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Autor: Marek Bartos
Fach: Philosophie - Philosophie der Neuzeit (ca. 1350 - 1600)
Details
Tags: Nikolaus, Kues, Charakterisierung, Theorie
Jahr: 2003
Seiten: 75
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 42 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 366 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-41512-5
ISBN (Buch): 978-3-638-70714-5
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und der Charakterisierung des programmatischen Gedankens eines des bedeutendsten Denkers im ausgehenden Mittelalter. Die conicidentia oppositorum, der Zusammenfall der Gegensätze bei Nikolaus von Kues ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen Entwicklung des Neuplatonismus. Hier soll gezeigt werden, wie koinzidentales Denken, welches das rein rationale übersteigt, durch den Cusaner zur Vollendung gebracht wurde.
Zusammenfassung / Abstract
Nikolaus von Kues (1401 – 1464) gilt als der bedeutendste Philosoph seines Jahrhunderts. Als Kardinal und Bischof von Brixen hatte er zudem für die Theologie seiner Zeit große Wichtigkeit. Trotz dem von der Theologie geprägten Denken ist seine Vorgehensweise immer darauf bedacht gewesen streng philosophischen Ansprüchen zu genügen. Sein Denken lässt sich nicht leicht in eine bestimmte Epoche eingliedern, da es sowohl von mittelalterlichem Gedankengut und ihren spezifischen Problematiken geprägt ist, als auch bereits moderne Denkformen der beginnenden Renaissance enthält. Zur zentralen Problemstellung wird ihm die Frage nach dem Verhältnis des Menschen zu Gott, bzw. die Frage nach der erkenntnistheoretischen Möglichkeit des Erfassens dieses Verhältnisses und der Grenzen dieses Erfassens. Diese Arbeit widmet sich dem cusanischen Kerngedanken, der coincidentia oppositorum und seiner Herkunft. Zu Beginn soll daher gezeigt werden, wie das Thema der Gegensätze die Philosophiegeschichte seit ihren Anfängen zentral beschäftigt hat. Dabei wird zu erörtern sein, wie die von Cusanus im besonderen rezipierte neuplatonische Tradition sich mit dieser Thematik auseinandergesetzt hat. Aus dem Mittelalter, das vom Konflikt zwischen Metaphysik und Logik geprägt war, ist dann exemplarisch das Denken des Johannes Scotus Eriugena und Meister Eckharts ausgewählt worden. Zum Abschluss des historischen Abrisses soll noch die Entstehung des Begriffes der Koinzidenz und der cusanischen coincidentia oppositorum angeführt werden. Nach einer systematischen Vorbemerkung zur Vorgehensweise des Nikolaus von Kues wird die erste inhaltliche Formulierung des Koinzidenzgedankens in De docta ignorantia sowie seine Präzisierungen in De coniecturis betrachtet. Dadurch tritt im folgenden Abschnitt die Frage nach dem Verständnis der coincidentia oppositorum auf, welche sich mit den Grenzen des aristotelischen Nichtwiderspruchsprinzips befasst. Im weiteren werden die besonderen Gottesnamen posse ipsum und non aliud des Kusaners betrachtet. Abschließend wird auf das Verhältnis von negativer Theologie zu affirmativer Theologie und der Überwindung beider bei Cusanus eingegangen sowie gezeigt, dass seine Philosophie systematisch als Geistmetaphysik verstanden werden kann. Diese Arbeit versteht sich auch als Einführung in die für Nikolaus von Kues spezifische und immer noch aktuelle Problematik des Verhältnisses zwischen Logik und Metaphysik bzw. dessen Lösungsversuch im cusanischen Denken.
Textauszug (computergeneriert)
Hochschule für Philosophie
Philosophische Fakultät S.J. München
Magisterarbeit zur Erlangung des Magister Artium
Die coincidentia oppositorum bei Nikolaus von Kues
Charakterisierung der Theorie
eingereicht von:
Marek Bartos
Wintersemester 2003 / 2004
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung ... 3
II. Philosophiegeschichtlicher Abriss der Herkunft des Themas der Koinzidenz ... 5
1. Prinzip der Gegensätze ... 5
a) Vorsokratiker ... 5
b) Platon ... 8
c) Aristoteles ... 10
2. Prinzip des Einen ... 11
a) Plotin ... 11
b) Proklos ... 13
c) Pseudo-Dionysios Areopagita ... 16
3. Metaphysik und Logik ... 18
a) Beispiele des Konfliktes ... 18
b) Johannes Scotus Eriugena ... 20
c) Meister Eckhart ... 23
4. Der Begriff der Koinzidenz ... 24
III. Die coincidentia oppositorum bei Nikolaus von Kues - Charakterisierung der Theorie ... 28
1. Systematische Vorbemerkung ... 28
2. maximum und minimum ... 32
a) Das Größte fällt mit dem Kleinsten zusammen ... 32
b) Geometrische Beispiele ... 36
c) Das Größte ist alles, was sein kann ... 38
3. coincidentia contrariorum und contradictorium ... 40
a) Konträre Gegensätze ... 40
b) Kontradiktorische Gegensätze ... 41
c) Das Eine als Koinzidenz oder jenseits der Koinzidenz ... 43
4. Die Gültigkeit des Nichtwiderspruchsprinzips ... 45
a) Der Satz vom Nichtwiderspruch als Prinzip des Verstandes ... 45
b) Die Gründung des Nichtwiderspruchsprinzips in der Vernunft ... 46
5. Vertiefung der Methode ... 49
a) Der Beryll ... 49
b) Die Mauer der Koinzidenz ... 52
6. Die Gottesnamen ... 54
a) possest ... 54
b) posse ipsum ... 57
c) non aliud und idem ... 58
7. Überwindung der negativen Theologie ... 64
8. Geistmetaphysik ... 66
IV. Schluss ... 70
V. Anhang ... 72
1. Siglen ... 72
2. Literaturverzeichnis ... 73
I. Einleitung
Nikolaus Krebs (Crypffs, auch: Nikolaus von Kues, Nicolai de Cusa, Nicolaus Cusanus; 1401 – 1464) gilt als der bedeutendste Philosoph seines Jahrhunderts. Als Kardinal und Bischof von Brixen hatte er zudem für die Theologie seiner Zeit große Wichtigkeit. Trotz dem von der Theologie geprägten Denken ist die Vorgehensweise des Nikolaus von Kues immer darauf bedacht gewesen streng philosophischen Ansprüchen zu genügen, wovon auch seine umfassenden Kenntnisse der Philosophie der ihm vorausgehenden Jahrhunderte zeugen. Sein Denken lässt sich nicht leicht in eine bestimmte Epoche eingliedern, da es sowohl von mittelalterlichem Gedankengut und ihren spezifischen Problematiken geprägt ist, als auch bereits moderne Denkformen der beginnenden Renaissance enthält.
