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Dubliners' Mütter und Töchter - The Boarding House und A Mother im Vergleich

Termpaper, 2005, 30 Pages
Author: Angela Schaaf
Subject: English Language and Literature Studies - Literature

Details

Event: Joyce und die irische Revolution
Institution/College: European University Viadrina Frankfurt (Oder)
Tags: Dubliners, Mütter, Töchter, Boarding, House, Mother, Vergleich, Joyce, Revolution
Category: Termpaper
Year: 2005
Pages: 30
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 13  Entries
Language: German
Archive No.: V44009
ISBN (E-book): 978-3-638-41679-5

File size: 266 KB


Excerpt (computer-generated)

Dubliners′ Mütter und Töchter –
The Boarding House und A Mother im Vergleich

von: Angela Schaaf

 


1. Einleitung

1.1. Irland: geschichtlicher, politischer und soziologischer Hintergrund
1.2. James Joyce: biographischer Hintergrund

2. Dubliners

2.1. Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte
2.2. Aufbau des Gesamtzyklus’
2.3. Dubliners Mütter
2.4. The Boarding House

2.4.1. Mrs. Mooney
2.4.2. Polly
2.4.3. Mutter-Tochter-Verhältnis

2.5. A Mother

2.5.1. Mrs. Kearney
2.5.2. Kathleen
2.5.3. Mutter-Tochter-Verhältnis

2.6. Mrs. Mooney and Mrs. Kearney im Vergleich

3. Schlußbemerkung

Bibliographie


 

 

1. Einleitung

1.1. Irland: geschichtlicher, politischer und soziologischer Hintergrund

“Unconsciously emulating their English masters, the Irish assert a specious manhood through blustering claims to patriarchal privilege, making infantile demands that frustrate and feminize those already demeaned by colonial subjugation. The citizens of Dublin are tormented by insatiable desires endlessly replayed on the body of mother Ireland – a body defiled, raped, and adulterated by British authority.”1

Als James Joyce am 02. Februar 1882 im irischen Rathgar zur Welt kommt, blickt sein Heimatland bereits auf eine nahezu tausendjährige Besatzungszeit durch die Engländer zurück. Über Jahrhunderte hinweg hatte man versucht, ein autonomes irisches Königreich zu verhindern und die Bevölkerung zu reformieren. Zahlreiche Dörfer waren zerstört, Ernten vernichtet und unzählige Einwohner Irlands ermordet worden. Während der Jahre 1845-1847 reduziert sich die irische Bevölkerung zudem als Folge einer Hungersnot von circa acht auf vier Millionen Menschen. Dieser Umstand zieht verheerende ökonomische Konsequenzen nach sich. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erhebt die von Charles Stewart Parnell geführte Home-Rule-Bewegung Forderungen nach politischer Autonomie, kann aber im Jahre 1886 im britischen Oberhaus ihre Home Rule Bill nicht durchsetzen. Als drei Jahre später auch noch William Henry O’Shea, einer der ehemals treuesten Anhänger Parnells, seine Scheidungsklage mit einem zwischen seiner Frau und Parnell stattgefundenen Ehebruch begründet, wendet sich die Mehrzahl der Anhänger gegen ihren Anführer und kommt es zu einer Spaltung der nationalistischen Bewegung. Diese Spaltung war einer der Gründe, warum sich die Durchsetzung der Home Rule bis in die Zeit nach dem ersten Weltkrieg verzögern sollte.

Diese Ereignisse und die damit verbundenen Enttäuschungen ziehen die Radikalisierung vieler junger Iren nach sich, 1903 bildet sich die Gaelic League und 1905 gründet Arthur Griffith die Partei Sinn Féin, die neben wirtschaftlichen Forderungen für die Unabhängigkeit Irlands eintritt. Vor diesem drastischen politischen Hintergrund gestaltet sich auch das alltägliche Leben der Bevölkerung als äußerst schwierig. Florence Walzl hebt in ihrem Aufsatz „Dubliners: Women in Irish Society“2 vor allem zwei Ursachen für den harten irischen Familienalltag („the harshness of Irish family life“ S. 33) hervor:

„The first is lack of economic opportunity. (...) poverty was widespread, jobs few and precarious, salaries meager, and opportunities for advancement rare. It normally took a young man fifteen to twenty years to achieve a modium of security. (…) A second major social condition radically affecting women’s lives is that for over a century following 1841, Ireland had the lowest marriage and birth rates in the civilized world. (…) During Joyce’s youth and young manhood, the marriage rate underwent its greatest decline. From 1881 to 1891, it was at its all-time low of 4 percent per 1,000 population.” (S. 33f)

