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Autor: Lars Reutter
Fach: Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft
Details
Institution/Hochschule: Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Tags: Hans, Schwarz, Berk, Nationalsozialist, Publizistik, Dritten, Reich
Jahr: 2003
Seiten: 25
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 8 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 240 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-42590-2
Textauszug (computergeneriert)
Eberhard-Karls Universität Tübingen
Seminar für Allgemeine Rhetorik
Proseminar: Publizistik im Dritten Reich
Hans Schwarz van Berk -Journalist und Nationalsozialist
von: Lars Reutter
1. Einleitung 3
2. Die Wochenzeitung „Das Reich“ 4
3. Der Journalist Hans Schwarz van Berk 7
4. Textanalyse 9
5. Fazit 19
6. Quellenverzeichnis 21
6.1. Primärquelle 21
6.2. Sekundärliteratur 25
6.3. Internetquellen 25
1. Einleitung
Ein Faktor, wenn auch sicher nicht der alles entscheidende, für die gelungene Machtergreifung und den langjährigen Machterhalt der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) war, dass allen voran Adolf Hitler und sein Propagandaminister Joseph Goebbels es verstanden, die Sprache als Waffe für ihre Zwecke zu missbrauchen und mittels der Macht des Wortes das deutsche Volk zu verführen. Im Rahmen dieser Hausarbeit soll es aber nicht um die Führer der nationalsozialistischen Bewegung gehen, sondern um die deutschen Journalisten, die sich - sofern sie nicht von den Nationalsozialisten mittels Berufsverbot an der Ausübung ihres Berufes gehindert wurden, geflohen oder interniert waren oder noch schlimmer ermordet worden waren - mehr oder weniger freiwillig zu Mittätern machten. Der Tatbestand der Mittäterschaft ist dabei meiner Meinung nach dadurch gegeben, dass sie sich der Gleichschaltung der Presse durch die Nationalsozialisten nicht widersetzten und deshalb der ureigensten Aufgabe des Journalisten dem Hinterfragen der Angemessenheit und Richtigkeit einer Politik nicht mehr nachkommen konnten. Nicht verschwiegen werden darf, dass es auch Ausnahmen unter den Journalisten gab. Diese Journalisten brachten den Mut auf, zumindest zwischen den Zeilen die Nationalsozialisten zu kritisieren und setzten damit nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern auch ihr Leben aufs Spiel. Zu dieser Sorte mutiger Journalisten gehörte Hans Schwarz van Berk, auf den ich mich in Rahmen dieser Hausarbeit konzentrieren werde, allerdings nicht. Dieser war überzeugter Nationalsozialist und setzte darum in seinen Artikeln sein fraglos vorhandenes journalistisches Talent dafür ein, die Heimatfront, als Hauptrezipient seiner Pamphlete, gegen die angeblich so schrecklichen Feinde des deutschen Volkes aufzuwiegeln, sie zum Durchhalten bis zum Endsieg zu ermuntern, aufkommenden Zweifel an der Richtigkeit des Zweiten Weltkrieges geschickt zu zerstreuen und um Vertrauen für Adolf Hitler zu werben. Dass Schwarz van Berk genau das zuvor geschilderte in seinen Artikeln tat, möchte ich im Rahmen dieser Hausarbeit anhand einer Textanalyse des Artikels „Feuerflamme Stalingrad“ darstellen. Bevor ich allerdings im vierten Kapitel zu dieser Textanalyse komme, werde ich zuerst im zweiten Kapitel die Zeitung „Das Reich“ vorstellen, in der der zu analysierende Artikel erschien. Im Anschluss daran folgt im dritten Kapitel die Vorstellung des Autors Hans Schwarz van Berk. Das abschließende fünfte Kapitel wird dann aus einem Endfazit der Arbeit bestehen.
