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ADS/ADHS - ungezogen oder einfach nur unerkannt? Beschreibung und möglicher Umgang im schulischen Alltag und Unterricht

Hausarbeit, 2005, 22 Seiten
Autor: Eva Wittmann
Fach: Pädagogik - Heil- und Sonderpädagogik

Details

Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2005
Seiten: 22
Note: bestanden (keine Note)
Literaturverzeichnis: ~ 38  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V44435
ISBN (E-Book): 978-3-638-42040-2
ISBN (Buch): 978-3-638-65724-2
Dateigröße: 181 KB

Zusammenfassung / Abstract

Gegenwärtig kursieren zahlreiche Synonyme und Akronyme zur Beschreibung begrenzt tolerierter Verhaltensweisen im Kindes- und Jugendalter. Individuen, die der genormten Vorstellung eines sozial angepassten Kindes nicht entsprechen und eine Belastung für ihre Umgebung darstellen, werden schnell als hyperaktiv, aggressiv oder verhaltensauffällig tituliert. Bezeichnungen wie ADS oder MCD gehören bereits zum schulischen und gesellschafltichen alltäglichen Repertoire. Innerhalb dieser Auseinandersetzung wird versucht, Vorurteile im Bezug auf Kinder mit Hyperaktivitäts- und/oder Aufmerksamkeitsproblemen aus dem Weg zu räumen, ferner ein Verständnis für ihr Verhalten zu entwickeln und einen möglichen, geregelten Umgang speziell im schulischen Umfeld aufzuzeigen. Aus erziehungswissenschaftlicher Sicht bedarf es neben einer psychologisch-therapeutischen Begleitung auch in der Schule pädagogisch-didaktisch professionellen Wissens, um den betroffenen Schülern eine bestmögliche Entfaltung ihrer Fähigkeiten zu gewährleisten. Die häufige Reaktion mit Abstoßung und Isolation führt langfristig wohl nicht zu erwünschten Erfolgen. Emotionale Zuwendung, Verständnis und Zeit sind Faktoren die extrem wichtig sind und oft anstelle von Tadel und Umlenkungsversuchen zu kurz geraten. Diese Auseinandersetzung hat zum Ziel, für Eltern, PädagogInnen sowie Betroffene eine Hilfestellung beziehungsweise einen Leitfaden darzustellen. Neben beschriebenen theoretischen Ausführungen und Begründungsfiguren sollen konkrete praxisnahe Elemente Ordnung in teilweise vorherrschende Verwirrung bringen.


Textauszug (computergeneriert)

ADS/ADHS - ungezogen oder einfach nur unerkannt?
Beschreibung und möglicher Umgang im schulischen
Alltag und Unterricht

von: Eva Wittmann

 


INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG  1

2. BEZEICHNUNGEN UND BEGRIFFE 1

2.1. ADS  2

2.1.1. Aufmerksamkeitsstörung  2

2.2. ADHS / ADHD  3

2.2.1. Hyperaktivität und hyperkinetische Verhaltensstörung  3
2.2.2. Impulsivität 4

3. DIAGNOSE UND VERSTÄNDNIS ALS WICHTIGE VORAUSSETZUNG 4

3.1. Schwierigkeiten bei der Reizverarbeitung als organische Ursache  4
3.2. Symptomkriterien und Diagnoseverfahren  6

4. VERHALTENSMUSTER UND ERSCHEINUNGSFORMEN BEI ADS BZW. ADHS 7

4.1. Entwicklungsverlauf – ADS bzw. ADHS als lebenslängliches Syndrom  7

4.1.1 Säuglingsalter  7
4.1.2 Kleinkindalter  7
4.1.3 Schulkindalter  8
4.1.4 Jugendlichenalter 8
4.1.5 Erwachsenenalter  8

4.2. Zusammenhang mit dem schulischen Alltag und Unterricht  9

4.2.1 Komorbide Störungen 9
4.2.2 Risikofaktoren und protektive Faktoren 9

5. UMGANG ALS PÄDAGOGISCHE HERAUSFORDERUNG IM SCHULISCHEN ALLTAG UND UNTERRICHT 10

5.1. Wichtige Voraussetzungen zur Integration in der Klasse  11

5.1.1. Information und Aufklärungsbedarf 11
5.1.2. Zusammenarbeit und Austausch der Bezugspersonen  11

5.2. Beachtendes im Umgang mit dem Schulkind  12

5.2.1 Selbstauseinandersetzung und Aufbau eines positiven Selbstwerts  12
5.2.2. Bedeutung von klaren Anweisungen und Erinnerungen  12
5.2.3. Räumliche Gegebenheiten sind von Bedeutung 13

