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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 39 Pages
Author: Kathrin Morawietz
Subject: Psychology - Clinic and Health Psychology, Abnormal Psychology
Details
Tags: Kindliche, Verhaltensauffälligkeiten, ADHS
Year: 2003
Pages: 39
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 14 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-42478-3
File size: 270 KB
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Excerpt (computer-generated)
Kindliche Verhaltensauffälligkeiten - ADS / ADHS
von: Kathrin Theysohn
Inhaltsverzeichnis
A. Ursachen, Diagnose und Behandlung von Verhaltensauffälligkeiten wie ADS / ADHS
1. Einleitung: Kindliche Verhaltensstörungen 3
2. Das „Zappelphillip-Syndrom“ 3
3. Zum Störungsbild ADS / ADHS 4
4. Erklärungsmodelle für die Ursachen von ADS / ADHS 5
4.1 Die Dopamin-Mangel-Hypothese 5
4.2 Das Modell des Dopaminüberschusses 6
4.3 Die Beeinflussung der Hirnstruktur durch Erziehung und Sozialisation 7
5. Zur Diagnose - Der „ADS / ADHS -Test“ 7
6. Zur Dominanz verschiedener Hirnhemisphären 8
6.1 Rechtshemisphärische Persönlichkeiten 9
6.2 Linkshemisphärische Persönlichkeiten 10
6.3 Wissenschaftliche Forschungsergebnisse 10
7. Besondere Merkmale aufmerksamkeitsgestörter Kinder 11
7.1 Sensorische Übersteigerungen 11
7.2 Erinnerungsvermögen, Perfektionismus und Selbstkritik 11
7.3 Impulsivität, verzögerte motorische Entwicklung und Intuition 12
8. Medikamentöse Behandlung von ADS / ADHS 12
8.1 Zum Einsatz von Ritalin 13
8.2 Die Nebenwirkungen von Ritalin 14
8.3 Kritik am Einsatz von Medikamenten wie Ritalin 15
9. Alternative Therapien und Behandlungsmethoden 16
9.1 Familientherapeutische Maßnahmen 16
9.2 Esoterische Behandlungen 17
9.2.1 Das Beispiel Edu-Kinestetik 18
9.2.2 Kritik an esoterischen Behandlungen 19
10. ADS / ADHS – Wer hat Schuld? 20
11. Verwandte Phänomene 21
11.1 Legasthenie 21
11.2 Autismus 22
11.3 Hyperaktivität und Hochbegabung 22
B. Zum Umgang mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern im Unterricht
1. Lernschwierigkeiten bei Kindern mit ADS / ADHS 23
1.1 Schwächen in der Lautwahrnehmung 23
1.2 Schwierigkeiten beim Schreibenlernen 23
1.3 Schwierigkeiten beim Lesenlernen 24
1.4 Schwierigkeiten beim Anwenden mathematischer Regeln 25
2. Der traditionelle, linkshemisphärisch ausgerichtete Unterricht 25
3. Handlungsalternativen und Strategien für den Unterricht 26
3.1 Zur Arbeit mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern 26
3.2 Das Herstellen von Aufmerksamkeit 27
3.3 Zur Haltung gegenüber unaufmerksamem Verhalten 28
3.3.1 Reaktion auf Regelverstöße 28
3.3.2 Auszeiten während des Unterrichts 29
3.4 Übergänge und Rituale 30
3.5 Die Empowerment-Idee 30
4. Der ideale Unterricht für rechtshemisphärische, aufmerksamkeitsgestörte Kinder 31
4.1 Klassenarbeiten und Tests 31
4.2 Berücksichtigung des individuellen Lernstils 31
4.3 Das ideale Klassenzimmer 32
4.4 Hausaufgaben 32
4.5 Lernen und Bewegung 32
4.6 Fazit: Stärken und Schwächen wahrnehmen 33
5. Alternative Schulen 34
5.1 Montessori-Schulen 34
5.2 Antiautoritäre Schulen 34
6. Schluss: Lösungsorientiertes Vorgehen 35
C. Literaturverzeichnis 37
A. Ursachen, Diagnose und Behandlung von Verhaltensauffälligkeiten wie ADS / ADHS
1. Einleitung: Kindliche Verhaltensstörungen
