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Autor: Eleni Rigaki
Fach: Germanistik - Linguistik
Details
Tags: Welche, Konstruktionen, Passiv
Jahr: 2005
Seiten: 32
Note: 2
Literaturverzeichnis: ~ 16 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 291 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-42197-3
Hausarbeit unter Prüfungsbedingungen korrigiert, im Rahmen der Magister-Abschlussprüfungen. Es handelt sich dabei um eine umfassende Darstellung des Passivs im Deutschen sowie um eine ausfürliche Behandlung des Rezipientenpassivs nach Haider, Wagener und Reis.
Textauszug (computergeneriert)
Welche Konstruktionen sind zum deutschen
Passiv zu rechnen?
von: Eleni Rigaki
9. Fachsemester
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung 1
1. Genera verbi und Passiv 2
1.1. Auswirkung des Passivs auf den Inhalt eines Satzes 3
1.2. Vorgangspassiv 4
1.2.1. Das unpersönliche Passiv 5
1.2.2. Das Reflexivpassiv 6
1.3. Zustandspassiv 7
1.4. Rezipientenpassiv 9
2. Weitere Möglichkeiten, „passivische“ Sehweise auszudrücken 11
2.1. lassen + sich + Infinitiv 12
2.2. sein + zu + Infinitiv 13
2.3. bleiben –Passiv 13
2.4. Funktionsverben mit einem „Nomen actionis“ 14
2.5. Reflexive Konstruktionen mit unpersönlichem Subjekt 15
2.6. Auf -bar und –lich endende Adjektive 16
3. Abgrenzung des Zustandspassivs von Kopulakonstruktion 17
4. Rezipientenpassiv oder prädikatives bzw. adverbiales Prädikat? 20
4.1 Haider: Partizip II als adjektivisches bzw. adverbiales Prädikat 21
4.2 Wagener und Reis: bekommen – Passiv als regelhafte Passivform 24
5. Fazit 27
6. Literaturverzeichnis 29
0. Einleitung
Im Vergleich zum Griechischen – der Muttersprache der Autorin dieser Hausarbeit -, ist die deutsche Sprache durch die häufigere Verwendung des Passivs gekennzeichnet1. Innerhalb der deutschen Gegenwartssprache jedoch sind Aktiv und Passiv in Texten ungleich verteilt. Im Durchschnitt entfallen etwa 93% der finiten Verforme auf das Aktiv im Gegensatz zu den 7% des Passivs. Aufgrund dieser Verteilung kann man das Aktiv als Erst- und das Passiv als Zweitform bezeichnen, ohne dass diese Betrachtungsweise ein abwertendes Urteil über die Wichtigkeit des Passivs zu bedeuten hat (Duden 1998:172f.). Dementsprechend ist das Thema dieser Arbeit die Darstellung der Bildung und Funktion des Passivs im Deutschen als eines von den fünf verbalen Merkmalen, hinsichtlich derer ein Verb im Deutschen gekennzeichnet ist, und seine Unterscheidung in hauptsächlich drei Formen - Vorgangs-, Zustands- und Rezipientenpassiv -, deren Gemeinsamkeit die Verwendung des Partizips Perfekt (Part. II) ist.
Dazu lassen sich noch Gefüge wie „lassen + sich + Infinitiv“, „sein + zu + Infinitiv“, bestimmte Verben in Verbindung mit einem Nomen actionis2 - die Funktionsverbgefüge - Verbaladjektive mit Endung auf – bar und –lich und „reflexive Konstruktionen“ wie „sich bewegen“ zu passivähnlichen Konstruktionen rechnen (Askedal 1987:22ff.). Dieselben Konstruktionen werden in Duden – Grammatik (1998) als Konkurrenzformen des Vorgangspassivs erwähnt. Interessant und umstritten ist in der Literatur die Lage des Rezipientenpassivs, das von Hentschel und Weydt (1995) als „leidig“ charakterisiert wurde. Im Jahre 1971 rechnete Brinker die Konstruktion mit „bekommen + Part. II“ zu den „…bisher nicht erfassten verbalen Fügungen…“. Mittlerweile wird das Rezipientenpassiv von einigen Sprachwissenschaftlern als eine Passivform anerkannt, von anderen Sprachwissenschaftlern jedoch nicht. Haider (1984:33) bringt als Gegenargument die eigenständige Semantik seiner „Hilfsverben“ bekommen, kriegen, erhalten, deshalb werden die Partizipien prädikativ bzw. adverbial erklärt und nicht als Teil der Passivkonstruktionen betrachtet.
