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Autor: Yvonne Drosihn
Fach: Medien / Kommunikation - Mediengeschichte
Details
Institution/Hochschule: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaften)
Tags: Frühe, Radiotheorien, Weimarer, Zeit, Bertolt, Brechts, Radiotheorie, Einzelmedientheorien, Entwicklung, Film, Radio, Fernsehen
Jahr: 2000
Seiten: 24
Note: sehr gut (1)
Literaturverzeichnis: ~ 26 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 274 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-41995-6
ISBN (Buch): 978-3-638-73025-9
Beurteilung: "Eine äußerst überzeugende Arbeit, die detailliert die Themenstellung aufgliedert: Über die Problematisierung des Begriffs "Medientheorie bei Brecht" sowie Darstellung medienkritischer Intentionen, künstlerischer und politischer Ambitionen Brechts, haben Sie Brechts Umgang mit den Medien treffend in den ambivalenten Bezügen in Theorie und Praxis aufgezeigt und die verschiedenen fachwissenschaftlichen Zugriffe und Positionen berücksichtigt. Eine sehr erfreuliche Leistung." Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand
Zusammenfassung / Abstract
Hauptseminararbeit aus dem Fachbereich Medien / Kommunikation - Mediengeschichte, Benotung: sehr gut (1), Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaften), Veranstaltung: Einzelmedientheorien in ihrer geschichtlichen Entwicklung: Film, Radio und Fernsehen, 26 Eintragungen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Anmerkungen: Beurteilung: "Eine äußerst überzeugende Arbeit, die detailliert die Themenstellung aufgliedert: Über die Problematisierung des Begriffs "Medientheorie bei Brecht" sowie Darstellung medienkritischer Intentionen, künstlerischer und politischer Ambitionen Brechts, haben Sie Brechts Umgang mit den Medien treffend in den ambivalenten Bezügen in Theorie und Praxis aufgezeigt und die verschiedenen fachwissenschaftlichen Zugriffe und Positionen berücksichtigt. Eine sehr erfreuliche Leistung." Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand
Textauszug (computergeneriert)
Martin Luther-Universität Halle-Wittenberg
Fachbereich: Medien- und Kommunikationswissenschaft
Hauptseminar: Einzelmedientheorien in ihrer
geschichtlichen Entwicklung: Film, Radio und Fernsehen
Frühe Radiotheorien der Weimarer Zeit:
Bertolt Brechts Radiotheorie und -praxis
von: Yvonne Drosihn
Inhaltsverzeichnis
Einleitung... 2
1. Rundfunk in der Weimarer Republik... 3
1.1 Organisationsstruktur: Entwicklung und Tendenzen ... 3
1.2 Verhältnis der Schriftsteller zum Rundfunk . 5
1.2.1 Standort Brechts ...
2. Brechts Radiotheorie und -praxis (1927-1932)... 11
2.1 Rundfunktheoretische Texte Brechts ... 11
2.2 Radiopraxis: Das Radioexperiment „Der Flug der Lindberghs“ ... 16
3. Kritikpunkte - Positionen der Forschung... 20
4. Ausblick: Anknüpfungsversuche ... 23
5. Fazit ... 28
6. Literaturverzeichnis ... 30
Einleitung
Die vorliegende Arbeit - im Rahmen des Hauptseminars Einzelmedientheorien in ihrer geschichtlichen Entwicklung - stellt eine Auseinandersetzung mit der Radiotheorie1 Bertolt Brechts dar. Als „Medienprotagonist“ und „Medienexperimentator“ wird Brecht in der Sekundärliteratur betitelt.2 Wenn einerseits von seinen „konsequente(n) rundfunktheoretische(n) Überlegungen, die bis heute noch nicht eingelöst werden konnten“3 die Rede ist, es an anderer Stelle heißt, das „Brechtsche Konzept [...] lässt sich nur noch kritisch begreifen: technisch wie ästhetisch sind seine Widersprüche beträchtlich“ 4, spricht dies wohl schon für dessen enorme Diskursivität. Es wirft aber auch die Fragen auf, wo genau die Widersprüche liegen, warum dieses Konzept nicht aufgegangen ist. Die Frage der Aktualität der Ideen Brechts innerhalb der heutigen Rundfunk- und Hörspieldiskussion wird in dieser Ausarbeitung zwar auch tangiert werden, soll jedoch gegenüber der Aufdeckung der inhärenten Widersprüche, auf der hier der Schwerpunkt liegt, zurücktreten. Es wird zunächst nötig sein, die Rundfunksituation der Weimarer Republik, aus der heraus die Brechtschen Überlegungen entstanden sind, zu erläutern, sowie den Standort, den diese innerhalb der Rundfunkdiskussion jener Jahre einnehmen.
