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Autor: Carmen Koch
Fach: Ethnologie / Volkskunde
Details
Tags: Separation, Akkulturationsstrategie, Analyse, Fallbeispielen, Vietnamesen, Orleans, Punjabis, Kalifornien
Jahr: 2005
Seiten: 39
Note: sehr gut
Literaturverzeichnis: ~ 42 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 295 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-41517-0
ISBN (Buch): 978-3-638-59700-5
Zusammenfassung / Abstract
Über das Thema Akkulturation haben viele Wissenschaftler nachgedacht und zahlreiche Theorien dazu verfasst, welche anhand von Migrantengruppen und Gastlandkulturen aus diversen Regionen der Welt überprüft wurden. In diesem Forschungsprozess gelang es ihnen aufzuzeigen, wie eine erfolgreiche Anpassung der Migranten in die neue Kultur erfolgt und wie diese zu deren Vorteil ist. Im Gegensatz dazu wurde die Separation, d.h. die Strategie der Immigranten ihre eigene Kultur zu erhalten und wenig bis gar kein Kontakt zur Gastlandbevölkerung zu pflegen, als unerwünschtes Ergebnis ins Bild gerückt. Dies galt unabhängig davon, ob die Separation durch die Ausstoßung durch die Bewohner des Gastlandes ausgelöst wurde oder aber von den Migranten so gewollt war. Die Wissenschaftler zeigten auf, dass eine Anpassung meistens die bevorzugte Wahl der Migranten ist und dies auch von der Mehrheit der Gastlandbewohner gewünscht wird. Wenig Aufmerksamkeit wurde aber den Nachteilen einer Anpassung bzw. den möglichen Vorteilen einer Separation gewidmet. Zhou und Portes (1994) zogen dies als eine der ersten Forscher in Betracht. Sie zeigten auf, dass es Migranten gibt, für welche eine Separation weniger negative als vielmehr positive Folgen mit sich bringt. Solche Migrantengruppen sollen in dieser Arbeit thematisiert und mit Einbezug des Kontextes unter kritischen Aspekten diskutiert werden. Dafür wurden als Fallbeispiele eine Gruppe von Vietnamesen in New Orleans (Zhou/Bankston 1994) und eine Gruppe von Punjabis im Valleyside in Kalifornien (Gibson 1988) ausgewählt. Anhand verschiedener Theorien werden diese Fallbeispiele aufgerollt und systematisch untersucht. Im gleichen Zug werden die Theorien auf ihre Tauglichkeit bei diesen speziellen Fällen überprüft. Schließlich wird die Frage diskutiert, ob es Situationen gibt in welchen eine Separation von Vorteil ist oder ob es auch eine Möglichkeit der Anpassung gäbe ohne auf die positiven Aspekte verzichten zu müssen.
Textauszug (computergeneriert)
Ethnologisches Seminar
der Universität Zürich
Separation als vorteilhafte Akkulturationsstrategie?
Analyse an den Fallbeispielen der Vietnamesen in New
Orleans und den Punjabis in Kalifornien
von Carmen Koch
Hauptfach: Publizistikwissenschaft (8 Semester)
1. Nebenfach: Ethnologie (7 Semester )
2. Nebenfach: Pädagogik (6 Semester )
14. Juni 2005
1. Verzeichnisse
1.1 Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung ... 2
3. Theorie und Forschung zur Akkulturation ... 2
3.1 Der Begriff Akkulturation ... 2
3.2 Modelle kultureller Anpassung ... 4
3.2.1 Bidimensionales Model nach Berry ... 4
3.2.2 das interaktive Akkulturationsmodell – ein multidimensionales Modell ... 9
3.2.3 Transaktionales Stressmodell ...11
3.2.4 Segmentierte Assimilation ... 13
4. Fragestellungen ... 17
5. Erläuterung der Fallbeispiele ... 18
5.1 Vietnamesen in New Orleans ... 18
5.2 Punjabis im Valleyside von Kalifornien ... 20
6. Beantwortung und Diskussion der Fragen ... 23
7. Schlussfolgerung ... 34
8. Ausblick ... 35
9. Literatur ... 36
