Alexandria als antikes Zentrum des Wissens der Welt

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Details
Autor: Erik Fischer
Fach: Latein
Veranstaltung: Überlieferungsgeschichte, Textkritik und Editionstechnik
Institution/Hochschule: Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald (Institut für Altertumswissenschaften)
Jahr: 2005
Seiten: 22
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 20 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 377 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-42372-4
ISBN (Buch): 978-3-638-69265-6
Darstellung der Geschichte der Großen Bibliothek von Alexandria und des Museions
Zusammenfassung / Abstract
Die Verwendung des Superlativs bei der Betrachtung der alten Bibliothek von Alexandria ist auffällig: alles an dieser Bibliothek scheint großartig gewesen zu sein, dem damaligen und wahrscheinlich auch dem heutigen menschlichen Verstand und Fassungsvermögen gleichsam entrückt. Lionel Casson resümiert: „The library of Alexandria, founded around 300 B.C. or a few decades later, was the first of ist kind, and throughout ancient history remained the greatest of its kind.”1 Auch Bernd Seidensticker schließt sich diesen Aussagen an: “An Berühmtheit stand die große Bibliothek – HE MEGALE BIBLIOTHEKE, wie die Antike sie nannte – nicht hinter dem Leuchtturm von Pharos, dem Wahrzeichen und Weltwunder, zurück.“2 Und etwas später in seinem Aufsatz: „Die Bibliothek der Könige stieß in eine ganz neue Dimension vor, die in der Antike unerreicht geblieben ist.“3 [...] == 1 Casson, Lionel, Libraries in the Ancient World, New Haven/London 2001, S. 31. 2 Seidensticker, Bernd, Alexandria. Die Bibliothek der Könige und die Wissenschaften, in: Demandt, Alexander (Hrsg.), Stätten des Geistes, Köln 1999, S. 15-37, hier: S. 23. Der Vergleich zum Leuchtturm von Pharos erklärt sich aus der Lage beider Gebäude in der gleichen Stadt, Alexandria. Zu den Weltwundern vgl. Höcker, Christoph, s.v. Weltwunder, in: DNP 12/2 (2002), Sp. 477-478. 3 Seidensticker 1999, S. 25.
Textauszug (computergeneriert)
Alexandria als antikes Zentrum des Wissens der Welt
Hauptseminararbeit
im Fachbereich Latinistik für das Studienfach Antike Zivilisation
Übung: Überlieferungsgeschichte, Textkritik, Editionstechnik
Sommersemester 2005
vorgelegt von:
Erik Fischer
Greifswald im August 2005
Inhalt
1. Einleitung: Intention und Forschungsstand Seite 3
2. Kurze Geschichte des Ptolemaierreiches und der Stadt
"Alexandria ad Aegyptum" Seite 5
3. Das Museion - Die Akademie von Alexandria Seite 10
4. Die große Bibliothek von Alexandria Seite 15
4.1 Die Bibliothek und ihr Programm Seite 15
4.2 Der Bestand der Bibliothek und seine Verwaltung Seite 18
4.3 Die Tradition der Textkritik in Alexandria Seite 20
4.4 Das fragwürdige Ende Seite 22
5. Zusammenfassung Seite 26
6. Epilog: Die "neue" Bibliothek von Alexandria Seite 27
Bibliographie Seite 29
Anhang: rekonstruierter Stadtplan des hellenistischen Alexandrias Seite 31
1. Einleitung: Intention und Forschungsstand
Die Verwendung des Superlativs bei der Betrachtung der alten Bibliothek von Alexandria ist auffällig: alles an dieser Bibliothek scheint großartig gewesen zu sein, dem damaligen und wahrscheinlich auch dem heutigen menschlichen Verstand und Fassungsvermögen gleichsam entrückt. Lionel Casson resümiert: „The library of Alexandria, founded around 300 B.C. or a few decades later, was the first of ist kind, and throughout ancient history remained the greatest of its kind.”1 Auch Bernd Seidensticker schließt sich diesen Aussagen an: “An Berühmtheit stand die große Bibliothek – HE MEGALE BIBLIOTHEKE, wie die Antike sie nannte – nicht hinter dem Leuchtturm von Pharos, dem Wahrzeichen und Weltwunder, zurück.“2 Und etwas später in seinem Aufsatz: „Die Bibliothek der Könige stieß in eine ganz neue Dimension vor, die in der Antike unerreicht geblieben ist.“3 Und ebenso Viktor Gardthausen in einem bereits älteren Aufsatz: „Diese große Bibliothek […] blühte auf und wurde bald die umfangreichste und wichtigste des ganzen Altertums; sie hat diesen Ehrenplatz 1 ½ Jahrtausende behauptet, bis zur Erfindung des Buchdrucks, denn wir wissen nicht, dass eine der späteren Gründungen, sei es der pergamenischen Könige, sei es der römischen oder byzantinischen Kaiser, jemals über solche Büchermassen verfügte.“4
