Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Autor: Eleni Stefanidou
Fach: Germanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Details
Institution/Hochschule: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Tags: Literarische, Kommunikation, Neue, Medien, Texte, Medienumbrüche, Geisteswissenschaften
Jahr: 2000
Seiten: 27
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 10 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 247 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-42659-6
Die Arbeit befasst sich mit den Entstehungsvoraussetungen von Literatur im Mittelalter und ihrer Lebensbedeutsamkeit.
Textauszug (computergeneriert)
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Abteilung für ältere Germanistik
Thematisches Proseminar: Neue Medien und alte Texte:
Medienumbrüche in den Geisteswissenschaften
5. Semester
Literarische Kommunikation um 1200
von: Eleni Stefanidou
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 3
2. Bildung im Mittelalter Seite 4
3. Der Literaturbetrieb der höfischen Zeit Seite 6
3.1 Die Anfänge Seite 7
3.2 Gönner und Auftraggeber Seite 8
3.2.1 Literatur am Kaiserhof Seite 8
3.2.2 Das Mäzenatentum der Fürsten Seite 9
3.3 Dichter und Publikum
3.3.1 Die Epiker Seite 10
3.3.2 Die Minnesänger Seite 11
3.3.3 Das höfische Publikum Seite 11
3.4 Aufführung der Literatur
3.4.1 Höfische Epik Seite 12
3.4.2 Minnesang Seite 13
4. Die Lebensbedeutsamkeit der höfischen Literatur Seite 14
4.1 Höfische Epik Seite 15
4.1.1 Betroffensein Seite 15
4.1.2 Kommunikationsgemeinschaften Seite 18
4.2 Minnesang Seite 21
4.2.1 Minnesang als höfisches Zeremonialhandeln Seite 21
5. Zusammenfassung Seite 26
6. Literaturverzeichnis Seite 27
6.1 Hilfsmittel
1. Einleitung
Der Höhepunkt der Regierungszeit Kaiser Friedrich Barbarossas 1180 markiert den Beginn der Blütezeit der höfischen Dichtung. Bis zu seinem Regierungsantritt 1152 war Literatur fast ausschließlich den Geistlichen vorenthalten. Mit der Machtentfaltung des staufischen Kaisertums entwickelte sich eine eigenständige deutsche Kultur, die vom Adel getragen wurde. Damit war die Literatur adlige Standesdichtung, die der Repräsentation, z.B. bei Hoffesten, dient. Trotz der Bezeichnung „staufische Literaturepoche“ handelte es sich nicht um politische Dichtung, sondern um eine Standesdichtung, deren Aufgabe es war, das höfische Gesellschaftsideal zu transportieren. In dieser Arbeit soll zunächst dargestellt werden, wie, ausgehend von der Bildungssituation, ein neuer Typ von Texten aufkommen konnte, die hauptsächlich mündlich verbreitet wurden. Weitere Entstehungsvoraussetzungen finden sich im fürstlichen Mäzenatentum, durch das die materiellen Grundlagen für die Dichter geschaffen wurden. Die Rolle der Dichter und des Publikums sowie die Situation bei der Aufführung der Literatur sollen ebenfalls beleuchtet werden. Es folgt eine eingehende Darstellung über die Lebensbedeutsamkeit der Literatur. Bei den höfischen Romanen spielen das Betroffenmachen der Zuhörer und die Schaffung von Kommunikationsgemeinschaften eine große Rolle. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Frage nach der epischen Wahrheit gerichtet. Was den Minnesang anbetrifft, soll zunächst das Konzept der höfischen Liebe kurz vorgestellt werden. Des weiteren stellt sich der Minnesang als Teil des höfischen Zeremonialhandelns dar, was der Gruppe der unfreien Ministerialen das Teilhaben an der Herrschaftsausübung durch Repräsentation ermöglichte.
2. Bildung im Mittelalter
Das lateinische Begriffspaar litteratus – illitteratus gehörte zum Sprachgebrauch der mittelalterlichen Überlieferung und wird oft übersetzt mit gebildet – ungebildet. Die Begriffe sind aus dem antiken Latein übernommen. Die ursprüngliche Bedeutung von litteratus ist ‚schreib- und lesekundig’, illitteratus ist im Gegensatz dazu der Analphabet.1 Im Mittelalter mußte jedoch genauer zwischen diesen Begriffen differenziert werden, da sie zu der Zeit eine spezielle Bedeutung hatten. Es waren keine Extreme, sondern neutrale Begriffe, die man zur Charakterisierung der verschiedenen Stände heranziehen konnte. Litteratus bezeichnete das Mindestmaß an Bildung, nämlich Lese- und Schreibfähigkeit. Im Mittelalter besaßen dies bis ins 12. Jahrhundert fast ausschließlich die Kleriker und Mönche. Die Laien waren bis in die höchsten Gesellschaftsschichten illiterat, also Analphabeten. Litteratus bedeutete aber auch immer zugleich ‚lateinkundig’, da man nur am Latein lesen und schreiben lernen konnte. Bis ins 12. Jahrhundert hinein gab es nur vereinzelt volkssprachliche Literatur, fast die gesamte schriftliche Überlieferung war lateinisch. 2 So bezeichnete das Wort littera (Buchstabe, Geschriebenes, Literatur) die lateinische Sprache, was die alleinige Schriftsprache war. Eine nicht- lateinische Literatur wäre danach ein Widerspruch in sich gewesen. Daran kann man erkennen, was sich für ein großer Wandel mit dem Aufkommen der volksprachlichen Literatur vollzog.