5.3. Fördermöglichkeiten im schulischen Unterricht  13

5.3.1. Sozialverhalten  13
5.3.2. Regelbewusstsein  14
5.3.3. Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnisfähigkeit  14
5.3.4. Selbständigkeit  15

5.4. Der Einsatz von Verstärkerplänen und Punkteplänen  16

6. EINIGE GRENZEN UND SCHWIERIGKEITEN IM SCHULISCHEN ALLTAG UND UNTERRICHT  16

6.1. Sonderstellung von ADS- oder ADHS– Kindern  17
6.2. Mögliche Überforderung  17
6.3. Erleichterung im Umgang durch den Einsatz von Psychopharmaka?  18

7. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 19

8. LITERATURVERZEICHNIS  20

ANHANG



 

1. EINLEITUNG

Häufig werden in unserer heutigen Gesellschaft Unaufmerksamkeiten und oppositionelle Verhaltensweisen im Kindes- und Jugendalter nur begrenzt toleriert. Kinder, die der genormten Vorstellung eines sozial angepassten Kindes nicht entsprechen und eine Belastung für ihre Umgebung darstellen, werden schnell als hyperaktiv oder verhaltensauffällig tituliert (vgl. u.a. Mutzeck 1992, S. 4f.; Voß 1989, S. 11f.). Zahlreiche Synonyme und Akronyme kursieren zur Beschreibung dieser Verhaltensmerkmale. Das Umfeld reagiert häufig mit Abstoßung und Isolation eines hyperaktiven und/oder aufmerksamkeitsgestörten Kindes. Eltern und Lehrer definieren übermäßigen Bewegungsdrang als störend und nicht den gesellschaftlichen, meist leistungsorientierten Anforderungen entsprechend. Emotionale Zuwendung, Verständnis und Zeit sind Faktoren die extrem wichtig sind und wohl oft anstelle von Tadel und Umlenkungsversuchen zu kurz geraten. Es findet häufig keine adäquate Beschulung der betroffenen Kinder in den Regelschulen statt, sie werden überdurchschnittlich oft in Sonderschulen abgewiesen.

In dieser Arbeit wird versucht, Vorurteile im Bezug auf Kinder mit Hyperaktivitäts- und/oder Aufmerksamkeitsproblemen aus dem Weg zu räumen, ein Verständnis für ihr Verhalten zu entwickeln und einen möglichen und geregelten Umgang speziell im schulischen Umfeld aufzuzeigen. Aus pädagogischer Sicht bedarf es neben einer psychologisch-therapeutischen Begleitung auch in der Schule pädagogischdidaktisch professionellen Wissens, um den betroffenen Schülern eine bestmögliche Entfaltung ihrer Fähigkeiten zu ermöglichen. Die Arbeit gliedert sich dabei in einen theoretischen und einen praxisbezogenen Teil. Im Ersteren wird theoretischen Erläuterungen zu ADS und ADHS nachgegangen. Zahlreiche in der Literatur existierende Begriffe, Diagnose- und Symptomkriterien werden beschrieben und Möglichkeiten im Entwicklungsverlauf skizziert. Im zweiten Teil kommt es zum Transfer im schulischen Alltag und Unterricht. Herausforderungen im Umgang und Unterricht mit einem ADS- oder ADHS-Kind werden aufgezeigt sowie spezielle Fördermöglichkeiten. Abschließend kommt es zur kurzen Betrachtung von einigen dabei unter Umständen auftretenden Schwierigkeiten.

2. BEZEICHNUNGEN UND BEGRIFFE

Bei der Diskussion verhaltensauffälliger Kinder kursiert eine Vielzahl vermeintlicher Synonyme und Akronyme. Es existiert in der Literatur keine allgemeingültige Bezeichnung zu verschiedenen, schwer einheitlich zu kategorisierenden Phänomenen, wie Hyperaktivität, Leistungsschwächen, Verhaltensauffälligkeiten oder Erziehungsschwierigkeiten. Verschiedene Wissenschaften, Pädagogik, Psychologie, Medizin und Soziologie, versuchen diese Phänomene zu dekodieren und Diagnosen wie Interventionen zu finden (vgl. Neubauer & Hurrelmann 1993, S. 631f.; Dieplinger 2003, S. 34f.). Es besteht keine einheitlich anerkannte Definition des hyperkinetischen Störungsbilds selbst, Begriffe wie Hyperaktivität, Hyperkinese oder Aufmerksamkeitsstörung werden z.T. willkürlich oder synonym verwendet (vgl. Vernoiij 1992, S. 13f.). In unter-schiedlichen Ländern haben sich differente Bezeichnungen und Erklärungsansätze eingebürgert (vgl. Dieplinger 2003, S. 34f.), wie „Minimale Cerebrale Dysfunktion“ MCD (vgl. Berger 1977, Bauer 1986), international gebräuchlich „Attention Deficit Hyper-activity Disorder“ ADHD oder in der Schweiz „Psychoorganisches Syndrom“ POS (vgl. Grissemann 1986, S. 38f.). Im deutschsprachigen Raum ist die Bezeichnung „Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom“ ADS geläufig, in Deutschland „Hyperkinetisches Syndrom“ HKS die meist verwendete Benennung (vgl. etwa Dieplinger 2003, S. 35; Eifert 1993; Amft, Gerspach & Mattner 2002; S. 8).

