim Begriff Geschichte somit mit einem Doppelbegriff zu tun, der sowohl das Ereignis als auch die Kunde vom Ereignis meint.
3. DIE EREIGNISSE - RES GESTAE
Im weiteren Sinn ist Geschichte der zeitliche Ablauf allen Geschehens in Natur und Gesellschaft. Im engeren Sinn meint Geschichte den Gesamtkomplex menschlicher Praxis in der Vergangenheit in allen Bereichen und all ihren Veränderungen im Fluss der Zeit, das heißt den Entwicklungsprozess der menschlichen Gesellschaft als Ganzes oder ihrer Individuen, ihrer ökonomischen, politischen, ideologischen, sozialen und kulturellen Ausformung, also das politisch- soziale Beziehungsgeflecht zwischen den Menschen in all seinen zeitlichen Bezügen.9 Die Verschmelzung eines Vorher und Nachher macht aus aneinandergereihten Begebenheiten eine Sinneinheit ein Ereignis.10 Der Historiker versucht diese Ereignisse aufzuspüren, um so die Vergangenheit ins Bewusstsein zurück zu rufen. Doch in diesem Stützen auf Ereignisse ergeben sich erste Schwierigkeiten aus deren Besonderheiten heraus. Der Begriff Ereignis findet vor allem unter dem Einfluss verschiedener Dichter bei den Historikern Verwendung, da man davon ausging, die Arbeit beider sei verwandt. Für Ranke waren Ereignisse Wirkungszusammenhänge und somit „Vorgänge, die neue leitende Tendenzen und damit neue Epochen einleiten oder beenden.“11
[...]
1 Darstellungen können im Bildungs-, Traditions- und Erlebnisbereich vorkommen.
2 BOSHOF, Egon: Geschichte: Was ist Geschichte? In: Brockhaus-Computerenzyklopädie 2002.
3 FÜRNROHR, Walter: Ansätze einer problemorientierten Geschichtsdidaktik. Eine Einführung. Bamberg 1978, S. 7.
4 BOSHOF.
5 DUDEN. Deutsches Universalwörterbuch. 3. völlig neu überarb. Aufl. Mannheim u.a. 1996.
6 BOSHOF.
7 ROHLFES, Joachim: Geschichte und ihre Didaktik. 2. überarb. Aufl., Göttingen 1997. S. 28.
8 Zitiert nach: BOSHOF.
9 Brockhaus-Computerenzyklopädie 2002.
10 KOSELLECK, Reinhart: Ereignis und Struktur. In: KOSELLECK, Reinhart; STEMPEL, Wolf-Dieter (Hrsg.): Geschichte – Ereignis und Erzählung. München 1973. S.561.
11 BORST, Arno: Das historische >Ereignis<. In: KOSELLECK, Reinhart; STEMPEL, Wolf-Dieter (Hrsg.): Geschichte – Ereignis und Erzählung. München 1973. S. 537.
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