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Renaissanceideale und -bezüge in Oscar Wilde's "The Picture of Dorian Gray"

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 31 Pages
Author: Mieke Schüller
Subject: English Language and Literature Studies - Comparative Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 31
Grade: 2,7
Bibliography: ~ 20  Entries
Language: German
Archive No.: V44931
ISBN (E-book): 978-3-638-42432-5

File size: 301 KB


Excerpt (computer-generated)

Renaissanceideale und -bezüge in Oscar Wilde′s
"The Picture of Dorian Gray"

von: Mieke Schüller

 


Inhaltverzeichnis

1. Einleitung 2

2. Die italienische Renaissance und der Einfluß renaissancistischer Ideale auf die Entwicklung von Oscar Wildes ästhetizistischer Philosophie

2.1. Die italienische Renaissance

2.1.1 Die gesellschaftlichen Veränderungen 4
2.1.2 Die humanistischen Prinzipien und Ideale 5
2.1.3. Die Philosophien der Ästhetik und des Hedonismus 7

2.2. Die Entwicklung von Oscar Wildes ästhetizistischer Philosophie 9

3. Renaissancebezüge und -ideale in The Picture of Dorian Gray

3.1. Klassische Ästhetik, antike Götter und „griechische Liebe“ 12
3.2. Die Maximen des New Hedonism 14
3.3 Dorian Grays praktische Umsetzung des New Hedonism und die Folgen 18
3.4. Die präraffaelitische Kunstphilosophie in The Picture of Dorian Gray 22

4. Fazit 25

Bibliographie 31



 

1. Einleitung

Die kulturelle Epoche der Renaissance gilt aufgrund ihrer großen künstlerischen Schaffenskraft und des philosophischen Ideenreichtums bis heute als eine goldene Ära der Kunst und Kultur. Die Entwicklung eines neuen, positiven Menschenbildes sowie die Wiederentdeckung antiker Vorbilder eröffnete für Kreative und Theoretiker ein überreiches Spektrum mythologischer Motive und philosophischer Ansätze, und der inspirierende Geist dieser Epoche zeigt sich deutlich in der Vielfalt der Kunstwerke und humanistischen Erkenntnisse der Renaissance: “There is a spirit of general elevation and enlightenment in which all alike communicate. It is the unity of this spirit whic h gives unity to all the various products of the Renaissance […] .”1 Dieses Epochenbewußtsein begeisterte und inspirierte Autoren und Künstler aller nachfolgenden Epochen und nahm damit großen Einfluß auf die weitere Entwicklung der europäischen Kunst und Literatur. Wegen ihrer kulturellen Vielfalt ist es sehr schwierig, ein Gesamtbild der Renaissanceepoche darzustellen, und so soll im zweiten Kapitel zunächst eine kurze Einführung zu den gesellschaftlichen Veränderungen sowie die für diese Arbeit relevanten philosophischen Positionen des Humanismus, der Ästhetik und des Hedonismus gegeben werden.

Auch der Autor Oscar Wilde, der als ein bedeutender Repräsentant der englischen Fin-de-Siècle-Literatur gilt, begeisterte sich in hohem Maße für Renaissance-Kunst und Renaissance-Philosophie, und so ist es nicht verwunderlich, daß sie seine ästhetizistische Kunst- und Lebensauffassung, und somit sein literarisches Werk, stark prägten. Um die Entwicklung seiner kunstphilosophischen Theorien zu verdeutlichen, sollen weiterhin einige der prägenden Vorbilder von Wilde, unter anderem auch die Schriftsteller und Kunstkritiker John Ruskin und Walter H. Pater, da insbesondere der Roman The Picture of Dorian Gray starke intertextuelle Bezüge zu deren kunstphilosophischen Theorien aufweist. Wildes einziger Roman, The Picture of Dorian Gray, wurde 1890 veröffentlicht und gilt als repräsentatives Werk der englischen Décadence-Literatur, als die „Tragödie des Ästhetizismus [...].“2 Der Roman eignet sich in besonderem Maße zur Herausarbeitung von Wildes ästhetizistischem Standpunkt, denn „[i]n The Picture of Dorian Gray [...] die Frage nach [...] der lebensweltlichen Praktikabilität der ästhetischen Lebensalternative zum handlungsbestimmenden Thema.“3 Das literarische Motiv des Verkaufs der Seele im Gegenzug für ewige Jugend, Wissen oder Unsterblichkeit hat eine lange Tradition, ebenso wie die Idee von der mysteriösen Verbindung und gegenseitigen Abhängigkeit eines Menschen und seines Portraits. Wilde wurde zur Wahl dieses Themas durch diverse literarische Vorlagen inspiriert: “Zu den zahlreichen Quellen, die für The Picture of Dorian Gray genannt worden sind, zählen Balzacs La Peau de chagrin, Stevensons Dr. Jekyll and Mr. Hyde, Goethes Faust, Meinholds Sidonia von Bork.”4 Die mystischen Elemente und die beklemmende Atmosphäre der Handlung stellen den Roman darüber hinaus in die Tradition der Gothic Novel.