Der Begriff „Verhaltensstörung“ bezeichnet ein Störbild, das durch die Abweichung von alters- und situationsangemessenen Normen gekennzeichnet ist. Diese Abweichung beeinträchtigt häufig die schulischen Leistungen sowie die sozialen und persönlichen Fähigkeiten eines betroffenen Kindes. Verhaltensstörungen treten über einen längeren Zeitraum in mindestens zwei verschiedenen Lebensbereichen (z.B. Schule und Elternhaus) auf, gehen dabei über zeitlich begrenzte Stressreaktionen (wie z.B. bei Scheidung der Eltern) hinaus, können zusammen mit anderen Behinderungen auftreten und erfordern spezielle Maßnahmen. Kindliche Verhaltensstörungen lassen sich intern (vom Kind selbst) und/oder extern (von anderen Beobachtern) wahrnehmen, wobei das Urteil des jeweiligen Beobachters von seinen Einstellungen, Wertvorstellungen, Haltungen und Erwartung abhängt. In bestimmten Situationen, z.B. in der Schule, wird von einem Kind erwartet, dass es sich normativ verhält und sich in einem gewissen Toleranzbereich bewegt, der nicht überschritten werden sollte. Die Dauer und Intensität der Normabweichung beeinflussen dabei die Einschätzung des auffälligen Verhaltens, das für ein betroffenes Kind jedoch immer eine für es selbst angemessene Antwort bzw. Reaktion auf die gegebene Situation darstellt. Das Kind setzt sich handelnd mit einer neuen Situation auseinander und versucht, die jeweilige Konfliktsituation zu überleben. Leider fehlen operationalisierbare, verbindliche Kriterien bei der diagnostischen Erfassung von Verhaltensstörungen weitgehend und die Diagnose bleibt zu einem gewissen Teil immer subjektiv, vage und unscharf, was dazu führen kann, dass der Begriff der Verhaltensstörung in „alltagssprachlicher Allgemeinheit zu verschwimmen“1 droht, so auch bei der Diagnose des Störungsbildes ADS / ADHS.2
2. Das „Zappelphillip-Syndrom“
Das Störbild ADS bzw. ADHS scheint in unserer Gesellschaft ein immer größeres Ausmaß anzunehmen und zu zunehmender Ratlosigkeit bei Lehrern, Erziehern und Eltern zu führen. Die einen behaupten, das so genannte „Zappelphillip-Syndrom“3 habe es schon immer gegeben, und beziehen sich dabei z.B. auf die Geschichte vom Zappelphilipp aus dem klassischen Bilderbuch „Der Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann: Kann Hoffmanns Zappelphilipp heute als „das klassische ADS-Kind“4 angesehen und als Beweis dafür betrachtet werden, dass ADS keine Erfindung der modernen Gesellschaft ist? Viele Hirnforscher nehmen mittlerweile an, dass man ADS auf eine genetisch bedingte Veranlagung zurückführen kann. Andere sehen die Ursachen in der Ernährung und verordnen spezielle Diäten oder machen die falsche Erziehung der Eltern für das Phänomen verantwortlich. Wiederum andere gehen davon aus, dass ADS ein „Produkt unserer schnelllebigen, visuellen, überstimulierenden Kultur“5 sei und kein angeborenes, medizinisches Problem. Sie behaupten, die Ursachen für ADS seien nicht im Gehirn der Kinder, sondern in der „kranken Gesellschaft“6 zu suchen, in der Haltlosigkeit, Orientierungslosigkeit und Unsicherheit herrschen. Dennoch wird das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom von vielen Kinderärzten heute offiziell als Krankheit bzw. Lernbehinderung angesehen. Bei ADS scheint es sich tatsächlich um eine regelrechte Epidemie zu handeln und man rechnet in Deutschland mittlerweile mit über 350.000 betroffenen Kindern. Wie ist das möglich, wenn es sich doch um einen genetischen Defekt handeln soll? Oder haben sich die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen so dramatisch verändert, dass immer mehr Kinder mit der Anlage zu auffälligem Verhalten geboren werden? Diesen und anderen Fragen möchte ich mich im Folgenden ausführlicher widmen.
