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Termpaper, 2004, 26 Pages
Author: Arthur Benisch
Subject: Geography / Earth Science - Miscellaneous
Details
Institution/College: University of Heidelberg (Institut für europäische Kunstgeschichte)
Tags: Pilgerweg, Santiago, Compostela, Städte, Wasser, Europa-Lateinamerika-Karibik
Year: 2004
Pages: 26
Grade: 2
Bibliography: ~ 19 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-41537-8
ISBN (Book): 978-3-638-77902-9
File size: 852 KB
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Abstract
Santiago de Compostela ist der Zielpunkt des legendären mittelalterlichen Pilgerwegs "Camino de Santiago" ("Weg des Santiago"), der dank seines monumentalen Reichtums bis heute zahlreiche Besucher aus aller Welt anlockt und von der Unesco zum Welt-Kulturerbe erklärt wurde. Der Name der Stadt leitet sich von dem Apostel Sankt Jakob ("Santiago") her, der laut Legenden hier begraben liegt. Santiago ist zweifellos eine der sehenswertesten Städte in Spanien, mit großartigen Bauwerken in einem unverwechselbaren Stil. Es ist aber auch eine Stadt voller Leben, in der Menschen aller Altersgruppen und Ständen aus ganz Europa sich begegnen. Das heute über 100.000 Einwohner fassende Santiago de Compostela galt neben Jerusalem und Rom lange als drittes großes Zentrum der mittelalterlichen Pilgertradition. Das war einer der wichtigsten Gründe, dass der Pilgerweg nach Santiago de Compostela 1987 vom Europaparlament zum ersten ‚Europäischen Kulturweg‘ erklärt wurde. Nicht nur die Zielstadt der Pilger, sondern auch der Pilgerweg - mit vielen Städten und Etappen - selbst stehen seit langer Zeit im Interesse der Historiker, Geographen und anderer Wissenschaftler, denn durch die Erforschung alter Pilgerwege lassen sich viele Aufschlüsse über das Leben der Menschen, Verbreitung von Ideen und Innovationen sowie die Stadtentwicklung im Mittelalter sammeln. Die Pilgerfahrten waren für die Menschen die einzige Möglichkeit zu reisen und so ihre gewohnte Umgebung für einige Zeit zu verlassen. Mit den Pilgern wanderten viele neue Entdeckungen über größere Entfernungen. Darüber hinaus wurden entlang der Pilgerwege neue Städte gegründet, die von dem wichtigen Wirtschaftszweig des „mittelalterlichen Tourismus“ gut leben konnten. Entscheidend bei der Lage der Städte war das Vorhandensein von Wasser. Tatsächlich sind fast alle Städte am Wasser gegründet worden, am Meer, an Buchten, an Flüssen oder Seen. Städte sind existentiell auf Verbindungen zu anderen Zentren des Handels, der Produktion angewiesen – und die günstigste Verbindung bot das schiffbare Wasser. Aber auch die Versorgung mit frischem Wasser und als Nahrungsreservoir für die Stadtbewohner und die Pilgerscharren war von größter Bedeutung.
Excerpt (computer-generated)
Der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Kunsthistorisches Institut
Blockseminar: Städte am Wasser: Europa – Karibik - Lateinamerika
Der Pilgerweg nach Santiago de Compostela
von: Arthur Benisch
1. EINFÜHRUNG 3
2. DER JAKOBSWEG IN FRANKREICH UND SPANIEN 4
3. DIE LEGENDEN ZU JAKOBUS UND JAKOBUSWEG (NAMEN UND METAPHERN) 6
4. DIE STADT IM MITTELALTER 7
5. BEDEUTUNG VON WASSER FÜR DIE STÄDTE AM PILGERWEG NACH SANTIAGO DE COMPOSTELA 8
6. SANTIAGO DE COMPOSTELA 13
7. DIE WICHTIGEN STÄDTE AUF DEM JAKOBUSWEG (LUGO, SAN SEBASTIAN, BURGOS, LEON, LE PUY UND ANDERE) 16
8. DIE BRÜCKEN AUF DEM PILGERWEG 21
9. DIE PILGERFAHRT NACH SANTIAGO DE COMPOSTELA IM GESCHICHTLICHEN ÜBERBLICK 23
10. LITERATUR 25
1. Einführung
Santiago de Compostela ist der Zielpunkt des legendären mittelalterlichen Pilgerwegs "Camino de Santiago" ("Weg des Santiago"), der dank seines monumentalen Reichtums bis heute zahlreiche Besucher aus aller Welt anlockt und von der Unesco zum Welt-Kulturerbe erklärt wurde. Der Name der Stadt leitet sich von dem Apostel Sankt Jakob ("Santiago") her, der laut Legenden hier begraben liegt.
