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Autor: Angela Schaaf
Fach: Filmwissenschaft
Details
Institution/Hochschule: Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Tags: Analyse, Mousetrap-Szene, Hamlet-Verfilmungen, Kenneth, Branaghs, Laurence, Oliviers, Michael, Almereydas, Shakespeares, Tragödien
Jahr: 2002
Seiten: 22
Note: 1,7
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 236 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-41681-8
Textauszug (computergeneriert)
Analyse der Mousetrap-Szene in den Hamlet-Verfilmungen
Kenneth Branaghs, Laurence Oliviers und Michael Almereydas
von: Angela Schaaf
Inhaltsübersicht
I.
- Die Bedeutung von „The Mousetrap“ innerhalb Shakespeares „Hamlet“ 3
- „The Mousetrap“ 5
- J. Dover Wilsons Interpretation der „Mousetrap-Szene” 7
II.
- „Hamlet” unter der Regie Kenneth Branaghs 9
- „Hamlet“ unter der Regie Laurence Oliviers 13
- „Hamlet“ unter der Regie Michael Almereydas 16
III.
- La Conclusion 20
Die Bedeutung von „The Mousetrap“ innerhalb Shakespeares „Hamlet“
Verzögerte, oder zögerliche Rache kann als ein Hauptthema von Shakespeares „Hamlet“ benannt werden. Das Motiv der Rache kommt allerdings erst nach der Begegnung zwischen Hamlet und dem Geist seines Vaters ins Spiel. Zunächst gefällt sich Hamlet in der Rolle des einzigen am Königshof, welcher um den angeblich an einem Natterbiß gestorbenen Vater trauert. In einen „inky cloak“ (I,2,77)1 gekleidet postuliert er: “I have that within which passes show“ (I,2,85). Seine Empörung richtet sich gegen die schnelle Vermählung seiner Mutter Gertrude mit ihrem Schwager Claudius, welcher Hamlets Platz in der Thronfolge eingenommen hat. Von den vermeintlich wahren Umständen des Todes König Hamlets erfährt er wenig später von dessen Geist, welcher ihm von seiner Ermordung durch den Bruder berichtet und seinen Sohn auffordert, ihn zu rächen: „Revenge his foul and most unnatural murder“ (I,5,25), ihn jedoch gleichwohl darum ersucht: “Taint not thy mind nor let thy soul constrive / Against thy mother aught.“ (I,5,85f)
Nach dieser Begegnung eröffnet sich Hamlet eine völlig neue Sicht der Dinge: Plötzlich gibt es einen Schuldigen, der für den Tod des Vaters verantwortlich gemacht werden kann, und auch die Rolle seiner Mutter innerhalb des Geschehens erlaubt eine neue Interpretation bzgl. einer eventuellen Mittäterschaft. Völlig überzeugt von dem ihm geschilderten Tathergang scheint er jedoch nicht zu sein, denn weder schreitet er sogleich zur Rache, noch konfrontiert er das Königspaar mit seinen neuen Erkenntnissen. Vielmehr fügt er seiner bis dato zur Schau getragenen Melancholie eine Prise gespielten Wahnsinns hinzu, vor allem wohl, um Zeit zu gewinnen und den König zu verunsichern.