Mittlerweile besteht Einigkeit über die Anerkennung von ADHS als Krankheit und die Möglichkeit einer Verhinderung der Störungsverfestigung durch frühzeitige Unterstützung (vgl. hierzu u.a. Vernooij 1992, S. 13; Bauer 1986, S. 8f.). Aus der bestehenden diagnostischen Notlage, siehe dazu Kapitel 3, wird durch den Begriff Syndrom Abhilfe geschaffen, dadurch wird der Verzicht auf eine klare Ursachenforschung möglich. Amft, Gerspach & Mattner (2002, S. 17) halten fest, „mit der Verwendung des Terminus „Syndrom“ wird durch die gewählte medizinische Semantik eine somatische Semantik assoziiert, ohne darauf explizit eingehen zu müssen“.

2.1. ADS

Mit dem Begriff „Attention Deficit Disorder Syndrome“ ADDS, deutsch „Aufmerksamkeits- Defizit-Syndrom“ ADS, wird Aufmerksamkeitsstörungen ein zentraler Stellenwert beigemessen und das Symptom der Hyperaktivität muss nicht unbedingt vorhanden sein (vgl. u.a. Dieplinger 2003, S. 36; Vernoiij 1992, S. 17), teilweise auch hypoaktive Form von ADHS bezeichnet (vgl. dazu Spallek 2005, S. 30f.). In Aust-Claus & Hammer (2000, S. 22f.) werden zwei ADS-Typen unterschieden, ADS-Kinder ohne Hyperaktivität ADS - H, die sogenannten „Träumer“ und ADS-Kinder mit Hyperaktivität ADS + H, die „Zappelphilippe“, welche in Kapitel 2.2 als ADHS-Kinder beschrieben werden.

2.1.1. Aufmerksamkeitsstörung

Allen gemeinsam, den Kindern mit und ohne Hyperaktivität, ist eine Störung der Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeitsstörungen zählen zu den häufigsten Verhaltensstörungen im Grundsschulalter, bei ermittelten Auftretenshäufigkeiten kommt es jedoch in empirischen Untersuchungen nach Lauth & Schlottke (vgl. 2002, S. 21) durch unterschiedliche Faktoren zu erheblichen Schwankungen. In Untersuchungsergebnissen konnten nach Brocke (1992, S. 197) die „grundlegenden Annahmen zum „Aufmerksamkeitsdefizit“ hyperkinetischer Kinder (tonic alertness als State) zweifelsfrei bestätigt werden“. Für Aufmerksamkeit existiert keine formale Definition (vgl. etwa Vernooij 1992, S. 21f.), die Begriffe Konzentration, Gedächtnis und Wahrnehmung korrelieren mit dem Auf-merksamkeitsbegriff (vgl. Mierke 162, S. 7f.; Norman 1973, Krappmann 1993, S. 18f.). Aus Aufmerksamkeitsstörungen resultieren erhebliche Auswirkungen und Schwierigkeiten im Alltag von Kindern, sie haben Probleme an Sachen festzuhalten, verlieren rasch das Interesse und bringen Aufgaben nicht zur Vollendung. Sie wirken sprunghaft, unordentlich, vergesslich und unzuverlässig (vgl. Lauth & Schlottke 2002, S. 4f.).

ADS-Kinder ohne Hyperaktivität fallen durch fehlende motorische Unruhe weniger negativ in der Schule auf. Allerdings werden sie oft durch alltägliche Reize in ihrem Tun abgelenkt, verfallen folglich in Träumerein und wirken auf ihr Umfeld abwesend und teils zurückgezogen und schüchtern (vgl. Aust-Claus & Hammer 2000, S. 26f.; Spallek 2005, S: 30f.). ADS- oder ADHS-Kinder bedürfen vermehrter Aktivierung und angemessenen Aufrechterhaltung der Aufmerksamkeit (vgl. hierzu Eifert 1993, S. 135).

2.2. ADHS / ADHD

[...]


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