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Sport und die Förderung sozialer Kompetenzen

Examination Thesis, 2001, 51 Pages
Author: Udo Kroack
Subject: Sport - Sport Pedagogy, Didactics

Details

Category: Examination Thesis
Year: 2001
Pages: 51
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V4458
ISBN (E-book): 978-3-638-12760-8
ISBN (Book): 978-3-638-72285-8
File size: 440 KB
Notes :
Die Realisierung sozialen Lernens im Sportunterricht unter besonderer Berücksichtigung des Lernbereichs "Fairness, Kooperation" - aufgezeigt anhand ausgewählter Spiele und Übungsformen in einer 5. Jahrgangsstufe. Praktische Erprobung von (Sport-) Spielen zum Erreichen verschiedener Verhaltensänderungen mit Refexion. Viele genaue Spielbeschreibungen und Bilder.


Abstract

Nicht nur weil die Schule von der zunehmenden Aggressivität besonders betroffen ist, sondern vor allem wegen ihres großen Einflusses auf die Kinder ist es sinnvoll, hier besonderen Wert auf die Förderung der sozialen Kompetenzen zu legen. Die jetzigen und zukünftigen Lehrer werden besonders im pädagogischen Bereich gefordert sein, deshalb ist es notwendig, sich zum Thema Sozialerziehung Gedanken zu machen. Eine wichtige Rolle bei dieser Aufgabe spielen dabei die Sportlehrer, weil der Sportunterricht eine gute Möglichkeit bietet, die Schüler emotional geöffnet, leidenschaftlich und engagiert zu treffen und sie so positiv zu beeinflussen. Durch seine besonderen Interaktions- und Kommunikationsstrukturen, wie z.B. Situationen des Miteinander und Gegeneinander, des Wettkampfes, der Gestaltung, des Spiels u.v.m. im Gegensatz zu dem primär auf die Vermittlung von Sachwissen ausgerichteten Lernens in anderen Fächern, werden dem Sportunterricht besondere Möglichkeiten der Sozialerziehung zugeschrieben. Im Sportunterricht sind die Gelegenheiten, soziale Erfahrungen zu machen, besonders häufig, weshalb hier eine Einflussnahme zu Gunsten prosozialen Verhaltens besonders aussichtsreich erscheint. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass bereits seit den 70er Jahren eine intensive Diskussion in der Sportpädagogik geführt wird, inwieweit der Sportunterricht intentionale soziale Erziehungsziele beinhalten solle. Das Ergebnis dieser Überlegungen spiegelt sich im aktuellen Lehrplan für das Fach Sport wider: Erziehung zur Fairness und Kooperation sind als wichtige Ziele aufgeführt und erstmals sollen diese beiden Verhaltensweisen auch in die Notengebung einfließen. Es wird also nicht länger nur auf Weiten, Zeiten und Technik, sondern auch auf die Sozialerziehung großer Wert gelegt. Um diese mit Erfolg durchzuführen benötigt man Formen des Sports, die diese gewünschten Verhaltensweisen fördern. Die Thematik dieser Arbeit berührt viele Aspekte der Bezugswissenschaften der Sportpädagogik. Um die nötige Verständnisgrundlage der zentralen Begriffe zu gewährleisten, soll im ersten Kapitel eine Begriffsklärung vorangestellt werden, um danach den Bezug zur Schule mit Hilfe des amtlichen Lehrplan für die bayerische Hauptschule herstellen zu können. Erst dann kann die praktische Umsetzung, also die Realisierung des sozialen Lernens beschrieben und letztendlich auch ihre Ergebnisse geschildert werden.


Excerpt (computer-generated)

2. Staatsexamen Bayern

Studienseminar für Lehrer

Thema der Arbeit: 
Soziales Lernen im Sport

Examensarbeit von Udo Kroack

2001

Inhaltsverzeichnis:

0. Problemstellung ... 3

I. Theoretischer Teil ... 6
   
1. Begriffsklärung ... 6
        1.1. Soziales Lernen ... 6
        1.2. Fairness ... 8
        1.3. Kooperation ... 11
    2. Spiele im Sportunterricht ... 12
        2.1. Gründe für den Einsatz von Spielen im Sportunterricht ... 12
        2.2. Werteerziehung durch Spiele? ... 13
        2.3. Probleme bei der Wertevermittlung im Sportunterricht ... 14
    2.4. Die Rolle des Sportlehrers ... 16