Santiago ist zweifellos eine der sehenswertesten Städte in Spanien, mit großartigen Bauwerken in einem unverwechselbaren Stil. Es ist aber auch eine Stadt voller Leben, in der Menschen aller Altersgruppen und Ständen aus ganz Europa sich begegnen. Das heute über 100.000 Einwohner fassende Santiago de Compostela galt neben Jerusalem und Rom lange als drittes großes Zentrum der mittelalterlichen Pilgertradition. Das war einer der wichtigsten Gründe, dass der Pilgerweg nach Santiago de Compostela 1987 vom Europaparlament zum ersten ‚Europäischen Kulturweg‘ erklärt wurde. Nicht nur die Zielstadt der Pilger, sondern auch der Pilgerweg - mit vielen Städten und Etappen - selbst stehen seit langer Zeit im Interesse der Historiker, Geographen und anderer Wissenschaftler, denn durch die Erforschung alter Pilgerwege lassen sich viele Aufschlüsse über das Leben der Menschen, Verbreitung von Ideen und Innovationen sowie die Stadtentwicklung im Mittelalter sammeln. Die Pilgerfahrten waren für die Menschen die einzige Möglichkeit zu reisen und so ihre gewohnte Umgebung für einige Zeit zu verlassen. Mit den Pilgern wanderten viele neue Entdeckungen über größere Entfernungen. Darüber hinaus wurden entlang der Pilgerwege neue Städte gegründet, die von dem wichtigen Wirtschaftszweig des „mittelalterlichen Tourismus“ gut leben konnten. Entscheidend bei der Lage der Städte war das Vorhandensein von Wasser. Tatsächlich sind fast alle Städte am Wasser gegründet worden, am Meer, an Buchten, an Flüssen oder Seen. Städte sind existentiell auf Verbindungen zu anderen Zentren des Handels, der Produktion angewiesen – und die günstigste Verbindung bot das schiffbare Wasser. Aber auch die Versorgung mit frischem Wasser und als Nahrungsreservoir für die Stadtbewohner und die Pilgerscharren war von größter Bedeutung. Die Entwicklung von Santiago de Compostela und von den Städten entlang der Pilgerwege zeigen Parallelen zur Entwicklung anderer Städte, die am Wasser gegründet wurden. (Amsterdam, Hamburg, Barcelona, Lissabon und natürlich Venedig) Neben der existenziellen Funktion des Wassers spielte vor allem auch die religiöse Vorstellung der Menschen über das Entsehen des Lebens aus dem Wasser eine wichtige Rolle. Nicht zuletzt ist das Wasser von größter Bedeutung für die Lebensqualität und die Atmosphäre ganzer Städte.
