Autor: Sebastian Kirsch
Fach: Kunst - Uebergreifende Betrachtungen
Details
Institution/Hochschule: Ruhr-Universität Bochum
Tags: Werbung, Kunst, Werbung, Marketing, Public, Relations
Jahr: 2004
Seiten: 17
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 7 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 184 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-41770-9
Textauszug (computergeneriert)
RUHR-UNIVERSITÄT BOCHUM
HAUPTSEMINAR GESCHICHTE
„WERBUNG, MARKETING UND PUBLIC RELATIONS IN
DER BUNDESREPUBLIK NACH 1945“
SS 2004, 8. Semester
Werbung und Kunst
von: Sebastian Kirsch
Inhalt
Einleitung S. 3
1. Kunst als Werbung S. 3
1.1. Politische Kunst – Autonome Kunst S. 3
1.2. Kunst und Werbung aus systemtheoretischer Perspektive S. 7
2. Werbung als Kunst S. 9
2.1. Ästhetisierung des Alltags – Werbung als autonome Kunst S. 9
2.2. Werbung als politische Kunst S. 10
3. Kulturkritik S. 13
Fazit S. 15
Literatur S. 17
Einleitung
So verschieden die Avantgarden des 20. Jahrhunderts auch gewesen sind, so haben sie doch eines gemein: Immer zielten sie ab auf eine Entgrenzung der Kunst über den Rahmen ihres Systems hinaus. Es ging ihnen entweder um die Ästhetisierung der alltäglichen Lebenswelt – wie etwa im Futurismus – oder umgekehrt um das Alltäglichmachen der Kunst und ihrer Objekte – wie etwa beim Pissoir Marcel Duchamps. Dabei haben sie eine Fülle von Strategien und Techniken entwickelt, um das Publikum zu erregen, zu bewegen, zu verstören, zu irritieren und schockieren oder zu mobilisieren. Auf all diese Techniken konnte und kann avancierte Werbung zurückgreifen, um ihrerseits auf ihre Zielgruppen einzuwirken. Mehr noch: Im Zuge der modernen Entwicklung haben sich die Grenzen zwischen Kunst und Werbung selbst immer mehr verwischt, selbst und zum Teil gerade da, wo Kulturkritik die Kunst scharf vom Kommerz hat trennen wollen. Es würde den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen, die einzelnen Avantgarden differenziert zu betrachten und die Geschichte ihres Einflusses auf die Werbung zu schreiben. Daher soll hier diesbezüglich nur eine grobe Skizze gezeichnet werden. In einem ersten Schritt soll systematisch und historisch beschrieben werden, wie Kunst als Werbung sich begreifen lässt, in einem zweiten, auf welche Weise umgekehrt Werbung als Kunst sich begreift. Zum Schluss soll kurz beleuchtet werden, inwiefern dies klassische kulturkritische Positionen erschwert wenn nicht gar obsolet macht.
1. Kunst als Werbung
1.1. politische Kunst – autonome Kunst
Es lassen sich in den klassischen Avantgarden und der modernen Kunst – ohne allzusehr verkürzen zu wollen – zwei große, einander entgegengesetzte und doch auf vielfach verschlungene Weise miteinander verbundene Felder abstecken. Man könnte unterscheiden zwischen jener Kunst, die politisch zu sein und als solche auf ihr Publikum einzuwirken sucht, und jener Kunst, die sich als autonom begreift und, selbstreferentiell immer weiter sich ausdifferenzierend, hauptsächlich auf sich selbst verweist. Einen Vorschlag des Kunsthistorikers Walter Grasskamps aufgreifend, möchte ich hier als Beispiele auf der einen Seite Bertolt Brechts Theorie eines epischen Theaters und der verfremdenden Unterbrechung anführen, auf der anderen Seite Franz Marc und seine „blauen Pferde“. Bei der Kunst, die eine politische Intention hat, was sie bis zur Propaganda führen kann, ist offenbar, dass sie immer auf ein Anderes verweist. Beim Beispiel Brecht wäre dieses Andere in letzter Instanz ein marxistisch geprägtes Weltmodell, dem Veränderbarkeit als dialektisches Moment eingeschrieben ist. Die Momente der Verfremdung im epischen Theater verweisen nicht auf sich selbst, sondern auf eben dieses Modell, machen somit auf eine spezifische Weise dafür „Werbung“. Im übrigen hat Brecht selbst nie klar unterschieden zwischen Werbung und Kunst und bereits in den zwanziger Jahren ein Werbegedicht für Steyrwägen verfasst, in Anlehnung an sein Vorbild Frank Wedekind, der seinerseits Werbeverse für Maggi hergestellt hatte. Das im Stil der „Neuen Sachlichkeit“ gehaltene Brecht-Gedicht sei als exemplarisch hier zitiert:
SINGENDE STEYRWÄGEN
Wir stammen
Aus einer Waffenfabrik
Unser kleiner Bruder ist
Der Manlicherstutzen.
Unsere Mutter aber
Eine steyrische Erzgrube.
Wir haben:
Sechs Zylinder und dreißig Pferdekräfte.
Wir wiegen:
Zweiundzwanzig Zentner.
Unser Radstand beträgt:
Drei Meter.
Jedes Hinterrad schwingt geteilt für sich: wir haben
Eine Schwenkachse.
Wir liegen in der Kurve wie Klebestreifen.
Unser Motor ist:
Ein denkendes Erz.
Mensch, fahre uns!!
Wir fahren dich so ohne Erschütterung
Dass du glaubst, du liegst
In einem Wasser.
Wir fahren dich so leicht hin
Dass du glaubst, du musst uns
Mit deinem Daumen auf den Boden drücken und
So lautlos fahren wir dich
Dass du glaubst, du fährst
Deines Wagens Schatten. 1
[...]
1 Brecht, Gedichte 3; GBFA 13; S. 392/393
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