2. Die Wochenzeitung „Das Reich“
Die Wochenzeitung „Das Reich“1 aus dem der zu analysierende Artikel „Feuerzeichen Stalingrad“ stammt, erschien erstmalig im Mai 1940 im „Deutschen Verlag“. Die Gründungsidee für die Zeitung stammte von Rolf Rienhardt, Stabsleiter im Verwaltungsamt der NS-Presse und damit Mitarbeiter von Max Amann, dem Reichsleiter für die Presse der NSDAP und Präsident der Reichspressekammer. Mit der Gründung der Zeitung wollte Rienhardt der Langeweile im deutschen Pressewesen, die durch die von den Nationalsozialisten durchgeführte Gleichschaltung und durch die Vereinheitlichung der Sprache der Presse hervorgerufen wurde, entgegenwirken. Um dieses Ziel zu erreichen, wünschte sich Rienhardt, dass die Journalisten die Möglichkeit zur freien selbstständigen Arbeit haben und sich dabei nicht überwacht fühlen sollten. Freilich sollten sie sich ihrer „Verantwortung“ als Journalisten bewusst sein. Indes wirklich frei waren letzen Endes auch die Autoren des „Reichs“ nicht, denn auch gegen „Reich“-Mitarbeiter wurden Verfahren angestrengt. Allerdings kam es dabei nur zu Rügen, aber nicht zu Ausschlüssen aus der Reichs-Pressekammer, was einem Berufsverbot gleichgekommen wäre.
Die weitere Zielsetzung der Zeitung wurde von Max Amann wie folgt beschrieben: „Die Zeitung soll nicht eine unter vielen Zeitungen und Zeitschriften, sondern sie soll die führende große politische deutsche Wochenzeitung sein, die das deutsche Reich für In-und Ausland gleich wirksam und publizistisch repräsentiert.“ 2 Um dieses ehrgeizige Ziel erreichen zu können, erfolgte die Wahl der Mitarbeiter ausschließlich nach Qualitätsmaßstäben. Es war daher auch nicht Voraussetzung, Mitglied der NSDAP zu sein, denn wer nur nationalsozialistische Gesinnung besaß, aber nicht schreiben konnte, hatte im „Reich“ nichts verloren. Da die Voraussetzung des Schreibenkönnens weitestgehend nur Journalisten aus dem bürgerlichen Milieu erfüllten, handelte es sich beim „Reich“ um eine nationalsozialistische Zeitung bürgerlicher Prägung.
Der erste Hauptschriftleiter (in etwa: Chefredakteur) war Dr. Eugen Mündler, der zuvor das „Berliner Tagblatt“ geleitet hatte. Mündler, obwohl NSDAP-Mitglied, war von seiner Gesinnung her eher ein Bürgerlich-Nationaler. Auf ihn folgte 1943 Rudolf Sparing, der sich mangels eigenen überragenden Profils sehr an Goebbels anlehnte . Die Mitarbeiterliste des „Reichs“ liest sich wie das Who is Who des deutschen Journalismus beziehungsweise der deutschen geistigen Elite der damaligen sowie der Nachkriegszeit. Neben Hans Schwarz van Berk, auf den ich im folgenden Kapitel näher eingehen werde, schrieb beispielsweise Werner Höfer („ARD-Frühschoppen“) und zeitweise auch Rudolf Augstein („ Der Spiegel“) für „Das Reich“. Der erste Chef vom Dienst war Erich Peter Neumann und auch seine Frau Elisabeth Noelle-Naumann(„Allensbacher Institut für Demoskopie“) waren beim „Reich“ beschäftigt. Das „Reich“-Feuilleton leitete der spätere Mitbegründer und langjähriger Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Karl Korn. Ebenso waren das spätere Mitglied der Gruppe 473, Wolfgang Weyrauch und sogar der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland (BRD), Theodor Heuß, Mitarbeiter von „Das Reich“. Aber auch Gelehrte wurden herangezogen, wie zum Beispiel Max Planck, Otto Hahn oder der Mathematiker Max Bense. Kriegsberichte für „Das Reich“ schrieb unter anderen Lothar-Günther Buchheim ("Das Boot").
[...]
1 Siehe zu „Das Reich“: Martens, Erika: Das Reich: Ein Beitrag zur Phänomenologie der Presse im totalitären Regime. Köln 1972, S.43-58; Frei, Norbert / Schmitz, Johannes: Journalismus im Dritten Reich. 3. überarbeitet Auflage. München 1999, S. 108-121; http://www.geheimes-deutschland.de/texte/das_reich.html
2 Frei, Norbert / Schmitz, Johannes: a.a.O., S. 108
3 Die Gruppe 47, die im September 1947 in München erstmals zusammenkam, war ein lockerer Zusammenschluss linksgerichteter Schriftsteller beziehungsweise Kritiker.
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