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Details

Kategorie: Vordiplomarbeit
Jahr: 2005
Seiten: 53
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 35  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 318 KB
Archivnummer: V44390
ISBN (E-Book): 978-3-638-42003-7
ISBN (Buch): 978-3-638-69675-3
Anmerkungen :
Ausführliche Projektarbeit zum Thema "Private Military Companies". Erster Teil: PMCs im Allgemeinen. Zweiter Teil: PMCs im Irak

Zusammenfassung / Abstract

Die Arbeit wagt den Versuch, eine quantitative wie qualitative Analyse über die privaten Militätunternehmen im Irak zu erstellen. Der bisherige Forschungsstand zum Thema PMCs ist insofern zutiefst mangelhaft, weil über das wichtigste Einsatzgebiet bisher nur ungesichertes und unreflektiertes Datenmaterial aus meist journalistischen Quellen herangezogen werden konnte, wobei durch Definitionsunterschiede (z.B. hinsichtlich der Abgrenzung von private military companies zu private security companies) meist höchst alarmistische Zahlen das Licht an die Öffentlichkeit gefunden haben. Die Arbeit setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Der erste Teil beinhaltet eine geschichtliche Herleitung des Phänomens, die zum Verständnis des Themas als Ganzem als auch für spätere Fragen der Definitionen unabdingbar ist. Im zweiten Teil werden hunderte wissenschaftliche als auch journalistische Quellen ausgewertet und veri- bzw. falsifiziert. Am Ende steht eine realistische Einschätzung des Gefährdungspotenzials bzw. der Veränderungen der "Neuen Kriege" durch den Einsatz von PMCs.

Textauszug (computergeneriert)

HU Berlin

Private Military Companies im Irak - eine Bestandsaufnahme

von

Florian Hellberg

2005

 

 

Gliederung

1. Einleitung

2. Was sind PMCs
2.1 Geschichtliche Herleitung und Definition
2.2 Tätigkeitsfelder und Erfahrungen mit PMCs
2.3 Das vorliegende Datenmaterial
2.4 Gründe des Booms
2.5 PMCs, ihre Auftraggeber und ihre Regulierung

3. PMCs im Irak
3.1 Quellenlage
3.2 Auftraggeber und Auftragsvergabepraxis
3.3 Die dogs of war
3.4 Die Koordinierung der PMCs
3.5 Exkurs: Der Fall Abu Ghraib

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

 

 

1 Einleitung

Irak. Wir befinden uns im wilden Osten. Goldgräberstimmung. Hier wird man Millionär oder Leiche. Mittendrin in dieser Wildnis zehntausende von Söldnern, die in ihrer Selbstüberschätzung den Todesgefahren trotzen, das Unrecht aufspüren, als brutale Sheriffs die erste Ordnung herstellen. Bewaffnet bis unter die Zähne und von niemandem kontrolliert, schaffen sie ihr eigenes Reich, dass sie quasi von den USA geleast haben, bis die sich wieder in die Hölle hineintrauen – so oder so ähnlich suggerieren es uns hunderte von Tages- und Wochenzeitungen aus aller Welt. Die neuen dogs of war würden dabei den Krieg, das letzte rein staatliche Hoheitsgebiet, privatisieren. Vorreiter seien die Vereinigten Staaten und deren ausführenden Organe: Private Military Companies (PMCs).

Nicht alles an dieser Zustandsbeschreibung ist grundfalsch, jedoch verhindert ein dieser Betrachtungsweise innewohnender Alarmismus eine nüchternere Zustandsbeschreibung. Zunächst lässt sich neutral feststellen, dass mit staatlicher Zustimmung ein neuer Akteur ins Kriegsgeschehen eingetreten ist. PMCs, wahlweise auch als private Militärfirmen (PMF), private Sicherheitsdienstleister, militärisches Consulting oder Security-Technologie bezeichnet, sind erstmals massiv im zweiten Golfkrieg 1991 von den USA beauftragt worden, militärische Dienstleistungen zu übernehmen. Seitdem lässt sich ein rasanter Anstieg ihrer Tätigkeiten verzeichnen. Wer und was aber sind diese PMCs? Sind sie rasante, unkontrollierbare Kriegstreiber? Nach welchen Logiken funktionieren sie? Lassen sie sich in eine Reihe mit aus der Geschichte bekannten Söldnerorganisationen einordnen? Aus welchen Motiven heraus lässt sich erklären, dass Staaten ihre Handlungsmacht an PMCs abgeben sollten?