Für eine umfassende historische Darstellung der Entwicklung der Brechtschen Radiotheorie, wie sie beispielsweise Peter Groth und Manfred Voigts oder Dieter Wöhrle geben, bietet diese Arbeit keinen Raum. Es soll jedoch unter 2. versucht werden, verschiedene Systematisierungsversuche zusammenzufassen und wichtige Aspekte der Radiotheorie herauszugreifen. Eine entsprechende Rolle wird dabei dem radiopraktischen Versuch „Der Flug der Lindberghs“ zukommen. Sodann sollen die wichtigsten Kritikpunkte unter 3. zusammengetragen werden. Neben der Auflistung der Schwachstellen der Brechtschen Überlegungen soll aber dennoch deren spezifisches Verdienst deutlich gemacht werden.
1. Rundfunk in der Weimarer Republik
Eine ausführliche Schilderung der Entwicklung des Rundfunks in der Weimarer Republik kann und soll an dieser Stelle nicht gegeben werden. Vielmehr sollen wichtige Entwicklungslinien und Tendenzen, die die Pionierzeit des neuen technischen Mediums prägten, in kurzer Form aufgezeigt werden.
1.1 Organisationsstruktur: Entwicklung und Tendenzen
Der Rundfunk in Deutschland, konstatieren P.Groth und M.Voigts5, hat keine demokratische Tradition; er entstand unter Ausschluss der Öffentlichkeit zunächst als Militärfunk (1904), dann als Wirtschaftsfunk (1920). Die Einführung des Unterhaltungsrundfunks 1923 hatte zum Großteil ökonomische Ursachen, da nur so eine Auslastung vorhandener Kapazitäten zu gewährleisten war. K.-D.Krabiel6 bilanziert: „Der Rundfunk als Massenmedium war insofern eine Erfindung, die „nicht bestellt“ (zitiert Brecht, Y.D.) war; seine Einführung geschah nicht aufgrund eines zwingenden öffentlichen Bedürfnisses, sondern - auf Druck der Funkindustrie und gegen die innenpolitisch motivierten Bedenken des Staates – primär aus Gründen der Kapitalverwertung.“ Er entwickelte sich schließlich zum Staatsrundfunk mit privater Beteiligung, d.h. es entstanden privatwirtschaftlich organisierte, regionale Rundfunkgesellschaften mit staatlicher Mehrheitsbeteiligung. Die einzelnen Sender gehörten der Reichspost, die für ihre technische Instandhaltung verantwortlich war. Sie wurden von der Reichspost an die verschiedenen Rundfunkgesellschaften verpachtet. Diese schlossen sich 1925 in der Reichsrundfunkgesellschaft zusammen. Laut Weimarer Verfassung unterstand das Rundfunkwesen der staatlichen Kontrolle durch das Reichsinnenministerium und die Reichspost; tatsächlich aber hatte die Reichspost ihr Einspruchsrecht politischer und kultureller Art dem Innenministerium übertragen. Durch die monopolistische Organisationsstruktur sieht der Zeitgenosse Wolf Zucker das „deutsche Rundfunkwesen bis ins Letzte [...] bestimmt“. Deren Folgeerscheinung aber, die Rundfunkzensur, stelle für die Sendegesellschaften selbst das größte Hindernis dar. 7 Das Medium wurde, um politischen Missbrauch zu verhindern, als reiner `Unterhaltungsrundfunk´ definiert; die Sendeanstalten vom Staat, der das Sendemonopol innehatte, zu strikter parteipolitischer Neutralität verpflichtet.
Winfried B. Lerg spricht im Zusammenhang damit in seiner Abhandlung „Rundfunkpolitik in der Weimarer Republik“ vom „zweifelhafte(n) Neutralitätsverständnis, das die Gründer des Weimarer Rundfunks dem Medium mitgegeben hatten“; es habe so den „Beiklang des Nichtssagenden, des politischen Neutrums“ gehabt.8 Der Rundfunk sollte unpolitisch sein – ein in der ersten Rundfunkordnung vom Dezember 1926 niedergelegtes System von Auflagen, Kontrollinstanzen und politischen Überwachungsausschüssen sollte die Überparteilichkeit des Rundfunks gewährleisten. Hierzu merkt Lerg, einen zeitgenössischen Beitrag aus der Zeitschrift „Der Deutsche Rundfunk“ zitierend, an, der „Rundfunk werde stets Partei sein, [...], „wenn er irgendwie mit dem geistigen und wirtschaftlichen Leben zusammenhänge.“9 Eine aktuelle politische Berichterstattung, sowie engagierte Programmarbeit waren nahezu ausgeschlossen. Durch ein System der Richtlinien, Zensur, Überwachungsausschüsse und Kulturbeiräte wurden systemkritische und überhaupt offene politische Äußerungen und Sendungen ausgegrenzt. Man wählte für den Rundfunk möglichst unverfängliche Texte.
