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Moderation von Assessment Centern: Methoden - Instrumente – Grundlagen - Ein Abgleich von pädagogischen Konzepten und Praxiserfahrungen

Diploma Thesis, 2005, 112 Pages
Author: Silke Schrupp
Subject: Pedagogy - Adult Education

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2005
Pages: 112
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 64  Entries
Language: German
Archive No.: V44071
ISBN (E-book): 978-3-638-41731-0

File size: 427 KB
Notes :
In der Arbeit geht es sowhl um die Moderation von Gruppen im allgemeinen und die Moderation von Assessment Centern im besonderen. Dabei wird vor allen Dingen ein sonst eher selten betrachteter Aspekt, die Moderation der Beobachtergruppen, intensiv erläutert. Beispiele aus der Praxis werden mit theoretischen Hintergründen (humanistische Pädagogik/konstruktivistische Didaktik) abgeglichen.



Excerpt (computer-generated)

Universität Bielefeld
Fakultät für Pädagogik

Moderation von Assessment Centern
Methoden - Instrumente – Grundlagen
Ein Abgleich von pädagogischen Konzepten und Praxiserfahrungen

Diplomarbeit

im Fach Pädagogik

vorgelegt von

Silke Schrupp

Bielefeld, im April 2005

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 1

2. Die Moderationsmethode ... 5
2.1 Geschichte der Moderation ... 5
2.2 Aufgaben eines Moderators ... 8
2.3 Moderationstechniken ... 12
2.4 Auftreten und Persönlichkeit des Moderators ... 14
2.5 Anwendungsbereiche und Arten der Moderation ... 17
2.5.1 Konfliktmoderation ... 20
2.5.2 Entscheidungsmoderation ... 23

3. Das Assessment Center ... 26
3.1 Geschichte des Assessment Centers ... 26
3.2 Ziele der Methode Assessment Center im Sinne der Personalauswahl und Personalentwicklung ... 29
3.3 Konstruktionsregeln und Qualitätsmaßstäbe für Assessment Center ... 33
3.4 Kritische Elemente der Methode Assessment Center ... 40
3.4.1 Validierungsprobleme ... 40
3.4.2 Wahrnehmung und Beurteilung ... 45
3.4.3 Kommunikationsprobleme ... 52
3.5 Durchführung eines Assessment Centers ... 54
3.5.1 Ablauf und Übungen ... 56

4. Pädagogischer Hintergrund der Moderationsmethode ... 58
4.1 Theoretische Grundlagen der Moderationsmethode ... 58
4.2 Gruppenpädagogik und Moderation ... 62
4.3 Erwachsenenbildung und Moderation ... 63
4.4 Elemente der Moderationsmethode betrachtet unter pädagogischer Perspektive ... 64
4.4.1 Die Kommunikationsregeln und der Ansatz der Humanistischen Pädagogik ... 65
4.4.1.1 Das Menschenbild der Humanistischen Pädagogik ... 66
4.4.1.2 Gruppenleitung und Kommunikationsregeln bei der Themenzentrierten Interaktion ... 69
4.4 Der Austausch von Beobachtungen, Wissen und Erfahrungen und der Ansatz des pädagogischen Konstruktivismus ... 73
4.4.2.1 Das Menschenbild des Konstruktivismus ... 73
4.4.2.2 Die Moderationsmethode als konstruktivistischer Lernansatz ... 75

5 Betrachtung der Moderationsmethode im Rahmen des Assessment Center ... 77
5.1 Moderierte Situationen im Assessment Center ... 78
5.2 Die Moderation als Aufgabe des Unternehmensberaters ... 82
5.3 Anwendung der Themenzentrierten Interaktion auf eine moderierte Konfliktsituation im Assessment Center ... 84
5.3.1 Fallbeispiel: Beobachterdiskussion nach der Übung „Verhandlungsführung“ ... 85
5.3.2 Analyse des Praxisbeispiels (Konfliktsituation) ... 87
5.4 Anwendung des konstruktivistischen Lernansatzes auf eine moderierte Entscheidungssituation im Assessment Center ... 89
5.4.1 Die Konstruktion diskursiv hergestellter Wirklichkeiten im Assessment Center ... 89
5.4.2 Fallbeispiel: Beobachterdiskussion zur „richtigen“ Mitarbeiterführung ... 92
5.4.3Analyse des Praxisbeispiels (Entscheidungssituation) ... 96

