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Ein Leben im Netzwerk : Norbert Bolz' Theorie einer körperlosen Existenz

Autor: Anonym
Fach: Medien / Kommunikation - Medienethik

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Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 19
Note: 2.0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 452 KB
Archivnummer: V45201
ISBN (E-Book): 978-3-638-42642-8

Zusammenfassung / Abstract

Die Vorstellung einer physischen Liaison zwischen Mensch und Maschine ist so alt wie die Geschichte der Maschine selbst - oder zumindest seit dem dieses vermeintlich ungleiche Paar von der Sciencefiction entdeckt wurde: Neben bionischen Elitesoldaten (Universal Soldiers), existenzialistischen Materialschlachten in sterilen Digitalwelten (Matrix) und jeder Menge moderner Frankensteins konstruierte Stanley Kubrick in seinem Weltraum Epos „2001 – A Space Odyssey“ im Jahr 1968 einen Blick auf eine „menschenmäßige“ Maschine: Als der Astronaut Dave dem funktionsgestörten Supercomputer Hal nacheinander die Speichermodule herauszieht, scheint dieser sentimentale Züge anzunehmen, versucht Dave davon abzubringen und beginnt schließlich, kurz vor dem digitalen Herzstillstand, ein Kinderlied zu singen, welches ihm sein Programmierer „beigebracht“ hat. Auch wenn Dave weiß, dass Hal programmiert wurde, zweifelt er, bevor er Hal mit dem Herausziehen des letzten Moduls abschaltet. Charlie Chaplins „Modern Times“ zeichnet hingegen den „maschinenmäßigen“ Menschen, der im Zeitalter der Industrialisierung am Fließband monotone Arbeiten verrichtet. Auf dem Hochpunkt des Filmes gerät Chaplin selbst in die gigantischen Zahnräder und zieht während seines Ritts in der Maschine wie hypnotisiert weiter die Schrauben an den Zahnrädern fest. Was zunächst eine Satire auf die Arbeitsbedingungen des damaligen Industriezeitalters war, ist zugleich eine Absage an einen Konsens zwischen Mensch und Maschine. Norbert Bolz zeichnet in „Computer als Medium“1 eine Vision von einer Menschheit, die über eine Maschinen-Synergie im Verbund eines globalen Netzwerks zu einer Art gesamtheitlichen Weltgeist fusioniert. Die dafür benötigten Anforderungen an die Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine sieht Bolz in der Natur des Menschen erfüllt: Der Mensch sei nicht nur formalisierbar, sondern zeige ebenfalls maschinelle Verhaltensmuster...

Textauszug (computergeneriert)

Ein Leben im Netzwerk
Norbert Bolz’ Theorie einer körperlosen Existenz

Germanistisches Institut der RWTH Aachen
Abteilung Sprachwissenschaft
Lehrstuhl Deutsche Philologie
Proseminar Medientheorie
Wintersemester 2004/05

Eingereicht am: 06. Juli 2005

 

 

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung ...  3

2 Das Netzwerk als neuer gesellschaftlicher Raum ...  4
2.1 Die netzwerktechnischen Perspektiven ...  4
2.2 Die biologischen und neurologischen Perspektiven ...  6
2.3 Das Leben im Netz und der „Weltgeist-Algorithmus“  ...  10
2.4 Die datenschutzrechtlichen Perspektive: Zwischen „Einfach praktisch“ und Big Brother ...  12

3 Schlussbetrachtung  ...  15
3.1 Das menschliche Genie und der Stumpfsinn der Routine ...  16
3.2 Persönlichkeit als Zufall ...  17

4 Literaturverzeichnis ...  19

 

„1. Mathematik ist die Sprache der Natur.
2. Alles um uns herum lässt sich durch Zahlen wieder geben und verstehen.
3. Stellt man die Zahl eines beliebigen Systems graphisch dar, entstehen Muster.

Folgerung: Überall in der Natur existieren Muster.“

Max Cohen in Darren Aronofskys Spielfilm PI

 

 

1 Einleitung

Die Vorstellung einer physischen Liaison zwischen Mensch und Maschine ist so alt wie die Geschichte der Maschine selbst - oder zumindest seit dem dieses vermeintlich ungleiche Paar von der Sciencefiction entdeckt wurde: Neben bionischen Elitesoldaten (Universal Soldiers), existenzialistischen Materialschlachten in sterilen Digitalwelten (Matrix) und jeder Menge moderner Frankensteins konstruierte Stanley Kubrick in seinem Weltraum Epos „2001 – A Space Odyssey“ im Jahr 1968 einen Blick auf eine „menschenmäßige“ Maschine: Als der Astronaut Dave dem funktionsgestörten Supercomputer Hal nacheinander die Speichermodule herauszieht, scheint dieser sentimentale Züge anzunehmen, versucht Dave davon abzubringen und beginnt schließlich, kurz vor dem digitalen Herzstillstand, ein Kinderlied zu singen, welches ihm sein Programmierer „beigebracht“ hat. Auch wenn Dave weiß, dass Hal programmiert wurde, zweifelt er, bevor er Hal mit dem Herausziehen des letzten Moduls abschaltet.

