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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 44 Pages
Authors: Karlheinz Lang, Josef Reithmeier
Subject: Theology - Biblical Theology
Details
Institution/College: LMU Munich
Tags: Urchristlicher, Gottesdienst, Hauptseminar, Beten, Kult, Urchristentum
Year: 2004
Pages: 44
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 24 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-41893-5
File size: 335 KB
Über "Wortgottesdienst" und "Eucharistiefeier" in der frühchristlichen Gemeinde von Korinth
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Excerpt (computer-generated)
LUDWIG-MAXIMILIANS-UNIVERSITÄT MÜNCHEN
Lehrstuhl für Neutestamentliche
Exegese und biblische Hermeneutik
Hauptseminar: Beten und Kult im Urchristentum
Urchristlicher Gottesdienst (1 Kor 11.14)
Karlheinz Lang
und
Josef Reithmeier
Wintersemester 2003
Inhaltsverzeichnis
Vorwort ... 1
1. Gottesdienst in der korinthischen Gemeinde ... 1
2. Eucharistiefeier ... 6
3. Wortgottesdienst ... 13
3.1 Eine Einführung ... 13
3.2 Glossolalie und Prophetie ... 16
3.2.1 Begriffserklärung Glossolalie ... 16
3.2.2 Struktur von 1 Kor 14,1-25 ... 19
3.2.3 Interpretation ... 20
3.3 Schweigegebot für Frauen ... 34
4. Rezeption ... 37
5. Theologisches Resümee ... 38
Abkürzungsverzeichnis ... 39
Literaturverzeichnis ... 40
Quellen ... 40
Kommentare ... 40
Monographien und Aufsätze ... 40
Hilfsmittel ... 42
1. Vorwort
Beten und Kult im Urchristentum - an welcher Stelle im Neuen Testament ließe sich das besser festmachen als in der Korrespondenz des Apostels Paulus mit den Korinthern? Konkret geht es in dieser Arbeit um das Thema „Zorn und Zungenrede“: Urchristlicher Gottesdienst (1 Kor 11.14). Dies ist ein sehr interessantes und gleichzeitig äußerst umfangreiches Feld, weshalb wir uns zur gezielten Auseinandersetzung mit zwei Kapiteln entschlossen haben. Während Karlheinz Lang sich speziell mit dem „Rahmen“, also Eucharistiefeier und Wortgottesdienst befasste, bearbeitete Josef Reithmeier insbesondere das Phänomen der Glossolalie und Prophetie und die Rezeptionsgeschichte an einem ausgewählten Beispiel. Diese Koproduktion bot sich an, da sich diese Aufteilung schon beim Referat im Seminar bewährt hatte.
Die deutschen Schriftzitate folgen zumeist der Übersetzung des Münchener Neuen Testaments, die griechischen Zitate stammen aus der Nestle-Aland-Ausgabe.
2. Gottesdienst in der korinthischen Gemeinde
Wir verwenden in dieser Arbeit die heute gebräuchlichen Termini „Gottesdienst“, „Eucharistiefeier“ sowie „Wortgottesdienst“, um dem Leser den Einstieg zu erleichtern, wenngleich klar sein muss, dass es sich hier um Anachronismen handelt, die mit Vorsicht zu genießen sind. Man darf deshalb die Anführungszeichen auch dort mitlesen, wo sie im Text selbst nicht mehr angegeben sind. Denn in der korinthischen Gemeinde fand sicherlich nicht das statt, was wir deutsche Katholiken heute ohne weiteres unter den drei genannten Begriffen einordnen würden, wie sich im Verlauf der Abhandlung deutlich zeigen wird. Wir wollen zunächst den gottesdienstlichen Rahmen betrachten, der später mit den inhaltlichen Details gefüllt wird.
Beginnen wir mit einer ersten Lektüre des Ersten Korintherbriefs, Kap. 11 und 14. Es fällt schnell auf, dass Paulus hier wie dort keine vollständige Entfaltung seiner Lehre und Praxis vom Gottesdienst bietet. Sein Thema in den beiden Kapiteln ist vielmehr die Korrektur von gemeinschaftsschädigenden Missständen, die in Korinth offensichtlich beim Herrenmahl (Kap. 11) und auch beim wortbetonten Versammlungsteil (Kap. 14) aufgetreten sind. Dass die hier gegebenen Anweisungen des Apostels zumindest in Bezug auf die Mahlfeier vorläufig und unvollständig sind, ergibt sich klar aus 11,34: „Das Übrige aber werde ich, sobald ich komme, anordnen.“ Da wir also von Paulus keine lehrhafte Darlegung von Inhalt und Sinn des korinthischen Gottesdienstes überliefert bekommen haben, müssen wir aus den spärlichen Angaben eine Rekonstruktion versuchen.