1. Genera verbi und Passiv
Erstens ist wichtig, dass es einem deutlich wird, was man unter „Passiv“ versteht. Das Passiv ist eines von zwei Teilen der Genus verbi (vgl. Bußmann 32002:274); unter Genus verbi soll man die Aktiv- und Passivformen eines Verbs verstehen. Genus verbi ist wiederum eines von den fünf verbalen Merkmalen, hinsichtlich derer ein Verb im Deutschen gekennzeichnet ist (Duden 1998:113). Grundsätzlich kann beim Genus verbi „Passiv“ zwischen Vorgangs-, Zustands- und Rezipientenpassiv unterschieden werden. Alle drei Formen sind periphrastische Formen der Vollverben, teilweise auch der Modalverben, die aus dem Partizip II des Verbs und aus einem Hilfsverb bzw. dessen periphrastische Formen bestehen (Zifonun 1997:1790). Das Vorgangspassiv wird mit dem Hilfsverb werden, das Zustandspassiv mit dem Hilfsverb sein und das Rezipientenpassiv mit dem Hilfsverb bekommen, erhalten oder kriegen gebildet. Beispiele: (1)
a. Die Wohnung wurde ihm versprochen. (Vorgangspassiv)
b. Die Wohnung war ihm versproche n. (Zustandspassiv)
c. Er bekam die Wohnung versprochen. (Rezipientenpassiv)
1.1. Auswirkung des Passivs auf den Inhalt eines Satzes
In einem Passivsatz steht die Handlung im Vordergrund; die ha ndelnde Person (das Subjekt des Aktivsatzes) ist oft unwichtig oder uninteressant, deshalb wird sie auch meist weggelassen. Wird aber der Handlungsträger im Passiv genannt, erscheint er im letzen Teil des Satzes, weil dieser Teil vom Mitteilungsgehalt her die am meisten betonte Position ist. Somit wird die Konstruktion kommunikativ als besonders wichtig empfunden. Oft ist der Urheber einer Handlung nicht bekannt; dann gebraucht man einen Aktivsatz mit man oder einen Passivsatz, wobei man immer wegfällt.
(2) a. Man baut hier eine neue Straße.
b. Hier wird eine neue Straße gebaut.
In Bedienungsanleitungen ist es beispielsweise durch die Verwendung des Passivs möglich, den menschlichen Handlungsträger unerwähnt zu lassen, weil das Erwähnen des Handlungsträgers für das Verständnis des beschriebenen technischen Sachverhalts meist unwesentlich ist oder gar nicht angegeben werden kann. Dadurch wird außerdem der Eindruck von Objektivität vermittelt (Göpferich 1995:411)Was das Verb in Passivkonstruktionen betrifft, merkt man, dass es sich aus der wenig betonten Stelle herauslöst, an der es im Aktivsatz erscheinen würde, und in die stark betonte Endposition gebracht wird. Damit erscheint das Verb als das wichtigste Satzglied in einer betonten Stellung. Während dessen wird sowohl die Aufnahme als auch das Einprägen des Inhalts erleichtert. Daraus erklärt sich auch die häufige Verwendung des Passivs in fachwissenschaftlichen Texten, Gesetzestexten, Anordnungen und Gebrauchsanweisungen. In manchen Fällen wird der Gebrauch des Passivs auch dadurch motiviert, dass Vorgänge als gesetzmäßig dargestellt werden können, die vom Menschen zwar erkennbar oder anwendbar, aber nicht veränderbar sind. Studien weisen darauf hin, dass die Häufigkeit von Passivkonstruktionen mit zunehmendem Fachlichkeits- und Abstraktionsgrad der Texte steigt (ebd.).
1.2. Das Vorgangspassiv3
[...]
1 Persönliche Feststellung der Autorin.
2 (vgl. Bußmann 32002:528).Auch Verbalabstraktum, Verbalsubstantiv. Bezeichnung für (meist von Verben) abgeleitete Substantive, die sich auf Handlungen und Vorgänge beziehen.
3 Die Informationen über die Bildung von Vorgangspassiv und Zustandspassiv sind im Prinzip aus der Duden - Grammatik, 61998, Bd. 4 entnommen worden.
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