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Autor: Karoline Kühnelt
Fach: Medien / Kommunikation - Mediengeschichte
Details
Tags: Goebbels, Propagandisten, Ostmark
Jahr: 2004
Seiten: 277
Note: sehr gut
Literaturverzeichnis: ~ 117 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 627 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-41472-2
sehr großer Anhang!
Textauszug (computergeneriert)
„Goebbels’ Propagandisten“ für die Ostmark -
Journalisten, die mit dem Anschluss nach Österreich kamen, um in Presse und Propaganda tätig zu werden
Eine kollektivbiografische Studie über den Berufsverlauf 1938-1945 und nach dem Ende des NS-Regimes
DIPLOMARBEIT
zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie
an der Fakultät der Human- und Sozialwissenschaften
der Universität Wien
eingereicht von
Karoline Kühnelt
Wien, März 2004
Inhaltsverzeichnis
ABKÜRZUNGEN ... 5
I. EINLEITUNG ... 7
1. Problemstellung und Zielsetzung ... 9
1.1. Untersuchungsgruppe ... 10
1.2. Der Untersuchungszeitraum ... 10
1.3. Kategorienbildung und Fragestellungen ... 11
1.4. Fragestellungen der Analysen I und II ... 11
2. Aufbau der Arbeit ... 13
3. Methodisches Vorgehen ... 14
4. Quellen ... 14
4.1. Archive ... 14
4.2. Institutionen und Verbände ... 17
4.3. Literatur und Nachschlagewerke ... 18
4.4. Fachzeitschriften ... 19
4.5. Andere Quellen ... 19
5. Literatur ... 20
5.1. Literatur zum Thema „Anschluss“ und Presse ... 20
5.2. Literatur zum Nachkriegsjournalismus ... 21
6. Anmerkungen der Verfasserin ... 23
6.1. Grenzen der Aussage und Bewertung ... 25
6.2. Geschlechtsspezifische Benennung ... 25
II. ENTWICKLUNG DER PRESSE IM „DEUTSCHEN REICH“ AB 1933
1. Nationalsozialistische Pressepolitik ... 26
1.1. Das „Schriftleitergesetz“ ... 28
1.2. Presselenkung - Berliner Pressekonferenz und DNB ... 30
1.3. Die demokratische Presse ... 31
1.4. Die Parteipresse der Nationalsozialisten ... 32
1.5. Bürgerlich-konservative Presse ... 33
2. Resümee: Nationalsozialistische Pressepolitik ... 34
III. ANALYSE I: „SCHRIFTLEITER“, DIE 1938/39 AUS DEM „DEUTSCHEN REICH“ NACH ÖSTERREICH KAMEN
1. Kategorien ... 36
2. Auswertung: „Schriftleiter“- Biografien 1938 bis 1945 ... 38
2.1. Regionale Herkunft und politischer Hintergrund ... 38
2.2. Aufenthaltsort der „Schriftleiter“ in der „Ostmark“ ... 45
2.3. Alter zum Zeitpunkt der Überweisung ... 46
3. Arbeitsbereiche der „Schriftleiter“ in der „Ostmark“ ... 47
4. Kategorie I: „Schriftleiter“ in der Propaganda für Staat und Partei ... 48
4.1. „Schriftleiter“ in Institutionen zur Presselenkung ... 48
4.2. Durchführung der „Gleichschaltung“ - der „Reichsverband der deutschen Presse“ in Österreich ... 54
4.3. „Schriftleiter“ in Nachrichtenagenturen ... 56
5. Kategorie II: „Schriftleiter“ in der österreichischen Zeitungen ... 57
5.1. „Anschluss“ und „Gleichschaltung“ der Presse in der „Ostmark“ ... 57
5.2. „Schriftleiter“ in der Presse der „Ostmark“ ... 61
5.3. Zeitungen privater Verleger ... 67
5.4. Leitende Funktionen in der Presse ... 67
5.5. Schriftsteller ... 70
6. Kategorien III und IV: Berufe in anderen Bereichen ... 70
7. Kriegsdienst ... 70
7.1. „Schriftleiter“ im Wehrmachtseinsatz ... 70
7.2. Einsatz in der Kriegsberichterstattung ... 71
8. „Schriftleiterinnen“, die mit dem „Anschluss“ nach Österreich kamen ... 73
9. Resümee: „Schriftleiter“, die 1938 in die „Ostmark“ kamen ... 75
IV. ANALYSE II: „GOEBBELS` PROPAGANDISTEN“ NACH DEM ENDE DER NS-HERRSCHAFT
1. Untersuchung des Berufsverlaufs nach 1945 ... 80
1.1. Fragestellungen der Analyse II ... 81
1.2. Kategorienbildung: Ehemalige „Schriftleiter“ nach 1945 ... 81
2. Entnazifizierung in Österreich ... 83
2.1. Allgemeine Entnazifizierungsmaßnahmen ... 83
2.2. Entnazifizierung der österreichischen Presse ... 86
2.3. Entnazifizierungsverfahren ehemaliger „Schriftleitern“ ... 88
3. Entnazifizierung der deutschen Presse ... 89
