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Armut in den USA

Scholary Paper (Seminar), 2003, 13 Pages
Author: Lotte von Lignau
Subject: Ethnology / Cultural Anthropology

Details

Event: "Arm dran...“ – Volkskundliche Zugänge zur Erforschung von Armut
Institution/College: University of Freiburg (Institut für Europäische Ethnologie)
Tags: Volkskunde, Europäische Ethnologie, Armut, USA, Amerika
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2003
Pages: 13
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 7  Entries
Language: German
Archive No.: V45056
ISBN (E-book): 978-3-638-42529-2
ISBN (Book): 978-3-640-27173-3
File size: 204 KB
Notes :
überarbeitet im Februar 2009


Abstract

Die Sozialstruktur in den USA bewegt sich immer weiter von der Mittelklasse weg. Die Armen werden immer ärmer und die Reichen dafür umso reicher. Die Vorstellung der Vereinigten Staaten als "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" trügt. Denn seit sich die städtische Ökonomie von der Güterproduktion entfernt hat und sich nun immer mehr auf die Bereitstellung von Informationen und Dienstleistungen konzentriert, sind auch die Aufstiegsmöglichkeiten begrenzt. Durch das geänderte Sozialverhalten der Amerikaner hat sich die Zahl der alleinerziehenden Elternteile (meist Mütter) vervielfacht. Auch diese Situation schwächt die Aufstiegschancen. Ein weiteres Problem ist die Ausbreitung von Armutsvierteln und Slums in den Großstädten Amerikas. Seit den sechziger Jahren hat sich die Alters- und ländliche Armut stark verringert. Die Armen werden immer jünger, 72% aller Sozialhilfeepfänger in den USA sind Kinder (Brot für die Welt 2002: 30), und ein Großteil der armen Bevölkerung ist in die Stadt gezogen, in der Hoffnung dort Arbeit zu finden. Die Zahl der Amerikaner, die trotz Vollzeitarbeit ein Leben unterhalb der Armutsgrenze führen, steigt immer weiter. In den Slums macht sich ein zunehmendes Ungleichgewicht zwischen den ethnischen Gruppen bemerkbar und die sozialen Probleme, wie Kriminalität, Gewalt und Drogenkonsum, sind von Seiten der Regierung kaum mehr in den Griff zu bekommen. In meiner Arbeit möchte ich das Ausmaß und die Struktur der Armut in den Vereinigten Staaten von Amerika analysieren und verdeutlichen. Mit "Armut" ist in diesem Fall nicht absolute Armut gemeint, sondern eine relative Armut, gemessen am durchschnittlichen Lebensstandard der US-amerikanischen Bevölkerung. Beginnen möchte ich mit der Erläuterung der offiziellen Armutsgrenze der USA und einem Einblick in die Problematik, die sie mit sich bringt. Im zweiten Teil geht es um die Struktur der Armut. Wer ist betroffen und wie sieht das prozentuale Verhältnis verschiedener betroffener Gruppen zueinander aus? Hierzu sind einige Daten aufgeführt. Ferner gebe ich einen Überblick über die Entwicklung der Armut von der Industriellen Revolution bis zum Sozialhilfereformgesetz von 1996. Der letzte Teil befasst sich schließlich mit den verschiedenen Sozialhilfeprogrammen, die es in den USA gibt und geht noch einmal auf die Sozialhilfereform von 1996 ein.


Excerpt (computer-generated)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Institut für Volkskunde
Proseminar „Arm dran...“ – Volkskundliche Zugänge zur Erforschung von Armut
1. Semester

Armut in den USA

von: Lotte von Lignau
überarbeitet im Februar 2009

 

 


Inhaltsverzeichnis


Einleitung ... 3

1. Definition von Armut in den USA ... 4

2. Wer ist betroffen von Armut?... 5

3. Entwicklung der Armut in den USA ... 7

4. Sozialhilfe in Amerika ... 9

Schlussbemerkung ... 11

Literaturverzeichnis ... 12



 

Einleitung

Die Sozialstruktur in den USA bewegt sich immer weiter von der Mittelklasse weg. Die Armen werden immer ärmer und die Reichen dafür umso reicher. Die Vorstellung von Amerika1 als "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" trügt. Denn seit sich die städtische Ökonomie von der Güterproduktion entfernt hat und sich nun immer mehr auf die Bereitstellung von Informationen und Dienstleistungen konzentriert, sind auch die Aufstiegsmöglichkeiten begrenzt. Durch das geänderte Sozialverhalten der Amerikaner hat sich die Zahl der alleinerziehenden Elternteile (meist Mütter) vervielfacht. Auch diese Situation schwächt die Aufstiegschancen (vgl.: Farwick 1994: 1).