Zur zentralen Problemstellung wird ihm die Frage nach dem Verhältnis des Menschen zu Gott, bzw. die Frage nach der erkenntnistheoretischen Möglichkeit des Erfassens dieses Verhältnisses und der Grenzen dieses Erfassens. Weitgehende Einheit unter den zahlreichen Interpretatoren des Cusanus in der Neuzeit besteht im Hinblick auf die Festlegung des Kerngedankens, welchen Cusanus in allen seinen philosophisch-theologischen Werken zentral behandelte: die coincidentia oppositorum, den Zusammenfall der Gegensätze. Diese Arbeit will nun in die besondere Charakteristik dieses Gedankens des Nikolaus von Kues einführen und dabei kurz die Herkunft dieses Themas zur besseren geschichtlichen und systematischen Einordnung innerhalb der Philosophiegeschichte anreißen.
Interessanterweise beginnt die moderne Rezeptionsgeschichte des Kusaners erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, weswegen bis zum heutigen Tage noch zum Teil stark differierende Interpretationen seines Denkens vorliegen. Die hier dargelegte Untersuchung möchte mit Hilfe des philosophiegeschichtlichen Abrisses der Herkunft der cusanischen Thematik die interpretatorischen Probleme offenlegen und unter Anleitung der cusanischen Originaltexte ein Verständnis für die sich ergebenden Interpretationsschwierigkeiten ermöglichen. Zu Beginn soll daher gezeigt werden, wie das Thema der Gegensätze die Philosophiegeschichte seit ihren Anfängen zentral beschäftigt hat. Kurz aufgeführt wird im Folgenden diese Problematik bei Platon und Aristoteles. Danach wird zu erörtern sein, wie die von Cusanus im besonderen rezipierte neuplatonische Tradition, hier vor allem Plotin und dessen Interpretationen durch Proklos und Pseudo-Dionysios Areopagita, welche Nikolaus von Kues zur Verfügung standen, sich mit dieser Thematik auseinandergesetzt hat. Es wird versucht zu zeigen, wie sich der Schwerpunkt von den Gegensätzen zu dem über den Gegensätzen stehenden Einen verlagert.
Aus dem Bereich der folgenden Jahrhunderte, die vom Konflikt zwischen Metaphysik und Logik geprägt waren, sind dann exemplarisch das Denken des Johannes Scotus Eriugena und des Meister Eckhart ausgewählt worden, da sie das cusanische Denken besonders intensiv beeinflusst haben. Zum Abschluss des historischen Abrisses soll noch kurz die Entstehung des Begriffes der Koinzidenz und der cusanischen coincidentia oppositorum angeführt werden. Im Hauptteil steht dieser Begriff selbst im Mittelpunkt.
Nach einer systematischen Vorbemerkung zur Vorgehensweise des Nikolaus von Kues wird die erste inhaltliche Formulierung des Koinzidenzgedankens in seinem Hauptwerk De docta ignorantia sowie seiner Präzisierungen in De coniecturis betrachtet. Dadurch tritt im folgenden Abschnitt die Frage nach dem Verständnis der coincidentia oppositorum als coincidentia contrariorum und contradictorium auf, welche sich mit den Grenzen des aristotelischen Nichtwiderspruchsprinzips befasst. Ist dies geklärt, stellt sich die Frage, ob Gott als das Eine selbst die Koinzidenz der Gegensätze ist oder noch darüber hinausgeht, und wenn ja, wie dieser Gedanke dem Menschen fassbar sein soll? Zur Klärung dient im nächsten Abschnitt die Vertiefung der cusanischen Methode wie er sie vor allem in De beryllo festgehalten hat. Im Anschluss sollen noch die besonderen Gottesnamen possest, posse ipsum und non-aliud des Kusaners betrachtet und in Anbetracht des bis dahin Erörterten in ihrer Funktion eingeordnet werden. Abschließend wird auf das Verhältnis von negativer Theologie zu affirmativer Theologie und beider Überwindung bei Cusanus eingegangen sowie gezeigt, dass seine Philosophie systematisch als Geistmetaphysik verstanden werden kann.
Diese Arbeit versteht sich auch als Einführung in die für Nikolaus von Kues spezifische und immer noch aktuelle Problematik des Verhältnisses zwischen Logik und Metaphysik bzw. dessen Lösungsversuch im cusanischen Denken.
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