Jene Bibliothek mit ihrem wissenschaftlichen Umfeld soll eine zentrale Stellung in dieser Untersuchung einnehmen. Uwe Jochum zeichnet im Vorwort zu seiner kompakten „Bibliotheksgeschichte“ ein verhaltenes und negatives Bild vom Interesse der breiten Forschung an der eigentlichen Grundlage ihrer Forschung.5 Denn dies ist unbestritten – Bibliotheken ermöglichen erst das wissenschaftliche Arbeiten, indem sie das Material zur Verfügung stellen, welches dann ausgewertet wird.6 Wenn Uwe Jochum nun behauptet, dass sich die Forschung eigentlich kaum für die Bibliotheken interessiert 7, so trifft dies auf die Bibliothek von Alexandria kaum zu. Dieser bereits zum Mythos seiner selbst gewordene Ort 8, hat die Forschung schon immer beschäftigt.9 Zu erklären ist dies wohl damit, dass man die Bibliothek von Alexandria unter mehreren Gesichtspunkten betrachten kann: Einmal unter bibliothekswissenschaftlichen, indem man den Aufbau der Sammlung und den Erwerb, sowie die Methode der Weitergabe von Büchern betrachtet. Zum anderen kann man die Bibliothek aber auch in einen viel größeren Kontext einordnen und ihre kulturelle Wirkung in der antiken Welt untersuchen. Nicht zuletzt kann man sie als Stätte der Forschung sehen, in Verbindung mit der in Alexandria ansässigen Akademie.
Beachtenswert in der Verbindung aller drei Punkte ist das von Luciano Canfora publizierte Werk „Die verschwundene Bibliothek“10. Es fasst den Stand der Forschung im Bezug auf die Bibliothek von Alexandria sehr detailliert zusammen und setzte somit auch Maßstäbe in der Forschung. Dies zeigt sich darin, dass in fast allen späteren Arbeiten11 bei den entscheidenden Fragen der Bezug zu Canfora hergestellt wird. Die Fragen sind dabei immer wieder die gleichen: (1.) Wann wurde die Bibliothek gegründet und was bezweckte sie? (2.) Welchen Umfang hatte die Sammlung und wie muss man sich die Akkumulation von Werken in der Bibliothek vorstellen? (3.) Wie sah die Arbeit in der Bibliothek selber aus? Und schließlich die bedeutendste und kontrovers diskutierteste Frage: (4.) Wie sah das Ende der berühmten Bibliothek aus?12
All diese Fragen greift auch der brilliante Artikel von Bernd Seidensticker auf, der sich in den Augen des Autors gegenüber Luciano Canfora durch mehr Klarheit und Struktur auszeichnet. Dem Grundgerüst dieses Aufsatz will auch die Arbeit folgen. Zu Beginn soll Alexandrien als Gründung Alexanders des Großen kurz vorgestellt werden, eingebettet in einen knappen historischen Abriss. Dem folgt die Beschreibung des sogenannten Museion, welches die alexandrinische Akademie war. In einem kurzen Exkurs soll hier auch knapp auf allgemeine Merkmale einer antiken Akademie verwiesen werden, wie sie Rudolph Zaunick herausgearbeitet hat.13 Im dritten Teil soll dann schließlich auf die Bibliothek eingegangen werden, wobei die Arbeit sich der vier, im oberen Abschnitt formulierten, Fragen annimmt und damit der kulturellen Wirkung der sogenannten „verschwundenen Bibliothek“14 in der Geschichte nachgeht. Ziel der Arbeit ist es, dass kulturelle Phänomenen „Alexandria“ in seiner Gesamtheit zu erfassen, also Museion und Bibliothek – die realiter ebenso als Einheit gedacht werden müssen15 – umfassend darzustellen. Es liegt dabei in der Natur der Sache, dass die Arbeit ein verstärkt historische sein wird und weniger eine philologische.
2. Kurze Geschichte des Ptolemaierreiches und der Stadt
„Alexandria ad Aegyptum“
16
Die Gründung von Alexandrien und die Geschichte der berühmten Bibliothek fällt in eine bewegte Zeit.
[....]
1 Casson, Lionel, Libraries in the Ancient World, New Haven/London 2001, S. 31.
2 Seidensticker, Bernd, Alexandria. Die Bibliothek der Könige und die Wissenschaften, in: Demandt, Alexander (Hrsg.), Stätten des Geistes, Köln 1999, S. 15-37, hier: S. 23. Der Vergleich zum Leuchtturm von Pharos erklärt sich aus der Lage beider Gebäude in der gleichen Stadt, Alexandria. Zu den Weltwundern vgl. Höcker, Christoph, s.v. Weltwunder, in: DNP 12/2 (2002), Sp. 477-478.