II. Bezug zum amtlichen Lehrplan ... 17
   
1. Fachbezogene Unterrichts- und Erziehungsaufgaben ... 17
    2. Der Lernbereich "Fairness, Kooperation" ... 18

III. Praktischer Teil ... 21
   
1. Vorüberlegungen und Umsetzung ... 21
        1.1. Methodische Vorüberlegungen ... 21
        1.2. Werteerziehung durch Gespräche im Sportunterricht ... 22
        1.3. Spiele und Übungsformen zur Realisierung sozialen Lernens ... 28
    2. Abschließende Bewertung der Sequenz ... 44

IV. Literatur ... 47

V. Anhang ... 49


0. Problemstellung

Kindern und Jugendlichen scheint es auf den ersten Blick noch nie so gut wie heute gegangen zu sein: In den westlichen Industrienationen genießen sie ein hohes Maß an sozialer Selbständigkeit, eine liberale Erziehung mit partnerschaftlich-demokratischen Eltern und breit gefächertem und selbst bestimmbaren Medien- und Freizeitangebot. Die jetzige Generation ist materiell hervorragend versorgt und früher lebensgefährliche Kinderkrankheiten sind weitestgehend besiegt bzw. relativ problemlos zu kurieren.

Sieht man allerdings genauer hin, so fällt auf, dass die Probleme der Kinder und Jugendlichen heute eher im zwischenmenschlichen Bereich liegen, in der Unsicherheit von Kontakten und Beziehungen. Zwar können sie die angenehmen Seiten der Wohlstandsgesellschaft für sich nutzen, sie bekommen aber auch die Nachteile zu spüren. Selbständigkeit und die Möglichkeit zur Selbstentfaltung stehen sozialer Unsicherheit und den damit verbundenen psychischen Irritationen gegenüber.

Gewalt und Aggression sind allgegenwärtig. Neben den in den Medien erscheinenden offensichtlichen Erscheinungsformen wie Krieg, Kriminalität, ausländerfeindliche Aktionen, sexueller Missbrauch etc. gibt es im Alltag unzählige weniger auffällige: Aggressionen im Straßenverkehr, in der Familie, in der Berufswelt (Mobbing), in der Schule, im Sport und subtilere Formen der psychischen Aggression (z.B. Schikanieren von Untergebenen oder von Dienstleistungspersonal). Viele dieser Verhaltensweisen werden in unserer modernen "Ellbogengesellschaft" akzeptiert und von den meisten Erwachsenen sogar vorgelebt.

Fast täglich berichten die Medien von Gewalttaten und aggressiven Übergriffen junger Menschen. Hierbei lässt sich feststellen, dass nicht nur deren Anzahl steigt, sondern dass sich vor allem die Qualität der Aggressionen verändert hat. Die immer jünger werdenden "Täter" haben immer geringere Hemmschwellen. Nach HURRELMANN (in: VALTIN/ PORTMANN 1995) zeigen aktuelle Studien, "dass 10 -12% der Kinder im Schulalter an psychischen Störungen vor allem in den Bereichen Leistung, Emotion und Sozialkontakt leiden. Dazu gehören auch aggressive und gewalthaltige Verhaltensweisen. Immer häufiger ist von körperlichen und psychischen Belästigungen die Rede. Viele Lehrerinnen und Lehrer berichten, die Kinder seien heute schon in der Grundschule, vor allem aber auch in der Mittelstufe nicht nur zappeliger, unruhiger und nervöser als die aus früheren Jahrgängen, sondern es nehme auch die Minderheit der ruppigen, aggressiven, gewalttätigen und sogar brutalen Schülerinnen und Schüler zu. Auch von Übergriffen auf Lehrerinnen und Lehrer wird berichtet, wobei offenbar an Hauptschule und Berufsschulen die meisten Probleme wahrgenommen werden, die oft mit der multiethnischen und kulturellen Zusammensetzung dieser Schülerschaften zu tun haben" .


