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Kultur und Kritik - Die Funktion des Intellektuellen in der Gesellschaft nach Edward W. Said

Autor: Mieke Schüller
Fach: Amerikanistik - Komparatistik

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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 30
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 23  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 137 KB
Archivnummer: V44932
ISBN (E-Book): 978-3-638-42433-2

Textauszug (computergeneriert)

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Seminar: Grundprobleme der Literaturtheorie
Fachsemester: 9

Kultur und Kritik - Die Funktion des Intellektuellen
in der Gesellschaft nach Edward W. Said

von: Mieke Schüller

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2

2. Gesellschaft, Kultur und Autorität

2.1. Eine Definition von Kultur 4
2.2. Literatur als konstituives Element von Literatur 7
2.3. Kulturhegemonie und Kulturimperialismus 10

3. Kritische Methoden nach Edward W. Said

3.1. Weltzugewandte Kritik 13
3.2. Intellektuelles Exil als Methode der kritischen Distanz 15
3.3. Oppositionelle Kritik 18

4. Fazit 21

Bibliographie 27



 

1. Einleitung

Edward W. Said, der einer der bedeutendsten Vertreter der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft und der „Post-colonial Studies“ war, wurde 1935 in Jerusalem als Sohn einer palästinensischen Familie anglikanischer Konfession geboren. Nach der Gründung des Staates Israel floh die Familie Said aus Jerusalem, und Edward W. Said verbrachte seine Kindheit und Jugend in Ägypten, dem Libanon und den USA. Said, der die amerikanische Staatsbürgerschaft besaß, betonte stets den großen Einfluss der westlichen Kultur auf seine persönliche Entwicklung. Bis zu seinem Tod 2003 lebte Said in den USA, wo er unter anderem als Professor für Englische und Vergleichende Literaturwissenschaft in Harvard, Yale und an der Columbia University in New York unterrichtet hatte. Dennoch fühlte er sich lebenslang weder der arabischen, noch der westlichen Kultur ganz zugehörig, und diese „multiplicity of identity“ prägte sein persönliches wie berufliches Selbstverständnis in hohem Ausmaß. Als Außenseiter in sowohl der westlichen, wie auch der arabischen Welt nahm er stets eine besondere Position als aufmerksamer Kritiker dieser unterschiedlichen Kulturen ein. Im Zentrum seines Schaffens als Professor der Literaturwissenschaft, Literaturtheoretiker, Literaturkritiker und Schriftsteller standen politisches und soziales Engagement, und er widmete sich in vielen seiner Werke insbesondere der Untersuchung des Verhältnisses von Gesellschaft, Kultur und Macht, sowie der Erörterung der Frage nach der Funktion des Intellektuellen in der Gesellschaft. Darüber hinaus hinterfragte Said nicht nur den aktuellen Stand der Komparatistik, seines Fachgebiets, sondern widmete sich auch generell der Analyse der Rolle des Intellektuellen bezüglich der kritischen Bewertung von gesellschaftlichen, politischen und sozialen Strukturen, da dem Intellektuellen, seiner Meinung nach, als gebildetem Beobachter der Gesellschaft hier eine einflussreiche Position zukommt. Saids „literary criticism“ umfasst dabei sowohl die Literaturtheorie als auch die Literaturkritik. Über seiner Tätigkeit als Professor und Schriftsteller hinaus befasste sich Said unter anderem auch in einer Reihe von Radiosendungen mit dieser Thematik: “Under Said’s direction, the lectures [Reith Lectures, BBC Radio, 1993] centered on the representations of the intellectual, a topic meant to have dual meaning: what the intellectual represents to a culture as well how the intellectual is represented by a culture.”1

