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Autor: Vivien Göken
Fach: Sprachwiss. / Sprachforschung (fachübergreifend)
Details
Tags: Applikativ, Santali, Rahmen, Lexical, Functional, Grammar
Jahr: 2004
Seiten: 85
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 34 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 424 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-41470-8
Textauszug (computergeneriert)
Sprachwissenschaft
Der Applikativ im Santali im Rahmen der Lexical-Funtional Grammar (LFG)
Magisterarbeit zur Erlangung des Magister Artium
im Fachbereich
Sprach- und Literaturwissenschaft
der Universität Osnabrück
vorgelegt von
Vivien Göken
2004
INHALTSVERZEICHNIS
Liste der grammatischen Abkürzungen ... 3
1. Einleitung ... 5
2. Übersicht der linguistischen Grundlagen ... 10
2.1. Semantische Rollen ... 14
2.2. Grammatische Relationen ... 18
3. Zur Definition des Applikativs ... 24
3.1. Der Applikativ im Kichaga ... 25
3.2. Der Applikativ im Chichewa ... 28
4. Allgemeine Einführung ins Santali ... 32
4.1. Grammatische Relationen im Santali ... 38
5. Applikativkonstruktionen im Santali ... 41
5.1. Der benefaktive Applikativ ... 45
5.2 Der Applikativ mit der semantischen Rolle Rezipient ... 48
5.3. Applikativ-Objekte mit der semantischen Rolle des Stimulus ... 51
5.4. Der Applikativ mit der semantischen Rolle Ziel ... 56
6. Was ist Lexical Functional Grammar ? ... 59
6.1. Zu den Prinzipien der Lexical Mapping Theory (LMT) ... 65
7. Der Applikativ im Santali aus Sicht der LFG ... 69
8. Zusammenfassung der Ergebnisse ... 80
9. Literaturverzeichnis ... 82
9.1. Ressourcen aus dem Internet ... 85
„Sprache ist sowohl allgemeingültig als auch spezifisch für uns.“
JOAN BRESNAN
1. EINLEITUNG
Für viele Menschen ist der Aspekt, der uns von den Tieren unterscheidet, unser Vermögen, Sprache zu verstehen und zu produzieren. Die Fähigkeit des Sprechens als Medium zur Verbreitung und Aufbewahrung von Information wird jedem Einzelnen von uns in die Wiege gelegt, wenngleich der Erwerb dieser Kompetenz ein bisher unenthülltes Mysterium bleibt. Das wirklich Faszinierende an Sprache ist jedoch, dass mindestens 4000 verschiedene Ausformungen1 dieser Fähigkeit existieren, obwohl wir prinzipiell ein und derselben Spezies angehören. Vom linguistischen Standpunkt aus sind all diese Sprachen gleich wichtig und verdienen es untersucht zu werden, jedoch verfügen nicht alle Sprachen über ein eigenes Verschriftungssystem zur Bewahrung der Geschichte und der Tradition einer sozialen Gemeinschaft. Dies macht die Arbeit für Linguisten nicht gerade einfach, aber nicht weniger interessant.
Die Munda-Sprache Santali verfügte bis vor wenigen Jahrzehnten über keine eigene Schriftform. Darüber hinaus stammen die wenigen linguistischen Publikationen, die sich mit dieser Sprache beschäftigen, vorwiegend aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts und enthalten daher stark veraltete Texte. Nichtsdestotrotz wurde auf Basis dieser schriftlichen Überlieferungen mein Interesse am Santali geweckt, das in einer Exkursion nach Indien zur Feldforschung mit Muttersprachlern des Santali und der Darstellung der gesammelten Ergebnisse innerhalb dieser Ausarbeitung gipfelt. In der vorliegenden Arbeit werde ich nun die grammatischen Relationen in den Applikativkonstruktionen der Munda-Sprache Santali untersuchen. Genauer gesagt, werde ich bestimmte grammatische Merkmale untersuchen, die gemeinhin als charakteristisch für das direkte Objekt im Santali betrachtet werden. Auf ihrer Basis soll dann argumentiert werden, ob eine NP in den Applikativkonstruktionen des Santali existiert, die unzweifelhaft als das direkte bzw. primäre Objekt identifiziert werden kann. Um es gleich vorweg zu nehmen, die Existenz einer solchen NP innerhalb der unterschiedlichen Applikativkonstruktionen im Santali wird nicht in Frage gestellt. Ich möchte jedoch beweisen, dass in Applikativkonstruktionen mit zwei Objekten nur eine einzige NP die typischen Merkmale aufweist, die im Santali mit einem primären Objekt verbunden werden.