Ein weiteres Problem ist die Ausbreitung von Armutsvierteln und Slums in den Großstädten Amerikas. Seit den sechziger Jahren hat sich die Alters- und ländliche Armut stark verringert. Die Armen werden immer jünger, 72% aller Sozialhilfeempfänger in den USA sind
Kinder (vgl.: Brot für die Welt 2002: 30), und ein Großteil der armen Bevölkerung ist in die Stadt gezogen, in der Hoffnung dort Arbeit zu finden. Die Zahl der Amerikaner, die trotz Vollzeitarbeit ein Leben unterhalb der Armutsgrenze führen, steigt immer weiter (vgl.: Gebhardt 1998: 28). In den Slums macht sich ein zunehmendes Ungleichgewicht zwischen den ethnischen Gruppen bemerkbar und die sozialen Probleme, wie Kriminalität, Gewalt und Drogenkonsum, sind von Seiten der Regierung kaum mehr in den Griff zu bekommen.

In meiner Arbeit möchte ich das Ausmaß und die Struktur der Armut in den Vereinigten Staaten von Amerika analysieren und verdeutlichen. Mit "Armut" ist in diesem Fall nicht absolute Armut gemeint, sondern eine relative Armut, gemessen am durchschnittlichen
Lebensstandard der US-amerikanischen Bevölkerung. Beginnen möchte ich mit der Erläuterung der offiziellen Armutsgrenze der USA und einem Einblick in die Problematik, die sie mit sich bringt. Im zweiten Teil geht es um die Struktur der Armut. Wer ist betroffen und wie sieht das prozentuale Verhältnis verschiedener betroffener Gruppen zueinander aus? Hierzu sind einige Daten aufgeführt. Ferner gebe ich einen Überblick über die Entwicklung der Armut von der Industriellen Revolution bis zum Sozialhilfereformgesetz von 1996. Der letzte Teil befasst sich schließlich mit den verschiedenen Sozialhilfeprogrammen, die es in den USA gibt und geht noch einmal auf die Sozialhilfereform von 1996 ein.

1. Definition von Armut in den USA

Obwohl die USA eins der reichsten Länder der Welt sind, zeigt der Bericht des Statistischen Bundesamtes „Poverty in the United States 2000“, dass im Jahr 2000 31,1 Millionen Amerikaner, also 11,3 %, der Bevölkerung in Armut lebten. Dass es in den USA so genaue
Zahlen über die Armutsquote gibt liegt daran, dass 1965 im Zuge des von Lyndon B. Johnson deklarierten "war on poverty" eine offizielle Armutsgrenze von der Social Security Administration (SSA) festgelegt wurde, anhand derer regelmäßig Armutsberichterstattungen
offen gelegt werden können. Diese Armutsgrenze wird wie folgt definiert: nach einer Studie des Landwirtschaftsministeriums aus dem Jahr 1955 benötigt eine amerikanische Durchschnittsfamilie etwa ein Drittel des versteuerten Einkommens für Nahrungsmittel
(Gebhardt 1998: 23). Also wurde vom Landwirtschaftsministerium der "Thrifty Food-Plan" (Nahrungsmittel-Warenkorb) erstellt, „in dem“, laut Brot für die Welt, „festgehalten ist, welche Nährstoffe benötigt werden und wie viel eine Familie einer bestimmten Größe für
Nahrungsmittel höchstens ausgeben darf" (Brot für die Welt 2002: 17). Die Kosten für diesen Nahrungsmittelkorb wurden nun mit drei multipliziert. Ein Haushalt ist also arm, wenn das Nettoeinkommen unter dem dreifachen Wert der festgelegten Grundernährung liegt
(vgl.: Goldsmith; Blakely 1992: 30).

Hunger ist ein eindeutiger Indikator für Armut in den USA, da er den Schlüsselindikator zur Bestimmung der offiziellen Armutsgrenze bildet. Im Hunger Report von Brot für die Welt heißt es sogar: "Im großen und ganzen sind Hunger und Armut in den Vereinigten Staaten
deckungsgleich. (…) Es ist erstaunlich, dass es in den Vereinigten Staaten in einem solchen Ausmaß Hunger gibt. Und das, obwohl die USA der größte Nahrungsmittel-Exporteur der Welt sind und die prosperierendste Wirtschaft haben, die es je weltweit gab" (Brot für die Welt 2002: 15). Aber die wirtschaftliche Expansion verläuft nicht immer umgekehrt proportional zum Hunger. So ist in der Zeit von 1973-1992 die Gesamtzahl der Armen gestiegen, obwohl die Wirtschaft expandierte (vgl.: Goldsmith; Blakely 1992: 29).

[...]


1 Mit "Amerika" ist in dieser Arbeit stets die USA gemeint.


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