3. Zum Störungsbild ADS / ADHS
Das „Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom“ bzw. die „Aufmerksamkeits-Defizit-Störung“ (ADS) bezeichnet die Kombination aus Unaufmerksamkeit und Impulsivität meist in Verbindung mit einer inneren Unruhe und Ablenkbarkeit. Da bei einigen Kindern auch Hyperaktivität festgestellt wird, spricht man in einem solchen Fall von einer Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS).7
Das Störungsbild ADS kann bereits im Kleinkindalter auftreten und sich als extreme innere Unruhe, übermäßige Empfindsamkeit oder auch als enormer Aktivitätsdrang manifestieren. Störungen in der Wahrnehmung können zu Schwierigkeiten beim Lernen führen, da die „detailorientierte, akustische Informationsverarbeitung“8 die betroffenen Kinder meist überfordert. Visuelle Reize können sie dagegen in der Regel besser verarbeiten, denn die meisten aufmerksamkeitsgestörten Kinder gehören zu den ausgesprochen visuellen oder auch „holistischen“ 9 Lerntypen, bei denen die rechte Hirnhemisphäre dominiert. Rechtshemisphärische Menschen lösen Probleme auf „kreative, intuitive und ganzheitliche Weise“10 und haben einen ausgesprochen visuellen Lernstil, der es ihnen ermöglicht, Informationen in geistige Bilder zu verwandeln. Schulischer Erfolg gelingt bei den Betroffenen jedoch meist nur schwer oder gar nicht, da Lehrkräfte eher solche Methoden anwenden, bei denen die linke Hirnhemisphäre beansprucht wird. Die zahlreichen Stärken, Begabungen und das Potenzial von Schülern mit ADS / ADHS bleiben dabei häufig unberücksichtigt, obwohl die meisten rechtshemisphärischen Kinder sehr kreativ, phantasievoll, offen, einfühlsam und wissbegierig sind. Viele von ihnen verfügen darüber hinaus über ein außerordentlich gutes Erinnerungsvermögen.11
4. Erklärungsmodelle für die Ursachen von ADS / ADHS
4.1 Die Dopamin-Mangel-Hypothese
Das Gehirn verarbeitet ständig Reize, die über die Sinnesorgane aufgenommen und von Neurotransmittern an das Gehirn weitergeleitet werden. Eine Gruppe von Wissenschaftlern vermutet, dass im Gehirn von aufmerksamkeitsgestörten Kindern bestimmte Reize nicht weitergeleitet werden können, da ihnen der entsprechende Botenstoff (Dopamin) zur Übertragung dieser Reize fehlt, so dass die Weiterleitung trotz intakter Nervenzellen nicht richtig funktioniert. Es handelt sich bei dieser Theorie um die so genannte „Dopaminmangelhypothese“12, die besagt, dass im Gehirn der betroffenen Kinder zu wenig Dopamin freigesetzt wird und deshalb ein Dopamindefizit entsteht.
Ursprünglich wurde diese Annahme aufgrund der Feststellung generiert, dass sich die Symptome nach Verabreichung entsprechender Medikamente (Amphetamine) besserten. Da es zu einer Verhaltensnormalisierung durch die Stimulierung der Dopaminfreisetzung kam, schlussfolgerte man daraus, dass die Ursache für ADS / ADHS auf einen Dopaminmangel im Gehirn zurückzuführen sei. Die Dopaminmangelhypothese lässt sich jedoch selbst heute noch immer nicht zweifelsfrei nachweisen und man läuft selbst bei modernen wissenschaftlichen Messverfahren Gefahr, später aufgetretene, sekundäre Folgen für die primären Ursachen der Störung ADS / ADHS zu halten. Man wird im Gehirn aufmerksamkeitsgestörter Kinder sehr wahrscheinlich immer Veränderungen feststellen, da sie ihr Gehirn im Gegensatz zu normalen Kindern jahrelang ganz anders genutzt haben, was zu einer veränderten Hirnstrukturierung führen kann.
[...]
1 Helbig / Opp / Speck-Hamdan, 1999, S.33.
2 vgl. Helbig / Opp / Speck-Hamdan, 1999, S.27ff.
3 Bonney / Hüther, 2004, S.9.
4 Raschendorfer, 2003, S.28.
5 Freed / Parsons, 2001, S.34.
6 Bonney / Hüther, 2004, S.86.
7 vgl. Freed / Parsons, 2001, S.29ff.
8 Freed / Parsons, 2001, S.16.
9 Freed / Parsons, 2001, S.11.
10 Freed / Parsons, 2001, S.15.
11 vgl. Freed / Parsons, 2001, S.9ff.
12 Bonney / Hüther, 2004, S.18.
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