Derartige Asymmetrien unter Objekten, die sich in den Applikativkonstruktionen der natürlichen Sprachen manifestieren, sind Gegenstand einer Vielzahl linguistischer Studien gewesen. Vor allem die Applikativkonstruktionen in den Bantu-Sprachen wurden ausführlichen Untersuchungen unterzogen (beispielsweise in: Kisseberth und Abasheikh 1977, Baker 1992, Alsina & Mchombo, Bresnan & Moshi, Harford allesamt 1993) mit dem Ergebnis, dass sich die Bantu-Sprachen ausgehend vom syntaktischen Verhalten ihrer Objekte nach zwei Sprachtypen kategorisieren lassen: dem symmetrischen Typ und dem asymmetrischen Typ. Eine symmetrische Sprache erlaubt dabei mehr als einer NP die syntaktischen Merkmale eines primären Objekts darzulegen, während in einer asymmetrischen Sprache nur eine einzige NP die Eigenschaften des primären Objekts aufweist. Exemplarisch werde ich mit der Bantu-Sprache Kichaga einen symmetrischen Sprachtyp und mit dem Chichewa (ebenfalls aus den Bantu-Sprachen) eine asymmetrische Sprache vorstellen, um auf dieser Basis zu analysieren, ob es sich beim Santali um eine symmetrische oder eine asymmetrische Sprache handelt.
Die eigentliche Analyse des Applikativs im Santali wird mit Hilfe der Lexical Mapping Theory (LMT) vorgenommen, die ein Bestandteil der Lexical Functional Grammar (LFG) ist. Das grammatik-theoretische Gerüst wird somit von der LFG gestellt, die einen flexiblen und mathematisch solide definierten Formalismus aufweist, der sich auf typologisch unterschiedliche Sprachen verwendbar zeigt. Daher ist die Lexical Functional Grammar (LFG) auch auf solche Sprachen anwendbar, die wie beispielsweise Santali über keine VP-Konstituente verfügen (nicht-konfigurationelle Sprachen). Damit ist gemeint, dass für das Subjekt nicht dadurch eine höhere Position gegenüber dem Objekt angenommen wird, indem es als einziges Argument außerhalb einer Konstituente des Objekts und des Prädikats stehen kann.
Inhaltlich setzt sich diese Arbeit folgendermaßen zusammen: Das folgende Kapitel dient primär der Klärung der linguistischen Grundlagen. In Kapitel 3 erfolgen nach einer allgemeinen Darstellung der Funktionsweise des Applikativs die bereits angesprochenen Analysen der Applikativkonstruktionen im Kichaga und dem Chichewa. Kapitel 4 beschäftigt sich mit der Vorstellung des Santali unter phonologischen, morphologischen und syntaktischen Aspekten, um dann die unterschiedlichen Applikativkonstruktionen im Santali vorzustellen (Kapitel 5). Während Kapitel 6 eine Definition der Lexical Functional Grammar (LFG) darlegt, wird die weiterführende Analyse des Applikativs im Santali unter Verwendung der Lexical Mapping Theory (LMT) im 7. Kapitel durchgeführt.
Jetzt noch einige Worte zu den Beispielesätzen innerhalb dieser Ausarbeitung. Die im Laufe dieser Arbeit verwendeten Beispiele sind entsprechend den Publikationen gekennzeichnet, denen sie entnommen wurden.
[...]
1 Diese Zahl basiert auf Crystal (1995:285), der seine Angabe auf Voegelin & Voegelin (1977) stützt, die über 20.000 Bezeichnungen für Sprachen und Dialekte aufzählen und diese in etwa 4500 lebende Sprachen einteilen. Zwischenzeitlich dürfte sich diese Gesamtzahl – wie Crystal schlüssig hinweist – etwas reduziert haben, da bereits 1977 die minimalen Sprecherzahlen teilweise eine rückläufige Tendenz aufwiesen.
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