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Welche Politik kann Anerkennung garantieren? Die Politik der Anerkennung von Charles Taylor

Termpaper, 2005, 14 Pages
Author: Marko Tomasini
Subject: Politics - International Politics - General

Details

Event: Festung Europa? Europäische Einwanderungspolitik und Einwanderungsgesellschaften
Institution/College: University of Erfurt (Philosophische Fakultät)
Tags: Welche, Politik, Anerkennung, Politik, Anerkennung, Charles, Taylor, Festung, Europa, Europäische, Einwanderungspolitik, Einwanderungsgesellschaften
Category: Termpaper
Year: 2005
Pages: 14
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 3  Entries
Language: German
Archive No.: V44181
ISBN (E-book): 978-3-638-41828-7
ISBN (Book): 978-3-638-82421-7
File size: 222 KB
Notes :
Kommunitaristische Sichtweise von Charles Taylor auf Einwanderung, Kulturerhalt und Anerkennung. Mit einer Darstellung von Habermas


Abstract

Die Frage, der Charles Taylor in seinem Essay „Die Politik der Anerkennung“ nachgeht, lautet: „Welche Politik kann gleichberechtigte Anerkennung, sowohl zwischen verschieden Individuen innerhalb einer Gesellschaft, als auch interkulturell zwischen verschiedenen Kulturen, gewährleisten?“. Dabei zeigt er zwei verschiedene Politikformen auf und stellt sie gegenüber: Einmal den Liberalismus, den er auch Universalismus oder Liberalismus 1 benennt und zum Anderen die Politik der Differenz oder auch Liberalismus 2. Seine Kriterien, welche er als Maßstab ansetzt sind dabei Anerkennung der individuellen und der kulturellen Identität, Gleichberechtigung und Chancengleichheit. Ohne es vorweg nehmen zu wollen, setzt Taylor im Verlauf und am Ende seines Essays auf die Stärken der zweiten Auslegung liberaler Politik, da er die Grundlagen des „herkömmlichen Liberalismus“ als unzureichend hält um gleichermaßen Anerkennung garantieren zu können. Er steht dabei in einer Reihe von Philosophen und Politologen, welche man unter die politikphilosophische Bezeichnung der „Kommunitaristen“ zusammenfassen kann und ist somit eingebunden in die Diskussion zwischen diesen Denkern und den Liberalisten. Dabei stellen die Kommunitaristen eine reaktionäre politische „Denkrichtung“ dar, welche Anfang der 1980er Jahre entstanden ist und im wesentlichen als eine Reaktion auf das Werk von John Rawls „a theory of justice“ aus dem Jahr 1971 betrachtet wird. Die Theorie von Rawls und die weitere Entwicklung des Liberalismus geht davon aus, dass Gleichberechtigung und Chancengleichheit allein mit neutralem Recht, welches von den Mitgliedern einer Gesellschaft ausgehandelt und vertraglich festgehalten wird und allen Mitgliedern in gleichem Maße zugänglich ist, erreicht werden kann, wogegen die Kommunitaristen die Meinung vertreten, dass der Staat aktiv und substantiell eingreifen kann, wenn es darum geht, kollektive Ziele zu verfolgen. Es kann also nach dieser politischen Philosophie auch sein, dass gewissen Gruppen oder Individuen mehr Rechte eingeräumt werden als Anderen, wodurch unterschiedliche Freiheiten erzeugt werden. Dies kann geschehen, wenn Werte, Traditionen u.ä. geschützt und erhalten werden sollen. Sie sind im Kommunitarismus das zentrale Element.


Excerpt (computer-generated)

Welche Politik kann Anerkennung garantieren?
Die Politik der Anerkennung von Charles Taylor

von: Marko Tomasini

6. Fachsemester

 


Inhalt

1. Einleitung S.03

2. Taylor und die Politik der Anerkennung S.04

2.1 Würde, Identität und Anerkennung S.04
2.2 Taylors Sicht auf den Universalismus und seine Kritik S.06
2.3 Taylors Gegenkonzept: Die Politik der Differenz S.08

3. Die Kritik von Habermas S.10

4. Resümee S.13


 

1. Einleitung

Die Frage, der Charles Taylor in seinem Essay „Die Politik der Anerkennung“ nachgeht, lautet: „Welche Politik kann gleichberechtigte Anerkennung, sowohl zwischen verschieden Individuen innerhalb einer Gesellschaft, als auch interkulturell zwischen verschiedenen Kulturen, gewährleisten?“. Dabei zeigt er zwei verschiedene Politikformen auf und stellt sie gegenüber: Einmal den Liberalismus, den er auch Universalismus oder Liberalismus 1 benennt und zum Anderen die Politik der Differenz oder auch Liberalismus 2. Seine Kriterien, welche er als Maßstab ansetzt sind dabei Anerkennung der individuellen und der kulturellen Identität, Gleichberechtigung und Chancengleichheit.