1.2 Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Factors affecting acculturative stress and adaption (Berry 1997 zitiert in Berry 2001: 363) ... 4
Abb. 2: Acculturation strategies in ethnocultural groups and the larger society (Berry 2001: 354) ... 6
Abb. 3: Revisited bidimensional model of immigrantacculturation orientations (Bourhis et al 1997: 377) ... 9
Abb. 4: Bidimensional model of host community acculturation orientations (Bourhis et al. 1997: 380) ... 9
2. Einleitung
Über das Thema Akkulturation haben viele Wissenschaftler nachgedacht und zahlreiche Theorien dazu verfasst, welche anhand von Migrantengruppen und Gastlandkulturen aus diversen Regionen der Welt überprüft wurden. In diesem Forschungsprozess gelang es ihnen aufzuzeigen, wie eine erfolgreiche Anpassung der Migranten in die neue Kultur erfolgt und wie diese zu deren Vorteil ist. Im Gegensatz dazu wurde die Separation, d.h. die Strategie der Immigranten ihre eigene Kultur zu erhalten und wenig bis gar kein Kontakt zur Gastlandbevölkerung zu pflegen, als unerwünschtes Ergebnis ins Bild gerückt. Dies galt unabhängig davon, ob die Separation durch die Ausstossung durch die Bewohner des Gastlandes ausgelöst wurde oder aber von den Migranten so gewollt war. Die Wissenschaftler zeigten auf, dass eine Anpassung meistens die bevorzugte Wahl der Migranten ist und dies auch von der Mehrheit der Gastlandbewohner gewünscht wird. Wenig Aufmerksamkeit wurde aber den Nachteilen einer Anpassung bzw. den möglichen Vorteilen einer Separation gewidmet. Zhou und Portes (1994) zogen dies als eine der ersten Forscher in Betracht. Sie zeigten auf, dass es Migranten gibt, für welche eine Separation weniger negative als vielmehr positive Folgen mit sich bringt. Solche Migrantengruppen sollen in dieser Arbeit thematisiert und mit Einbezug des Kontextes unter kritischen Aspekten diskutiert werden. Dafür wurden als Fallbeispiele eine Gruppe von Vietnamesen in New Orleans (Zhou/Bankston 1994) und eine Gruppe von Punjabis im Valleyside in Kalifornien (Gibson 1988) ausgewählt. Anhand verschiedener Theorien werden diese Fallbeispiele aufgerollt und systematisch untersucht. Im gleichen Zug werden die Theorien auf ihre Tauglichkeit bei diesen speziellen Fällen überprüft. Schliesslich wird die Frage diskutiert, ob es Situationen gibt in welchen eine Separation von Vorteil ist oder ob es auch eine Möglichkeit der Anpassung gäbe ohne auf die positiven Aspekte verzichten zu müssen.
3. Theorie und Forschung zur Akkulturation
3.1 Der Begriff Akkulturation
Einleitung. Um herauszufinden, welche Gründe gewisse Migranten haben sich anzupassen oder eben nicht, bedarf es eines theoretischen Hintergrundes dessen Schlüsselwort kulturelle Anpassung bzw. Akkulturation lautet. Akkulturation gilt als Kernkonstrukt in der sozialen und verhaltensbezogenen Forschung, was auch Berry (2001: 345-346) bestätigt hat. Er führt aus, dass es eine Hauptaufgabe der kulturvergleichenden Psychologie sei, den Prozess und die Implikationen von Akkulturation zu verstehen. Ebenso haben sich zahlreiche andere Wissenschaftsdisziplinen mit diesem Begriff beschäftigt, darunter die Migrationsforschung, Anthropologie, Kommunikationswissenschaft, Sozial- und Organisationspsychologie. Jede Disziplin hat sich auf unterschiedliche Weise damit auseinandergesetzt, was die Fülle der unterschiedlichen «Ansätze, wie Anpassung an eine fremde Kultur theoretisch interpretiert, in empirischen Studien operationalisiert und gemessen wird» (Brüch 2001: 63), erklärt. In diesem Kapitel soll der Term Akkulturation genauer ausgeführt und seine Bedeutung, wie auch die Hintergründe beleuchtet werden.