Der fiktive Kontext der Romanhandlung eröffnete Wilde einen großen kreativen Freiraum, denn er ermöglichte ihm eine umfassende Auseinandersetzung mit den philosophischen Fragen nach dem Wesen von Schönheit und individueller Selbstverwirklichung: „[I]n dieser Modellsituation ist Wilde in der Lage, die Möglichkeiten und Grenzen jener Doktrinen in der ihm adäquat erscheinenden Gestaltung, Kunst als Lebensform, zu testen.“5 Die Komplexität der Argumentation wird durch Wildes ambivalente Aussagen erhöht, da diese die Diskussion essentieller philosophischer Fragen von unterschiedlichen Standpunkten aus zuläßt: Eine textorientierte Analyse von Wildes Erzählprosa ist in besonderem Maße dazu geeignet, die Durchgängigkeit des Themenkomplexes ‚Kunst’ zu veranschaulichen, der von ihm aus ständig wechselnden Perspektiven und mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung beleuchtet wird.6

Der Roman The Picture of Dorian Gray ist insbesondere geeignet, auch die negativen Aspekte einer radikalen ästhetizistischen-hedonistischen Lebenseinstellung zu erforschen, denn „[h]ier nun war der Roman, der aufzeigte, daß dies Ästhetisieren sich als durchaus schädlich erweisen kann.“7 Insgesamt gilt „dieser Roman als eines der repräsentativsten Werke des englischen Ästhetizismus ein Dokument seiner Zeit, das diese, wenn auch in vielen Brechungen und Verzerrungen, spiegelt.“8 Um die Renaissancebezüge und –ideale in The Picture of Dorian Gray herauszuarbeiten soll zunächst das von Wilde durch die Verwendung mythologischer Motive und die Integration homoerotischer Anspielungen präsentierte Schönheitsideal analysiert werden. Daraufhin werden die Maximen des New Hedonism, unter besonderer Berücksichtigung der Parallelen zu Paters neuhedonistischer Philosophie, dargestellt werden, gefolgt von der Beschreibung und Analyse von Dorian Grays Umsetzung des New Hedonism, und den sich daraus ergebenden Konsequenzen für ihn selbst und sein Umfeld. Das folgende Kapitel soll der Herausarbeitung der im Roman verwendeten Bezüge zur präraffaelitischen Kunsttheorie, und deren Bedeutung für die Interpretation des Romans, dienen. Abschließend sollen die Gründe für das Scheitern Dorian Grays zusammengefaßt, und, auch im Bezug zu Wildes ästhetizistischer Philosophie und zu seinem Leben, analysiert werden, um damit die zentrale Aussage von The Picture of Dorian Gray zu beschreiben und zu bewerten.

2. Die italienische Renaissance und der Einfluß renaissancistischer Ideale auf die Entwicklung von Oscar Wildes ästhetizistischer Philosophie

2.1. Die italienische Renaissance

2.1.1. Die gesellschaftlichen Veränderungen

[...]


1 Walter H. Pater: The Renaissance: Studies in Art and Poetry, London: Macmillan and Co.Limited, 1904, S. xiv.

2 Richard Ellmann: Oscar Wilde, München: Piper Verlag, 2000, S. 436.

3 Regina Gentz: Das erzählerische Werk Oscar Wildes, in: Heinrich F. Plett: Literarische Studien, Bd. 3, Frankfurt/ Main: Europäischer Verlag der Wissenschaften, 1995, S. 417.

4 Ellmann, Oscar Wilde, S. 430.

5 Wolfgang Maier: Oscar Wilde: The Picture of Dorian Gray: Eine kritische Analyse der anglistischen Forschung von 1962 bis 1982, Frankfurt/ main: Verlag Peter Lang GmbH, 1984, S. 100.

6 Gentz, Das erzählerische Werk Oscar Wildes, S. 409.

7 Ellmann, Oscar Wilde, S. 322.

8 Gentz, Das erzählerische Werk Oscar Wildes, S. 264.


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