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Logos und Ethos als zentrale Bestandteile des sokratischen Dialogs

Scholary Paper (Seminar), 2000, 11 Pages
Author: Tobias Bock
Subject: Philosophy - Philosophy of the Ancient World

Details

Event: Studium, Text, Argument
Institution/College: University of Münster (Philosophisches Institut)
Tags: Logos, Ethos, Bestandteile, Dialogs, Studium, Text, Argument
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2000
Pages: 11
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V43847
ISBN (E-book): 978-3-638-41550-7

File size: 209 KB
Notes :
Die zentralen Elemente der dialogischen Philosophie es Sokrates werden herausgearbeitet und aufeinander bezogen



Excerpt (computer-generated)

Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Institut für Philosophie
Philosophie: Studium, Text und Argument

Logos und Ethos als zentrale Bestandteile
des sokratischen Dialogs

von: Tobias Bock

 


1) Die Vielfalt der Sokratesdeutungen

1.1)Quellenprobleme und philosophische Interpretation (S. 3-4)
1.2)Wandel vom Mythos zum Logos in der Zeit der Naturphilosophen/Sophisten (S. 5)

2) Der logos als Element der sokratischen Dialoge

2.1) Der Begriff des Logos (S. 6)
2.2) Methoden: Dialog und induktive Schlüsse (S. 6-8)

3) Der Ethos als Element der sokratischen Dialoge

3.1) Motivation der sokratischen Philosophie -Das ethisches Verständnis- (S. 8-9)
3.2) Widerspruch zwischen „Wissen um das Gute“ und Erkenntnis des Nichtwissens (S. 10)



 

1) Die Vielfalt der Sokratesdeutungen

1.1) Quellenprobleme und philosophische Interpretation:

Im Laufe der philosophischen Beschäftigung mit Sokrates (470 v. Chr. – 399 v. Chr.) ist seine Gestalt in vielfacher Weise Interpretationen und Deutungen ausgesetzt gewesen. Zunächst scheint es den Anschein zu haben, „daß die Frage nach Persönlichkeit und Werk des geschichtlichen Sokrates praktisch unbeantwortbar ist.“1

So wurde Sokrates von Georg Hamann, einem untypischen Zeitgenossen der Aufklärung, nicht als Protagonist der Aufklärung, gedeutet, der die Menschen auf Unwissenheit und Vorurteile aufmerksam machen will um sie in Wissen zu überführen, sondern als der „selbst unwissende Prophet der christlichen Wahrheit“2. Für Immanuel Kant nimmt Sokrates einen exponierten Status in der Philosophiegeschichte ein, weil er es war, „welcher dem philosophischen Geiste und allen spekulativen Köpfen eine ganz neue praktische Richtung gab. Auch ist er unter fast allen Menschen der einzige gewesen, dessen Verhalten der Idee eines Weisen am nächsten kommt.“3 Für Hegel, der die Weiterentwicklung der Vernunft in der Geschichte zeigen will, ist Sokrates Teil einer Bewegung des Denkens, die mit den Sophisten begann. In Sokrates zeigt sich die Subjektivität des Denkens, er ist für ihn der „Hauptwendepunkt des Geistes in sich selbst“4. Eine eher existenzialistische Deutung erfuhr Sokrates bei Kierkegaard, wo die Betonung seines Nichtwissens als symptomatischer Ausdruck einer existentiellen Haltlosigkeit angesehen wird. „Sokrates ist für Kierkegaard der einzige vorchristliche existenzielle Denker“5.

Der Streit um die Person des Sokrates hat sich im 20. Jahrhundert weiter entfaltet, und man kann sagen, daß er bis heute andauert. Diese weiteren Auseinandersetzungen zu skizzieren würde jedoch den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen und auch dem Thema meiner Arbeit nicht gerecht werden. Allerdings bleibt bei solch einer Vielfalt der Sokratesbilder die Frage offen, wo die Gründe so unterschiedlicher Deutungen liegen könnten. Eine Antwort auf diese Frage muss wahrscheinlich zweierlei berücksichtigen. Zum Einen das Wesen eines Interpretationsvorganges selbst, zum Anderen die historische Quellensituation. Der Vorgang des Interpretierens kommt vielleicht der Tätigkeit des Dolmetschens nahe. Das Fremde wird in das Eigene übersetzt, und diese Übersetzung wird als die Aussage des anderen angesehen. Aber, abgesehen von dieser „natürlichen“ Verfremdung während einer Interpretation, gibt es noch den Faktor der Selektivität des Interpreten.

Bei der Konstruktion eigener philosophischer Thesen ist nämlich der Rückblick auf den gesamten Wissensbestand der Philosophiegeschichte bedeutend. Aus diesem Wissenspool rekrutieren sich die eigenen Gedanken und Thesen auf kreative Art und Weise. Eine Deutung der Philosophiegeschichte mit Blick auf die eigene These als Ziel wird zu einer unerlässlichen Methode und sei es, um durch die Abgrenzung der eigenen Theorie mehr Schärfe zu verleihen. Die zweite entscheidende Ursache zur Erklärung der teils substantiellen Unterschiede in der Sokratesrezeption liegt im Problem der historischen Quellen. Hauptsächlich sind es drei Quellen die von Sokrates berichten. Platon und Xenophon als Zeitgenossen und Schüler, Aristophanes in seinem Werk „Die Wolken“, sowie Aristoteles.

„Inzwischen ist klar, daß Platon, Xenophon und die anderen Sokratesschüler mit ihren sokratischen Schriften nicht darauf abzielten, ein historisch getreues Bild des Sokrates zu zeichnen , sondern darauf, über Sokrates als Medium ihre eigenen, von dem gemeinsamen Lehrer in je verschiedener Weise beeinflußten und geprägten philosophischen Gedanken vorzutragen.“6 Entgegen der fatalen These von O. Gigon (s.o.) können allerdings einige Bereiche der Sokratesforschung als gesichert angenommen werden. So herrscht weitgehende Übereinstimmung, daß das sokratische Denken in großen Teilen auch mit seinem persönlichen Handeln übereinstimmten. Auch darüber, daß die sokratische Philosophie in hohem Maße auf das menschliche Handeln konzentriert ist, daß er die Philosophie also auf den Menschen zurückwirft, herrscht weitreichendes Einvernehmen. Ebenso kann ein Wandel in der griechischen Geistesgeschichte - vom Mythos zum Logos - als zweifelsfrei angenommen werden. Dieser Wandel ist für die Entwicklung der Philosophie entscheidend und ist auch in Bezug auf den „Logos“, als Element der sokratischen Dialoge, erläuternswert.

1.2) Der Wandel vom Mythos zum Logos in der Zeit der Naturphilosophen/Sophisten:

[...]


1 O. Gigon: Sokrates. Sein Bild in Dichtung und Geschichte. Tübingen/Basel 1994. S. 16

2 Pleger, Wolfgang: Der Beginn des philosophischen Dialogs, Hamburg, 1998. S. 226

3 Kant, Immanuel: Schriften zur Metaphysik und Logik, 2. Hg. V. W. Weischedel. Frankfurt a. M. 1968. S. 453

4 G. W. F. Hegel: Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie I. Frankfurt a. M. 1970. S. 441

5 Pleger, Wolfgang: Der Beginn des philosophischen Dialogs, Hamburg, 1998. S. 233

6 Ricken, Friedo (Hrsg.).Döring, Klaus: Sokrates, Stuttgart, 1996. S. 183


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