2. Der Jakobsweg in Frankreich und Spanien
Über den Jakobsweg kamen Pilger aus ganz Europa nach Santiago. Der Weg nach Santiago de Compostela ist ein verzweigtes Geflecht aus vielen Wegen, die sich über ganz Europa ausdehnen, und dann in vier großen Hauptwegen durch Frankreich und über die Pyrenäen führt. Die Ausgangspunkte der vier Hauptstrecken nach Compostela liegen in Frankreich: Tours, Vezelay, Le Puy und Arles und vereinen sich später bei Puente la Reina zu einer großen Route, dem camino frances, die durch Nordspanien nach Santiago und noch weiter bis ans Cap Finisterre am Atlatik führt. Man kann davon ausgehen, dass fast jeder im Hoch- und Spätmittelalter, je nach Stand und Vermögen, mindestens einmal in seinem Leben eine Pilgerfahrt zu einem ferneren oder näher gelegenen Heiligtum unternommen hat. Pilger aus dem Norden und dem nördlichen Mitteldeutschland suchten hauptsächlich über Köln und Aachen (die sog. "Niederstraße"), zuweilen auch über das Moseltal, Anschluss an die Wege von Paris/Tours bzw. Vézelay/St.Gilles. Pilger aus dem südlichen Mitteldeutschland und aus dem oberdeutschen Raum zogen die "Oberstraße" über Einsiedeln und Genf ins Rhonetal, von dort dann die Straße nach Le Puy. Vom Norden Deutschlands und von England aus wurden oft Pilgerfahrten per Schiff unternommen.1 Je weiter man sich vom Ziel entfernt, umso zahlreicher und verschlungener werden die „ Jakobswege“.
Die Wallfahrt war sehr beschwerlich und je schwieriger der Weg, desto größer war die Erlösung, die den Pilger erwartete. Im Sommer wurden die Pilger durch die brütende Hitze gequält, im Winter, Herbst und Frühjahr mussten die Pilger dagegen über vereiste Berge wandern. Neben den natürlichen Gefahren entwickelte sich auch eine starke Kriminalität entlang der Wege, so dass die Pilger ständig mit Betrug, Raub und Mord rechnen mussten. Die Pilger besaßen ein Höchstmaß an Disziplin, Bußbereitschaft und Glaubensfestigkeit. Die Menschen des Mittelalters waren in einem Ausmaß von der Religion geprägt, das uns heute weitgehend fremd ist.
Die Jakobswege bilden in Europa ein ganzes Wegnetz, das sich vom Osten und Norden über Mittel- und Westeuropa erstreckt und sich im Westen in eine einzelne Hauptachse verdichtet. Von größter Bedeutung waren vor allem die vier Wege, die durch Frankreich zu den Pyrenäen führen und der spanische Weg hinter den Pyrenäen, der parallel zur nördlichen Küste Spaniens verläuft. Die in Paris beginnende "Via Touronensis", die "Via Lemovicensis" von Vézelay und die "Via Podiensis" von Le Puy treffen sich kurz vor den Pyrenäen in Ostabat und überqueren das Gebirge zwischen St.Jean Pied de Port und Roncesvalles. Die "Via Tolosana" beginnt in Arles und führt über Toulouse und den Somportpass nach Jaca und Puente la Reina, wo sich alle Wege zum "Camino real" vereinigen und über Burgos und Léon nach Santiago de Compostela führen.
Abb.1: Die vier Hauptrouten nach Santiago de Compostella [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]
Die romanische Kunst hat entlang dieser Pilgerstraßen bedeutende Kunstwerke geschaffen. Ohnehin sind die sakralen Bauten in Mittel- und vor allem Südfrankreich Kleinodien romanischer und frühgotischer Kunst. Der berühmte Codex Calixtinus, auch Liber Sancti Jacobi oder Jakobusbuch genannt, zählt deshalb nicht nur die größten Städte an den vier Wegen auf, sondern erwähnt in der Regel auch deren Kirchen. Neben der Hauptstrecke von Puenta de Reine nach Santiago hat sich noch eine parallele, jedoch nördlich an der Küste liegende Route, durchgesetzt. Die sogenannte Nordroute verlief über einige Küstenstädte wie San Sebastian, Santandar, Oviedo und Ribadeo. Der Grund für die Wahl der Küstenroute war vor allem die Angst den Mauren in die Hände zu fallen und auf einem orientalischen Markt als Sklave verkauft zu werden. Die Furcht so zu enden hielt sich bis zur zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Auch andere Gefahren, wie Räuber und Plünderer, waren eher im Binnenland anzutreffen. Außerdem konnte man bei der Nordroute die Heilbringende Reliquiensammlung (Camara Santa) von Oviedo besuchen.
3. Die Legenden zu Jakobus und Jakobusweg (Namen und Metaphern)
[...]
1 http://www.kath.de/quodlibe/santiago/santia10.htm
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