Definition. Grundsätzlich werden unter Akkulturation Phänomene verstanden, welche der Wechsel in eine andere Kultur mit sich bringen. Redfield et al. (1936: 149) zählen zu den ersten Forschern, welche sich an eine Definition gewagt haben. Sie bezeichnen Akkulturation als «a phenomena which results when groups of individuals having different cultures come into continuous first-hand contact with subsequent changes in the original culture patterns of either or both groups…under this definition acculturation is to be distinguished from culture change, of which it is but one aspect, and assimilation, which is at times a phase of acculturation.» (Redfield et al. 1936: 149).
Akkulturation wird in dieser Definition als «ein Aspekt» des weiteren Konzepts «kultureller Wech-sel» gesehen. Ein grundlegendes Element ist ausserdem der Ausdruck «continous», welcher betont, dass für eine Akkulturation ein langzeitiger Kontakt zwischen Individuen verschiedener Kulturen vorhanden sein muss. Bewusst werden damit kurzzeitige Interaktionen die Menschen beim Reisen, Krieg, temporären Anstellungen im Ausland oder bei Handels- und Missionarstätigkeit erleben, ausgeschlossen. Weiter wird die Interaktion erwähnt. Es kommt also nicht zu einer einseitigen Assimilierung der Immigranten in die dominante Gastkultur. Vielmehr geht ein Wechsel aller Kultu-ren, welche involviert sind, von sich (Trimble 2002: 6). Das Social Science Research Council hat der Definition von Redfield et al. (1936: 149) neue Elemente beigefügt und sie wie folgt formuliert:
«Culture change that is initiated by the conjunction of two or more autonomous cultural systems. Acculturative change may be the consequence of direct cultural transmission; it may be derived from noncultural causes, such as ecological or demographic modification induced by an impining culture; it may be delayed, as with internal adjustments following upon the acceptance of alien traits or patterns; or it may be a reactive adaption of tradi-tional modes of life.» (Social Science Research Council 1954: 974)
Neu in dieser Definition ist die Einbeziehung des indirekten Wechsels. Nebst kulturellen können also genauso ökologische und demographische Faktoren eine Rolle spielen. Betont wird ausser-dem, dass der Wechsel verspätet und reaktiv sein kann.
Aus den vorangehenden Ausführungen wird deutlich, dass verschiedene Auffassungen bestehen wie kulturelle Anpassung umschrieben werden kann. Die Grundidee ist allerdings meist die gleiche. Es besteht jedoch noch viel Diskussionsraum. Dies einerseits um die Frage, ob bestimmte Variablen Prädikator oder Kriterium der Anpassung sind. Anderseits steht immer noch die Frage, ob Anpassung ein Zustand oder ein Prozess ist (Brüch 2001: 68).
Brüch (2001) versucht in seiner Definition all diese Aspekte mit zu berücksichtigen und eine Ein-heit der aufgeführten Aspekte zu finden. Er beschreibt kulturelle Anpassung folgendermassen: «Kulturelle Anpassung ist das Ergebnis kognitiver, emotionaler und verhaltensbezogener Veränderungen des Individuums durch interkulturelle Kontakte und durch das Leben in einer fremden Kul-tur. Sie bezeichnet den Zustand inwieweit das Individuum sich erfolgreich auf die fremde Kultur eingestellt hat [...]» (Brüch 2001: 68)
3.2 Modelle kultureller Anpassung
Im Folgenden werden verschieden Modelle rund um den Kernbegriff Akkulturation bzw. kulturelle Anpassung, welche sich für die Analyse der Fallbeispiele als hilfreich erweisen könnten, vorgestellt und erläutert.
3.2.1 Bidimensionales Model nach Berry
John W. Berry gilt als einer der wichtigsten Forscher rund um das Thema Akkulturation. Seine Theorien haben die Akkulturationsforschung nachhaltig geprägt und werden in allen bedeutenden Studien miteinbezogen. Seine Modelle zeigen übersichtlich den Verlauf einer Akkulturation und deren Ergebnisse auf. Deshalb dürfen seine wichtigsten Erkenntnisse in hier nicht fehlen.
Wenn Berry (2001: 350-351) von Akkulturation spricht, hat er zwei Ebenen vor Augen: einerseits die kulturelle anderseits die psychische. Diese hat er versucht in einem Rahmenmodell zu verbin-den, so wie es in der nachfolgenden Grafik aufgezeigt ist.
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