Schlussreflexion ... 99

Literaturverzeichnis ... 104

Verzeichnis der Anhänge ... 110

 

1. Einleitung

Im Rahmen meiner Moderationsausbildung an der Universität Bielefeld konnte ich erfahren, wie wichtig die innere Haltung des Moderators1 ist. Ich habe Moderationstechniken und Interventionsmöglichkeiten bei der Arbeit mit Gruppen kennen gelernt. Ich konnte erfahren, welche gruppendynamischen Effekte in den einzelnen Lern- und Arbeitsphasen entstehen und wie man als Moderator mit Konflikten in der Gruppe umgehen sollte. Immer wieder wurde mir dabei bewusst, dass man bei der Arbeit mit Gruppen Menschen und deren Bedürfnisse ernst nehmen muss. Außerdem konnte ich feststellen, dass nicht nur die Methode, sondern auch die Persönlichkeit, das Auftreten und die Art zu kommunizieren, Erfolgsfaktoren für Moderation sind.
Diese Erkenntnisse sind für mich auch bei meiner Arbeit als Moderatorin von Beobachtergruppen bei Assessment Centern sehr hilfreich gewesen. Andererseits musste ich feststellen, dass ich nicht alles, was ich gelernt und für richtig und gut befunden habe, in diesem Rahmen umsetzen konnte. Das Verfahren Assessment Center ist so angelegt, dass organisatorische Rahmenbedingungen und Wünsche des Kunden die Möglichkeiten einschränken, die Moderationssituationen in jeder Hinsicht teilnehmerorientiert zu gestalten.
Ausgehend von dieser Erfahrung möchte ich nun die Moderation von Assessment Centern genauer betrachten. Es soll dabei zunächst um eine allgemeine Beschreibung der moderierten Situationen in einem Assessment Center gehen und um die Methoden, die dabei eingesetzt werden. Der Fokus der vorliegenden Arbeit soll allerdings auf der Moderation der Beobachterdiskussionen liegen. Im Verlauf dieser Diskussionen wird die Entscheidungsfindung der Beobachter hinsichtlich einer Beurteilung der Teilnehmer moderiert (im Anschluss an die Übungen, die die Teilnehmer absolvieren).
Die Moderation des gesamten Verfahrens wird in der Literatur zu Assessment Centern kaum erwähnt. Dieses Defizit macht sich jedoch besonders bemerkbar, wenn es um die Beurteilungssituationen geht. Die Beobachterdiskussionen und die Bewertungssituation sind zwar Aspekte, die dargestellt und kritisch gewürdigt werden, die Moderation dieser Prozesse wird jedoch nur am Rande behandelt. Primär geht es in den Abhandlungen zu Assessment Centern um Wahrnehmungsaspekte, Urteilsverzerrungen und Kriterien zur Validierung des Verfahrens. Obwohl es sich bei den Beobachterdiskussionen um besonders problematische Kommunikationssituationen handelt, wird die Kommunikation zwischen den Beobachtern im Assessment Center nur von wenigen Autoren explizit behandelt (u. a. von Ralph Sichler und Ain Kompa). Wie ein Moderator methodisch vorgehen sollte, wenn Kommunikationsschwierigkeiten, Konflikte und Bewertungs- bzw. Entscheidungsprobleme entstehen, wird nur am Rande erwähnt. Die meisten Autoren, die sich mit Assessment Centern beschäftigen, kommen aus dem Bereich der Arbeits- und Organisationspsychologie. Diese interessieren sich vorrangig dafür, wie sich das Verhalten der Beobachter und Teilnehmer auf Erfolg, Akzeptanz und prognostische Validität des Verfahrens auswirkt. Welche Rolle dabei das Verhalten des Moderators spielt, ist nicht Gegenstand der Analysen.
Andererseits wird allgemein davon ausgegangen, dass in jedem Fall ein Moderator bei einem Assessment Center anwesend sein sollte, insbesondere bei der Beobachterkonferenz soll dieser einen „transparenten und zielführenden Ablauf des Verfahrens“ gewährleisten (vgl. Arbeitskreis für Assessment Center e.V., 2004, S. 7). Seine organisatorischen Aufgaben und sein Expertenwissen (er ist oft die einzige Person, die alle Übungen, Abläufe und methodischen Vorgaben kennt) stehen vielmehr im Vordergrund als die Moderationsgestaltung selbst. Seine diesbezügliche Professionalität wird stillschweigend vorausgesetzt. Wie allerdings professionelles Moderieren von Beobachtergruppen in Assessment Centern aussehen sollte, ist nicht eindeutig festgelegt. Hier kann man als Moderator lediglich auf die eher allgemein gehaltene, handlungsorientierte Literatur zur Moderationsmethode zurückgreifen.
Ich werde deshalb in dieser Arbeit versuchen, die Aufgaben des Moderators während des Assessment Centers genauer zu beschreiben. Ausgehend von dieser Darstellung möchte ich dann analysieren, wie weit das Konzept der Moderationsmethode im Rahmen von Assessment Centern einsetzbar ist, welche Prinzipien umsetzbar sind und auf welche Grenzen man in der Praxis stößt. Dabei interessiert mich besonders, wie die Haltung des Moderators theoretisch begründet werden kann, welche Einstellung zum Menschen er mitbringen sollte. Diese Fragestellung ist für mich als Pädagogin besonders relevant, weil sich Erziehungs- und Bildungsprozesse immer auf der Grundlage einer bestimmten ethischen Haltung und Weltsicht vollziehen.