Immer mehr Schüler verhaltensauffällig

München. Die Zahl verhaltensauffälliger Schüler nimmt in Bayern rapide zu. Im vergangenen Jahr mußten mehr als 1500 Kinder an einer Schule zur Erziehungshilfe unterrichtet werden- doppelt so viele wie noch ein Jahr zuvor. Diese Zahlen nannten Pädagogen bei einer SPD-Anhörung im Landtag. Für den Umgang mit verhaltensauffälligen Schülern forderten einige Lehrer drastische Maßnahmen. Ein Schuldirektor aus Augsburg sprach sich für den vollständigen Ausschluß von "Extremschülern" aus dem Unterricht aus.

Bereits im Kindergarten zeigten sich immer häufiger Verhaltensauffälligkeiten. "Es ist für viele Kinder selbstverständlich, sich mit Kratzen, Beißen und Schlagen zur Wehr zu setzen", berichtete die Kindergarten-Leiterin Claudia Till... "Lehrer und Schulleiter sind gegenüber diesen Kindern oft machtlos", sagte der Augsburger Schulleiter von Hoermann.

Fränkischer Tag vom 31.10.97
Abb. 1

 

Nicht nur weil die Schule von der zunehmenden Aggressivität besonders betroffen ist, sondern vor allem wegen ihres großen Einflusses auf die Kinder ist es sinnvoll, hier besonderen Wert auf die Förderung der sozialen Kompetenzen zu legen. Die jetzigen und zukünftigen Lehrer werden besonders im pädagogischen Bereich gefordert sein, deshalb ist es notwendig, sich zum Thema Sozialerziehung Gedanken zu machen. Eine wichtige Rolle bei dieser Aufgabe spielen dabei die Sportlehrer, weil der Sportunterricht eine gute Möglichkeit bietet, die Schüler emotional geöffnet, leidenschaftlich und engagiert zu treffen und sie so positiv zu beeinflussen. Durch seine besonderen Interaktions- und Kommunikationsstrukturen, wie z.B. Situationen des Miteinander und Gegeneinander, des Wettkampfes, der Gestaltung, des Spiels u.v.m. im Gegensatz zu dem primär auf die Vermittlung von Sachwissen ausgerichteten Lernens in anderen Fächern, werden dem Sportunterricht besondere Möglichkeiten der Sozialerziehung zugeschrieben.


"Soziales Lernen mit dem angestrebten Ziel der Sozialkompetenz des Schülers ist jedoch heute und wird auch in Zukunft unabdingbarer Bestandteil eines zeitgemäßen Unterrichts in einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft sein"
PÜHSE 1990, S.14
Abb. 2

Im Sportunterricht sind die Gelegenheiten, soziale Erfahrungen zu machen, besonders häufig, weshalb hier eine Einflussnahme zu Gunsten prosozialen Verhaltens besonders aussichtsreich erscheint. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass bereits seit den 70er Jahren eine intensive Diskussion in der Sportpädagogik geführt wird, inwieweit der Sportunterricht intentionale soziale Erziehungsziele beinhalten solle. Das Ergebnis dieser Überlegungen spiegelt sich im aktuellen Lehrplan für das Fach Sport wider (vgl. Abb. 3): Erziehung zur Fairness und Kooperation sind als wichtige Ziele aufgeführt und erstmals sollen diese beiden Verhaltensweisen auch in die Notengebung einfließen. Es wird also nicht länger nur auf Weiten, Zeiten und Technik, sondern auch auf die Sozialerziehung großer Wert gelegt. Um diese mit Erfolg durchzuführen benötigt man Formen des Sports, die diese gewünschten Verhaltensweisen (vgl. Abb. 3) fördern.


"Sportunterricht beinhaltet soziales Lernen und bildet Handlungs- und Erfahrungsgelegenheiten für eine praxisorientierte Sozialerziehung. Regelentsprechendes Handeln und die damit verbundene Achtung des Gegners als Partner in einem gemeinsamen Leistungsvergleich erziehen die Schüler zur Fairness. Sie erkennen die Notwendigkeit, die eigenen Interessen zeitweise zurückzunehmen und Verständnis, Nachsicht und Toleranz zu zeigen. Das Handeln in der Gemeinschaft sowie das Sichern, Unterstützen und Helfen durch Lehrer und Schüler fördert zudem die Kooperation."

(Lehrplan für die bayer. Hauptschule, S.58)
Abb. 3

[...]


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