4. Analyse II: Arbeitsfelder und Aufenthaltsort der ehemaligen „Propagandisten Goebbels`“ nach 1945 ... 92
4.1. Ehemalige „Schriftleiter“ nach 1945 in Österreich ... 93
4.2. Ehemalige „Schriftleiter“ nach 1945 in Deutschland ... 94
4.3. Ehemalige „Schriftleiter“ - 1945 in Österreich, dann in Deutschland ... 96
4.4. Im Exil - Ehemalige „Schriftleiter“ nach 1945 im Ausland ... 98
4.5. Ehemaliger „Schriftleiter“ mit unbekanntem Aufenthaltsort ... 98
5. Resümee - Karrieren ehemaliger „Schriftleiter“ nach 1945 ... 99
V. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK ... 106
VI. BIOGRAFIEN ... 114
VII. ANHANG ... 277
1. Literatur für die gesamte Darstellung ... 277
2. Literatur zum Erstellen der Journalisten-Biografien ... 282
3. Quellen zum Erstellen der Journalisten-Biografien ... 286
4. Tabellenverzeichnis ... 292
I. Einleitung
Nahezu sechs Jahrzehnte nach der Zerschlagung des nationalsozialistischen Regimes sind viele Fragen zu den Auswirkungen der Jahre 1938 bis 1945 auf die österreichischen Medien noch offen. In der kommunikationswissenschaftlichen Forschung mehren sich Beiträge über die nationalsozialistische Propaganda- und Pressepolitik, die einen Exodus des geistigen Potentials aus Österreich bewirkte und die gesamte Presselandschaft nachhaltig prägte.
Der 11. März 1938, der Tag des „Anschlusses“, war der offizielle Beginn der „Gleichschaltung“, Umwälzung und „Säuberung“ der österreichischen Presse. Was fünf Jahre zuvor in Deutschland begonnen worden war, wurde nun in der „Ostmark“ fortgesetzt.1
Dass der „Anschluss“ weder überraschend noch ungeplant vonstatten gegangen war, wird anhand von verschiedenen Akten, die im Bundesarchiv Berlin lagern, deutlich. Die Eingriffe im Pressewesen der „Ostmark“ waren in Berlin Monate vor dem Einmarsch von Hitlers Truppen geplant worden. So stellte zum Beispiel der reichsdeutsche Journalist Harro Spoerl bereits im Februar 1938 an den „Reichsverband der deutschen Presse“ (RDP) die Anfrage, „ob nicht in Österreich eine allmähliche Umgruppierung auch im Pressewesen eintritt und ob eine deutsche Stelle über eine Entsendung geeigneter Kräfte beschließt“.2 Bereits einen Monat später bezog Harro Spoerl seinen Posten als „kommissarischer Leiter“ des Neuen Wiener Journals in Wien.3 Seine Versetzung war kein Einzelfall: Allein innerhalb der ersten 12 Monate nach Gründung des RDP wurden zumindest 113 „Schriftleiter“ aus dem „Deutschen Reich“ in die „Ostmark“ überwiesen, um Arbeitsplätze in der österreichischen Presse einzunehmen.4
„Schriftleiter“ - das war die zu dieser Zeit gängige Berufsbezeichnung für Redakteure und Journalisten. 1933 wurde durch das „Schriftleitergesetz“ festgelegt, wer diesen Beruf ausüben durfte. Im Zuge der Eingliederung der „Ostmark“ in das „Großdeutsche Reich“ wurde auch die österreichische Presse reichsdeutschen Institutionen unterstellt und das „Schriftleitergesetz“ eingeführt.
Die Gruppe der „Schriftleiter“, die 1938/39 nach Österreich kamen, soll in der vorliegenden Arbeit einer Analyse unterzogen werden. 113 Kurzbiografien wurden erstellt. Dabei wurde das Hauptaugenmerk vor allem auf die berufliche Situation zwischen 1938 und 1945 und den weitere Berufsverlauf dieser Personen nach dem Ende des NS-Regimes gerichtet.
Im Zuge der Recherche wurde bald offensichtlich, dass viele dieser Journalisten mit bestimmten Aufträgen von reichsdeutschen Stellen nach Österreich geschickt worden waren, da sie Kriterien erfüllten, die sie für einen Einsatz in der „ostmärkischen“ Presse und in Institutionen zur Presselenkung prädestinierten. Die vorliegende Studie soll den Maßnahmen, durch die die österreichische Medienlandschaft ab März 1938 radikal verändert wurde, ein Gesicht geben - oder, genauer gesagt - 113 Gesichter und Namen, die die Propaganda- und Pressepolitik des NS-Regimes in die Tat umsetzten.
