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Scholary Paper (Seminar), 2005, 16 Pages
Author: Matthias Rekow
Subject: History - Early and Ancient History
Details
Institution/College: Dresden Technical University (Institut für Geschichte)
Tags: Panathenäen, Zeit, Tyrannis, Peisistratiden, Soziale, Identität, Herrschaftslegitimation, Seminar, Tyrannis, Peisistratos
Year: 2005
Pages: 16
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 24 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-42272-7
ISBN (Book): 978-3-638-80239-0
File size: 135 KB
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Abstract
„[M]an [hat] oft gesagt, die Tyrannis des Peisistratos sei das (goldene) Zeitalter unter Kronos.“ – schrieb Aristoteles und gab damit die Überlieferung von der und die Sicht auf die Tyrannis des Peisistratos durch seine Zeitgenossen wieder. Diese aus unserer heutigen Perspektive doch eher erstaunlich gelassene Auffassung der Tyrannis verwundert. So erscheint es nur legitim, die Anstrengungen des Peisistratos und seiner Söhne zum Ausbau, zur Sicherung und Stabilisierung ihrer Alleinherrschaft zu untersuchen. Immerhin gelang es Peisistratos nach zwei missglückten Versuchen der Machtübernahme von 546/545 v. Chr. bis zu seinem Tode 528/527 v. Chr. seine Herrschaft zu behaupten. Die Führung der Tyrannis ging dann überraschend reibungslos auf seine beiden Söhne Hippias und Hipparchos über. Selbst nach der Ermordung des Hipparchos 514 v. Chr. dauerte sie, jedoch erheblich verschärft, fort und wurde erst durch äußeren Einfluss 510 v. Chr. gestürzt. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, eines der Instrumentarien der Peisistratiden zur Legitimierung ihrer Alleinherrschaft aufzuzeigen. Speziell am Beispiel der Panathenäen wird der Versuch der religiösen Herrschaftslegitimation dargestellt. Dazu wird auf die Begriffe von Mythos, Kult und Religion eingegangen, anschließend folgt ein Exkurs in den Mythos von der Entstehung und Gründung der Panathenäen. Das Hauptaugenmerk der vorliegenden Arbeit ist auf die Neuordnung des Festes der Athena in der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. sowie dessen soziale und politische Implikationen zur Sicherung und Legitimierung der Tyrannenherrschaft gerichtet. Abgerundet wird das ganze von einem Blick auf mögliche zukünftige Fragestellungen und Interpretationen der Tyrannenzeit als dem Übergang von der archaischen zur klassischen Zeit. Für den heutigen aufgeklärten Menschen des säkularisierten Westens erscheint eine enge Verknüpfung von politischer Herrschaft und religiöser Legitimation obsolet. Doch übersieht er bei all seiner vermeintlichen Aufklärung meist, dass noch im kürzlich vergangenen Jahrhundert zwei totalitäre Systeme, die auch als Politische Religionen bezeichnet werden, unselig das Weltgeschehen bestimmten. Gern entgeht ihm auch die Wiederkehr der Weltreligionen als Akteure in der internationalen Politik sowie die Bedeutung des Verhältnisses von Politik und Religion in den USA im neuen Jahrtausend. Religion – also auch weiterhin eines der bedeutendsten Mittel zur Machtsicherung und Herrschaftslegitimation!
Excerpt (computer-generated)
Die Panathenäen zur Zeit der Tyrannis der Peisistratiden –
Soziale Identität und Herrschaftslegitimation
von: Matthias Rekow
3. Fachsemester
Inhalt
1 Einführung 2
2 Mythos, Kult und Religion in der Lebenswelt des archaischen Griechenlands 3
3 Entstehung und Bedeutung der Panathenäen – Mythos und Kult 4
4 Neuordnung der Panathenäen durch Peisistratos? 5
4. 1 Die Großen und Kleinen Panathenäen 6
4. 2 Panathenäen als soziale und politische Identitätsform 7
4. 3 Legitimation und Sicherung der Herrschaft in der Tyrannis der Peisistratiden 9
5 Schlussbetrachtung 12
6 Quellenverzeichnis 14
7 Literaturverzeichnis 14
1 Einführung
„[...] [M]an [hat] oft gesagt, die Tyrannis des Peisistratos sei das (goldene) Zeitalter unter Kronos.“1 – schrieb Aristoteles und gab damit die Überlieferung von der und die Sicht auf die Tyrannis des Peisistratos durch seine Zeitgenossen wieder. Diese aus unserer heutigen Perspektive doch eher erstaunlich gelassene Auffassung der Tyrannis verwundert. So erscheint es nur legitim, die Anstrengungen des Peisistratos und seiner Söhne zum Ausbau, zur Sicherung und Stabilisierung ihrer Alleinherrschaft zu untersuchen. Immerhin gelang es Peisistratos nach zwei missglückten Versuchen der Machtübernahme2, von 546/545 v. Chr. bis zu seinem Tode 528/527 v. Chr. seine Herrschaft zu behaupten. Die Führung der Tyrannis ging dann überraschend reibungslos auf seine beiden Söhne Hippias und Hipparchos über. Selbst nach der Ermordung des Hipparchos 514 v. Chr. durch Harmodios und Aristogeiton dauerte sie, jedoch erheblich verschärft, fort und wurde erst durch äußeren Einfluss, das Engagement der Spartaner, endgültig 510 v. Chr. gestürzt. Ziel dieser Seminararbeit ist es, eines der Instrumentarien der Peisistratiden zur Legitimierung ihrer Alleinherrschaft aufzuzeigen. Speziell am Beispiel der Panathenäen wird der Versuch der religiösen Herrschaftslegitimation dargestellt. Dazu wird im folgenden auf die Begriffe von Mythos, Kult und Religion eingegangen, anschließend folgt ein Exkurs in den Mythos von der Entstehung und Gründung der Panathenäen. Das Hauptaugenmerk der vorliegenden Arbeit ist auf die Neuordnung des Festes der Athena in der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. sowie deren soziale und politische Implikationen zur Sicherung und Legitimierung der Tyrannenherrschaft gerichtet. Abgerundet wird das Ganze von einem Blick auf mögliche zukünftige Fragestellungen und Interpretationen der Tyrannenzeit als Übergang von der archaischen zur klassischen Zeit.