Als im zweiten Akt eine ihm bekannte Schauspielergruppe am Hof gastiert, bittet er den ersten Schauspieler um den Vortrag des Pyrrhus-Monologes, in welchem Pyrrhus seinen Vater rächt, indem er Priamus ermordet. Es liegt nahe, daß „during this recitation (...) the Gonzago scheme takes root in Hamlet’s brain, for, as the rest of the actors go out with Polonius, the Prince stops the first Player; asks him if he can play The Murder of Gonzago”2. Sein Plan ist folgender: „I´ll have these players / Play something like the murder of my father / Before mine uncle. I´ll observe his looks; / (…) If a do blench, / I know my course.” (II,2,589ff) Und dieser Plan scheint in seinem Geiste bereits genaue Gestalt angenommen zu haben, denn schon jetzt kann er den ersten Schauspieler darauf vorbereiten, daß es notwendig werden könnte, „a speech of some dozen or sixteen lines“3 (II,2,534), welche er bis zum nächsten Abend zu verfassen gedenkt, in den ursprünglichen Text einzufügen. Der Reaktion Claudius´ auf die Theatervorstellung mißt er eine glaubwürdigere Bedeutung bei als der Geisterscheinung: „I´ll have grounds / More relative than this. The play´s the thing / Wherein I´ll catch the conscience of the king.” (II,2,598ff) „The Mousetrap” nimmt folglich eine Schlüsselstellung innerhalb des Stückes ein, laut Wilson stellt sie „the climax and the crisis of the whole drama“ dar. Von ihrem Gelingen, bzw. von der Reaktion Claudius´ auf die Konfrontation mit seinem Verbrechen hängt das weitere Vorgehen Hamlets ab. Tatsächlich initiiert „the play in the play“ eine Reihe dramatischer Begebenheiten, die das Geschehen letztlich in einer totalen Katastrophe, in der vollkommenen Auslöschung, münden lassen: Nachdem Claudius den Erwartungen Hamlets entsprechend reagiert und die Vorstellung vorzeitig verläßt, kommt es im Schlafgemach der Mutter, welche ihren Sohn zur Rede stellen will, zum Mord an Polonius. Aus diesem entwickeln sich der im Selbstmord endende Wahnsinn Ophelias und die Racheplanung des Laertes für seinen Vater und seine Schwester, welche schließlich den Tod Hamlets sowie Laertes selbst zur Folge hat. Parallel beschließt Claudius, welcher nun Kenntnis davon besitzt, daß Hamlet um den Brudermord weiß, dessen Verbringung nach England, wo er auf sein Geheiß hingerichtet werden soll. Am Ende dieses Handlungsstranges steht zwar nicht die Ermordung Hamlets, jedoch die Rosenkranz´ und Guildensterns, sowie der Tod der Königin, welche an Hamlets statt vom vergifteten Wein trinkt.
„The Mousetrap“
Der Verlauf dieses so folgenreichen Theaterabends ist folgender: Vor Beginn der Aufführung nimmt Hamlet drei der Schauspieler zur Seite und gibt ihnen letzte Anweisung bezüglich der von ihm gewünschten Vortragsweise. Nachdem die Schauspieler wieder gegangen sind, wendet er sich mit der Bitte: “One scene of it comes near the circumstance / Which I have told you of my father´s death. / I prithee, when thou seest that act afoot, / … / Observe my uncle.“ (III,2,75ff) an Horatio, seinen einzigen Vertrauten. Bei der Einschätzung der Reaktion seines Onkels Claudius will er sich nicht nur auf sein eigenes Urteil verlassen: „And after we will both our judgments join / In censure of his seeming.“ (III,2,85f) Wenige Augenblicke nach diesem Gespräch ist der große Moment gekommen und der Hofstaat hat sich versammelt um der Einladung des Kronprinzen Folge zu leisten. Gleich zu Beginn kommt es zu einem kurzen Wortgefecht zwischen Hamlet und Claudius, welchem er seine Begrüßungsworte im Munde herumdreht und auf die Frage nach seinem Befinden eine Anspielung auf den ihm versprochenen Thron erwidert: „I eat the air, promise-crammed.“ (III,2,92f) Anschließend wendet er sich in einem ironischen Dialog Polonius zu, durch welchen das versammelte Publikum erfährt, daß dieser seinerzeit in der universitären Theatergruppe die Rolle des Cäsar gespielt hat, eine Vorwegnahme des an diesem Abend zu spielenden Königsmordes (sowie des Mordes an Polonius selbst).
[...]
1 alle Hamlet-Zitate entnommen: Shakespeare, Hamlet, 3. Auflage, dtv, München, 2000
2 Wilson, J. Dover; What Happens in Hamlet, At the University Press, Cambridge, 1935, S. 141
3 Wilson, J. Dover; What Happens in Hamlet, At the University Press, Cambridge, 1935, S. 138
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