Die vorliegende Arbeit ist insgesamt an den folgenden Fragestellungen orientiert:

  • Welche theoretische Grundlage besteht für die Moderationsmethode? Welche pädagogischen Implikationen ergeben sich daraus? Wie lassen sich theoretische Prinzipien auf die Praxis anwenden?
  • Welche Aufgaben muss ein Moderator speziell in einem Assessment Center bewältigen? Welche Moderationsarten sind hierfür relevant? Welchen spezifischen Problematiken begegnet er? Wie kann der Moderator in diesem Rahmen pädagogischen Ansprüchen genügen?

Aufgrund dieser Fragestellungen ist die Arbeit so strukturiert, dass im ersten Kapitel eine Erläuterung der Moderationsmethode erfolgt. Um Hinweise auf die Haltung und Wirkung von Moderatoren zu bekommen, wird zunächst die Geschichte der Moderation, insbesondere die Kultur- und Wortgeschichte dargestellt. Des Weiteren werden Aufgaben, Techniken und Vorgaben zum Auftreten des Moderators erläutert. Eine Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Moderationsarten soll verdeutlichen, welche Arten des Moderierens bei einem Assessment Center relevant sind; aufgrund der Zielvorgaben von Assessment-Centern kann es in den Beobachterdiskussionen zu Entscheidungsproblemen und Konflikten kommen, deshalb werden diese Situationen bzw. die Möglichkeiten, wie sie moderiert werden können, genauer erläutert.
Im zweiten Kapitel erfolgt eine Auseinandersetzung mit dem Assessment Center-Verfahren. Die Geschichte, die Ziele, die Konstruktionsregeln und auch kritische Elemente der Methode werden dargestellt. Die Probleme, die bei der näheren Betrachtung der Methode sichtbar werden, sind auch relevant im Zusammenhang mit der Moderation von Beobachtergruppen. Da vor allem Wahrnehmungs-Beurteilungs- und Kommunikationsprobleme Aspekte sind, mit denen ein Moderator in einem Assessment Center umgehen muss, werden diese detaillierter beschrieben. Das Kapitel wird abgeschlossen mit einer Darstellung des Ablaufs und der Übungen, die in einem Assessment Centern eingesetzt werden.
Im vierten Kapitel erfolgt eine Betrachtung des theoretischen Hintergrunds für die Moderationsmethode. Da das Konzept nicht nur für die Pädagogik relevant ist, werden auch Einflüsse aus anderen wissenschaftlichen Bereichen einbezogen. Insbesondere die Aspekte Lernen, Arbeiten und Kommunizieren in Gruppen sind Grundlage für diese Analyse.
Prinzipien, die in diesem Kontext Anwendung finden, sind besonders kompatibel mit Annahmen der humanistischen Pädagogik, aber auch mit der Theorie des pädagogischen Konstruktivismus. Deshalb folgt an dieser Stelle eine Betrachtung bestimmter Elemente der Moderationsmethode unter der Perspektive der humanistischen Pädagogik einerseits und der konstruktivistischen Didaktik andererseits.