Warum ist es notwendig, dass die Zeit der NS-Herrschaft auch bezogen auf die Medien einer Analyse unterzogen und unwiderrufliche Geschehnisse weiterhin thematisiert werden? Weil die Geschichte bis in die Gegenwart wirkt. Die Auseinandersetzung mit den (ehemaligen) „Schriftleitern“ und „Propagandisten Goebbels`“ zielt nicht darauf ab, einzelne Personen an den Pranger zu stellen. Es geht weniger um die Frage nach Schuld und Sühne, als um den gesellschaftlichen Zusammenhang, der über die betroffene Einzelperson hinausgeht.
„1933 und 1945 bleiben die kardinalen Daten, wenn man untersuchen will, wie sehr dem journalistischen Handeln publizistischer Eigenwert zukommt, oder ob es im politischen und historischen Zusammenhang instrumentell und nachrangig erscheint.“5
Die Untersuchung des Zeitraumes 1938 bis 1945 hat vor allem dann Relevanz, wenn es um die Langzeitfolgen der NS-Indoktrination für das Pressewesen und damit auch für öffentliche Diskurse nach dem Ende des NS-Regimes geht.
Eine Auseinandersetzung mit diesem Thema müsste vor allem auf der inhaltlichen Ebene stattfinden, die aber auf einer grundlegendere Fragestellung aufbaut: Wer waren die
Akteure der Nachkriegszeit, welche Vorgeschichte hatten sie? Auf die vorliegende Studie bezogen lautete die Frage: Was geschah mit den „Schriftleitern“, die 1938 nach Österreich gekommen waren, nach dem Ende des NS-Regimes? Konnten sie weiterhin in der demokratischen Presse in Österreich und Deutschland arbeiten? Eines sei vorweggenommen: Eine „Stunde Null“ in der Medienlandschaft hat es nicht gegeben. Wie weit jedoch die personelle Kontinuität zur NS-Presse reichte, soll in der vorliegende Arbeit anhand der untersuchten 113 „Schriftleiter“ aufgezeigt werden.
1. Problemstellung und Zielsetzung
Wer waren diese Journalisten, die mit dem „Anschluss“ in die „Ostmark“ kamen? Dass nicht ohne Grund gerade sie eingesetzt wurden, war bereits nach einigen Recherchen offensichtlich. Es galt zu klären, welchen Auftrag sie hatten, wo sie eingesetzt wurden bzw. welche Rolle sie im nationalsozialistischen Propagandaapparat spielten.
Wohin die Recherche führen würde, ob hinter diesen Namen Persönlichkeiten steckten, die so relevant waren, dass zu ihnen für die geplante Untersuchung ausreichend Akten angelegt wurden, war am Anfang nicht absehbar. Der erste Eindruck bestätigte sich: Die Mehrzahl der „Schriftleiter“ hatte in der Geschichte Spuren hinterlassen, zu den meisten wurden ausreichend Akten gefunden. Obwohl die Individualität des Einzelnen eine Vereinheitlichung und Verallgemeinerung nur eingeschränkt zulässt, wurden sehr bald Parallelen deutlich - die Gruppe wurde allmählich homogener.
Zusätzlich drängte sich ein weiterer Aspekt geradezu auf: Was geschah mit diesen Journalisten nach dem Ende der NS-Herrschaft? Waren sie weiterhin Teil der Medienlandschaft in Österreich oder in Deutschland? Aus diesem Grund wurden die Biografien - soweit die Akten Auskunft darüber gegeben haben - bis nach dem Krieg fortgesetzt.
[...]
1 Vgl. Hausjell, Fritz: Journalisten für das Reich, Der „Reichsverband der deutschen Presse“ in Österreich 1938-45, Wien 1993, S. 19 f.
2 Schreiben von Dr. Harro Spoerl an den RDP Berlin, vom 16.02.1938, in: BArch, R 103/76
3 Siehe Lebenslauf Harro Spoerl, S. 240
4 Vgl. Hausjell 1993, S. 18. Der Autor spricht von mind. 59 reichsdeutschen Journalisten, die mit dem „Anschluss“ und kurz danach in die „Ostmark“ kamen, um als „Schriftleiter“ in der Tages- und Wochenpresse sowie in Presseagenturen Karriere zu machen. Die genaue Anzahl der tatsächlich nach Österreich gekommenen „Schriftleiter“ konnte nicht eruiert werden, da nicht alle im Privatbestand von Dr. Fritz Hausjell befindlichen Ausgaben der Deutschen Presse das Verzeichnis der Überweisungen in den „Landesverband Ostmark“ beinhalten. Zu den fehlenden Listen siehe Kapitel VII. 4. Private Quellen, Privatbestand Dr. Fritz Hausjell, S. 274
5 Hachmeister, Lutz: Das Problem des Elite-Journalismus, in: Hachmeister, Lutz/Siering, Friedemann (Hrsg.): Die Herren Journalisten. Die Elite der deutschen Presse nach 1945, München 2002, S. 11. Diese Aussage trifft auf Österreich und Deutschland gleichermaßen zu, wobei für Österreich 1934 bzw. 1938 als “kardinale Daten” zu nennen sind.
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