Spannend ist dieses Thema insofern, als für den heutigen aufgeklärten Menschen des säkularisierten Westens eine enge Verknüpfung von politischer Herrschaft und religiöser Legitimation obsolet erscheint. Doch übersieht er bei all seiner vermeintlichen Aufklärung meist, dass noch im kürzlich vergangenen Jahrhundert zwei totalitäre Systeme, die auch als Politische Religionen3 bezeichnet werden, unselig das Weltgeschehen bestimmten. Gern übersehen wird auch die „Wiederkehr der Weltreligionen als Akteure in der internationalen Politik“4 sowie die Bedeutung des Verhältnisses von Politik und Religion in den USA5 im neuen Jahrtausend. Religion – also auch weiterhin eines der bedeutendsten Mittel zur Machtsicherung und Herrschaftslegitimation!
2 Mythos, Kult und Religion in der Lebenswelt des archaischen Griechenlands
Um ein Gefühl für die Lebenswelt der Griechen in archaischer Zeit zu bekommen, erscheint es sinnvoll, sich näher mit der Überlagerung und Durchdringung der Begriffe Mythos, Kult und Religion zu beschäftigen. Selbst den Philologen ist die Herkunft der griechischen Bezeichnung mythos, auf die der Begriff Mythos zurückgeht, unbekannt. Mythos/Mythen sind Erzählungen, quasi historische Dokumente, über frühere, zumeist anfängliche Begebenheiten und zugleich Wissens- und kulturelle Lebensform in der archaischen Gesellschaft.6 Sie wirken konstituierend, Welt konstruierend und ermöglichen so dem einzelnen Individuum Erkenntnis und Ausrichtung in einer als bedrohlich empfundenen, lebensfeindlichen Umwelt.7 Gegen den Schrecken der Realität bildet der Mythos ein Orientierung schaffendes, kosmologisches System, das durch Symbolismen weitergegeben wird. Zu seinen Funktionen zählt vor allem, die Erfahrung des Heiligen mitzuteilen und zu gewährleisten. Damit bewahrt er gleichzeitig die Kontinuität und Identität der gelebten Religion.8 Der Mythos selbst und die Lehre vom Mythos begründen den Kult. Dieser bezeichnet ein ritualisiertes Verhalten, mit dem Gruppen von Menschen ihre Verbindung zu außer- und übermenschlichen Mächten mit einer gewissen Regelmäßigkeit vollziehen und aufrechterhalten. Dies geschieht mittels einer Vielzahl stereotypisierter, magischer Handlungen – Riten, die zu Zeremonien und großen Festen, wie dem der Panathenäen, zusammengefasst werden. Als periodisch wiederholte Dramatisierungen zeugen sie von einer einstigen mythischen Begebenheit. Zentrale Äußerung des Kultes sind sowohl vegetarische als auch Tieropfer. Bei letzteren sind Tötung und anschließendes gemeinschaftliches Verspeisen der geopferten Tiere entscheidende Elemente im Ritual des Kultes. Doch steht im Mittelpunkt des Opfers nicht die Tötung oder das Essen, sondern die Verbindung der Feiernden mit der Gottheit selbst und der Feiernden des Kultes untereinander.9 Beide soeben kurz skizzierten Begriffe lassen sich in dem Begriff der Religion subsumieren. Religion ist ein Grundphänomen menschlichen Lebens. Sie ist Ausdruck des Strebens und der Suche nach einem Sinn und mit dem Glauben an eine übermenschliche Kraft verbunden.
[...]
1 Arist. Ath. Pol. 16, 7.
2 Erster Versuch der Machtergreifung 561/560 v. Chr., der zweite Versuch 558/557 v. Chr. Vgl. Berve, Helmut: Die Tyrannis bei den Griechen, Band 1, München 1967, 48-49.
3 Zur Terminologie des Begriffes und den beiden Konzepten der aktuellen Totalitarismusforschung vgl. Maier, Hans (Hrsg.): Totalitarismus und Politische Religionen, Band 1-3, Paderborn 1996, 1997, 2003.
4 Watzal, Ludwig: Editorial, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 7 (2005), 1.
5 Zur theo-konservativen Politik der USA vgl. Braml, Josef: Die theo-konservative Politik Amerikas, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 7 (2005), 30-38. Siehe auch Bush, George W.: Rede zur Amtseinführung am 20. Januar 2005, aus: http://usa.usembassy.de/etexts/docs/inauguration2005.htm, [31.03.2005].
6 Knatz, Lothar: Mythos/Mythologie, in: Sandkühler, Hans Jörg (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie, Band 1, Hamburg 1999, 887-894.
7 Mohn, Jürgen: Mythostheorien. Eine religionswissenschaftliche Untersuchung zu Mythos und Interkulturalität, München 1998, 56.
8 Ebd., 121.
9 Richter, Klemens: Kult/Gottesverehrung, in: Waldenfels, Hans: Lexikon der Religion, Freiburg 1988, 359- 368 [361].
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