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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 29 Pages
Author: Karola Hoffmann
Subject: Politics - International Politics - Region: South East Europe, Balkans
Details
Institution/College: LMU Munich (Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaft)
Tags: Friedenskonsolidierung, Institutionenbildung, Kosovo, Nationenbildung, Grundlagen, Probleme
Year: 2005
Pages: 29
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 21 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-41565-1
ISBN (Book): 978-3-638-65729-7
File size: 338 KB
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Abstract
Seit dem 11. September 2001 ist die konfliktreiche Lage auf dem Balkan aus dem Fokus des Medieninteresses gedrängt worden, obwohl im ehemaligen Jugoslawien die schlimmsten Kriege und Verbrechen in Europa seit Ende des 2. Weltkriegs begangen wurden. Heute gilt es, die Region zu befrieden und die Nachfolgestaaten zu stabilisieren. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Kosovo 1, das für viele Fälle als Paradebeispiel gesehen wird. Geprägt von einem großen Drang nach Unabhängigkeit, wird das Gebiet zum Beispiel für den Willen der internationalen Akteure vor Ort, weitere staatliche Zersplitterung nicht zuzulassen und das Kosovo stattdessen als autonome Provinz in Serbien-Montenegro zu etablieren. Der Weg dahin ist noch lang, dennoch sollen in dieser Arbeit die ersten Etappenziele aufgezeigt werden, die das Kosovo nach dem Motto „Friedenskonsolidierung durch Institutionenbildung“ zur autonomen Region machen sollen: „Im Kosovo ist unser Ziel nicht ,nation-building’, sondern ,institution-building’. Wir unterstützen Institutionen und gesellschaftliche Verhaltensweisen, die selbsttragend werden sollen.“2 Die Nation als zentraler Begriff politischer Integration3 wird von den Kosovaren4 als Argument für ihre Unabhängigkeitsbestrebungen gesehen. Die Kosovaren bezeichnen sic h selbst als Albaner und sind mit den existierenden Staatsgrenzen nicht zufrieden. Deshalb arbeiten sie mit ihrem stark ausgeprägten Nationalismus. Der kosovarische Nationalismus handelt offensiv nach innen und außen und zeichnet sich durch eine überzogene nationale Identifikation und teilweise erzwungene gewaltsame Gleichschaltungsversuche aus. Das durchaus starke Sendungsbewusstsein und die Berufung auf ihre Jahrhunderte alte Geschichte führt zur Abwertung der im Kosovo lebenden Minderheiten, die hauptsächlich serbischer Herkunft sind. Ziel dieser Arbeit ist, die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft zur Befriedung des Kosovo darzustellen und einen Einblick in den Nationalismus der Kosovaren zu geben. Zuerst werde ich grundlegende Informationen zu den Gegebenheiten und Konfliktstrukturen im Kosovo aufbereiten. Weiterhin werde ich auf die politische Friedensordnung für die Region eingehen und diese nach den Rahmenbedingungen, des Prozesses und der Nachhaltigkeit untersuchen.
Excerpt (computer-generated)
Ludwig- Maximilians-Universität München
Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaft
Hauptseminar: Nationenbildung: theoretische Grundlagen, praktische Probleme
5. Semester
Friedenskonsolidierung durch Institutionenbildung im Kosovo
von: Karola Hoffmann
Inhaltsverzeichnis
1 Untersuchungsgegenstand 3
2 Voraussetzungen und Konfliktstrukturen 4
2.1 Bevölkerungsstruktur 4
2.2 Geschichte 5
3 Ethnische Konflikte 8
3.1 Nation oder Staat 10
3.1.1 Kennzeichen einer Nation nach Karl W. Deutsch 10
3.1.2 Kosovaren – Albaner oder eigene Nationalität 11
3.2 UÇK 12
4 Friedenskonsolidierung durch Institutionenbildung 13
4.1 Rahmenbedingungen: die politische Friedensordnung 13
4.1.1 Rambouillet-Abkommen 14
4.1.2 UN-Resolution 1244 15
4.1.2.1 UNMIK und KFOR 16
4.1.3 Stabilitätspakt für Südosteuropa 17
4.2 Prozess und Erfolg: Friedenskonsolidierung in vier Dimensionen 18
4.2.1 Sicherheitspolitische Dimension 18
4.2.2 Politische Dimension 19
4.2.3 Psycho-soziale Dimension 21
4.2.4 Ökonomische Dimension 21
4.2.5 Zusammenspiel der vier Dimensionen 22
4.3 Stabilität und Nachhaltigkeit: Voraussetzungen der UNMIK 23
4.3.1 Mandat und Mittel 23
4.3.2 Autorität und Lernfähigkeit 24
4.3.3 Zielstrebigkeit und Reihenfolge 25
4.3.4 Fazit 26
5 Bibliographie 28
5.1 Literatur 28
5.2 Internetseiten 29
1 Untersuchungsgegenstand
Seit dem 11. September 2001 ist die konfliktreiche Lage auf dem Balkan aus dem Fokus des Medieninteresses gedrängt worden, obwohl im ehemaligen Jugoslawien die schlimmsten Kriege und Verbrechen in Europa seit Ende des 2. Weltkriegs begangen wurden. Heute gilt es, die Region zu befrieden und die Nachfolgestaaten zu stabilisieren. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Kosovo 1, das für viele Fälle als Paradebeispiel gesehen wird. Geprägt von einem großen Drang nach Unabhängigkeit, wird das Gebiet zum Beispiel für den Willen der internationalen Akteure vor Ort, weitere staatliche Zersplitterung nicht zuzulassen und das Kosovo stattdessen als autonome Provinz in Serbien-Montenegro zu etablieren.
Der Weg dahin ist noch lang, dennoch sollen in dieser Arbeit die ersten Etappenziele aufgezeigt werden, die das Kosovo nach dem Motto „Friedenskonsolidierung durch Institutionenbildung“ zur autonomen Region machen sollen: „Im Kosovo ist unser Ziel nicht ,nation-building’, sondern ,institution-building’. Wir unterstützen Institutionen und gesellschaftliche Verhaltensweisen, die selbsttragend werden sollen.“2
Die Nation als zentraler Begriff politischer Integration3 wird von den Kosovaren4 als Argument für ihre Unabhängigkeitsbestrebungen gesehen. Die Kosovaren bezeichnen sic h selbst als Albaner und sind mit den existierenden Staatsgrenzen nicht zufrieden. Deshalb arbeiten sie mit ihrem stark ausgeprägten Nationalismus. Der kosovarische Nationalismus handelt offensiv nach innen und außen und zeichnet sich durch eine überzogene nationale Identifikation und teilweise erzwungene gewaltsame Gleichschaltungsversuche aus. Das durchaus starke Sendungsbewusstsein und die Berufung auf ihre Jahrhunderte alte Geschichte führt zur Abwertung der im Kosovo lebenden Minderheiten, die hauptsächlich serbischer Herkunft sind. Ziel dieser Arbeit ist, die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft zur Befriedung des Kosovo darzustellen und einen Einblick in den Nationalismus der Kosovaren zu geben.
Zuerst werde ich grundlegende Informationen zu den Gegebenheiten und Konfliktstrukturen im Kosovo aufbereiten. Weiterhin werde ich auf die politische Friedensordnung für die Region eingehen und diese nach den Rahmenbedingungen, des Prozesses und der Nachhaltigkeit untersuchen.
2 Voraussetzungen und Konfliktstrukturen
Das Kosovo ist ein multiethnisches Gebiet, welches stark von seiner Vergangenheit geprägt wurde. Ein kollektives Gedächtnis spendet Sinn, Identität und Geborgenheit für jeden Einzelnen, der nach dem Zusammenbruch des Ost-West-Konfliktes seine eigene Identität nicht mehr genau zu bestimmen vermochte. Da der Ethnonationalismus inhaltlich flexibel gestaltet ist, kann er sich der jeweiligen Stimmungslage in der Region anpassen und so immer den Nerv der Zeit treffen. 5 Im Kosovo handelt es sich um ein Verständnis einer „kulturell-objektiven, auf vermeintlich vorgegebenen, unwandelbaren Kriterien gründenden Nation“6. Ob es sich beim Kosovo allerdings überhaupt bzw. jemals um einen Staat, das Ziel jeder Nation, handelt, wird abschließend in dieser Arbeit diskutiert. Minderheiten werden sich ihrer Einzigartigkeit meist nur im Vergleich mit einer Mehrheitskultur bewusst. Daraus resultiert dann der Wunsch nach Abgrenzung, Wahrung der Identität und nach öffentlichkeitswirksamer Demonstration der Andersartigkeit.7 Für das Kosovo ist die Mehrheitskultur Serbien, das die Kosovaren historisch schon immer unterdrückte. Diese historischen Wurzeln sollen neben einer Beschreibung der Bevölkerungsstruktur kurz erläutert werden. Ebenso werden die ethischen Konflikte in der Region genauer durchleuchtet und auf die Guerilla – Organisation UÇK eingegangen.
2.1 Bevölkerungsstruktur
Auf dem Balkan leben insgesamt zwanzig Nationen, nationale Gruppen und Ethnien, die ein brisantes Gemisch ergeben, nicht nur weil sie vielen verschiedenen Glaubensrichtungen angehören. 8 Diese Ethnien leben in zwei Großlandschaften, die das Gebiet prägen: Zum einen das Amselfeld mit der Hauptstadt Pristina, das Kosovo im engeren Sinne, und im Westen Metochien mit seinem Zentrum Prizren. Das Kosovo wird zu 91% von Albanern bewohnt, außerdem existieren eine serbische Minderheit (ca. 8%) und andere ethnische Gruppen wie etwa Türken, Roma und Sinti. Die Minderheit der Roma und Aschkali ist von ehemals 8% vor dem Krieg auf 2,5% heute gesunken. Die demographische Mehrheit der Albaner wurde durch den Krieg in den 90er Jahre immer größer, die serbische Minderheit verließ zum Teil freiwillig und zum Teil durch Zwang ihre Heimat.
2.2 Geschichte
Die Verfeindung zwischen Serben und Albanern hat jahrhundertealte Wurzeln, die an dieser Stelle in einem kurzen Abriss dargestellt werden. Die Albaner besiedelten das Territorium des heutigen Albaniens schon im 7. Jahrhundert, die Serben kamen um 1200 in das Gebiet des heutigen Kosovo. Während des ersten Großserbischen Reichs von 1331 – 1335 fiel Albanien kurz unter serbische Regentschaft. Das Großserbische Reich löste sich auf und das Kosovo erlangt e seine Selbständigkeit wieder. Mit der Schlacht von Savra 1385 begann die türkische Besetzung Albaniens. Serbien belegt sein Volksgefühl heute mit der Schlacht von Amselfeld von 1389, nach welcher große Teile Serbiens unter türkische Besatzung fielen. Serbien wechselte mehrmals seine Verbündeten gegen die türkische Invasion, das Kosovo allerdings passte sich größtenteils an die Osmanen an. Deshalb nahmen die Kosovo-Albaner auch an der Unterdrückung der Serben durch die Osmanen teil und schürten deren Hass. Ein Hass, der Ende des 20. Jahrhunderts neues Feuer gefangen hat. Eine tiefe ethnische Abneigung zwischen den Völkern der christlichen Serben und der Kosovo-Albaner entstand. Die Albaner verachteten die Serben, da diese Albanien mehrmals geplündert hatten und Ambitionen auf die Herrschaft des Kosovo hegten.
Die Geschichte des Kosovo im 20. Jahrhundert ist eine Geschichte voller Unklarheiten und Unsicherheit über sehr lange Zeit. Um den heutigen Stand der Nationalisierung analysieren zu können, müssen zuerst historische Fakten aus den Jahren 1913-1998 herangezogen werden.
[...]
1 Die Bewohner bezeichnen das Gebiet als Kosova. In dieser Arbeit wird einheitlich nur vom Kosovo gesprochen.
2 Steiner, Michael: Zum Beispiel Kosovo: Sieben Prinzipien für Friedensmissionen, in: Südosteuropa Mitteilungen, 02/2003, S. 4-14, S. 7
3 Vgl. Weidinger Dorothea (Hrsg.): Nation – Nationalismus – Nationale Identität, Bonn 2002, S. 128
4 In dieser Arbeit wird nur der Begriff Kosovaren angewandt, obwohl die Selbstbezeichnung meist Kosovo- Albaner ist.
5 vgl. Helmerich, Antje: Ethnonationalismus und das politische Potenzial nationalistischer Bewegungen, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 20.09.2004, S. 19-24, S. 20
6 ebenda
7 vgl. ebenda
8 vgl. Gumpel, Werner: Der Kosovo-Konflikt. Historische, politische, ethnische und wirtschaftliche Hintergründe, in: Politische Studien, Sonderheft 4/1999, Dezember 1999, S. 7-18, S. 8
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