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Der Heliand: ,Germanisierung' des Christentums oder Akkommodation an die mündliche Dichtung?

Title: Der Heliand: ,Germanisierung' des Christentums oder Akkommodation an die mündliche Dichtung?

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 24 Pages , Grade: 1

Autor:in: Yvonne Luther (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

Der altsächsische Heliand gilt als herausragende volkssprachliche Dichtung der seit der Antike bestehenden Tradition der poetischen Bearbeitung der Heiligen Schrift.
Die vorliegende Arbeit untersucht zwei unterschiedliche Deutungsweisen des Heliand: zum Einen die Theorie der ‚Germanisierung’ des Christentums, die z.B. mit dem Verweis auf die Verwendung von Gefolgschaftsterminologie, Kampfmetaphorik, Schicksalsbegriffen usw. begründet wird; zum Anderen die Annahme einer Akkommodation an eine bestehende Tradition, d.h. die Übertragung formaler Elemente (Stabreim, Variation, Formeln etc.) der weltlich-mündlichen Dichtung auf einen neuen geistlichen Inhalt. Ziel ist es zu ermitteln, mithilfe welches Ansatzes eine bestmögliche Annäherung an das Verständnis der Dichtung erreicht werden kann.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die sogenannte ,Germanisierung’ des Christentums

2.1 Gefolgschaftsterminologie

2.2 Kampf

2.3 Schicksalsbegriffe

3. Anzeichen der Akkommodation

3.1 Kulturelle Distanz und Übertragungsstrategie

3.2 Formelhaftigkeit

3.3 Metrum und Stil

3.4 Variation

4. Beispiel: Die Bergpredigt im Heliand

4.1 Bezeichnungen für Jesus Christus: drohtin und cuning

4.2 Die Jünger: gesiðos, heliðos, iungorun

4.3 Die Seligpreisungen

4.4 Das Vaterunser

5. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das altsächsische Epos Heliand kritisch im Hinblick auf die Theorie einer „Germanisierung“ des Christentums und stellt diese der alternativen Hypothese einer bewussten christlichen Akkommodation an die germanische mündliche Dichtungstradition gegenüber, um ein tieferes Verständnis der Vermittlungsstrategien des Dichters zu ermöglichen.

  • Kritische Auseinandersetzung mit der Germanisierungsthese
  • Untersuchung zentraler Begriffsfelder wie Gefolgschaft, Kampf und Schicksal
  • Analyse formaler Stilmittel (Stabreim, Variation, Formelhaftigkeit)
  • Fallbeispiel: Christologische Bezeichnungen und Struktur der Bergpredigt
  • Untersuchung der intendierten Funktion für ein zeitgenössisches Publikum

Auszug aus dem Buch

3.4 Variation

Unter Variation versteht man nach Andreas Heusler eine Stilfigur des zurücklenken[s] zu einem begriff oder gedanken, den der hörer schon verlassen glaubte; noch eh der dichter einen ruhepunct erreicht hat, widerholt er das gesagte, aber mit einem neuen ‘variierenden’ Ausdruck, so, dass diese widerholung logisch und syntaktisch rein entbehrlich, lostrennbar wäre.

Sie dient damit als Mittel der Rezeptionssteuerung, indem vom Dichter als besonders wichtig angesehene Elemente hervorgehoben werden. Kartschoke bezeichnet sie als das „charakteristische Merkmal westgermanischer geistlicher Stabreimdichtung“. Die Variation tritt im Heliand im Vergleich mit anderen Bibeldichtungen besonders häufig auf: Kartschoke zitiert dazu eine Statistik von Walther Paetzel (1913) der für den Text einen Variationsanteil von 25,4% ermittelte.

Wie erklärt sich nun dieser hohe Anteil? Da die Variation wahrscheinlich bereits in der mündlichen Dichtung eine Funktion des Ausschmückens oder des Preisens hatte, überrascht es nicht, dass sie in geistlicher Dichtung besonders oft in Bezug auf Gott bzw. Jesus Christus gebraucht wird. Auch Kartschoke stellt fest, dass diese ansteigende Frequenz mit der „tradierten Auffassung christlicher Dichtung in all ihren Formen als laus Domini“ einhergeht.

Es lässt sich allerdings anmerken, dass gerade im Heliand auch Begriffe variiert werden, die keine besondere Bedeutung auszeichnet: die innere spannung, das wichtignehmen des begriffs, ist jetzt nicht mehr erforderlich, um eine oder mehrere abwandelungen zu rechtfertigen. die variation ist eine bereitliegende gussform geworden, die auch so ruhige begriffe wie ‘leute’ oder ‘sinn’ gern in sich aufnimmt.