Die Kommunikationsregeln der Themenzentrierten Interaktion stellen eine gute Grundlage für den Moderator dar, wenn er sich hinsichtlich seines Umgangs mit Menschen im humanistischen Sinne orientieren möchte. Deshalb wird auf das Menschenbild der humanistischen Psychologie und Pädagogik besonders eingegangen. Auch das Konzept des Konstruktivismus impliziert eine besondere Sicht auf den Menschen und dessen Erkenntnismöglichkeiten. Daraus resultieren wiederum Vorgaben wie ein Moderator mit Arbeits- und Lerngruppen umgehen sollte. Eine Zusammenfassung dieser Vorgaben schließt das vierte Kapitel ab.
Die Analyse dieser speziellen pädagogischen Einflüsse auf die Moderationsmethode bildet dann die Grundlage für einen Theorie-Praxisabgleich im fünften Kapitel der vorliegenden Arbeit. Deshalb werden zunächst sämtliche Situationen im Assessment Center, die sinnvoller Weise moderiert werden sollten, beschrieben. Auch wird erläutert, welche Aufgaben Unternehmensberater wahrnehmen, wenn sie um eine professionelle Moderation gebeten werden. Darauf folgend werden die Regeln der Themenzentrierten Interaktion auf ein Fallbeispiel angewendet.2 Dieses Beispiel soll möglichst plastisch zeigen, wie eine Beobachterdiskussion abläuft und welche Konflikte und Probleme dabei entstehen können. Für den Vergleich der praktischen Implikationen und der theoretisch-ethischen Vorgaben werden die Erläuterungen aus Kapitel 4.4 (TZI) sowie die Darstellung der Interventionsmöglichkeiten bei Konflikten (Kap. 2.5.1) einbezogen.
Auf ähnliche Weise können die Prinzipien der konstruktivistischen Didaktik betrachtet werden, deshalb wird auch diesbezüglich zunächst ein Praxisbeispiel beschrieben. Hierbei handelt es sich um eine schwierige Entscheidungssituation im Kontext eines Assessment Centers. Der konstruktivistischen Lernansatzes wird dann auf diese Moderationssituation angewendet. Da bei dem Prozess der Urteilsbildung sowohl die Wahrnehmung als auch das soziale Miteinander wichtige Komponenten sind, wird zudem ein Exkurs zur Konstruktion diskursiv hergestellter Wirklichkeiten vorgenommen.
In der darauf folgenden abschließenden Reflexion sollen die o. g. Fragestellungen noch einmal aufgriffen, sowie Erkenntnisse und Schlussfolgerungen zusammengetragen werden. Was die Moderationsmethode konkret leisten kann und welche Grenzen ihr im Rahmen von Assessment Centern gesetzt sind, soll Schwerpunkt dieses Fazits sein. Speziell die Einstellung des Moderators bei einem Assessment Center wird hier noch einmal reflektiert. In diesem Zusammenhang findet auch ein Vergleich der beiden dargestellten pädagogischen Theorien hinsichtlich ihrer Relevanz für die Moderationspraxis statt.

2. Die Moderationsmethode

Moderieren ist eine Tätigkeit, die eng mit Gesprächsführung und Kommunikationssituationen verknüpft ist.

[...]


1 Im folgendem werde ich wegen der besseren Lesbarkeit die männliche Form des Wortes „Moderator“ benutzen, ich meine aber natürlich immer auch alle Moderatorinnen. Dasselbe gilt für Teilnehmer, Beobachter etc.

2 Es handelt sich bei dem Fallbeispiel um eine Situation, die ich selbst erlebt habe und nicht um eine Zusammen-fassung empirischer Ergebnisse aus Studien zu Assessment Centern.


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