Charlie Chaplins „Modern Times“ zeichnet hingegen den „maschinenmäßigen“ Menschen, der im Zeitalter der Industrialisierung am Fließband monotone Arbeiten verrichtet. Auf dem Hochpunkt des Filmes gerät Chaplin selbst in die gigantischen Zahnräder und zieht während seines Ritts in der Maschine wie hypnotisiert weiter die Schrauben an den Zahnrädern fest. Was zunächst eine Satire auf die Arbeitsbedingungen des damaligen Industriezeitalters war, ist zugleich eine Absage an einen Konsens zwischen Mensch und Maschine.

Norbert Bolz zeichnet in „Computer als Medium“1 eine Vision von einer Menschheit, die über eine Maschinen-Synergie im Verbund eines globalen Netzwerks zu einer Art gesamtheitlichen Weltgeist fusioniert. Die dafür benötigten Anforderungen an die Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine sieht Bolz in der Natur des Menschen erfüllt: Der Mensch sei nicht nur formalisierbar, sondern zeige ebenfalls maschinelle Verhaltensmuster. 

In dieser Seminararbeit nähere ich mich Norbert Bolz’ Mensch- und Netzwerk-Theorie aus einer technischen, biologischen und insbesondere neurologischen Perspektive. Zunächst wird ein kurzer Überblick über die Grundlagen elektronischer Netzwerken gegeben und Bolz’ Mensch/Maschine-Netzwerk vorerst auf eine rein technische Machbarkeit analysiert. Anschließend werden die Anforderungen an die Schnittstelle zwischen Mensch und Rechner einer Analyse auf der Grundlage biologischer und neurologischer Erkenntnisse unterzogen und sowohl strukturelle Gemeinsamkeiten zwischen neuronalen Netzen und elektronischer Netzwerken aufgezeigt. Wie eine Existenz und Kommunikation im Bolz’schen Netzwerk theoretisch aussehen könnte, soll anhand Norbert Bolz’ Theorie der algorithmischen Intelligenz erläutert werden.

Im letzten Teil der Seminararbeit folgt eine Auseinandersetzung mit der heutigen Mentalität seitens Konsument/innen im Umgang mit technischen Neuerungen und deren potentiellen Gefahren, um so einen Aufschluss über rechtliche und gesellschaftliche Perspektiven zu erhalten. Hier wird insbesondere auf die medienspezifischen Eigenschaften aktueller Kommunikationsmedien eingegangen. Abschließend wird die Theorie des maschinenmäßigen Menschen und des Netzwerks als seines neuen Lebensraums einer soziokulturellen, und, philosophischen, Betrachtung, unterzogen.

2 Das Netzwerk als neuer gesellschaftlicher Raum

2.1 Die netzwerktechnischen Perspektiven 2

Ein westeuropäischer Mensch wohnt für gewöhnlich in einem Haus, welches sich an einer Straße, in einer Gemeinde oder Stadt, einem Land und schließlich auf dem Planeten Erde befindet. Ähnlich dieser Struktur lässt sich auch die eines elektronischen Netzwerks verstehen. Der Mensch, oder besser: dessen digitale Repräsentation im Netz lässt sich wie eine Postadresse lesen. Der Rechner als Haus ist der Ausgangspunkt, welcher gegebenenfalls als Teil einer LAN3-Familie/Nachbarschaft, über Teilnetze einer Stadt, Gemeinde oder Region, Länderverbünde und schließlich über globale Netze, wie z.B. das Internet oder World Wide Web ebenso erreichbar wie mobil ist.

Nutzt der Mensch in der physischen Welt Straßen, Schienen, Wasser- und Luftwege zur Mobilität, um Güter oder sich selbst zu transportieren, dienen im Rechnernetzwerk Kupferkoaxial- und Glasfaserkabel sowie Satellitentechnik und für kleinere Sendegebiete beispielsweise Funknetze als Transportschicht. Auch wenn die in Nullen und Einsen gefassten Informationen einen immateriellen Wert darstellen, diese im Vergleich zu Transportern im Straßenverkehr keine Auffahrunfälle verursachen und dadurch beschädigt werden können, ist eine Reglementierung innerhalb des Netzwerks nötig.

[....]


1 Bolz 1994: 9-16.

2 Vgl. Gumm / Sommer 2000: 521-551.

3 Eine LAN (Local Network Area) ist ein räumlich begrenzter Verbund mehrer Rechner, z.B. ein Haus- oder Firmen-Netz.

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