Die Variation wird somit zur reinen Kunstfigur, deren häufiges Auftreten wiederum an die „ausladende epische Buchdichtung“ gekoppelt ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Tradition der spätantiken Bibeldichtung und führt in den Heliand als altsächsisches Epos ein, wobei die Forschungsdebatte zwischen „Germanisierung“ und Akkommodation skizziert wird.

2. Die sogenannte ,Germanisierung’ des Christentums: Dieses Kapitel prüft die Vilmarsche These, nach der Christus als germanischer Volkskönig dargestellt werde, indem es die Verwendung von Gefolgschaftsterminologie, Kampfmetaphorik und Schicksalsbegriffen analysiert.

3. Anzeichen der Akkommodation: Hier wird der Fokus auf die Anpassungsstrategien des Dichters gelegt, wobei insbesondere formale Elemente wie Formelhaftigkeit, Metrum, Stil und Variation als Mittel der zielkulturellen Vermittlung untersucht werden.

4. Beispiel: Die Bergpredigt im Heliand: Anhand des Textabschnitts der Bergpredigt wird die praktische Anwendung der Akkommodation durch eine Analyse der Bezeichnungen für Jesus und die Jünger sowie die Strukturierung der Seligpreisungen und des Vaterunsers demonstriert.

5. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass die Germanisierungsthese unzureichend ist und die stilistischen Besonderheiten des Heliand primär als bewusste Vermittlungstechnik zur dogmatisch korrekten Darstellung christlicher Inhalte in einer traditionellen Form zu verstehen sind.

Schlüsselwörter

Heliand, Germanisierung, Akkommodation, Stabreimdichtung, Bibelepik, Gefolgschaftsterminologie, Variation, Bergpredigt, Altsächsisch, Frühmittelalter, Christusbild, Vermittlungstechnik, Literaturgeschichte, Bibeldichtung, Formelhaftigkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das altsächsische Epos Heliand im Hinblick darauf, ob das Werk als bewusste „Germanisierung“ des Christentums oder als geschickte Anpassung (Akkommodation) christlicher Inhalte an die germanische Dichtungstradition zu verstehen ist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören die Verwendung von Gefolgschaftsbegriffen, Kriegsmetaphorik, Schicksalsbegriffen sowie formale Merkmale wie Stabreim, Variation und der sogenannte Hakenstil.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, durch eine tiefgehende Analyse aufzuzeigen, dass die Theorie der „Germanisierung“ zu kurz greift und der Heliand-Dichter vielmehr eine bewusste Vermittlungstechnik einsetzte, um biblische Inhalte für sein Publikum verständlich zu machen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine textnahe philologische Analyse, vergleicht den Heliand mit seiner biblischen Vorlage und zieht die Sekundärliteratur zur Bewertung der Stilmittel und Begriffsverwendung heran.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert erst theoretisch die germanisch geprägten Begriffe (Gefolgschaft, Kampf, Schicksal), untersucht dann die formalen Aspekte der Akkommodation und wendet diese Erkenntnisse in einer konkreten Fallstudie zur Bergpredigt an.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Heliand, Akkommodation, Stabreimdichtung, Variation, Germanisierung und christliche Bibelepik charakterisieren.

Warum spielt die Bergpredigt eine besondere Rolle für das Argument der Autorin?

Die Bergpredigt dient als konkretes Fallbeispiel, um zu zeigen, dass Begriffe wie „drohtin“ dort primär für Gott und nicht für Christus verwendet werden, was gegen eine einfache „Germanisierung“ und für eine differenzierte biblische Interpretation spricht.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Rahmung bei den Seligpreisungen?

Die Autorin wertet die Rahmung als eine gezielte „Vermittlungstechnik“, durch die der Abschnitt als inhaltlich zusammengehörig und besonders bedeutsam für die Zuhörer hervorgehoben wird.

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Details

Title
Der Heliand: ,Germanisierung' des Christentums oder Akkommodation an die mündliche Dichtung?
College
Martin Luther University  (Germanistisches Institut)
Course
Christlich-theologische Literatur des frühen Mittelalters (Hauptseminar)
Grade
1
Author
Yvonne Luther (Author)
Publication Year
2003
Pages
24
Catalog Number
V43846
ISBN (eBook)
9783638415491
ISBN (Book)
9783638657273
Language
German
Tags
Heliand Germanisierung Christentums Akkommodation Dichtung Christlich-theologische Literatur Mittelalters
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Yvonne Luther (Author), 2003, Der Heliand: ,Germanisierung' des Christentums oder Akkommodation an die mündliche Dichtung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43846
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