Said erkannte früh, dass das kulturelle Selbstverständnis einer Nation in engem Zusammenhang mit ihren politischen Interessen steht, und begann, die Analyse politischer Faktoren in seine literaturtheoretische Arbeit einzubeziehen: „First, as early as 1975, when Said had won renown only as a leading figure of the emerging theory movement, he was already looking to the political concerns that have accounted for a substantial part of his writing in the last twenty years, and he evidently understood those concerns as intimately related to his work as a theorist.“2 Besondere Aufmerksamkeit schenkte er, geprägt durch seine persönliche Erfahrung als palästinensischer Exilant in den USA, insbesondere den Methoden der weltweiten Durchsetzung der hegemonialen Bestrebungen des europäischen und US-amerikanischen Kulturkreises. Da die Literaturtheorie Saids in enger Verbindung mit der Analyse von Kultur, insbesondere von kultursoziologischen und politisch-kulturellen Aspekten, steht, soll der Erläuterung der gesellschaftlichen Funktion von Kultur, sowie der politischen Dimension des Kulturkonzepts, hier besondere Beachtung zuteil werden. Zunächst wird eine allgemeine Einführung gegeben werden, die den Stellenwert von Kultur für die Schaffung und den Erhalt sozialer Systeme verdeutlichen soll. Des weiteren wird die Aufgabe von Literatur für die Verbreitung kultureller Wertvorstellungen, unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses des westlichen literarischen Kanons, untersucht werden. Darüber hinaus werden im folgenden Kapitel 2.3. die Aspekte der Kulturhegemonie und des Kulturimperialismus vorgestellt werden, da sie von grundlegender Bedeutung für das Verständnis zentraler Kritikpunkte von Said „literary criticism“ sind. Im dritten Kapitel erfolgt die Präsentation von drei kritischen Methoden, die Said als fundamental für die Arbeit des intellektuellen Kritikers, insbesondere des Literaturkritikers, erachtete. Erstens wird die Methode der weltzugewandten Kritik beleuchtet werden, zweitens erfolgt eine Einführung in Saids Vorstellung vom „exilic intellectual,“ welche zugleich die Themen „Exil“ und „Heimatlosigkeit,“ die einen großen Stellenwert in Saids Werk einnehmen, einführt. Letztlich wird die Methode der oppositionellen Kritik beschrieben werden. Abschließend sollen die kritischen Konzepte Saids im Fazit zusammengefasst und in Verbindung gebracht, sowie teilweise hinterfragt werden.

2. Kultur, Gesellschaft und Autorität

2.1. Eine Definition von Kultur

Der Begriff ‚Kultur’ wird in vielfältiger Weise und mitunter sehr unpräzise verwendet: „’Kultur’ ist (wie die begrifflich eng verwandte ‚Ideologie’) ein Ausdruck, der immer wieder benutzt wird, ohne überhaupt sonderlich viel zu bedeuten, als ein vager Gestus, der auf ein schemenhaft wahrgenommenes Ethos verweist: Adelskultur, Jugendkultur, Kultur des Menschen.“3 Dies erschwert die Formulierung einer allgemeinen Definition, grundsätzlich aber meint Kultur die Gesamtheit der geistigen und kreativen Eigenschaften einer sozialen Gemeinschaft, und das Streben nach Vermehrung derselben. Der englische Dichter und Literaturkritiker Matthew Arnold definierte Kultur in einem sehr positiven Sinne: „I have been trying to show that culture is, or ought to be, the study and pursuit of perfection; and that of perfection as pursued by culture, beauty and intelligence, or, in other words, sweetness and light, are the main characters.“4

Um das Prinzip von Kultur begreifen zu können bedarf es zunächst einer Analyse des Verhältnisses von Kultur und Gesellschaft. Gesellschaft meint den Zusammenschluss von Individuen, die sich ursprünglich durch ihre gemeinsame biologische Abstammung, Geschichte und Sprache, sowie einen meist geschlossenen geographischen Lebensraum zusammengehörig fühlten, zu einer sozialen Gemeinschaft. Mit Anwachsen der Gruppe konnte die Verbundenheit ihrer Mitglieder untereinander nicht mehr allein durch die natürlichen Faktoren gewährleistet werden, und so wurden ersatzweise neue, quasi künstliche Verbindungen geschaffen: „The only other alternatives seemed to be provided by institutions, associations, and communities whose social existence was not in fact guaranteed by biology, but by affiliation.“5 Edward W. Said unterschied zwischen diesen natürlichen Beziehungen als Filiation, und den künstlichen, bewusst adaptierten Beziehungen als Affiliation, womit er zugleich den Übergang von Natur zu Kultur beschrieb:

[...]


1 Said, Intellectual Exile: Expatriates and Marginals, S. 368.

2 Arac, Criticism between Opposition and Counterpoint, S. 66.

3 Greenblatt, Kultur, S. 48.

4 Arnold, Culture and Anarchy, S. 44.

5 Said, Secular Criticism, S. 17.

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