3 Seidensticker 1999, S. 25.
4 Gardthausen, Viktor, Die alexandrinische Bibliothek, ihr Vorbild, Katalog und Betrieb. Ein Beitrag zur vergleichenden Bibliothekskunde, in: Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buch wesen und Schrifttum 5 (1922), 4-6, S. 73-104. (Hervorhebung Erik Fischer) Diese in weiten Teilen überholte Studie (vgl. spätere Kapitel) zeichnet sich durch die intensive Beschäftigung mit der Frage nach einem Katalog für die Bibliothek und die Aufstellung bzw. Ordnung der Schriftrollen aus. Ein Mangel des hier gebrachten Zitats ist der leichtsinnige Umgang mit dem Wort „Buch“, welches man erst im Mittelalter gebrauchen kann. Zur Zeit der alexandrinischen Bibliothek gab es lediglich Rollen (mglw. Buchrollen), später Codices.
5 Jochum, Uwe, Kleine Bibliotheksgeschichte, 21999, hier: S. 7-9.
6 Natürlich fasst diese Auffassung das Bild von der „Bibliothek“ sehr eng und reduziert es stark auf die Wissenschaftlichkeit. Das die Bibliothek auch eine Sammel- und Verwahrstelle für Belletristik, sei sie nun klassisch oder trivial, darstellt, versteht sich von selbst. Aber auch der Aspekt der Pflege der Bestände und damit eigentlich des Wissens ist ein kaum vernachlässigbarer. Vgl. auch s.v. Bibliothek, in: Brockhaus-Enzyklopädie 3 (19o.J.), S. 277-280, bes.: S. 277.
7 Jochum 21999, S. 7.
8 Es wird ganz bewusst das Substantiv „Ort“ verwendet, um die Bibliothek von Alexandria zu charakterisieren. S.u.
9 Einen kleinen Ausschnitt aus der breiten Forschungsliteratur, die sich auch verstärkt im 19. und frühen 20. Jahrhundert ansiedelt (wurde aufgrund des Alters kaum berücksichtigt), findet sich in der beigefügten Bibliographie.
10 Canfora, Luciano, Die verschwundene Bibliothek: Das Wissen der Welt und der Brand von Alexandria, Hamburg 1998. Dem Autor erscheint dieses Werk ungewöhnlich, wenn auch an manchen Stellen erfrischend. Allerdings ist es zu bedauern, dass es mit keiner eigenständigen Bibliographie ausgestattet wurde, sondern diese in die Anmerkungen des Buches integriert wurden, was es sehr unübersichtlich wirkt. Zudem muss sich der fachlich orientierte Leser an einen für ein Sachbuch ungewohnten Schreibstil Canforas gewöhnen, der im ersten Teil des Buches („Die verschwundene Bibliothek“, S. 13-109 der hier zitierten Ausg abe) sehr stark mit dem Mittel der Fiktion und somit des schon fast Romanhaften arbeitet. Die Diskussion der Quellen zur Bibliothek von Alexandria im zweiten Teil („Quellen“, S. 113-187) ist dagegen in ihrer Brillianz und der kritischen Kommentierung der Sekundärliteratur unübertroffen.
11 So z.B. in dem von Roy McLeod edierten Sammelband, der im Jahr 2000 erschien und das Neueste auf dem Gebiet der Forschung ist: McLeod, Roy (Hrsg.), The Library of Alexandria. Centre of learning in the ancient world, London 2000. Aber auch Seidensticker 1999, S. 15- 37.
12 Mit Abweichungen ist damit z.B. das Programm des Aufsatzes von Robert Barnes umrissen: Barnes, Robert, Cloistered Bookworms in the Chicken-Coop of the Muses: The Ancient Library of Alexandria, in: MacLeod, Roy (Hrsg.), The Library of Alexandria. Centre of learning in the ancient world, London 2000, S. 61-77.
13 Zaunick, Rudolph, Idee, Form und Inhalt der Akademie in der Antike, in: Nova acta Leopoldina 16 (1954), 114, S. [402]-410.
14 Spätestens seit Canfora scheint diese Phrase ein fester Begriff geworden zu sein. Vgl. Canfora 1998. Um einen weiteren Nachweis der prägenden Wirkung von Canfora zu erbringen: Auch McLeod nimmt in seinem einleitenden Essay „Alexandria in History and Myth“ den Begriff als „vanished library“ wieder auf. Vgl. MacLeod, Roy, Introduction: Alexandria in History and Myth, in: Ders. 2000, S. 1-15, hier: S. 1. Faszinierend erschient dem Autor, dass hinter dieser Phrase ein ganzes Programm zu stehen scheint, welches MacLeod formuliert: „The famous Library’s origins lie among the more distant echoes of European memory, and await our rediscovery.“ (Ebd., Hervorhebung Erik Fischer)
15 Vgl. dazu 4. Die große Bibliothek von Alexandria, S. 15.
16 Seidensticker 1999, S. 15.
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