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Essay, 2005, 7 Pages
Author: Moritz Förster
Subject: Politics - Miscellaneous
Details
Tags: Rassismus, Nation-Form
Year: 2005
Pages: 7
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 5 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-41934-5
File size: 64 KB
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Abstract
„Ich bin stolz ein Deutscher zu sein.“ – Man kennt diese Aussage von Politikern der Gegenwart verbunden mit der Forderung, dass man sich zu seinem Vaterland bekennen müsse. Oft heißt es, Deutschen fehle es aufgrund ihrer Vorgeschichte an Nationalstolz. Anhand einer Arbeit von Etienne Balibar soll in dieser Arbeit die Verknüpfung von Patriotismus, Nationalismus und Rassismus aufgezeichnet werden. Dabei stelle ich die These auf, dass zwischen Patriotismus und Rassismus sehr wohl ein enger Zusammenhang besteht. Anhand von Balibar will ich damit die These widerlegen, die Johann Gottfried Herder äußert: „Der natürlichste Staat ist also auch ein Volk, mit einem Nationalcharakter. Jahrtausende lang erhält sich dieser in ihm und kann, wenn seinem mitgeborenen Fürsten daran liegt, am natürlichsten ausgebildet werden: Denn ein Volk ist sowohl eine Pflanze der Natur als eine Familie; nur jenes mit mehreren Zweigen.“ Herder betrachtet den Nationalcharakter, den er auch „Volks- oder Nationalgeist“ nennt, als etwas Vorgegebenes. Er naturalisiert den Begriff der Nation. Nation sei das Resultat einer langen gemeinsamen Geschichte. Diese Anti-These soll anhand der Definitionen von Etienne Balibar diskutiert und widerlegt werden. Dabei werden Elemente aufgezeigt, die ein „Volk“ und einen „Nationalstaat“ determinieren. Dies erfolgt einerseits durch eine Analyse der Elemente aus historischer sowie andererseits aus struktureller Sicht. Abschließend soll diskutiert werden, ob auch andere – nicht nationale – Staatsformen vorstellbar sind, die zwar das gemeinsame Leben einer Gesellschaft organisieren, deren Zugehörigkeit sich aber nicht auf die Idee einer gemeinsamen nationalen Identität stützt.
Excerpt (computer-generated)
Freie Universität Berlin
Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften
Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaften
Proseminar „Rassismus und Verschränkung von Herrschaftsräumen“
Rassismus in der Nation-Form
von: Moritz Förster
„Ich bin stolz ein Deutscher zu sein.“ – Man kennt diese Aussage von Politikern der Gegenwart verbunden mit der Forderung, dass man sich zu seinem Vaterland bekennen müsse. Oft heißt es, Deutschen fehle es aufgrund ihrer Vorgeschichte an Nationalstolz. Anhand einer Arbeit von Etienne Balibar soll in dieser Arbeit die Verknüpfung von Patriotismus, Nationalismus1 und Rassismus2 aufgezeichnet werden. Dabei stelle ich die These auf, dass zwischen Patriotismus und Rassismus sehr wohl ein enger Zusammenhang besteht. Anhand von Balibar will ich damit die These widerlegen, die Johann Gottfried Herder äußert: „Der natürlichste Staat ist also auch ein Volk, mit einem Nationalcharakter. Jahrtausende lang erhält sich dieser in ihm und kann, wenn seinem mitgeborenen Fürsten daran liegt, am natürlichsten ausgebildet werden: Denn ein Volk ist sowohl eine Pflanze der Natur als eine Familie; nur jenes mit mehreren Zweigen.“3 Herder betrachtet den Nationalcharakter, den er auch „Volks- oder Nationalgeist“ nennt, als etwas Vorgegebenes. Er naturalisiert den Begriff der Nation. Nation sei das Resultat einer langen gemeinsamen Geschichte.
Diese Anti-These soll anhand der Definitionen von Etienne Balibar diskutiert und widerlegt werden. Dabei werden Elemente aufgezeigt, die ein „Volk“ und einen „Nationalstaat“ determinieren. Dies erfolgt einerseits durch eine Analyse der Elemente aus historischer sowie andererseits aus struktureller Sicht. Abschließend soll diskutiert werden, ob auch andere – nicht nationale – Staatsformen vorstellbar sind, die zwar das gemeinsame Leben einer Gesellschaft organisieren, deren Zugehörigkeit sich aber nicht auf die Idee einer gemeinsamen nationalen Identität stützt. Aus historischer Perspektive stellt sich zunächst die Frage, wie es zu unserer derzeitigen Nation-Form gekommen ist und welche Entwicklungen in diesem Prozess eine zentrale Rolle gespielt haben. Balibar nennt hier als ersten Schritt die Herausbildung der absoluten Monarchie. Damit verbunden waren folgende Faktoren:4
- Einführung der Staatssprache.
- Finanzpolitisches Monopol.
- Steuerliche und administrative Zentralisation.
- Juristische Vereinheitlichung.
- Innere Befriedigung
Damit seien die Aspekte „Grenzen“ und „Territorium“ revolutioniert worden. Als zweiten Schritt, der zur Herausbildung der Nation führte, definiert Balibar den „Kapitalismus“ und die „Klassenkämpfe“. Dies erklärt er folgendermaßen:5
- Zwar überschreitet Weltwirtschaft jede Grenze, doch ist Welt-Wirtschaft so organisiert und hierarchisiert, dass es ein Zentrum und eine Peripherie gibt.6 Nationale Einheiten konstituieren sich gegeneinander als konkurrierende Instrumente der Herrschaft des Zentrums über die Peripherie.
- Letztendlich setzen sich die nationalen Bourgeoisien gegen andere konkurrierende Formen durch, „weil sie nach außen und nach innen die bewaffnete Macht der bestehenden Staaten einsetzen mussten, und weil sie die Bauern der neuen Wirtschaftsordnung unterwerfen und das flache Land durchdringen mussten, um daraus Märkte für Manufakturprodukte und Reservoirs freier Arbeitskräfte zu machen. Letztlich sind es also die konkreten Konfigurationen des Klassenkampfes und nicht die reine ökonomische Logik, die die Bildung der Nationalstaaten erklären, von denen jeder seine eigenen Geschichte hat, sowie die entsprechende Verwandlung der gesellschaftlichen in nationale Formationen.“
[...]
1 Während auf dem Nationalismus das Gründen der Nation-Form beruht, so akzeptiert und unterstützt der Patriotismus diese zumindest.
2 Für diese Arbeit ist vor allem von Bedeutung, dass sich der wissenschaftliche Rassismus auf die Illusion genetischer Differenzen zwischen unterschiedlichen „Rassen“ stützt.
3 Herder, J.G.: Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit (1784), Werke Band 6. Hg. von Martin Bollacher, Frankfurt/M. 1989, S. 369.
4 vgl. Balibar (1998) “Die Nation-Form: Geschichte und Ideologie”. In: Balibar, Etienne/Wallerstein, Immanuel „Rasse, Klasse, Nation: Ambivalente Identitäten“, Hamburg. S. 108.
5 vgl. Balibar (1998), S. 110.
6 vgl. Braudel, Fernand (1985/86) „Sozialgeschichte des 15.-18. Jahrhunderts“, München sowie Wallerstein, Imanuel (1974) „The Modern World-System“: Band. 1 „Capitalist Agriculture and the Origion of the European World-Economy in the Sixteenth Century”, Academic Press. Band 2 (1980) „Mercantilism and the Consolidation of the European World-Economy“, Academic Press. Zitiert nach Balibar (1998), S. 110.
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