Die Volkssprache konnte nur derjenige schreiben, der Latein schreiben konnte. Dies lernte man mit der grammatica, was die erste der sieben freien Künste war. 3 (Das waren die drei sprachlichen Künste Grammatik, Rhetorik und Dialektik und die vier mathematischen Künste Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik. Man bezeichnete sie als ‚freie Künste’, weil sie brotlose Künste und damit nur eines freien Mannes würdig waren. 4) Grammatica war zudem oft gleichbedeutend mit littera, bezeichnete demnach ebenfalls das Latein. Es gab die Ausdrücke grammatica loqui und littera loqui, was soviel hieß wie ‚lateinisch sprechen’.5 Ein ähnlicher Begriff wie illitteratus war idiota. Im Griechischen bezeichnete dieser Ausdruck den Privatmann, im Mittelalter war es derjenige, der nur seine Muttersprache beherrschte und damit auch Analphabet war. Im kirchenrechtlichen Sinn war mit idiota der Laie gemeint, da Lateinkenntnis bei den Klerikern Pflicht war.6 Nicht lesen zu können, schloß nicht aus, daß man dennoch gebildet sein konnte. Neben der literarisch- lateinischen Bildung gab es eine Laien- und Adelsbildung mit vielfältigen Traditionen, die nicht schriftlich, sondern mündlich weitergegeben wurden. Darunter fielen die Stoffe der Heldenepen sowie Recht und Brauchtum. Besonders die Heldensagen, die mit Beginn des geregelten Literaturbetriebs Ende des 12. Jahrhunderts verschriftlicht wurden, waren beim Adel sehr beliebt.7
Lesen und schreiben zu können, gehörte auch nicht zum hohen Bildungsideal der Stauferzeit. Allerdings gab es Ausnahmen lese- und lateinkundiger Adliger. Die lassen sich z.T. dadurch erklären, daß jemand für eine kirchliche Laufbahn bestimmt war und ausgebildet wurde, dann aber doch ins weltliche Leben zurückkehrte. Zum Bildungsideal der adligen Frauen gehörte jedoch ein gewisses Maß an Lateinkenntnissen, zumindest soviel, daß sie lateinische Gebete lesen konnten. 8 Dies wurde von den Männern nicht verlangt; selbst Herrscher blieben meist Analphabeten, was erst seit dem 12. Jahrhundert Kritik erregte. Kaiser und Könige hatten anderes Wissen und Können, das sie auszeichnete. 9 Das Begriffspaar litteratus – illitteratus stand im Mittelalter also nicht für die verschieden Bildungsgrade, sondern für verschiedene Bildungsweisen, die nebeneinander existierten. Und diese Bildungsformen verteilten sich – mit Ausnahmen – auf die verschiedenen Stände. Litterati waren die Kleriker, illitterati die Laien aller Gesellschaftsschichten. 10 Daher darf es nicht verwunderlich sein, daß die Mehrzahl der Herrscher Analphabeten waren. Es wird aber auch von Königen berichtet, die noch als Erwachsene lesen gelernt haben oder trotz fehlender Bildung an lateinischer Literatur interessiert waren, die sie sich in die eigene Sprache übersetzen und vorlesen ließen. Diese Zwischenformen der Bildung kann man nicht mehr eindeutig den Kategorien litteratus und illitteratus zuordnen. 11
3. Der Literaturbetrieb der höfischen Zeit
[...]
1 Vgl. Herbert Grundmann: Litteratus – illitteratus. Der Wandel einer Bildungsnorm vom Altertum zum Mittelalter, in: Archiv für Kulturgeschichte 40, 1958, S. 15.
2 Ebd., S. 3f.
3 Ebd., S. 4f.
4 Vgl. Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur, 7., verbesserte und erweiterte Auflage, Stuttgart 1989, S. 53.
5 Vgl. Grundmann, S. 5.
6 Ebd., S. 6ff.
7 Vgl. Joachim Bumke: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter, München 81997, S. 611f.
8 Vgl. Grundmann, S. 8f.
9 Ebd., S. 11ff.
10 Ebd., S. 13f.
11 Vgl. Bumke, S. 607ff.
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: