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Hester Prynne in der Sekundärliteratur - Die Interpretationsbreite einer Hauptfigur

Hausarbeit, 2003, 17 Seiten
Autor: Susan Waldow
Fach: Amerikanistik - Literatur

Details

Veranstaltung: Nathaniel Hawthorne - The Scarlet Letter
Institution/Hochschule: Universität Passau (Lehrstuhl für Amerikanistik)
Tags: Hester, Prynne, Sekundärliteratur, Interpretationsbreite, Hauptfigur, Nathaniel, Hawthorne, Scarlet, Letter
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2003
Seiten: 17
Note: 1-2
Literaturverzeichnis: ~ 24  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V43891
ISBN (E-Book): 978-3-638-41587-3

Dateigröße: 229 KB


Textauszug (computergeneriert)

Universität Passau, Philosophische Fakultät
Lehrstuhl für Amerikanistik
Proseminar: Nathaniel Hawthorne: The Scarlet Letter
4. Fachsemester

Hester Prynne in der Sekundärliteratur –
Die Interpretationsbreite einer Hauptfigur

von: Susan Waldow

 


Gliederung

I Die Interpretationsvielfalt des Romans "The Scarlet Letter"  1

II Unterschiedliche Betrachtungsweisen Hesters

1. Hester als zukunftsweisende Feministin

1.1. Historischer Hintergrund  2
1.2. Verbindungen Hesters zu Sarah Margaret Fuller  3
1.3. Verbindungen Hesters zu Ann Hutchinson 4
1.4. Hester als unzeitgemäße Heldin 5

2. Hester als schweigende Rächerin 7
3. Hesters Kunst als Ausdruck ihrer Rebellion 8
4. Hester als Sex-Idol 9
5. Hester als Mutter

5.1. Abweichende Tendenzen bei Hesters Mutterschaft  9
5.2. Hester modifiziert den Mutterstatus  10

III Schlussbetrachtungen 12

IV Literaturverzeichnis 14



 

I Die Interpretationsvielfalt des Scharlachroten Buchstabens

Nathaniel Hawthornes "The Scarlet Letter" gehört unumstritten zu den Klassikern der amerikanischen Literatur und "gilt als Meilenstein in der Entwicklung des psychologischen Romans"1. Nach der Lektüre des Romans bleiben jedoch einige Fragen offen, die für einen großen Interpretationsspielraum sorgen. Charles C. Walcutt nennt fünf Lesarten, die den Roman jeweils von einem anderen Standpunkt betrachten: "[1] the orthodox Puritan reading...[2] the concept of the Fortunate Fall...[3] romantic readings...[4] transcendental reading ... [and 5] relativist readings."2 Anhand dieser unterschiedlichen Möglichkeiten ist feststellbar, dass die eindeutige Absicht Hawthornes anscheinend nicht zu erforschen ist. Wobei sich hier schon die Frage stellt, ob dieser auf eine solche abzielte. Abhängig davon gestaltet sich auch die Deutung der Hauptfigur als schwierig: "Hester Prynne has been seen as a pioneer feminist in the line from Anne Hutchinson to Margaret Fuller, a classic nurturer, a sexually autonomous woman, and an American equivalent of Anna Karenina."3 Die folgende Arbeit will dazu beitragen, die wichtigsten Interpretationen Hesters zu bündeln und die Autoren den Lesarten zuzuordnen. Es geht dabei hauptsächlich um die Verdeutlichung der divergierenden Meinungen und deren Ableitung aus dem Romantext.

Ziel soll nicht sein, die einzig wahre Deutung zu finden, die Hawthorne beabsichtigt haben möge.4 Außerdem möchte ich bezweifeln, dass dieser sich eindeutig festlegen wollte. Vielmehr scheint er sich selbst unsicher gewesen zu sein. Unsicher bezüglich seiner Meinung und bezüglich der Wirkung auf die Gesellschaft. So lässt sich an Hand des Romans nicht eindeutig herausarbeiten, ob er ein Befürworter des zu seinen Lebzeiten beginnenden Feminismus war oder eher ein Anhänger des strengen Puritanismus. Höchstwahrscheinlich war er ein Kritiker der Gesellschaft, der seine Meinung vorsichtig aber geschickt unters Volk brachte. Auf jeden Fall hat er erreicht, dass sich die Gemeinschaft mit seinem Roman und somit mit seiner Kritik auseinandersetzt. Die Ergebnisse dieser Auseinandersetzungen sind wie bereits erwähnt sehr reichlich. Speziell die Ergebnisse um Hester Prynne sollen hier kategorisch und komprimiert dargestellt werden, um dann eventuell eine gefestigtere Meinung von Hester zu erlangen.

II Unterschiedliche Betrachtungsweisen Hesters

1. Hester als zukunftsweisende Feministin

1.1. Historischer Hintergrund

"The Scarlet Letter" erscheint 1850 und spielt "not less than two centuries ago"5 in Boston, Massachusetts. 1620 begann die Besiedlung Neu Englands durch die Puritaner. Sie gründeten die Kolonie Plymouth und später die Siedlung Trimountane, die sich dann u.a. unter John Winthrop in Boston umbenannte.6 Dementsprechend spielt Hawthornes Roman in der Anfangszeit der Besiedlung Nordamerikas. Gemäß einem Aufsatz von Kurt Müller wird Hester Prynne als "eine unzeitgemäße Heldin in der amerikanischen Literatur des 19. Jahrhunderts"7 betitelt. Um das "Unzeitgemäße" Hesters zu verstehen, soll hier kurz auf die gesellschaftlichen Hintergründe Nordamerikas zu dieser Zeit eingegangen werden. Der Puritanismus entstand Ende des 16. Jahrhunderts in England als eine Abspaltung des Protestantismus. Im 17. Jahrhundert siedelten viele Puritaner nach Nordamerika um, da sie dort ihre Religion frei ausüben konnten. Grundlage des Puritanismus war der Kalvinismus mit dem Dogma der Prädestination. Wichtige Glaubensinhalte waren die unvermeidbare Sündhaftigkeit der Menschen und dessen ungeachtet die Auserwähltheit Einiger durch Gott.

[...]


1 Köster, Thomas: Nathaniel Hawthorne, in: Microsoft Encarta Enzyklopädie 2001.

2 Walcutt, Charles C.: The Range of Interpretations, The Scarlet Letter and Its Modern Critics, in: Nineteenth Century Fiction 7, Berkeley 1953, S. 251-264, zit. in: Gerber, John C. (Hrsg.): Twentieth Century Interpretations of The Scarlet Letter, A Collection of Critical Essays, Englewood Cliffs 1968, S. 71-81: 72-73.

3 http://www.kirjasto.sci.fi/hawthorn.htm, 25.11.2003.

4 Dies wäre ohnehin ein unmögliches Unterfangen, da wir ihn nicht mehr selbst befragen können.

5 Hawthorne, Nathaniel: The Scarlet Letter, in: Cowley, Malcolm (Hrsg.): The Portable Hawthorne, o.O. 1976, S. 337-544: S. 339.

6 O.V.: Boston (Massachusetts, USA) , in: Microsoft Encarta Enzyklopädie 2001.

7 Müller, Kurt: Nathaniel Hawthornes Hester Prynne. Eine unzeitgemäße Heldin in der amerikanischen Literatur des 19. Jahrhunderts, in: Kaiser, Gerhard R. (Hrsg.): Der unzeitgemäße Held in der Weltliteratur, Heidelberg 1998, (Jenaer Germanistische Forschungen, Neue Folge, Bd. 1), S. 129-147.


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