Wie hat man sich also die korinthischen Gemeindeversammlungen vorzustellen? Als Versammlungsort ist ein Privathaus1, vielleicht eine größere Villa oder auch ein dafür angemieteter Saal2 denkbar. Kirchenbauten, also extra für die Versammlungen zum christlichen Gottesdienst geschaffene Gebäude, gab es jedenfalls erst später.
Die von Paulus gegründete Korinthergemeinde dürfte zur Zeit des 1 Kor nicht allzu groß gewesen sein; man kann mit zwischen 30 und 200 Gemeindegliedern rechnen.3 Die Untergrenze ergibt sich durch eine Hochrechnung der in den Paulusbriefen namentlich genannten Korinther, die Obergrenze durch die platzmäßige Beschränkung bei einer Versammlung in den o. g. Lokalitäten4 sowie dem hohen Grad an Interaktion, wie er aus Kap. 14 für die Versammlungen ersichtlich ist.
Die Gemeinde wird sich „mehrheitlich aus den niederen Ständen und ärmeren Schichten der Bevölkerung, also aus Sklaven und Freigelassenen, Hafen- und Lohnarbeitern, Matrosen und Handwerkern u.ä. (vgl. 1Kor 1,26-28; 7,21; 12,13) [rekrutiert haben], während eine Minderheit den sozial bessergestellten Kreisen zugehörte“5. Hier fällt ein gewichtiger Unterschied dieser christlichen Gemeinde zu antiken religiösen Vereinen auf, die sozial weitgehend homogen und damit Ausdruck schichtspezifischer Geselligkeitsformen waren.6 Wie wir später noch en détail sehen werden, ist an 1 Kor 11,17-34 erkennbar, dass in der korinthischen Gemeinde aufgrund der schichtspezifischen Unterschiede soziale Spannungen aufgetreten sind, die ihre Auswirkungen auf das Gemeindeleben hatten.
In unserem Text ist sowohl in Kap. 11 als auch in Kap. 14 die Rede von einer Versammlung der ganzen Gemeinde.7 Ein regelmäßiger Zeitpunkt für die Versammlungen der Gesamtgemeinde wird nicht genannt, kann also nur vage erschlossen werden.
[...]
1 KLAUCK, 1992, 26 folgert aus Röm 16,23: „Offenbar war Gaius in der Lage, in seinem Haus die ganze korinthische Ortsgemeinde für ihre Vollversammlungen zu beherbergen.“
2 Vgl. KLINGHARDT, 1996, 326.
3 KLINGHARDT, 1996, 325: „(…) Gemeindegröße, deren untere Grenze bei mehr als 30 Personen liegt, die aber ohne weiteres auch doppelt so groß gewesen sein kann“. KLAUCK, 1984, 46: „[S]ehr viel mehr als ca. 100 bis 200 Mitglieder dürfte die Gemeinde von Korinth zur Zeit der korinthischen Korrespondenz des Paulus nicht umfaßt haben.“
4 Nur bei einer Versammlung aller Gemeindeglieder in einem Raum sind die unten weiter ausgeführten Probleme bei Eucharistie und Wortgottesdienst vorstellbar.
5 SCHRAGE, 1991, 32. 33 führt er zu den „bessergestellten Kreisen“ etwa diejenigen an, die der Gemeinde Unterkunft bieten können und die nach 11,21f mehr zu essen und zu trinken haben als der Rest der Gemeinde.
6 Vgl. THEISSEN, 1974, 291f.
7 „Für Korinth nur einen einzigen Versammlungstyp anzunehmen, ist ein Fehler. (…) Dies zugestanden ist doch andererseits daran festzuhalten, dass 14,23 von einer Zusammenkunft der ganzen Ortsgemeinde spricht und 11,18f eine solche voraussetzt“ (KLAUCK, 1984, 57). In der vorliegenden Arbeit soll es nur um einen solchen Gottesdienst in der Gesamtgemeinde gehen; das heißt aber nicht, dass es nicht auch davon abweichende Versammlungen in kleinerem, z. B. häuslich-familiärem Rahmen gegeben haben kann, die etwa auch nur aus Eucharistiefeier oder nur aus Wortgottesdienst bestanden haben kann und die
zwischen den regelmäßigen Gemeindevollversammlungen stattfanden.
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