Diese Situation hat besonders schwerwiegende Konsequenzen für die (alleinstehende) weibliche Bevölkerung, der nur wenige Berufsfelder offen standen. Die besten Möglichkeiten bestanden für Frauen laut Walzl im Bereich von „Nursing and Teaching“ (S. 38), besonders jedoch in der Musik konnten Frauen ein gesichertes Auskommen finden: „In 1900, apparently, no career was as promising for a young woman or as secure for a mature woman as music.“ (S. 42) Doch auch innerhalb der wenigen Familien, die sich derzeit trotz der widrigen Umstände zusammen gefunden haben, präsentiert sich kein harmonisches Bild: „There is agreement among social commentators that the economic pressures that prevented marriage at normal early ages, combined with the stringent views of the puritanical Irish Church on the moral depravity of sex except for procreative purposes in marriage, led to great male tensions. The high degree of alcoholism among Irishmen is commonly attributed to this repression. (…) The family suffers in another respect in that men under such pressures seek their pleasures outside the home with male companions in pubs and elsewhere.” (S. 45) Im Hinblick auf die Tatsache, daß sich der Lebensmittelpunkt der Ehemänner und Väter folglich nicht innerhalb der Familien befindet, erscheint es durchaus verständlich, daß die irische Mutter oftmals die Rolle der Matriarchin innehat: „The Irishwoman has had to become the ‚dominant’ female, a role which suits her ill and makes her quite frequently dislike herself heartily. (...) Often denied the protection, affection, and tenderness of marital love, she placates herself with a strange hold on her children.“3

1.2. James Joyce: biographischer Hintergrund

James Joyce war das älteste von zehn überlebenden Kindern. Seine Mutter entsprach nicht dem Bild der oben beschriebenen Matriarchin, sondern war im Gegenteil „ein furchtsames Geschöpf, dessen ganzer Ehrgeiz darin bestand, den Haushalt ordentlich zu führen und die Kinder (...) in Ehrfurcht vor der katholischen Kirche zu erziehen.“4 Auf Unterstützung von Seiten ihres Gatten durfte jedoch auch sie nicht rechnen. Dieser wechselte ein ums andere Mal seine Arbeitsstelle, was häufige und abrupte Umzüge nach sich zog, und verbrachte, wie die meisten seiner Geschlechtsgenossen, die meiste Zeit im Pub. Mary Jane Joyce verstarb im Jahre 1903 im Alter von nur 44 Jahren. Am 29. August des Jahres 1904 kommentiert ihr erstgeborener Sohn in einem Brief an Nora Barnacle die Situation seiner Mutter folgendermaßen:

„How could I like the idea of home? My home was simply a middle class affair ruined by spendthrift habits. … My mother was slowly killed, I think, by my father’s ill-treatment, by years of trouble, and by my cynical frankness of conduct. When I looked on her face as she lay in her coffin … I understood that I was looking on the face of a victim and I cursed the system which had made her a victim.”5

Die ohnehin schon schwierige familiäre Situation im Hause Joyce wurde verstärkt durch ein Ereignis, daß beiden Eltern in politischer Hinsicht den Boden unter den Füßen wegriß: den Skandal um Parnell, gefolgt von dessen Tod im Jahre 1891. Dieser bedeutete für sie das endgültige Scheitern der Home Rule. Laut Jean Paris waren Joyces Eltern nicht nur Parnell-Anhänger gewesen: „sie hatten den Helden zu ihrem Abgott gemacht.“ Für Paris „nimmt (hier) das Drama seinen Ursprung. Es besteht kein Zweifel, daß das Mißtrauen, das Joyce seiner Heimat so gut entgegenbrachte wie der Liebe, der Freundschaft, der Religion, allem Erhabenen, auf diesen Skandal zurückgeht.“6 Er geht sogar noch einen Schritt weiter und sieht auch Joyces Frauenbild in jenem politischen Unglück verwurzelt: „Auch ein gewisser Groll gegenüber der Frau wird dadurch genährt, denn sie diente dem Unglück zum Vorwand (...). Antinationalismus, Antiklerikalismus und Antifeminismus, drei der wichtigsten Themen bei Joyce, begegnen sich also in der Tragödie, die er als Kind miterlebte.“7

2. Dubliners

2.1. Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte

[...]


1 Henke, Suzette: James Joyce and the Politics of Desire, S. 13, Routledge, London, 1990

2 in: Henke, Suzette u. Unkeless, Elaine (Hg.): Women in Joyce, S. 31-56, University of Illinois Press, USA, 1982

3 Zitat der Journalistin Mary Francis Keating in: Walzl, Florence: Dubliners: Women in Irish Society in: Henke, Suzette u. Unkeless, Elaine (Hg.): Women in Joyce, S. 46

4 Paris, Jean: James Joyce, S. 22, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg, 2002

5 James Joyce in: Walzl, Florence: Dubliners: Women in Irish Society, in: Henke, Suzette u. Unkeless, Elaine (Hg.): Women in Joyce, S. 37

6 Paris, Jean: James Joyce, S. 31

7 ebenda, S. 32


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