Die Beantwortung dieser Fragen muss die Grundbedingung sein, um herauszufinden, was es mit den PMCs auf sich hat, wie gefährlich sie sind, welche Macht sie besitzen, wie sie Kriege verändern (könnten) und eventuell auch, ob nicht gar Chancen durch ihr Erscheinen auftreten.. Bevor diese Fragen nicht beantwortet sind, lässt sich fast jedes Horror- oder Wunschszenario in ihr Auftreten hineinprojizieren. Mein erstes Anliegen soll es nun sein, ein realistisches Bild der PMCs zu zeichnen. Dazu gehört zunächst, die heutigen PMCs zu definieren, sie historisch einzuordnen, ihre quantitative Dimension zu erfassen und die
Staaten, die die Privatisierung des Militärs vorantreiben, übertragbar, da die sich aus der Privatisierung ergebenden Probleme weitgehend identisch sind.

2. Was sind PMCs

Die Veränderungen, die sich durch den weltweiten Einsatz von PMCs ergeben sind so vielfältig, dass eine vollständige und tiefgreifende Behandlung aller mit ihrem Einsatz in Verbindung stehenden Implikationen (fast) eine Unmöglichkeit darstellt. In diesem ersten Teil soll mein Anliegen sein, einen Überblick ohne den Anspruch der Vollständigkeit über die privaten Militärfirmen zu liefern. Zunächst möchte ich einen geschichtlichen Überblick über das Söldnerwesen liefern, da so verstanden werden kann, wie sich private Militärfirmen von klassischen Söldnern unterscheiden. So ist es mir auch möglich, eine Definition zu entwickeln. Daran anschließend werde ich aufzeigen, in welchen Tätigkeitsbereichen PMCs agieren können. Dieser Teil wird mit Beispielen ihrer Tätigkeiten gespickt sein, um a) die Anschaulichkeit zu erhöhen und b) ihre Relevanz besser erklären zu können. In 2.3. soll das vorhandene Datenmaterial zusammengetragen und überprüft werden; die Aktualität und Nichtwissenschaftlichkeit vieler Quellen gebietet es allerdings, das Zahlen- und Datenmaterial einer gesonderten Durchleuchtung zu unterziehen. Schließlich werde ich aufführen, welche Faktoren zu dem Boom von PMCs geführt haben. Um die Strukturen zu verstehen, in die PMCs eingebettet sind und in denen sie agieren, wird dann die Beziehung zu ihren Auftraggebern untersucht werden. In enger Anlehnung dazu führe ich schließlich auf, ob und wie eine Regulierung möglich ist.

2.1 Geschichtliche Herleitung und Definition

Aus historischer Perspektive erscheint es keineswegs als Selbstverständlichkeit, dass das Militär dem jeweiligen Staat unterstellt ist. Mindestens bis zum Beginn des Westfälischen Staatensystems war es Usus, dass sich die verschiedenen Herrscher je nach Bedarf und gemessen an ihren finanziellen Mitteln ihre Privatarmeen zusammenstellen mussten, die als ad hoc-Konstellationen zusammenarbeiteten und in den Krieg zogen. Der Herrscher engagierte meist einen Kriegsherren, der sich durch verschiedene Kontakte eine aus Söldnern bestehende Armee „zusammenbastelte“ und sogar für die Entwicklung und Beschaffung des Kriegsgeräts verantwortlich war. Die einzelnen Söldner banden sich vertraglich nur für diesen einen Auftrag an einen Kriegsherrn und waren daher wenig zuverlässig, denn ihr Interesse an der Kriegsteilnahme war rein finanzieller Natur und ein Seitenwechsel bei entsprechender

Entlohnung keine Seltenheit. Erste Spuren des Söldnertums lassen sich bis in die Antike zurückverfolgen. Bekanntheit und Bedeutung erlangte das Söldnertum durch die italienischen Condottieri, die schweizer Reisläufer und die deutschen Landsknechte.1

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1 Weiterführend z.B. Hale, J.R. (1985) oder speziell zu den Condottieri: Trease, G. (1974)

 

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