K.-D.Krabiel charakterisiert die paradoxe Situation folgendermaßen: „Es wurden die technischen Voraussetzungen einer öffentlichen Kommunikation geschaffen, eine Kommunikation über Gegenstände des öffentlichen Interesses durfte jedoch nicht stattfinden.“10 Um 1928/ 1929 wurde die Legitimationskrise des Rundfunks immer offenkundiger. Eine breite Auseinandersetzung um die Gestaltung des Rundfunks, um Prinzip, Funktion und Programm des neuen Massenmediums fand statt. Der Ruf nach Aufgabe der weder politisch noch gesellschaftlich begründbaren Kategorie der Neutralität wurde laut. Es ging darum, dem Medium endlich einen publizistischen Status zu verschaffen, wie ihn das Nachbarmedium Presse nach der Weimarer Verfassung immerhin beanspruchen konnte. Der Begriff Aktualität wurde zu einem Schlüsselwort bei dem Versuch, doch noch eine demokratische Reform des Mediums zu erreichen. Ein in diesen Debatten ebenfalls häufig auftauchender Begriff ist der Terminus „paritätisch“. So äußert beispielsweise Wolf Zucker den „Gedanken eines paritätischen Rundfunkbetriebes, in dem die gegnerischen Parteien nicht nur nebeneinander, sondern vielleicht auch miteinander (in der Form der Diskussion) zu Worte kämen...“ Er sieht hierin „das Mittel, durch das der Rundfunk von der Fessel der Zensur befreit“ werden könne. 11
[...]
1 Die Bezeichnung „Radiotheorie“ macht sogleich eine Einschränkung notwendig: W.Faulstich erläutert, „daß Einzelmedientheorien, unter wissenschaftstheoretischen Prämissen, bestenfalls vortheoretische Verstehensansätze darstellen: Sie beschreiben Tatbestände und stellen Thesen auf, aber sie bilden in keinem Fall ein System von Gesetzesaussagen mit prognostischer Bedeutung, wie es für Theorien erforderlich wäre.“ (Grundwissen Medien. hrsg.v. W.Faulstich. München: 1998, S.23f.) In diesem Sinne steht der Begriff „Radiotheorie“ hier für die „Radioreflexionen“ Brechts, seine An- und Bemerkungen zum Rundfunk. Es wird nicht von einem geschlossenen Theoriengebäude ausgegangen.
2 Christian Filk: Die nicht mehr „aristotelische“ Medienkunst. Anmerkungen zu Bertolt Brechts Rundfunktheorie und -praxis (1927-32). In: Rundfunk und Geschichte. Mitteilungen des Studienkreises Rundfunk und Geschichte. 24.Jg. Nr.24: Okt. 1988, S.241
3 Stefan B.Würffel: Das deutsche Hörspiel. Stuttg.: 1978, S.36
4 Heinrich Vormweg: Zur Überprüfung der Radiotheorie und –praxis Bertolt Brechts. In: Hörspielmacher. hrsg.v. Klaus Schöning, Königsstein: 1983, S.24
5 Peter Groth/ Manfred Voigts: Die Entwicklung der Brechtschen Radiotheorie 1927-1932. In: Brecht-Jahrbuch 1976. Frankf./Main, S.10
6 K.-D.Krabiel: Brechts Lehrstücke. Entstehung und Entwicklung eines Spieltyps. Stuttg.; Weimar: 1993, S.29
7 Wolf Zucker: Rundfunkzensur und Rundfunkkritik. In: Irmela Schneider (Hg.): Radio -Kultur in der Weimarer Republik..., S.216
8 Winfried B.Lerg: Rundfunkpolitik in der Weimarer Republik. München: 1980, S.386
9 ebd., S.409
10 K.-D.Krabiel, a.a.O.
11 W.Zucker, a.a.O., S.218
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