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Die kulturwissenschaftliche Nahrungsforschung - Entwicklung, Inhalte und Schwerpunkte

Autor: Leonie Radine
Fach: Kulturwissenschaft

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Details

Veranstaltung: Proseminar Einführung in die Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft
Institution/Hochschule: Philipps-Universität Marburg (Inst.d. Europ.Ethnologie)
Tags: Nahrungsforschung, Entwicklung, Inhalte, Schwerpunkte, Proseminar, Einführung, Europäische, Ethnologie/Kulturwissenschaft
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 18
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 6  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 469 KB
Archivnummer: V44267
ISBN (E-Book): 978-3-638-41900-0

Textauszug (computergeneriert)

Philipps-Universität Marburg, Institut für Europäische Ethnologie
Proseminar: Einführung in die Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft
1. Fachsemester

Die kulturwissenschaftliche Nahrungsforschung -
Entwicklung, Inhalte und Schwerpunkte

von: Leonie Radine

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung S.2

2. Hauptteil S.3

2.1 Die Entwicklung einer kulturwissenschaftlichen Nahrungsforschung S.3
2.2 Die Schwerpunkte der kulturwissenschaftlichen Nahrungsforschung S.4
2.3 Die Mahlzeit als Grundeinheit des Ernährungs systems S.6
2.4 Die soziale und kommunikative Funktion des Essens S.7
2.5 Aktueller Bezug S.9
2.6 Selektion der Nahrung S.10
2.7 Der Symbolgehalt der Nahrung S.11

3. Schluss S.13

3.1 Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte S.13
3.2 Ausblick S.13

4. Literaturverzeichnis S.16

5. Anhang S.17

5.1 Modell des Ernährungssystem nach der EMSIG-Gruppe S.17
5.2 Darstellungsmodell „Mahlzeit“ nach Tolksdorf S.18



 

1. Einleitung

Im Mittelpunkt der volkskundlichen Forschung stehen vornehmlich komplexe Prozesse, die sich in einer Gesellschaft vollziehen und deren Entwicklung wiederspiegeln. Besonders die Alltagskultur gilt als wichtiges Untersuchungsgebiet. Ein zentraler Bereich der Alltagkultur stellt die Ernährung dar, da die Sicherung derer in der Geschichte der Menschheit immer schon als Grundbedürfnis galt. Ernährung ist eine Form sozialen Handelns. Nie war das Stillen des Hungers einziger Grund des Essens. Schon immer förderte das Essen den Zusammenhalt in einer Gemeinschaft, galt als Sozialisationsmittel, wurde im Gegensatz dazu jedoch auch als Herrschaftsinstrument und als Zeichen der Macht eingesetzt. Essen kann trennen und verbinden, stiftet Krieg und Frieden, spiegelt Armut und Wohlstand wieder, macht Alltag und Festtag aus und war immer schon Ausdrucksträger von Lebenseinstellungen.1 Anhand der Ernährungsentwicklung kann man somit auch kulturelle Prozesse anderer gesellschaftlicher Bereiche beobachten. „Umgekehrt finden [...] Veränderungen einer Epoche, sei es im Klima oder in der Machtpolitik, ihren mittelbaren Niederschlag in der jeweiligen Esskultur.“ 2 Die Nahrung kann folglich als ein „soziales Totalphänomen“ 3 bezeichnet werden. Jede Mahlzeit gilt als gesellschaftliche Situation; „jede Nahrung ist ein Symbol“. 4 In meiner Hausarbeit möchte ich vornehmlich der Frage auf den Grund gehen, warum die Ernährung als Kulturphänomen betrachtet werden kann.

Zunächst leite ich meinen Hauptteil mit einem kurzen Überblick über die Entwicklung, die Schwerpunkte und die Forschungsweise der Kulturwissenschaft der Ernährung ein. In den folgenden Kapiteln werde ich die Grundlage der Forschung, sprich den soziokulturellen Aspekt der Ernährung, darlegen. Dabei geht es zunächst um die unterschiedlichen Motivationsfaktoren, die schließlich das Nahrungsverhalten bestimmen. Da sich Ernährungsgewohnheiten gerade in der heutigen Zeit so rasch verändern, erschien es mir wichtig, einen kurzen Überblick der aktuellen Entwicklung in meine Arbeit zu integrieren. Nach einem kurzen Überblick der kulturspezifischen Selektion der Nahrung folgt im abschließenden Kapitel des Hauptteils die Darstellung eines sehr entscheidenden Aspektes der ethnologischen Nahrungsforschung, des Symbolgehalts der Nahrung. Im Schlussteil meiner Arbeit gehe ich noch einmal gezielt auf die eingehende Fragestellung ein, um gleichzeitig die wesentlichen Aspekte meines Themas zusammen zu fassen.

2.1 Entwicklung einer kulturwissenschaftlichen Ernährungsforschung

Dem Kulturphänomen Ernährung wurde lange Zeit nur wenig Aufmerksamkeit entgegengebracht. Etwa bis zum Ende des 18. Jahrhunderts betrachtete die Wissenschaft die Nahrung vornehmlich im Hinblick auf seine „makrobiotische“ 5 Wirkungskraft. Man beschränkte sich hauptsächlich darauf, die Kost des Menschen auf ihre lebensverlängernde Funktion hin zu untersuchen. Später gewann die naturwissenschaftliche Erforschung des Stoffwechselprozesses im menschlichen Körper schwerpunktmäßig an Bedeutung. Dabei wurden „die mit der Nahrung einhergehenden psychischen Verhaltensweisen“ 6 jedoch vorsätzlich außer Acht gelassen. Durch das globale Problem der Unterernährung in den Entwicklungsländern und der Überernährung in den Industriestaaten schien die Frage nach den psychosozialen Ernährungsmotivationen immer dringlicher. Die Fehlernährung war nicht allein auf die Unwissenheit über die physiologisch optimale Ernährungsweise zurückzuführen, sondern hauptsächlich auf historisch tief verwurzelte Ernährungsgewohnheiten, die bis dato noch größtenteils unerforscht waren.

So stellte man zunehmend fest, dass sich die Bevölkerung nicht maßgeblich von den aktuellen Forschungserkenntnissen der Ernährungswissenschaft beeinflussen ließ, sondern vielmehr an ihren verinnerlichten Normen und Werten festhielt. Hier setzt die Kulturwissenschaft an, die sich anders als die Ernährungs- oder Naturwissenschaft mit der psychosozialen Situation der Essenden beschäftigt. Jedoch sahen damalige Volkskundler die Ernährung zunächst nicht als würdiges Forschungsthema, sondern eher als häusliches Frauenthema an, dass nicht offensichtlich den „`geistigen` Kulturgütern“ 7 zugeordnet wurde.

[...]


1 Vgl. Wierlacher 1993, S.5.

2 Hirschfelder 2001, S.7.

3 Teuteberg 1986, S.14.

4 Sartre zit. nach Neumann 1993, S.385.

5 Teuteberg, 1986, S.1.

6 Ebd., S.2.

7 Wiegelmann, 1986, S.33.

Kommentare

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