Die Instrumentalisierung von Kindern und Jugendlichen in der Mead-Freeman Kontroverse

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Details

Titel: Die Instrumentalisierung von Kindern und Jugendlichen in der Mead-Freeman Kontroverse
Autor: Lotte von Lignau
Fach: Ethnologie / Volkskunde
Veranstaltung: Einführung in die ethnologische Forschung über Kinder- und Jugendkulturen
Institution/Hochschule: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Ethnologie)
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 15
Note: keine
Literaturverzeichnis: ~ 11  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 125 KB
Archivnummer: V45058
ISBN (E-Book): 978-3-638-42531-5

Textauszug (computergeneriert)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau
Institut für Völkerkunde
Hauptseminar: Einführung in die ethnologische
Forschung über Kinder- und Jugendkulturen
5. Semester

Die Instrumentalisierung von Kindern und Jugendliche
in der Mead-Freeman Kontroverse

von: Lotte von Lignau

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung S. 3

2. Margaret Mead unter dem Einfluss von Franz Boas S. 3

3. Coming of Age in Samoa S. 4

3.1. Margaret Meads Schlussfolgerungen S. 6
3.2. Resonanz auf ihr Buch S. 7

4. Derek Freemans Kritik an Margaret Mead S. 8

5. Schlussbetrachtung S. 11

6. Literaturverzeichnis S. 14

 

 

1. Einleitung

In meiner Arbeit werde ich zunächst auf Margaret Mead und ihren Bestseller „Coming of Age in Samoa“ eingehen. Stellvertretend für ihre detaillierte Darstellung der Kinder und Jugendlichen werde ich einige Aspekte beleuchten, die sie besonders betont. Im Anschluss möchte ich auf Derek Freeman eingehen, der versucht Punkt für Punkt Magaret Meads Aussagen zu widerlegen und damit eine riesen Debatte auslöst. Aus seiner sehr umfangreichen Kritik, mit der er vor allem den Kulturdeterminismus, den er durch Meads Arbeit begründet sieht, revidieren will, werde ich allerdings lediglich auf die Aspekte eingehen, die im direkten Zusammenhang mit dem Aufwachsen der Samoaner stehen.

An dieser Stelle möchte ich noch hervorheben, dass Freeman seine Betonung keineswegs auf die Kinder und Jugendlichen legt. Im Gegenteil, er kritisiert, dass Mead sich so sehr von Franz Boas hat beeinflussen lassen und dass sie die gesamte samoanische Kultur falsch dargestellt habe, aber ihren Schwerpunkt auf dem Erwachsenwerden ignoriert er weitläufig. Mead hingegen konnte sich ihr Forschungsthema zwar nicht selbst aussuchen, aber ich habe das Gefühl, dass sie die Erforschung der Kinder und Jugendlichen wirklich ernst genommen hat und ihre Erkenntnis des problemlosen Aufwachsens in Samoa ihr weitaus wichtiger war, als der Fakt, dass sie damit den Kulturdeterminismus bewies.

2. Margaret Mead unter dem Einfluss von Franz Boas

Margaret Mead wurde 1901 in Philadelphia geboren. 1922 begann sie, als Schülerin von Franz Boas, an der Columbian University in New York Ethnologie zu studieren (Freeman 1983: 14). Franz Boas, Vater der Cultural Anthropology und Begründer des Kulturrelativismus, hatte großen Einfluss auf seine Schüler und Schülerinnen, weshalb auch Margaret Meads späteren Werke stark von seinen Lehren geprägt sind (Zanolli 1990: 297-299). Ihr Hauptanliegen während ihrer langjährigen Forschungskarriere war es, durch das Studium fremder Kulturen ihren eigenen Landsleuten zu helfen, sich besser zu verstehen, und nach Alternativen für ihre Lebensweisen und Erziehungssysteme zu suchen (Mead 1970: 14; Zanolli 1990: 295). Sie betrieb viel Öffentlichkeitsarbeit und erhielt zu Lebzeiten 28 Ehrendoktortitel. Posthum wurde ihr schließlich noch von Jimmy Carter die „Presidential Medal of Freedom“ verliehen (The Institute for Intercultural Studies 2004: http://www.interculturalstudies.org/IIS/Mead/biography.html). Margaret Mead machte die Ethnologie in der Öffentlichkeit berühmt und beliebt, außerdem war sie eine der ersten, die Kinder und Jugend als eigenständiges Forschungsthema untersuchte (Shankman 2000: 554). Insgesamt verbrachte sie zehn Jahre mit Feldforschungen fast ausschließlich in der Südsee. Ihre erste Forschungsreise ging nach Samoa, wo sie Daten für ihre Doktorarbeit sammeln wollte, für die ihr Doktorvater Franz Boas ihr folgendes Thema ans Herz legte: Sie sollte untersuchen, „ob das jugendliche Sturm - und - Drang Verhalten während der Pubertät, allein auf biologische Veränderungen zurückzuführen sei, oder ob auch kulturelle Normen verantwortlich gemacht werden könnten“ (Zanolli 1990: 300). Diese Fragestellung ergab sich für Boas aus dem Gesellschaftlichen Hintergrund der Zeit, die vom biologischen Determinismus der Evolutionisten geprägt war. Durch Meads Untersuchung anderer Menschen unter anderen kulturellen Bedingungen erhoffte er sich ein Gegenbeispiel anführen zu können, und die Wichtigkeit der Umwelteinflüsse auf die Persönlichkeit und die verschiedenen Gesellschaften zu beweisen.

3. Coming of Age in Samoa

Margaret Mead war gerade 23 Jahre jung, als sie 1925 nach Amerikanisch Samoa aufbrach. Insgesamt hielt sie sich neun Monate dort auf, wobei sie sechs Monate auf der Insel Ta’u des Manu’a Archipels, ihrer eigentlichen Forschungsregion verbrachte (Mead 1970: 1, 20, 37; Freeman 1983: 2). In dieser Zeit konzentrierte sie sich hauptsächlich auf die Beobachtung und Befragung der Mädchen und Frauen der drei Dörfer Lumá, Siufaga und Faleasao, deren Leben sie in einer Querschnittstudie von der Geburt bis in Alter untersuchte. 1928 veröffentlichte sie schließlich ihre Erkenntnisse in einem Buch: „Coming of Age in Samoa“. In zwölf Kapiteln beleuchtet sie verschiedene Aspekte, die das Erwachsenwerden der Mädchen beeinflussen, von denen ich im Folgenden einige darstellen werde. Die Erziehung der Kinder schildert sie als sehr frei. Die Kleinen werden gestillt sobald sie schreien, ihnen wird nichts vorenthalten und außer ein paar Respektregeln, die dem Kind „durch gelegentliche Klapse und viele verzweifelte Zurufe und wirkungslose Rede nahegebracht“ werden, dürfen sie alles tun und lassen, was sie wollen (Mead 1970: 47, 48). Wenn ein Kind zu eigensinnig wird, wird ihm ein kleineres in die Obhut gegeben, „so dass jedes Kind durch die Verantwortung für ein Jüngeres erzogen und sozial brauchbar [gemacht] wird“ (ebd.: 49).

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