Ohne es vorweg nehmen zu wollen, setzt Taylor im Verlauf und am Ende seines Essays auf die Stärken der zweiten Auslegung liberaler Politik1, da er die Grundlagen des „herkömmlichen Liberalismus“ als unzureichend hält um gleichermaßen Anerkennung garantieren zu können. Er steht dabei in einer Reihe von Philosophen und Politologen, welche man unter die politikphilosophische Bezeichnung der „Kommunitaristen“ zusammenfassen kann und ist somit eingebunden in die Diskussion zwischen diesen Denkern und den Liberalisten. Dabei stellen die Kommunitaristen eine reaktionäre politische „Denkrichtung“ dar, welche Anfang der 1980er Jahre entstanden ist und im wesentlichen als eine Reaktion auf das Werk von John Rawls „a theory of justice“ aus dem Jahr 1971 betrachtet wird.2 Die Theorie von Rawls und die weitere Entwicklung des Liberalismus geht davon aus, dass Gleichberechtigung und Chancengleichheit allein mit neutralem Recht, welches von den Mitgliedern einer Gesellschaft ausgehandelt und vertraglich festgehalten3 wird und allen Mitgliedern in gleichem Maße zugänglich ist, erreicht werden kann, wogegen die Kommunitaristen die Meinung vertreten, dass der Staat aktiv und substantiell eingreifen kann, wenn es darum geht, kollektive Ziele zu verfolgen. Es kann also nach dieser politischen Philosophie auch sein, dass gewissen Gruppen oder Individuen mehr Rechte eingeräumt werden als Anderen, wodurch unterschiedliche Freiheiten erzeugt werden. Dies kann geschehen, wenn Werte, Traditionen u.ä. geschützt und erhalten werden sollen. Sie sind im Kommunitarismus4 das zentrale Element.5

Im Folgenden will ich die Ansicht, die von Taylor in seinem erwähnten Essay vertreten wird ausführlich darstellen und am Ende eine kurze Zusammenfassung dessen geben, was Habermas dazu erwidert. Dabei soll es auch um die Frage gehen, welche Politik meiner Meinung nach am Geeignetsten ist, um Anerkennung und Gleichberechtigung zu garantieren.

2. Taylors und die Politik der Anerkennung

2.1 Würde, Identität und Anerkennung

Zunächst möchte ich klären, warum Taylor der Anerkennung einen solch hohen Stellenwert einräumt. Dazu stellt er gleich auf der ersten Seite seines Essays die These auf, „unsere Identität werde teilweise von der Anerkennung oder Nicht- Anerkennung, oft auch von der Verkennung durch die anderen geprägt, so dass ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen wirklichen Schaden nehmen [...] kann, wenn die Umgebung oder die Gesellschaft ein eingeschränktes, herabwürdigendes oder verächtliches Bild ihrer selbst zurückspiegelt. Nichtanerkennung oder Verkennung kann Leiden verursachen, kann eine Form der Unterdrückung sein, kann den anderen in ein falsches, deformiertes Dasein einschließen.“.(S.13f.)6 Anerkennung tritt hier in zweierlei Hinsicht auf: Einmal indem wir einsehen, dass jedem Menschen gleichermaßen Würde zukommt und zwar aus einem Grund, den jeder Mensch im selben Maße besitzt: Die Fähigkeit vernünftig zu handeln und das Leben von Grundsätzen leiten zu lassen bzw. das Potential aus Gründen zu handeln, egal ob dieses Potential genutzt wird oder nicht.(S.32) Es ist also ein egalitäres, universelles Ideal, das Grundlage für jede Demokratie sein muss und Jedem die gleichen Rechte zusichert. Für Taylor die Grundlage des Universalismus. (S.27) Neben dieser universellen Eigenschaft der Menschen macht Taylor aber etwas aus, was auch jedem Menschen eigen ist, aber nicht universell: Die Identität.

[...]


1 Taylor kritisiert zwar den Liberalismus, den er mit dem Universalismus gleich setzt, bezeichnet aber auch die von ihm bevorzugte „Politik der Differenz als liberal Vgl. Taylor S.55

2 Vgl. Philipp, Thomas S.49

3 Vgl. ebd. S.50f.

4 Wobei man nicht von dem Kommunitarismus an sich sprechen kann, da Kommunitarismus eine Sammelbezeichnung für mehrere politische, philosophische und auch soziologische Ansichten ist – Vgl. ebd. S. 45

5 Vgl. ebd. S.46f.

6 Alle Seitenangaben ohne genauere Literaturbeschreibung entstammen dem Buch „Multikulturalismus und die Politik der Anerkennung“ von Amy Gutmann (Hg.), Frankfurt a.M.: S. Fischer, 1993


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