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Zu: Kurt Tucholsky - Die Zeit schreit nach Satire

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 19 Pages
Author: Dipl.-Pol. Thomas Reidel
Subject: Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2001
Pages: 19
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V4482
ISBN (E-book): 978-3-638-12771-4
ISBN (Book): 978-3-638-81574-1
File size: 264 KB
Notes :
Sozialwissenschaftliche Analyse eines Textes Kurt Tucholskys167 KB


Abstract

Eine Analyse des zunächst wenig beachteten aber zeitgeschichtlich durchaus symptomatischen Stückes, aus sozialwissenschaftlicher oder wenn man so will politischer Perspektive. Aber wie soll man Tucholskys Satiren auch sonst lesen? Die Analyse selbst ist formalistisch, theaterwissenschaftlich orientiert und bietet einen detaillierten Einblick in das Stück, seinen politisch-gesellschaftlichen Hintergrund (die Weimarer Republik auf ihrem Scheiternshöhepunkt) und dessen dramaturgische Umsetzung.


Excerpt (computer-generated)

Kurt Tucholsky: Die Zeit schreit nach Satire
Eine sozialwissenschaftliche Analyse

von Thomas Reidel

Inhalt

Einleitung 4

1 Zum Autor - Kurzbiographie Kurt Tucholsky 5

2 Politisch-geschichtlicher Hintergrund 6

3 1926 - Die missglückte Revue 7

4 1929 - Die Zeit schreit nach Satire 8
4.1 Szene 1 - Vorspiel vor dem Theater I - Das Telegramm 10
4.2 Szene 2 - Vorspiel vor dem Theater II - Telephonat mit der GmbH 10
4.3 Szene 3 - Auftakt - Gespräch mit Milbe 11
4.4 Szene 4 - Auftritt Kästner und Mehring 12
4.5 Szene 5 - Auftritt Generaldirektor Bönheim 13
4.6 Szenen 6 und 7 - Proben 14
4.7 Szene 8 - Uraufführung und dramatischer Höhepunkt 14
4.8 Szenen 9 und 10 - Kritik 15
4.9 Szene 11 - Abgesang 15
4.10 Dramaturgischer Rückblick 16

5 Die Zeit schreit nach Satire - analytische Schlussbemerkung 16

Fazit 18

Verwendete Literatur 19


Einleitung

Kurt Tucholskys Glosse ‚Die Zeit schreit nach Satire′ beschreibt die Entstehung, Planung und Aufführung einer Theaterrevue in den zwanziger bzw. dreißiger Jahren in Deutschland. Obwohl der Text rein fiktiv ist, basiert er doch auf teilweise realen Begebenheiten aus Tucholskys literarischer Laufbahn. Er hatte zusammen mit Polgar 1926 an einer Revue gearbeitet, die aber aus unglücklichen Umständen nie aufgeführt wurde.
1929 dann, zu einer Zeit, in der Tucholsky auf dem Höhepunkt seiner literarischen Tätigkeit war, brachte er zusammen mit dem Montagekünstler John Heartfield das Buch Deutschland, Deutschland über alles heraus. Diesem Buch ist die im folgenden zu besprechende Glosse Die Zeit schreit nach Satire entnommen. Der Text beschreibt sehr eindrücklich und in satirischer Überhöhung die gesellschaftlichen Umstände der damaligen Zeit, die es besonders den kritischen Autoren politischer Satire erschwerten, ernst genommen und vor allem gehört zu werden.
Die ohnehin von Anbeginn ihres turbulenten Bestehens unstete, eigentlich nicht konsolidierte Demokratie der Weimarer Republik, geriet spätestens durch den Zusammenbruch der Weltwirtschaft 1929 in ihre schwerste Krise, die sie nicht überwinden konnte. Gerade Fragen nach stärkerer sozialen Gerechtigkeit und größerer demokratischer Partizipation standen damals im Widerspruch zu wirtschaftlicher Entwicklung und gesellschaftlicher Mehrheitsmeinung. Hier setzt Tucholsky in seinem Stück an, indem er ein wirtschaftlich wie politisch zunächst nicht direkt beeinflusstes Feld, das Theater, wählt, um daran die allumfassende Dominanz wirtschaftlichpolitischer Überordnung aufzuzeigen.
Der genannten Entwicklung setzte Tucholsky die Satire entgegen, die eben aus der scheinbar sicheren Stellung des Theaters heraus das Bestehende kritisieren will, indem sie der Realität einen durch Lächerlichkeit verzerrten Spiegel vorhält. Doch das Konzept geht im Falle des zu besprechenden Textes scheinbar nicht auf. Das soll im folgenden analysiert werden.
Um die Entwicklung nachzuzeichnen, wie Tucholsky zur im Titel formulierten Kernaussage und überhaupt zur Ansicht kommen kann, dass es mehr der Satire bedürfe und vor allem um zu zeigen, was das eigentlich bedeutete, wird zunächst versucht den tatsächlichen Verlauf der 1926 geplanten Revue für die Reinhardt-Bühnen in ihrer Entwicklung bis hin zur versagten Aufführung und dem schließlichen Entstehen des Textes nachzuzeichnen. Dieser einleitenden Teil dient als Grundlage und Darstellung der damaligen gesellschaftlichen Umstände, die Tucholsky veranlassten, seine Glosse zu schreiben. Besonders interessant ist hier natürlich die Motivation Tucholskys, weshalb für die Analyse der realen Umstände der Revue auf deren Darstellung in den Biographien über Tucholsky zurückgegriffen werden wird.
In einem folgenden Teil soll dann der Verlauf der Revuegestaltung in Tucholskys Stück kurz dargestellt und erste Parallelen zwischen Realität und Satire gezogen werden. Anschließend folgt eine ausführliche Analyse des Textes, die gerade im Hinblick auf die Parallelen, die Tucholsky zwischen dem Theater und der (fiktiven) Realität zieht und wohl in der Realität auch gesehen hat, interessant ist. Diese inhaltliche Analyse der einzelnen Abschnitte oder Szenen des relativ kurzen aber inhaltlich aussagekräftigen soll vor allem die satirischen Elemente hervorheben und deren gesellschaftliche Grundlage reflektieren.
Anschließend wird der Text einer kurzen dramaturgischen Analyse unterzogen, um in dem folgenden Teil die Kernaussage Tucholskys abschließend genau zu erfassen. Im Fazit wird dann die Arbeit anhand der gefundenen und zusammengetragenen Erkenntnisse kritisch betrachtet und Tucholskys Text und These auf ihre Anwendbarkeit hin überprüft.

1 Zum Autor - Kurzbiographie Kurt Tucholsky

Kurt Tucholsky, am 9.1.1890 in Berlin geboren, stammte aus einer wohlhabenden jüdischen Familie. Besonders bedeutsam war in seiner Jugend das Verhältnis zu seiner Mutter, die er als herrschsüchtig beschrieb und von der er sich früh distanzierte. Im Alter von 17 Jahren veröffentlichte er erstmals, ein Märchen, im satirischen Beiblatt Ulk des Berliner Tagblattes. Das Stück ist eine Anspielung auf Kaiser Wilhelm II und dessen Haltung zu Kunst, Literatur und Gesellschaft. 1911 bzw. 1913 folgten dann einige Artikel im sozialdemokratischen Vorwärts und der Schaubühne, von Siegfried Jacobsohn, zu dem Tucholsky in den folgenden Jahren eine enge Beziehung aufbaute. Nach dessen Tod 1926 übernahm Tucholsky sogar kurzzeitig die Leitung des Blattes.

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